Myanmar-Leierhirsch

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Myanmar-Leierhirsch

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)
Gattung: Edelhirsche (Cervus)
Art: Leierhirsch (Cervus eldii)
Unterart: Myanmar-Leierhirsch
Wissenschaftlicher Name
Cervus eldii thamin
Thomas, 1918

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Myanmar-Leierhirsch (Cervus eldii thamin) ist eine Unterart des Leierhirsch (Cervus eldii) und zählt innerhalb der Familie der Hirsche (Cervidae) zur Gattung der Edelhirsche (Cervus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Myanmar-Leierhirsch erreicht eine Körperlänge von 150 bis 175 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 115 bis 125 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 20 bis 30 Zentimeter sowie ein Gewicht von 80 bis 150 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Das Fell ist graubraun bis rotbraun gefärbt. Die Kehle, der obere Teil des Halses, das Innere der Ohren, die Bauchseite und teilweise die Innenseite der Extremitäten sind weißlich bis cremefarben gefärbt. Die großen trichterartigen Ohren sitzen weit hinten am Kopf. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal neben der Größe sind die Geweihe der Männchen. Jede Seite des Geweihes endet in zwei Enden. Ein Teil des Geweihes verläuft im großen Bogen nach hinten, der vordere, kleinere Teil verläuft in einem Bogen nach vorne. Die Geweihe werden nach der Brunftzeit abgeworfen und wachsen jedes Jahr nach. Weibchen verfügen über keine Geweihe.

Verhalten

Myanmar-Leierhirsche leben überwiegend einzelgängerisch und sind vorzugsweise in der Dämmerung oder in der Nacht aktiv. Lediglich Weibchen und deren Nachwuchs leben in kleinen Gruppen. Die Gruppen umfassen in der Regel um die zehn, selten auch bis 20 Tiere. Nur selten bilden sich größere Gruppen. Dies dient in erster Linie zum Schutz vor Raubtieren. Die einzelgängerisch lebenden Männchen treffen nur während der Paarungszeit auf Herden mit Weibchen. Während der Paarungszeit kommt es unter den Hirschen zu rivalisierenden Kämpfen, in denen um das Paarungsrecht mit den Weibchen einer Herde gefochten wird. Myanmar-Leierhirsche wandern nur wenig. Nur bei der Nahrungssuche und während der Paarungszeit kommt es zu kleineren Wanderungen. Die Reviere umfassen meist eine Größe von fünf bis fünfzehn Quadratkilometer. Markiert wird ein Revier durch Sekrete aus Geruchsdrüsen, die sich insbesondere an den Extremitäten befinden. Aber auch Urin dient durchaus der Reviermarkierung.

Verbreitung

Der Myanmar-Leierhirsch ist in Teilen Südostasiens verbreitet. Er ist insbesondere in Myanmar und Thailand anzutreffen. Myanmar-Leierhirsche leben vorzugsweise in tropischen und subtropischen Sekundärwäldern, deren Ränder, in bewaldeten Flusstälern und Auenwäldern. Auch saisonal überflutete Sumpfgebiete gehören durchaus zu ihrem Lebensraum. In der Nähe des Menschen trifft man sie nicht selten auch auf landwirtschaftlichen Flächen an. Hier sind sie allerdings keine willkommenen Gäste, da insbesondere Getreidefelder heimgesucht und teilweise verwüstet werden.

Prädatoren

In den natürlichen Verbreitungsgebieten zählen insbesondere Tiger (Panthera tigris) und Leoparden (Panthera pardus) zu den natürlichen Hauptfeinden. Rothunde (Cuon alpinus) und Goldschakale (Canis aureus) reißen hin und wieder Kälber. Zum Schutz vor Fressfeinden finden sich Myanmar-Leierhirsche gelegentlich zu größeren Gruppen zusammen. Der Hauptfeind ist und bleibt aber der Homo sapiens.

Ernährung

Auf Nahrungssuche gehen Myanmar-Leierhirsche vor allem nachts, in der Zeit zwischen der Abend- und Morgendämmerung. Myanmar-Leierhirsche leben rein vegetarisch und ernähren sich von Gräsern und Kräutern, jungen Trieben, Laub, Beeren, Waldfrüchten und Wurzeln. Im Winter kann es auch vorkommen, dass sie die Rinde von vereinzelten Laubbäumen schälen. In der Nähe des Menschen lassen sich Myanmar-Leierhirsche auch Getreide und Reis schmecken. Saisonal kann es bei der Nahrungssuche zu Wanderungen kommen.

Fortpflanzung

Der Myanmar-Leierhirsch erreicht die Geschlechtsreife mit gut zwei Jahren. Männchen kommen zumeist erst sehr viel später zu ihrer ersten Paarung, da sie als zweijährige nicht in den rivalisierenden Kämpfen bestehen könnten. Das Paarungsrecht mit einer Weibchenherde beanspruchen nur siegreiche Hirsche. Die Lebensweise kann als polygam bezeichnet werden, da sich ein Hirsch mit allen Weibchen einer Herde paart. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Verbreitungsgebieten von Januar bis Mai. Nach der Brunftzeit werfen die Hirsche ihre Geweihe ab. Sie wachsen im Laufe eines Jahres wieder nach. Nach einer Tragezeit von 250 bis 270 Tagen bringt ein Weibchen an einer geschützten Stelle ein, selten zwei Jungtiere zur Welt. Die meisten Jungtiere werden zwischen Oktober und November geboren. Die Jungtiere weisen ein Gewicht von knapp fünf bis sechs Kilogramm auf. Bereits kurz nach der Geburt können die Jungtiere stehen und der Mutter folgen. Die Säugezeit erstreckt sich über gut fünf bis sechs Monate. Die weiblichen Jungtiere bleiben zumeist in ihrer Geburtsgruppe, die Männchen verlassen die Gruppe mit Erreichen der Geschlechtsreife. Die Lebenserwartung in Freiheit beträgt etwa zehn bis vierzehn Jahren. In Gefangenschaft ist auch ein Alter von über 18 Jahren möglich.

Gefährdung, Schutz

Der Myanmar-Leierhirsch gehört heute noch nicht zu den gefährdeten Hirschen (Cervidae). Die Unterart an sich wird in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Um die anderen beiden Unterarten steht es deutlich schlechter. Der Thailand-Leierhirsch (Cervus eldii siamensis) ist mittlerweile stark gefährdet (Endangered). Am schlechtesten steht es um die Nominalform, dem Manipur-Leierhirschen (Cervus eldii eldii), er gilt als kritisch gefährdet (CR, Critically endangered). Der Myanmar-Leierhirsch wird auch heute noch sehr stark bejagt. Zum einen dient das Fleisch der Versorgung der Bevölkerung, zum anderen landen Teile des Myanmar-Leierhirsches in der traditionellen Chinesischen Medizin. Wilderer (Jäger) stellen den Tieren wegen der Trophäe nach. Aber auch die weitflächige Vernichtung der natürlichen Lebensräume hat zu dem starken Rückgang der Populationen beigetragen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

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