Berghüttensänger

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Berghüttensänger

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Teilklasse: Neoaves
Parvklasse: Passerae
Überordnung: Passerimorphae
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Überfamilie: Muscicapoidea
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterfamilie: Eigentliche Drosseln (Turdinae)
Gattung: Hüttensänger (Sialia)
Art: Berghüttensänger
Wissenschaftlicher Name
Sialia currucoides
Bechstein, 1798

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Berghüttensänger (Sialia currucoides) zählt innerhalb der Familie der Fliegenschnäpper (Muscicapidae) zur Gattung der Hüttensänger (Sialia). Die englische Bezeichnung des Berghüttensängers lautet Mountain Bluebird. Die Art ist monotypisch, demnach existieren keine Unterarten. Der Berghüttensänger ist der Wappenvogel der US-Bundesstaaten Idaho und Nevada.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Berghüttensänger ist eine kleine Drossel (Turdinae) und weist einen spindelförmigen Körper und lange Flügel auf. Er erreicht eine Körperlänge von etwa 16 bis 20 Zentimeter, eine Flügelspannweite 25 bis 31 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 30 Gramm. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht ein etwas minimaler farblicher Dimorphismus. Bei dem Männchen sind der Kopf und der Rücken von türkis-blauer Färbung. Die Brust ist etwas heller getönt. Die Flügeldecken und der Schwanz sind dunkel gefärbt. Der Bauch und die Schwanzunterdecken weisen eine weißliche Tönung auf. Das Weibchen zeigt eine graue oder braune Unterseite und weißlich getönte Unterschwanzdecken, während der Schwanz selbst eine bläuliche Färbung aufweist. Das Männchen ist mit den anderen Arten aus der Gattung der Hüttensänger (Sialia) kaum zu verwechseln. Dagegen kann das Weibchen mit den zwei Arten aus derselben Gattung der Hüttensänger (Sialia) mit dem Blaukehl-Hüttensänger (Sialia mexicana) und mit dem Rotkehl-Hüttensänger (Sialis Sialis) leicht verwechselt werden. Das Weibchen des Berghüttensängers unterscheidet sich aber durch das Fehlen der kastanienbraunen Färbung auf der Brust, während bei den anderen zwei Arten die kastanienbraune Tönung auf der Brust vorhanden ist. Im Herbst weist das Weibchen in ihrem Schlichtkleid eine rötlich gefärbte Kehle auf. Auch die Brust ist rötlich getönt. Die Flanken sind dann eher kastanienbraun gefärbt. Der Gesang ist eine kurze Serie von schnarchenden Pfeiflauten. Dagegen klingt der Ruf eher musikalisch und man hört ein leises nasales "tiou".

Berghüttensänger
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Berghüttensänger

Lebensweise

Ende des Sommers bilden die Familiengruppen kleine organisierte Trupps. In dem Maße wie der Herbst sich nähert, werden die effektivsten Vögel dieser Trupps immer nervöser und beginnen dann in Richtung Süden zu ziehen. Manchmal schließen sie sich anderen größeren Trupps an, die sich aus Blaukehl-Hüttensängern (Sialia mexicana), Sperlingen (Passeridae) und den Ammern (Emberizidae) zusammensetzen. Der Berghüttensänger zeigt ein stark ausgeprägtes Wanderverhalten. Die Trupps ziehen zum Teil in die großen Ebenen, die mehr im Osten liegen und einige Individuen verirren sich manchmal bis zur Atlantischen Küste. Während des Winters, obwohl sie gegenüber niedrigen Temperaturen sehr widerstandsfähig sind, ziehen sie doch in geringere Höhen. Das Ausmaß der Migration steht besonders mit der Verfügbarkeit an Nahrung wie zum Beispiel Beeren und mit mehr oder weniger dem strengen Winter in engem Zusammenhang.

Verbreitung

Der Berghüttensänger besetzt einen Lebensraum, der zum Teil im Westen von Nordamerika, im Südwesten Alaskas und bis zum Zentrum von Mexiko zergliedert ist. Er brütet in offenen bewaldeten Zonen, an Waldrändern, an Stellen, wo das Gras nicht zu hoch steht und wo die Sträucher nicht zu zahlreich vorkommen.
Berghüttensänger
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Berghüttensänger
Er meidet Zonen mit hohem Grasbewuchs, zweifellos, um den natürlichen Fleischfressern zu entkommen. Bevorzugt werden vor allem von den Berghüttensängern brandgerodete Flächen, besonders von jenen, die in diesem Gebiet aufgewachsen sind. Sie schätzen ebenfalls die Wiesen, auf denen sie eine große Anzahl Bäume vorfinden, die schon halb abgestorben sind. Zusätzlich zu den brandgerodeten Flächen bilden die bewaldeten Zonen einen angemessen Lebensraum und werden somit oft benutzt. Des weiteren bewohnen sie auch gebirgige Regionen, die sich in Höhen bis zu 3.800 Meter befinden.

Ernährung

Der Berghüttensänger besitzt ein ziemlich umfangreiches gemischtes Nahrungsspektrum, das sich aus Insekten (Insecta) und aus Beeren zusammensetzt. Die Insekten (Insecta) stellen allerdings einen wichtigeren Teil in seiner Nahrung dar als die der anderen Drosseln (Turdinae) und der Fliegenschnäpper (Muscicapidae). Der Berghüttensänger jagt ausgehend von einer Sitzwarte, von wo aus er seine Beute erspäht und sich blitzschnell dann auf die Beute fallen läßt. Er ist ebenfalls fähig, den stationären Flug zu praktizieren, um die Beutetiere besser zu entdecken und sie dann zu erhaschen. Während des Winters wird die Suche nach Früchten, Beeren und auch nach Pflanzen in Trupps durchgeführt.

Fortpflanzung

Die Männchen kommen im allgemeinen als erste zu den Brutplätzen. Sie wählen eine natürliche Baumhöhle, ein altes verlassenes Nest oder eine Spalte in einem Felsen. Wenn die Weibchen ankommen, verdoppeln die Männchen ihre Aktivität, fliegen wie von Sinnen schreiend im Territorium hin und her, um die Aufmerksamkeit der Weibchen auf sich zu lenken. Wenn sich ein Paar gefunden hat, unternimmt das Weibchen den Nestbau, das mit pflanzlichen Fasern und Baumrinde konstruiert wird, während das Männchen das Revier und das Weibchen bewacht.
Juvenile Berghüttensänger
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Juvenile Berghüttensänger
Die Paare nisten getrennt, was die Weibchen aber nicht daran hindert, die Nester mit einer geringen Distanz nebeneinander anzusiedeln.

Das Weibchen legt vier bis sieben Eier in das Nest. Die Eier werden etwa dreizehn Tage lang nur von dem Weibchen gewärmt. Nach dem Schlupf werden die Küken von dem Männchen mit reichlich Nahrung in Form von Insekten (Insecta) versorgt. Wenn die Küken das Alter von 22 oder 23 Tagen erreicht haben, verlassen sie das Nest. Aber sie bleiben noch weitere zwei Monate bei den Altvögeln. Es kommt manchmal vor, dass das Paar eine zweite Brut während der Saison beginnt.

Gefährdung und Schutz

Der Berghüttensänger gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd von über 4.400.000 Quadratkilometern. Die globale Population wird auf etwa 5.200.000 Berghüttensänger (Rich et al. 2003) geschätzt. Der Berghüttensänger ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird der Berghüttensänger als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts hat die Art eine starke Expansion in Anbetracht der massiven Abholzung der Wälder und der Futterknappheit erlebt. Aufgrund der Urbarmachung durch Brandrodungen und durch Abholzung bestimmter Regionen zeigte sich ein vorübergehender Rückgang dieser Art. Heute scheint die Population stabil zu sein. Der Berghüttensänger scheint weniger gelitten zu haben als andere Arten, die dem harten Konkurrenzkampf um Nistplätze und Nahrung mit den Staren (Sturnidae) oder mit anderen eingeführten Vogelarten nicht gewachsen waren. Die Einrichtung von Nistkästen kann in ihren Lebensräumen dazu beigetragen haben, dass die Populationen sich einer guten Gesundheit erfreuen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. hc Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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