Mopsfledermaus

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Mopsfledermaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Überfamilie: Glattnasenartige (Vespertilionoidea)
Familie: Glattnasen (Vespertilionidae)
Unterfamilie: Eigentliche Glattnasen (Vespertilioninae)
Gattung: Mopsfledermäuse (Barbastella)
Art: Mopsfledermaus
Wissenschaftlicher Name
Barbastella barbastellus
Schreber, 1774

IUCN-Status
Vulnerable (VU) - IUCN

Die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), die in Abgrenzung zur östlichen Art auch Westliche Mopsfledermaus genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Glattnasen (Vespertilionidae) zur Gattung der Mopsfledermäuse (Barbastella). Im Englischen wird die Art Western Barbastelle genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Es besteht Verwechselungsgefahr mit der Östlichen Mopsfledermaus (Barbastella leucomelas). Diese Art ist jedoch ein wenig größer als die Mopsfledermaus.

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Fossile Funde aus der Gattung der Mopsfledermäuse (Barbastella) stammen aus dem Pleistozän und dem frühen Holozän. Fossilien liegen aus weiten Teilen Europas vor. Die ältesten fossilen Funde der Mopsfledermaus wurde in Rumänien, Ungarn und Tschechien nachgewiesen. Die Funde stammen aus dem unteren Pleistozän. Funde aus dem mittleren und späten Pleistozän stammen aus Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, Bulgarien, Tschechien und dem ehemaligen Jugoslawien. Funde aus dem frühen Holozän stammen aus ganz Europa, insbesondere dem westlichen und zentralen Teil Europas. Zu den heute ausgestorbenen pleistozänen Arten zählen Barbastella schadleri (gefunden in der Drachenhöhle in Österreich) und Barbastella rostrata (gefunden in Tarkö in Ungarn). <1>

Beschreibung

Aussehen, Maße und Anatomie

Die mittelgroße, schlank und zierlich gebaute Mopsfledermaus erreicht eine Körperlänge von 4,5 bis 6,0 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 3,6 bis 5,2 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 24,5 bis 28,0 Zentimeter, eine Vorderarmlänge von 3,1 bis 4,3 Zentimeter, eine Ohrlänge von 1,18 bis 1,83 Zentimeter, eine condylobasale Schädellänge von 1,24 bis 1,41 Zentimeter sowie en Gewicht von 5,6 bis 13,7 Gramm. Männchen bleiben nur unwesentlich kleiner und leichter als Weibchen. Das Fell weist eine dunkelbraune bis schwarzbraune, zuweilen auch schwarze Färbung auf. Ventral zeigt sich eine meist dunkelgraue Färbung. Die Haare im Bereich des Rückens weisen eine Länge von 7 bis 8 Millimeter und einen Durchmesser von 15,5 µm auf. Die unbehaarten Hautstellen im Gesicht sind schwarz gefärbt. Die Ohren sind kurz und breit, sie ziehen sich oberhalb der Augen bis in den Stirnbereich und weisen ebenfalls eine schwarze Färbung auf. Im Stirnbereich berühren sich die beiden Ohren. Die Flügel sind breit, jedoch spitz zulaufend. Die Flugmembran (Patagium) setzt sich bis zum Schwanz fort. Sie ist im Bereich der Flügel graubraun bis schwarzbraun gefärbt. Der Schädel ist relativ leicht gebaut. Er zeichnet sich durch einen ziemlich langen und rundlich geformten Hirnschädel sowie einer kurzen Schnauze (Rostrum, knöcherner Teil der Schnauze). <2> <10>

Mopsfledermäuse orientieren sich durch Echolokation. Die Frequenzbereiche liegen zwischen 20 und 30 kHz und im Bereich von 60 kHz. Aktive Mopsfledermäuse weisen eine rektale Körpertemperatur von 36,2 bis 37,7 Grad auf. Die Stoffwechselrate (Grundumsatz) liegt im aktiven Zustand bei einer Körpertemperatur von 37 Grad und einer Außentemperatur von 19 bis 20 Grad bei 4,9 bis 16,3 cm³ O2 g-1 h-1. In der Starre beträgt der Grundumsatz lediglich 0,2 cm² O2 g-1 h-1. Das Herz weist ein Gewicht von 0,11 Gramm auf. Dies entspricht 1,25 Prozent des Körpergewichtes. Das Blut der Tiere hat im Winter und im Frühjahr einen Hämoglobinlevel von 90 bis 130 Prozent. Es enthält 11,7 bis 15,9 x 103 Erythrozyten/mm³ (rote Blutkörperchen) und 2,0 bis 4,6 x 103 Leukozyten/mm³ (weiße Blutkörperchen). Mopsfledermäuse verfügen über 34 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i2/3, c1/1, p2/2, m3/3. Die Zähne sind insgesamt eher klein. P2 ist sehr klein und wird meist von P4 überdeckt. Mopsfledermäuse verfügen über 37 Wirbel, die sich in 7 Halswirbel (Cervical vertebrae), 11 Brustwirbel (Thoracic vertebrae), 5 Lendenwirbel (Lumbar vertebrae), 4 Kreuzbeinwirbel (Sacral vertebrae) und 10 Steißbeinwirbel (Coccygeal vertebrae) gliedern. Der Penisknochen (Baculum) der Männchen erreicht eine Länge von 0,76 bis 0,85 Millimeter. <3> <11>

Lebensweise

In den nördlichen Regionen des Verbreitungsgebietes halten die nachtaktiven Mopsfledermäuse eine relativ lange Winterruhe, die sich vom späten September bis in den April hineinzieht. In Mitteleuropa erstreckt sich die Winterruhe von November bis März. In den mediterranen Regionen ist die Winterruhe deutlich kürzer. Zur Winterruhe ziehen sie sich in Kellergewölbe, Höhlen, Minen oder an ähnlich geschützten Orten zurück. Aber auch verlassene Häuser dienen mitunter als Unterschlupf. Für gewöhnlich liegt die Temperatur in den Unterschlüpfen zwischen 0 und 5 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit liegt zwischen 75 und 90 Prozent. Temperaturschwankungen in den Unterschlüpfen zwischen -6 und +9,5 Grad stellt für die Tiere kein Problem dar. Temperaturen von weniger als -16,5 Grad Celsius sind letal (tödlich). Die Kolonien in den Wintequartieren weisen eine Größe von einigen Dutzend bis zu einigen Hundert Tieren auf. Während der Winterruhe verlieren Weibchen bis zu 30 Prozent ihres Körpergewichtes, Männchen sogar bis zu 37 Prozent.

Außerhalb der Winterruhe nutzen Mopsfledermäuse auch Kirchtürme, Baumhöhlen und ähnliches als Schlafplatz. Die Schlafplätze werden meist regelmäßig gewechselt, nicht selten sogar täglich. Die Männchen leben außerhalb der Paarungszeit meist einzelgängerisch und schlafen auch am Tage allein. Eher selten schließen sich die Männchen kleineren Kolonien an. Die Weibchen leben mit ihrem Nachwuchs in kleinen Kolonien. Die Tiere unternehmen zum Teil weite Wanderungen. In Zentraleuropa würden Wanderungen über 145 bis 290 Kilometer nachgewiesen. Mopsfledermäuse gelten als gute und gewandte Flieger. Sie fliegen für gewöhnlich in Höhen von 4 bis 5 Metern über dem Erdboden. <4> <12>

Verbreitung

Die Mopsfledermaus ist in Europa verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich vom südwestlichen Wales und dem nordwestlichen England, über dem südöstlichen Norwegen, dem südlichen Schweden, südlich bis nach Südeuropa, östlich bis nach Weißrussland und der zentralen Ukraine, südöstlich bis zum Kaukasus. Im östliches Kaukasus überschneidet sich das Verbreitungsgebiet der Mopsfledermaus mit dem der Östlichen Mopsfledermaus (Barbastella leucomelas). Im Flachland ist die Mopsfledermaus in der Regel abwesend. Besiedelt werden überwiegend Höhenlagen. Ansonsten ist die Art in Italien südlich von Calabrien, in den alpinen Regionen Spaniens, in Serbien und Kroatien, Griechenland und in der nordöstlichen Türkei nicht anzutreffen. Die Balearen im Mittelmeer werden jedoch besiedelt. Kleinere Populationen leben auch im Atlas in Marokko und auf den Kanarischen Inseln insbesondere auf Teneriffa und La Gomera. Je nach Verbreitungsgebiet sind Mopsfledermäuse in Hochlagen bis in Höhen von gut 2.000 Metern über NN anzutreffen. In den Pyrenäen auch bis in einer Höhe von 2.260 Meter über NN. <5>

Biozönose

Prädator: der Steinmarder (Martes foina)
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Prädator: der Steinmarder (Martes foina)

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Mopsfledermäuse zählen insbesondere die Schleiereule (Tyto alba), die Waldohreule (Asio otus), der Raufußkauz (Aegolius funereus), der Waldkauz (Strix aluco) und der Uhu (Bubo bubo). Unter den Säugetieren (Mammalia) stellt der Steinmarder (Martes foina) den Tieren in ihren Winterquartieren oder Schlafplätzen nach. Aufgrund der nachtaktiven Lebensweise fallen jedoch nur wenige Mopsfledermäuse Fleischfressern zum Opfer. Man geht von einer Verlustrate durch Prädatoren von etwa 3 Prozent aus. <6>

Parasiten

Mopsfledermäuse werden von zahlreichen Ektoparasiten befallen. Hier sind beispielsweise Milben (Acari), Flöhe (Siphonaptera) und Fledermausfliegen (Streblidae) zu nennen. Weibchen sind in der Regel mehr von Ektoparasiten befallen als Männchen. An Endoparasiten treten hauptsächlich parasitische Würmer in Erscheinung. Dies sind Saugwürmer (Trematoda), Bandwürmer (Cestoda) und Fadenwürmer (Nematoda). Mitunter werden auch bakterielle Erkrankungen durch Bakterien der Gattung Grahamella hervorgerufen. Auch parasitierende Protozoen wie Babesien (Babesia) treten häufig auf; diese werden durch Schildzecken (Ixodidae) übertragen. <7>

Ernährung

Mopsfledermäuse sind eifrige Insektenjäger. Weit oben auf der Speisekarte stehen beispielsweise Echte Motten (Tineidae) und Wurzelbohrer (Hepialidae) wie Große Hopfen-Wurzelbohrer (Hepialus humuli). Aber auch zahlreiche Arten von Mücken (Nematocera) werden bevorzugt gefressen. Regional und nach Verfügbarkeit ernähren sich die Tiere auch von Schnaken (Tipulidae), Zuckmücken (Chironomidae), Stechmücken (Culicidae), Kriebelmücken (Simuliidae), Haarmücken (Bibionidae), Schmeißfliegen (Calliphoridae) und Echte Fliegen (Muscidae). Zu einem kleineren Teil oder nur lokal stehen auch Köcherfliegen (Trichoptera), Schnabelkerfe (Hemiptera) und Netzflügler (Neuroptera) auf der Speisekarte. Selbst Webspinnen (Araneae) und Milben (Acari) werden nicht verschmäht. Die Nahrungssuche erfolgt ausschließlich in der Nacht. <8>

Fortpflanzung

Mopsfledermäuse erreichen die Geschlechtsreife gegen Ende des ersten Lebensjahres. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Regionen nach der Winterruhe. In einigen Fällen kann es auch zur Paarung vor der Winterruhe kommen. In diesen Fällen kommt es während der Winterruhe zu einer Keimruhe. Die embryonale Entwicklung setzt erst im Frühjahr ein. Zu den Geburten kommt es in Mitteleuropa zwischen Mai und August. Die Wurfgröße liegt zwischen 1 und 2 (1) Jungtiere. Sie wachsen sehr schnell heran und haben bereits nach 8 bis 9 Wochen die adulte Größe erreicht. Kaum 50 Prozent der Mopsfledermäuse erreichen ein Alter von 1,5 bis 2 Jahren. Nur unter sehr güstigen Bedingungen kann ein Alter von 7 bis 10 Jahren erreicht werden. Studien in Winterquartieren haben ergeben dass durchschnittlich 61 Prozent der Tiere ein Alter von weniger als einem Jahr aufweisen. 29 Prozent hatten ein Alter von 1,5 Jahren, nur 11 Prozent ein Alter von 2,5 Jahren. Untersuchungsgegenstand war eine Winterkolonie mit 28 Tieren. Das höchste nachgewiesene Alter einer Mopsfledermaus betägt 23 Jahre. <9> <13>

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Mopsfledermaus zählt in Europa heute zu den bedrohten Fledermausarten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als gefährdet (VU, Vulnerable) geführt. Der Populations-Trend ist negativ. Daher ist mit einem weiteren Rückgang der Populationen zu rechnen. Die Hauptursachen für die Gefährdung sind vor allem im Verlust an Winterquartieren und Schlafplätzen zu suchen. Im Zuge der weitreichenden Urbanisierung, Modernisierung und Versiegelung von Lebensraum finden die Tiere kaum noch adäquate Unterschlüpfe. Ein weiteres Problem stellt die Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden in der Landwirtschaft dar. Die Gifte werden über die Nahrung aufgenommen und gelangen so in den Körper der Tiere.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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