Mongolische Gazelle

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Mongolische Gazelle
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Gazellenartige (Antilopinae)
Gattung: Kurzschwanzgazellen (Procapra)
Art: Mongolische Gazelle
Wissenschaftlicher Name
Procapra gutturosa
(Pallas, 1777)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Mongolische Gazelle (Procapra gutturosa) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Kurzschwanzgazellen (Procapra). Im Englischen wird die Art Mongolian Gazelle oder Dzeren genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Fossile Funde, die der Gattung Procapra zugeordnet werden können, stammen ausschließlich aus pleistozäne Formationen. Die Funde stammen aus Asien. Man geht von einer engen Verbindung der Gattung mit den Vertretern der Gattung Gazella aus. Diese Wurzeln reichen bis ins obere Pliozän hinein. Zahlreiche pleistozäne Funde stammen aus den großen Sandregionen der Mongolei und den angrenzenden Regionen in Russland.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Mongolische Gazelle ist eine ausgesprochen große Antilope mit schlanke, aber kräftigen Beinen. Der Kopf ist groß und breit. Die Augen sind groß, die Iris ist dunkelbraun bis fast schwarz. Zwischen den Geschlechter zeigt sich ein deutlicher Dimorphismus. Weibchen erreichen eine Körperlänge von 41 (110 - 121) cm, eine Widerristhöhe von 54 bis 74 cm, eine Schwanzlänge von 9 bis 12 cm, eine Ohrlänge von 9,5 bis 12 cm, eine Schädellänge von 22,2 bis 25,1 cm sowie ein Gewicht von 20 bis 28 kg. Männchen erreichen eine Körperlänge von 56 (105 - 148) cm, eine Widerristhöhe von 62 bis 84 cm, eine Schwanzlänge von 9 bis 12 cm, eine Ohrlänge von 9,5 bis 12 cm, eine Schädellänge von 23,6 bis 26,3 cm sowie ein Gewicht von 24 bis 39 kg. Die leierförmigen Hörner sind dunkelgrau bis fast schwarz gefärbt. Sie erreichen eine Länge von 18 bis 18 cm. Der Durchmesser der Hörner weist eine ovale Form auf, im Bereich der Basis zeigt sich ein Durchmesser von 3,2 bis 4,0 mal 2,2 bis 3,3 cm. Die Anzahl der Ringe liegt typischerweise bei 16 bis 18, bei älteren Tieren auch bei 24 bis 26 Ringe. Distal sind die Hörner im Bereich der letzten 4 bis 6 cm glatt und rundlich. Die schwarzen Hufe erreichen eine Länge von 4,2 bis 5,4 cm sowie eine Breite von 2,8 bis 3,6 cm. Der Schwanz ist ventral nackt, dorsal mit dichten hellen Haar versehen. Das Winterfell weist eine sandgraue Färbung auf und ist mit 30 bis 50 mm sehr lang. Das Sommerfell ist mit 15 bis 25 mm deutlich kürzer. Es zeigt sich im Sommer eine gelblich-sandfarbene Färbung. Zum Fellwechsel kommt es zwischen Ende Mai und Juni sowie im Oktober. Das Gebiss besteht aus 32 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i0/3, c0/1, p3/3, m3/3 (Sokolov & Lushchekina, 1997).

Lebensweise

Mongolische Gazellen leben in Gruppen, die eine höchst unterschiedliche Größe aufweisen können. Einige Individuen leben einzelgängerisch, andere in großen Herden. Die Herden sind zur Zeit der Geburt der Kälber und während der Migration besonders groß. Zu dieser Zeit schließen sich meist kleinere Herden zu großen Herden zusammen. Eine Herdengröße von mehr als 10.000 Tiere ist keine Seltenheit. Etwa ein bis zwei Wochen nach dem Kalben der Weibchen brechen die großen Herden auseinander. Adulte Männchen leben einzelgängerisch verfügen während der Paarungszeit über ein eigenes Revier. Mongolische Gazellen leben polygam. Die Paarungszeit beginnt im späten November und reicht bis in den Dezember hinein. Zu dieser Zeit stoßen die Männchen zu den Herden mit Weibchen. Das Revier wird nun von den Männchen verteidigt. Dabei setzen sie vor allem ihre Hörner ein. In den Revieren verweilen die Männchen rund 2 bis 3 Wochen. Im Sommer beginnen Mongolische Gazellen mit dem Grasen kurz vor dem Sonnenaufgang. Die Nahrungsaufnahme kann sich über den ganzen Tag erstrecken. Während der warmen Mittagszeit ruhen die Tiere in hohem Gras oder unter Büschen und Bäumen. Im Winter grasen Mongolische Gazellen ganztägig. Mongolische Gazellen gehören zu den schnellsten Hornträgern. Sie erreichen leicht eine Spitzengeschwindigkeit von 60 bis 70 km/h. Diese Geschwindigkeit können die Tiere über eine Strecke von 12 bis 15 km beibehalten.

Verbreitung

Die Mongolische Gazelle ist in China, in der Mongolei und in Russland verbreitet. Die Vorkommen erstrecken sich im Wesentlichen über die östliche Mongolei, das nordwestliche China sowie die angrenzenden Regionen in Russland. Kleinere Populationen kommen auch in der zentralen und westlichen Mongolei vor. Eine kleine Population wurde in die Steppenregion im mittleren Westen der Mongolei umgesiedelt. Die Art lebt in trockenen Steppen, meist in Höhen von 800 bis 1.000 m über NN. Die Tiere legen außerhalb der Paarungszeit zum Teil weite Strecken auf der Suche nach Nahrung zurück.

Biozönose

Konkurrenz

der Wolf (Canis lupus)
vergrößern
der Wolf (Canis lupus)

In den weiten Steppen leben Mongolische Gazellen insbesondere in Nahrungskonkurrenz mit Wühlmäusen (Arvicolinae) der Art Lasiopodomys brandti.

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Mongolischen Gazelle gehören insbesondere der Wolf (Canis lupus). Aufgrund der Seltenheit der Wölfe im Verbreitungsgebiet der Gazellen spielt die Mortalität durch diesen Räuber nur eine untergeordnete Rolle. Jungtiere fallen gelegentlich kleineren Raubtieren zum Opfer. Hier sind insbesondere der Manul (Otocolobus manul), der Rotfuchs (Vulpes vulpes) und der Steppenfuchs (Vulpes corsac) sowie Greifvögel (Falconiformes) wie der Steinadler (Aquila chrysaetos), Milane (Milvus) und Bussarde (Buteo) zu nennen.

Parasiten

Bekannte Ektoparasiten sind beispielsweise die Larven von Dasselfliegen (Oestridae). Im Fell der Tiere wurden darüber hinaus auch Lausfliegen (Hippoboscidae) nachgewiesen. Weitere Ektoparasiten sind Milben (Acari, Acarida) der Gattung der Buntzecken (Dermacentor), die sich insbesondere in den Ohren und der Leistenregion ansiedeln. Die Tiere werden auch von zahlreichen Endoparasiten heimgesucht. Hier sind insbesondere Bandwürmer (Cestoda) der Gattung Echinococcus und Fadenwürmer (Nematoda) der Gattung der Trichinen (Trichinella) zu nennen. Echinococcus nistet sich in Lunge, Herz und Leber ein, Trichinen insbesondere in der Leber.

Ernährung

Mongolische Gazellen ernähren sich von etwa 21 verschiedenen Pflanzenarten. Es handelt im Wesentlichen um Federgräsern (Stipa) und einigen Lauch-Arten (Allium). Andere Futterpflanzen lassen sich Quecken (Elymus), Artemisia, Radmelden (Kochia), Schillergräsern (Koeleria) und Erbsensträucher (Caragana) zuordnen. Wasser ist für das Überleben der Mongolischen Gazellen nicht erforderlich. Grüne Futterpflanzen und junge Triebe decken den Wasserbedarf der Tiere. Ist Trinkwasser jedoch verfügbar, so wird dieses durchaus getrunken. Im Winter wird auch Schnee in kleinen Mengen gefressen.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Mongolischen Gazelle pflanzen sich erstmals im Alter von 17 bis 18 Monaten fort. Die Tragezeit erstreckt sich über einen Zeitraum von 6,5 bis 7 Monaten. Männchen (und zeitweise auch unfruchtbare Weibchen) halten sich im offenen Flachland auf. Fruchtbare Weibchen halten sich in hügeligen Steppen mit dichter Vegetation auf. Männchen und Weibchen treffen nur zur Paarungszeit aufeinander. Zur Geburt kommt es hier zwischen Mitte Juni und dem frühen Juli. Die dichte Vegetation reduzier die Mortalität der Kälber. Dies belegen 10jährige Observationen. Das Kalben erfolgt meist im Schutze der Herde. Rund 90% der Kühe gebären ein Kalb, 2,5 bis 8,2% der Kühe bringen Zwillinge zur Welt. Ein Jungtier weist ein Geburtsgewicht von 2,8 bis 3,0 kg sowie eine Körperlänge von 51 bis 56 cm auf. In der ersten Zeit halten sich die Kälber ausschließlich im Schutze hoher Bodenvegetation auf. Die Kälber entwickeln sich rasch. Bereits eine Stunde nach der Geburt können sie stehen. In den ersten Tage werden die Neugeborenen nur in den frühen Morgen- und Abendstunden von den Müttern gefüttert. Bereits in der zweiten Lebenswoche können Jungtiere auf der Flucht vor natürlichen Feinden eine Laufgeschwindigkeit von 40 bis 50 km/h erreichen. Zu diesem Zeitpunkt verlassen sie mit den Müttern die schützenden Plätze in dichter Vegetation. Mütter pflegen ihren Nachwuchs bis in den späten Herbst. Die Jungtiere nehmen bereits eine Woche nach der Geburt neben der Muttermilch die erste feste Nahrung zu sich. Die Mortalität bis in den ersten Herbst liegt bei etwa 20%. Die adulte Größe wird im Alter von gut 11 Monaten erreicht.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Mongolische Gazellen gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art in der Kategorie LC, Least Concern geführt. Die größte Bedrohung geht von der illegalen Bejagung aus. Bei der einheimischen Bevölkerung ist das Fleisch und das Fell begehrt. Insbesondere in der Mongolei haben die Wilderer kaum Kontrollen durch das Gesetz zu befürchten. Für eine teils erhöhte Mortalität durch Krankheitsausbrüche und strenge Winter. Die neue Eisenbahn zwischen der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar und der chinesischen Hauptstadt Peking hat das Verbreitungsgebiet weitflächig zerschnitten. Die Eisenbahnstrecke ist doppelt eingezäunt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge