Nabelschweine

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Nabelschweine
Halsbandpekari (Pecari tajacu)

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Nichtwiederkäuer (Nonruminantia)
Familie: Nabelschweine
Wissenschaftlicher Name
Tayassuidae
Palmer, 1897

Nabelschweine (Tayassuidae) gehören innerhalb der Klasse der Säugetiere (Mammalia) zur Ordnung der Paarhufer (Artiodactyla) und hier zur Unterordnung der Nichtwiederkäuer (Nonruminantia). In Englischen nennt man Nabelschweine Peccaries. Der Familie sind 3 rezente Arten in 3 Gattungen zugeordnet.

Inhaltsverzeichnis

Evolution, Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde der Gattung Tayassu stammen aus dem späten Pleistozän und wurden in Südamerika gefunden. In Mittel- und Nordamerika sind Vertreter dieser Gattung erst ab dem Holozän nachgewiesen. Die Gattung Catagonus läßt sich bis ins frühe und mittlere Pleistozän zurückverfolgen. Fossile Funde aus dem Zeitraum stammen insbesondere aus der Gegend um Buenes Aires, Argentinien. Die Familie der Nabelschweine hat ihren Ursprung im Oligozön, einer Serie im auslaufenden Paläogen. Aufgrund der weltweiten Funde aus der Familie der Nabelschweine kann davon ausgegangen werden, dass ihre Entwicklung in der neuen Welt begann.

Beschreibung

Aussehen

Nabelschweine sind mittelgroß und ähneln den einheimischen Wildschweinen (Sus scrofa). Sie erreichen je nach Art eine Körperlänge von 78 bis 135 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 40 bis 70 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 2 bis 10 Zentimeter sowie ein Gewicht von 16 bis 43 Kilogramm. Die genauen Maße können der unten angeführten Tabelle entnommen werden. Das borstige Fell weist eine bräunlich graue, dunkelbraune bis schwarzbraune oder dunkelgraubraune Färbung auf. Die Beine sind in der Regel etwas dunkler, meist schwarzbraun gefärbt. Beim Halsbandpekari verläuft ein schmales weißes Band vom Widerrist bis zur Kehle. Beim Weißbartpekari zeigt sich an den Lippen sowie an Kehle und Kinn eine weißliche Behaarung. Die Jungtiere sind meist rostbraun bis rötlichbraun, beim Chaco-Pekari gelblichbraun gefärbt. Der Chaco-Pekari unterscheidet sich von den beiden anderen Arten in einigen markanten Details wie beispielsweise den etwas längeren Beinen, ein deutlich größerer Kopf, weiter entwickelte Zahnkronen, eine längere Schnauze sowie höher am Kopf liegende Augen. In der Größe zeigt sich bei den Geschlechtern aller 3 Arten kein Dimorphismus. Das kräftige Gebiss der Nabelschweine verfügt über 38 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet 2/3, 1/1, 3/3, 3/3. Die Eckzähne der Männchen sind deutlich länger als bei den Weibchen. Wie bei allen Schweinen ist das Rostrum rüsselartig verlängert und dient zum Wühlen im Erdboden. Die kleinen Ohren sitzen weit hinten, leicht seitlich am Schädel. Sie ragen meist nur wenig aus dem Fell heraus. Die Nasenspitze endet in einer typischen Rüsselscheibe, die zwei Nasenlöcher aufweist. Der Kopf ist massig und setzt sich nicht vom Körper ab. Im Gegensatz zum massigen Körper wirken die kurzen und dünnen Beine geradezu filigran. Die Füße enden in jeweils vier Zehen, wobei zwei Zehen deutlich größer sind. Die beiden kleineren Zehen weisen nur einen rudimentären Charakter auf.

Größe und Gewicht

Deutscher Name Wissenschaftliche Bezeichnung Kopf-Rumpf-Länge Schulterhöhe Schwanzlänge Gewicht
Weißbartpekari Tayassu pecari 90 - 135 cm 56 cm 3 - 6 cm 27 - 40 kg
Chaco-Pekari Catagonus wagneri 93 - 106 cm 52 - 70 cm 3 - 10 cm 30 - 43 kg
Halsbandpekari Pecari tajacu 78 - 100 cm 40 - 49 cm 2 - 6 cm 16 - 35 kg

Lebensweise

Weißbartpekari (Tayassu pecari)
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Weißbartpekari (Tayassu pecari)

Nabelschweine sind sowohl am Tage als auch in der Nacht aktiv. Die Hauptaktivität entfalten sie jedoch während der Dunkelheit. Sie sind durchaus gesellig und sind daher immer in Rotten zu beobachten. Chaco-Pekaris leben in Gruppen von 2 bis 10 Tieren, Halsbandpekaris in Gruppen von bis zu 50 Tieren und Weißbartpekaris in sehr großen Rotten von 50 bis 400 (100) Individuen. Während der Nahrungssuche teilen sich größere Gruppen meist in kleinere Untergruppen auf. Eine Rotte weist eine gemischtgeschlechtliche Zusammensetzung auf. Sie wird in der Regel von älteren Tieren, meist Männchen, angeführt. Ihnen folgen die Weibchen und der Nachwuchs. Am Ende der Rotte folgen dann die jüngeren Männchen. Der Zusammenhalt und die Erkennung innerhalb der Gruppe erfolgt über gegenseitiges Markieren mit einem Sekret aus Körperdrüsen. Diese Drüsen liegen im Bereich des Rückens. Sie stehen beim Markieren nahe beieinander und reiben ihre Köpfe an der Kruppe des Nachbarn. Weißbartpekaris sind nur wenig territorial und wandern nomadisch umher. Pro Tag können sie 5 bis 10 Kilometer zurücklegen. Das Streifrevier einer Gruppe kann je nach Art und Größe einer Gruppe ein Areal von bis zu 110, selten bis 200 Quadratkilometern aufweisen. Bei der Orientierung im Lebensraum der Nabelschweine spielt der olfaktorische Sinn eine große Rolle. Er dient zum einen der Suche nach Nahrung aber auch der Erkennung der Gruppenmitglieder. Rivalisierende Gruppen begegnen sich nur selten. Die durchschnittliche Siedlungsdichte liegt in den meisten Regionen des großen Verbreitungsgebietes bei 1 bis 2 Tieren je Quadratkilometer. Chaco-Pekaris und Halsbandpekaris besiedeln anders als Weißbartpekari feste Reviere. Sie weisen eine Größe von 30 bis 1.100 Hektar auf.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Nabelschweine erstreckt sich vom Südwesten der USA, über Mexiko und Mittelamerika bis nach Südamerika in den Norden von Argentinien. Der Chaco-Pekari (Catagonus wagneri) weist das kleinste Verbreitungsgebiet auf und ist im Gran Choco verbreitet, das sich über das nördliche Argentinien, das südöstliche Bolivien und über das westliche Paraguay erstreckt.
Chaco-Pekari (Catagonus wagneri)
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Chaco-Pekari (Catagonus wagneri)
Der Weißbartpekari (Tayassu pecari) kommt in weiten Teilen Mittel- und Südamerikas vor. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Norden bis in die mexikanischen Bundesstaaten Veracruz und Oxaca, im Süden reicht es bis ins südliche Brasilien und dem nördlichen Paraguay. Auch der Halsbandpekari (Pecari tajacu) ist ähnlich weit verbreitet. Sein natürliches Verbreitungsgebiet reicht vom Südwesten der USA, über Mexiko und Mittelamerika bis in den Süden Südamerikas. Besiedelt werden ja nach Art höchst unterschiedliche Lebensräume, zu denen insbesondere trockene Dornwälder, halboffene Baum- und Buschsavannen, tropische Feucht- und Trockenwälder, lichte Wälder und Chaparal-Grasland gehören.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fleischfressern der Nabelschweine gehören je nach Art größere Katzen (Felidae) wie der Puma (Puma concolor), der Ozelot (Leopardus pardalis) und der Jaguar (Panthera onca). Ältere und geschwächte Tiere sowie Jungtiere fallen nicht selten auch einer Großen Anakonda (Eunectes murinus) zum Opfer. Das Leben in Gruppen schützt die Tiere meist vor Fleischfressern. Aber auch sonst sind Nabelschweine durchaus wehrhafte Tiere. Ausgewachsene Nabelschweine können in Gruppen selbst einem Jaguar trotzen. Der größte Feind ist jedoch der Mensch, der mit Schusswaffen und Fallen Jagd auf Nabelschweine macht.

Ernährung

Halsbandpekari (Pecari tajacu)
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Halsbandpekari (Pecari tajacu)

Nabelschweine gehören zu den opportunistischen Allesfressern, die sich von pflanzlicher und tierischer Kost ernähren. Zu ihrem breit gefächerten Nahrungsspektrum gehören Waldfrüchte, Knollen, Wurzeln, Sämereien, Pilze, Blätter und Früchte. Dies sind insbesondere Kakteengewächse (Cactaceae), Opuntien (Opuntia) und andere Feigenkakteen (Opuntioideae), Bromeliengewächse (Bromeliaceae), Feigen (Ficus), Früchte der Akazien (Acacia) sowie verschiedene Bedecktsamer (Angiospermae) und Gefäßpflanzen (Tracheophyta). An tierischer Nahrung stehen die Eier von Vögeln (Aves) und Reptilien (Reptilia) wie Schildkröteneier auf der Speisekarte. Ansonsten werden auch Schnecken (Gastropoda), Würmer (Lumbricidae) und zahlreiche Wirbeltiere (Vertebrata) wie Lurche (Amphibia), Eidechsen (Lacertidae), Insekten (Insecta) und Schlangen (Serpentes) gefressen. Selbst Aas wird keineswegs verschmäht. In der Nähe des Menschen sind Getreidefelder und andere Pflanzungen vor den Tieren nicht sicher. Süßkartoffeln (Ipomoea batatas), Mais (Zea mays), Bananen (Musa), Zuckerrohr (Saccharum officinarum) und Maniokpflanzen (Manihot sp.) werden dabei bevorzugt gefressen.

Fortpflanzung

Die Weibchen der Nabelschweine erreichen die Geschlechtsreife mit etwa 34 Wochen, Männchen mit rund 47 Wochen. Die Paarungszeit erstreckt sich üblicherweise in den tropischen und subtropischen Regionen über das ganze Jahr. Die Spitze der Geburten Zu ihrer ersten Paarung kommen die Tiere meist erst im zweiten Lebensjahr, Chaco-Pekari sogar erst im Alter von 2 Jahren. Die Paarung geht kurz und schmerzlos von statten und dauert nur wenige Sekunden. Auch ein längeres Vorspiel ist nicht zu beobachten. Nabelschweine leben in einer polygamen Beziehung. Ein Weibchen wird in der Regel von mehreren Männchen begattet. Die Tragezeit erstreckt sich je nach Art zwischen 145 und 158 Tage. Meist bringt ein Weibchen an geschützter Stelle 1 bis 4 (2) Jungtiere zur Welt. Der Nachwuchs weist ein Geburtsgewicht von 500 bis 700 Gramm auf. Die Jungtiere sind recht weit entwickelt und können der Mutter etwa einen Tag nach der Geburt folgen. Der Nachwuchs wird durchschnittlich für zwei bis drei Monate gesäugt und ist danach selbständig. Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei 10 bis 15 Jahren, in Gefangenschaft durchaus auch bei 20 Jahren.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Nähe des Menschen sind Nabelschweine keine gern gesehenen Gäste. Sie richten auf landwirtschaftlichen Flächen und in Plantagen zum Teil große Schäden an. Sie fressen Süßkartoffeln, Bananen und andere Erzeugnisse. Die Pflanzungen werden dabei regelrecht verwüstet. Ähnliches ist auch von den in Europa beheimateten Wildschweinen zu beobachten. In weiten Teilen Lateinamerikas werden Nabelschweine von der indigenen Bevölkerung wegen des Fleisches gejagt. Jährlich werden einige Tausend Tiere getötet. Das Fleisch wird für den Eigenverbrauch genutzt oder landet auf den regionalen Fleischmärkten. Eine weitere Bedrohung ist der Verlust der natürlichen Lebensräume. Tropische Regenwälder werden weitflächig wegen des Holzes und zugunsten von Monokulturen gerodet. In Südamerika werden so jedes Jahr etwa 1 Millionen Hektar Regenwald vernichtet. In einigen Regionen sind Nabelschweione mittlerweile selten geworden oder völlig verschwunden. Letzteres ist beispielsweise in El Salvador der Fall. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) stellt die Tiere in Anhang II unter Schutz, in der Roten Liste der IUCN wird der Weißbartpekari und der Halsbandpekari als nicht gefährdet geführt. Um den Chaco-Pekari steht es deutlich schlechter. Er wird als stark gefährdet geführt und steht kurz vor der Ausrottung.

Chaco-Pekari (Catagonus wagneri)
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Chaco-Pekari (Catagonus wagneri)

Systematik der Nabelschweine

Anhang

Literatur und Quellen

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