Nacktschwanzbeutelratte

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Nacktschwanzbeutelratte
Foto folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Theria
Teilklasse: Beutelsäuger (Metatheria)
Ordnung: Beutelrattenartige (Didelphimorphia)
Familie: Beutelratten (Didelphidae)
Unterfamilie: Didelphinae
Gattung: Metachirus
Art: Nacktschwanzbeutelratte
Wissenschaftlicher Name
Metachirus nudicaudatus
E. Geoffroy St-Hilaire, 1803

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Nacktschwanzbeutelratte (Metachirus nudicaudatus) zählt innerhalb der Familie der Beutelratten (Didelphidae) zur Gattung Metachirus. Im Englischen wird die Art Brown Four-eyed Opossum genannt. Es sind 5 Unterarten bekannt (Smith, 2008).

Inhaltsverzeichnis

Unterschiede zu anderen Arten

Die Nacktschwanzbeutelratte ähnelt der Species Philander frenatus. Deutlich unterscheiden kann man beide Arten aufgrund der Fellfärbung. Philander frenatus kann aufgrund des bräunlichen Felles erkannt werden und die weißen Flecken über den Augen sind kleiner. Der Schwanz von Philander frenatus ist zudem proportional kürzer und der Schwanz der Nacktschwanzbeutelratte ist nackt. Die Weibchen der Nacktschwanzbeutelratte besitzen keinen Beutel (Smith, 2008).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Nacktschwanzbeutelratten haben vom Aussehen her eine große Ähnlichkeit mit den Vieraugenbeutelratten (Philander), jedoch sind beide Gattungen nicht näher miteinander verwandt. Die Nacktschwanzbeutelratte erreicht eine Körperlänge von bis zu 31 cm, Vorderbeinlänge von 50,3 mm, eine Unterarmlänge von 40,8 mm, Schädellänge von 58 bis 59 mm, eine Condylobasallänge von 53,5 bis 54,6 mm, eine Jochbeinbreite von 30,6 bis 31,4 mm, eine Hirnschädelbreite von 18,5 mm, eine Gaumenlänge von 31,5 bis 32,2 mm, eine Unterkieferlänge von 43,3 bis 45,1 mm. Humerus, Tibia und Femur erreichen eine Länge von 35,2 mm, 49 mm und 39,3 mm. Das Gebiss besteht aus 50 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i5/4, c1/1, p3/3, m4/4. Die oberen Eckzähne sind gut entwickelt. Der Körper ist schlank gebaut, die Schnauze ist kegelförmig. Das kurze, dichte, seidige Fell ist dorsal bräunlich bis zimtbraun gefärbt. Lokal kann das Fell auch graubraun gefärbt sein. Ventral zeigt sich eine weißliche bis cremefarbene Tönung. Über den Augen zeigen sich helle charakteristische Flecken. Die Ohren sind dunkelbraun. Der Schwanz ist lang und überwiegend nackt. Die großen Füße sind rosa gefärbt. Den Weibchen fehlt der für Beuteltiere typische Beutel und verfügen über 9 Zitzen zum Säugen des Nachwuchses (Smith, 2008).

Lebensweise

Die Nacktschwanzbeutelratte lebt für gewöhnlich einzelgängerisch, lebt am Boden und ist nachtaktiv. Die Hauptaktivitäten liegen im Zeitraum von 20.00 bis 2.00 Uhr morgens. Zudem lebt die Art ausgesprochen zurückgezogen. Kontakte zu Menschen werden strikt gemieden, schon bei geringsten Störungen fliehen die Tiere. Nacktschwanzbeutelratten sind am Boden agil, aufgrund der kräftigen Hinterbeine können die Tiere schnell laufen. Die maximal gemessene Laufgeschwindigkeit liegt beim 2,88-fachen der Körperlänge je Sekunde. Die durchschnittliche Reviergröße liegt bei 8,4 ha, die nächtlichen Aktionswege bewegen sich bei rund 550 m. Die Siedlungsdichte liegt bei 25,6 Tiere je km². Während der Ruhephasen halten sich Nacktschwanzbeutelratten in Baumhöhlen, zwischen Baumwurzeln, verlassenen Nestern oder in dichtem Bodenbewuchs auf. Nester werden nicht dauerhaft genutzt, nach 1 bis 2 Monaten werden Nester gewechselt (Smith, 2008).

Unterarten

Verbreitung

Nacktschwanzbeutelratten sind in Mittel- und Südamerika von Nicaragua bis in den nordosten von Argentinien weit verbreitet. Nachgewiesen ist die Art in Argentinien, Boliven Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, Französisch Guiana, Guyana, Mexico, Nicaragua, Panama, Paraguay, Peru, Surinam und Venezuela. Die Art besiedelt hauptsächlich Wälder, Waldränder, dichtes Buschland und ähnliche Waldtypen. Offene Flächen und stark fragmentierte Landschaften werden hingegen meist gemieden (Nowak, 1999; Smith, 2008; IUCN, 2016).

Biozönose

Zu den naturlichen Feinden der Nacktschwanzbeutelratte zählen insbesondere Eulen wie die Streifen-Ohreule (Asio clamator). In der Nähe des Menschen kommen gelegentlich Individuen im Strassenverkehr ums Leben. Zu den bekanntesten Ekto- und Endoparasiten gehören Ctenophthalmidae wie Adoratopsylla sinnuata und Adoratopsylla intermedia, Milben (Acari, Acarida) wie Astigmata Didelphoecius validus und Metachiroecius brasiliensis, Saugwürmer (Trematoda) wie Podospathalium pedatum, Bandwürmer (Cestoda) wie Linstowia iheringi und Mathevotaenia bivittata aus der Familie der Anoplocephalidae (Smith, 2008).

Ernährung

Die Art gilt als Allesfresser. Es werden sowohl Früchte als auch kleine Wirbeltiere, Vogeleier und Wirbellose wie Insekten (Insecta) gefressen. Weit oben auf der Speisekarte stehen Käfer (Coleoptera), Weberknechte (Opiliones), Doppelfüßer (Diplopoda), Hautflügler (Hymenoptera), Geradflügler (Orthoptera), Schaben (Blattodea), Zehnfußkrebse (Decapoda), Schmetterlinge (Lepidoptera), Lungenschnecken (Pulmonata), kleine Säugetiere (Mammalia) und Kriechtiere (Reptilia) sowie Pflanzen wie beispielsweise Flamingoblumen (Anthurium) und Philodendren (Philodendron). Die Jagd erfolgt ausschließlich am Waldboden (Smith, 2008).

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten der Nacktschwanzbeutelratte ist nur wenig bekannt. Nach einhelliger Meinung scheint die Art polygam zu leben. Die ersten Jungtiere im Jahr werden regelmäßig ab Februar beobachtet. Lokal kommt es auch zwischen April und Juni und zwischen November und Dezember zu Geburten. Jungtiere weisen eine Geburtslänge (Scheitel-Steiß) von 18 bis 20 mm auf. Die Wurfgröße liegt bei 1 bis 9 (5). Die Lebenserwartung liegt in Freiheit bei 3 bis 4 Jahren (Smith, 2008).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Nacktschwanzbeutelratte zählt heute noch nicht zu den bedrohten Arten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Größere Gefahren sind nicht bekannt, jedoch kann sich die anhaltende Zerstörung und Fragmentierung der natürlichen Lebensräume langfristig negativ auf die Populationen auswirken. Die Art ist zwar weit verbreitet, jedoch ist die Siedlungsdichte eher gering. In der Nähe des Menschen sind die Tiere dennoch nicht gerne gesehen, da gelegentlich Schäden an Obstkulturen oder auf Getreidefeldern festzustellen sind. Zu den bekannten Erkrankungen der Tiere gehört die Chagas-Krankheit (infektiöse Erkrankung und Parasitose), die durch Trypanosoma cruzi hervorgerufen wird (IUCN, 2014; Smith, 2008).

Anhang

Literatur und Quellen

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