Nördliche Kurzschwanzspitzmaus

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Nördliche Kurzschwanzspitzmaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Rotzahnspitzmäuse (Soricinae)
Gattung: Kurzschwanzspitzmäuse (Blarina)
Art: Nördliche Kurzschwanzspitzmaus
Wissenschaftlicher Name
Blarina brevicauda
Say, 1823

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Nördliche Kurzschwanzspitzmaus (Blarina brevicauda) zählt innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae) zur Gattung der Kurzschwanzspitzmäuse (Blarina).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Nördliche Kurzschwanzspitzmaus erreicht eine Körperlänge von 75 bis 110 Millimeter, eine Schwanzlänge von 20 bis 30 Millimeter sowie ein Gewicht von 20 bis 30 Gramm. Weibchen bleiben ein wenig kleiner und leichter als Männchen.
vergrößern
Das sehr dichte und wollig wirkende Fell weist eine gräuliche Färbung auf. Ventral ist das Fell meist hellgrau bis cremefarben gefärbt. Der Kopf ist ausgesprochen groß und läuft zur Schnauze hin spitz zu und endet in einer rosafarbenen Nasenspitze. Die Augen sind sehr klein, die Ohren liegen im Fell verborgen. Die Nasenspitze ist äußerst beweglich, im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Vibrissen, die der Orientierung dienen. Die kurzen, aber durchaus kräftigen Beine enden in Zehen, die mit kleinen Krallen versehen sind. Nördliche Kurzschwanzspitzmäuse sind im wesentlichen nacht- und dämmerungsaktiv. Darauf lassen auch ihre sehr kleinen Augen schließen.

Verhalten

Nördliche Kurzschwanzspitzmäuse verbringen die Hauptzeit ihres Lebens unter der Erde, wo sie unentwegt Gänge und Kammern graben. Die Gänge können dabei knapp unter der Erdoberfläche verlaufen oder auch in Tiefen von 50 oder 60 Zentimeter. Die Gänge in unterschiedlichen Tiefen sind durch Zwischenstollen miteinander verbunden. An die Erdoberfläche kommen sie nur zur Nahrungssuche. Eine Winterruhe wird trotz der nördlichen Lage der Verbreitungsgebiete nicht gehalten. Die Mäuse bleiben demnach auch im Winter aktiv. Nördliche Kurzschwanzspitzmäuse leben einzelgängerisch, die Geschlechter treffen sich nur zu Paarung. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich ausschließlich das Weibchen. Es werden kleinere Reviere bewohnt, die vor allem durch Männchen mit einem moschusartigen Sekret aus Körperdrüsen markiert werden. Das Sekret dient auch der Abschreckung von Fressfeinden.

Verbreitung

vergrößern

Die Nördliche Kurzschwanzspitzmaus ist in nördlichen Teilen Nordamerikas weit verbreitet. Das Verbreitungsgebiet reicht hier von Alaska, über weite Teile Kanadas bis in die nördlichen Bundesstaaten der USA. Die Tundra, Sumpfgebiete, Graslandschaften, Waldränder sowie landwirtschaftliche Flächen gehören zu den bevorzugten Lebensräumen der Nördlichen Kurzschwanzspitzmaus. Auch Hecken, Gärten und Parks werden regelmäßig besiedelt. Im Winter ziehen sich die Tiere in ihre Erdbauten zurück, halten aber keine Winterruhe. Hier bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt. In der Nähe des Menschen suchen sie auch in Stallungen und anderen menschlichen Behausungen Schutz vor Kälte.

Prädatoren

Die Nördliche Kurzschwanzspitzmaus steht auf der Speisekarte einer Reihe von Raubvögeln und räuberisch lebender Säugetiere. Zu den üblichen Verdächtigen gehören unter anderem die Schleiereule (Tyto alba), der Merlin (Falco columbarius), der Mauswiesel (Mustela nivalis), der Rotfuchs (Vulpes vulpes), der Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus) und der Kojote (Canis latrans). In den südlichen Verbreitungsgebieten gelten auch einige Schlangenarten als Fressfeinde. Nördliche Kurzschwanzspitzmäuse sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Dies ist eine Anpassung an die Vielzahl an Fressfeinden, denen sie so zum Teil entgehen können. Tagsüber halten sich die Tiere in ihren schützenden Bauten auf. Über Körperdrüsen scheiden sie zudem einen moschusartigen Geruch ab, der einige Räuber abschrecken kann.

Mensch und Nördliche Kurzschwanzspitzmaus

Nördliche Kurzschwanzspitzmäuse gelten in hohem Maße als nützliche Tiere, da sie Unmengen an Schadinsekten und andere schädliche Tiere wie Schnecken vertilgen können. Daher werden sie in der Nähe des Menschen, insbesondere auf landwirtschaftlichen Flächen und Gärten, durchaus geschätzt. Selbst in Scheunen und Stallungen sind diese Spitzmäuse häufig anzutreffen.

Toxikologie

Die Toxikologie ("Giftkunde") befasst sich mit dem Gift der Nördlichen Kurzschwanzspitzmaus. Dieses wird in Drüsen im Unterkiefer produziert. Die Gitdrüsen münden zwischen den Vorderzähnen und geben die Giftstoffe (Toxine) besonders beim Kauen ständig in den Speichel ab. Es besteht aus einem Gemisch verschiedener Proteine (Eiweißstoffe) und wirkt neurotoxisch sowie hämotoxisch. Kleintiere werden gelähmt, beim Menschen verursacht ein Biss Entzündungsreaktionen an der Bissstelle, die bis zu einer Woche anhalten können.

Ernährung

vergrößern

Nördliche Kurzschwanzspitzmäuse ernähren sich hauptsächlich von tierischer Nahrung. Ihre Beutetiere findet sie sowohl in der Erde als auch außerhalb ihrer Bauten. Sie verspeisen mit Vorliebe Regenwürmer, Schnecken, Hundertfüßer und andere terrestrische Insekten und andere kleine wirbellose Tiere. Aber auch kleine Wirbeltiere wie Mäuse sowie kleine Reptilien und Frösche werden verspeist. Eher selten nimmt sie pflanzliche Nahrung wie Früchte zu sich. Auf Nahrungssuche geht die Nördliche Kurzschwanzspitzmaus nachts oder in den frühen Morgen- und Abendstunden. Nördliche Kurzschwanzspitzmäuse haben einen sehr hohen Stoffwechsel. Sie nehmen pro Tag die zwei- bis dreifache Menge ihres Körpergewichtes an Nahrung zu sich. Die Mäuse haben eine interessante Methode entwickelt, ihre Beute zu töten. Über Drüsen in ihrem Kiefer produziert die Nördliche Kurzschwanzspitzmaus ein giftiges Sekret, das sich mit dem Speichel vermischt. Wird ein Beutetier gebissen, so wird das toxisch wirkende Sekret in das Beutetier abgegeben. Das Gift wirkt in den Beutetieren lähmend, tötet sie jedoch nicht direkt. Gelähmte Beutetiere können noch 3 bis 5 Tage weiterleben. Somit steht der Nördlichen Kurzschwanzspitzmaus ein kleiner Vorrat zur Verfügung, der bei Bedarf frisch gefressen wird.

Fortpflanzung

Die Nördliche Kurzschwanzspitzmaus erreicht die Geschlechtsreife im Alter von zwei bis drei Monaten. Weibchen sind etwa einen Monat früher geschlechtsreif als Männchen. Die Paarungszeit erstreckt sich im Norden Nordamerikas von März oder April bis in den Oktober hinein. Während dieser Zeit bringt ein Weibchen in der Regel zwei, selten auch drei Würfe zur Welt. Die Anzahl der Würfe richtet sich stark nach dem Nahrungsangebot und dem Verbreitungsgebiet. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander.
vergrößern
Die Tragezeit ist recht kurz und erstreckt sich lediglich über 22 bis 25 Tage. Das Weibchen bringt in der Regel zwischen drei und sechs, selten auch mehr Jungtiere in ihrem Nest zur Welt. Das Geburtsgewicht beträgt lediglich etwa 15 bis 20 Milligramm. Die Jungtiere sind nackt und blind. Aber bereits im Alter von drei Wochen sind die Jungen voll entwickelt und werden von der Muttermilch abgesetzt. Mit spätestens vier Wochen gehen die Jungtiere eigene Wege und ernähren sich selbständig. Um die Aufzucht des Nachwuchses kümmert sich ausschließlich das Weibchen. Aufgrund der vielen Fressfeinde erreichen Nördliche Kurzschwanzspitzmäuse selten ein Alter von mehr als einem Jahr. Ein Alter von zwei bis drei Jahren wird selten erreicht.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
  • Franz-Xaver Reichl: Taschenatlas der Toxikologie, Kap. Tiergifte; Nikol Verlag; 2., aktualisierte Auflage. ISBN 978-3868200058.

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge