Napoléon-Lippfisch

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Napoléon-Lippfisch

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Stachelflosser (Acanthopterygii)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Lippfischartige (Labroidei)
Familie: Lippfische (Labridae)
Gattung: Cheilinus
Art: Napoléon-Lippfisch
Wissenschaftlicher Name
Cheilinus undulatus
Rüppell, 1835

IUCN-Status
Endangered (EN) - IUCN

Der Napoléon-Lippfisch (Cheilinus undulatus) zählt innerhalb der Familie der Lippfische (Labridae) zur Gattung Cheilinus. Im Englischen wird er Humphead Maori wrasse oder Napoléon wrasse genannt. Der Napoléon-Lippfisch gilt innerhalb seiner Familie als größte Art.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Napoléon-Lippfisch gehört zu den größten Knochenfischen (Osteichthyes) im Riff. Er erreicht eine Länge von bis zu 230 cm sowie ein Gewicht von bis zu 190 kg. Sichtungen von bis zu einer Länge von 250 cm sind dokumentiert, jedoch nicht wissenschaftlich gesichert. Die Körperform ist lateral deutlich abgeflacht. Markante Merkmale sind zum einen der melonenartige Buckel im Bereich der Stirn und zum anderen das große Maul, bei dem die wulstige Oberlippe deutlich abgeschrägt ist und dem Fisch ein grimmiges Aussehen gibt. Bei Jungfischen fehlt der Buckel noch, er bildet sich erst mit der Geschlechtsreife aus. Die Haut ist überwiegend blau bis blaugrau gefärbt. Im Bereich des Stirnbuckels und an den Ansätzen der Brustflossen kann sich eine gelbliche Färbung zeigen. Jüngere Napoléon-Lippfische weisen je nach Alter eine umfangreiche Zeichnung auf, die mit zunehmendem Alter immer mehr verblasst. Die kleinen rundlichen Augen liegen relativ weit oben am Kopf. Die großen Bauch- und Rückenflossen reichen von der Körpermitte bis zum Schwanzansatz. Die breite Schwanzflosse erscheint nur wenig gegabelt.

Lebensweise

Napoléon-Lippfische bewohnen hauptsächlich Lagunen und küstennahe Außenriffe. Im freien Wasser sind sie im Grunde nicht anzutreffen. Sie sind in der Regel einzelgängerisch anzutreffen, sie meiden den Kontakt zu Artgenossen weitestgehend. Die Fische bewohnen im Riff je nach Größe unterschiedliche Bereiche. Larven und Jungfische halten sich für gewöhnlich in unmittelbarer Nähe zu Korallen auf. Hier finden sie Schutz vor Fleischfressern und genügend Nahrung. Größere und adulte Napoléon-Lippfische leben im Großraum eines Riffes oder einer Lagune, meiden jedoch allzu offenes Wasser. Meist sind sie bis zu den Außengrenzen eines Riffes anzutreffen. Die nächtlichen Ruhephasen verbringen adulte Napoléon-Lippfische meist in natürlichen Höhlen im Korallenriff. Aktiv sind sie ausschließlich am Tage. Sie treten vom Oberflächenwasser bis in Tiefen von gut 100 Metern auf. Sie gelten als ausgesprochen sesshaft und wandern nur wenig umher.

Verbreitung

Napoléon-Lippfische sind weit verbreitet. Sie kommen sowohl im gesamten Indischen Ozean sowie im zentralen und westlichen Pazifik vor. Im Pazifik reicht das Verbreitungsgebiet von China, Kambodscha, Vietnam und Thailand über Indonesien bis ins nördliche und östliche Australien. Östlich sind die Fische in weiten Teilen Mikronesiens und im südlichen Pazifik anzutreffen. Im Indischen Ozean sind Napoléon-Lippfische vor Madagaskar, Mayotte, den Komoren, Mosambik, Tansania, Kenia, Somalia, weiter über den Golf von Aden, im gesamten Roten Meer, im Arabischen Meer, im Golf von Bengalen bis ins westliche Australien anzutreffen. Den natürlichen Lebensraum bilden küstennahe Riffe in den tropischen und subtropischen Gewässern. Innerhalb eines Riffes ist die Dichte an Napoléon-Lippfischen relativ gering. Im Schnitt besiedeln sie ein Areal von gut 1.500 bis 2.000 Quadratmetern. Eine höhere Siedlungsdichte ist nur selten zu beobachten. Artgenossen werden im eigenen Revier nicht geduldet und vertrieben. Juvenile Tiere bis zu einer Körperlänge von gut 20 cm halten sich meist zwischen Korallen und in Seegraswiesen auf. Beliebt sind vor allem Weichkorallen (Alcyonacea) wie Lederkorallen (Alcyoniidae) und Steinkorallen (Scleractinia).

Ernährung

Zur bevorzugten Nahrung der Napoléon-Lippfische zählen kleinere Knochenfische, verschiedene Weichtiere (Mollusca), Krebstiere (Crustacea) und Stachelhäuter (Echinodermata) wie Seeigel (Echinoidea). Mit ihren kräftigen Zähnen können sie selbst hartschalige Krebstiere knacken. Hin und wieder ergänzen kleinere wirbellose Tiere den Speiseplan. Auf Nahrungssuche gehen sie im Riff ausschließlich am Tage.

Fortpflanzung

Napoléon-Lippfische erreichen die Geschlechtsreife im Alter von fünf bis sieben Jahren. Dies entspricht einer Körperlänge von etwa 100 bis 110 cm. Die Paarungszeit ist im wesentlichen an keine bestimmte Jahreszeit gebunden und kann sich daher über das ganze Jahr erstrecken. Sie sind dazu in der Lage, ihr Geschlecht mit einsetzender Geschlechtsreife zu wechseln. Bis zur Geschlechtsreife weisen die meisten Napoléon-Lippfische ein männliches Geschlecht auf. Wodurch die Geschlechtsumwandlung letztlich ausgelöst wird, ist noch nicht vollständig bekannt. Die Geschlechtsumwandlung wird anscheinend nur vollzogen, wenn es eine gewisse Notwendigkeit dazu gibt. Während der Paarungszeit kommt es zur Bildung von Haremsverbänden. Angeführt wird ein Harem von einem Sekundärmännchen oder einem Primärmännchen. Als Sekundärmännchen bezeichnet man ein Männchen, dass eine Geschlechtsumwandlung vom Weibchen zum Männchen vollzogen hat. Napoléon-Lippfische sind Freilaicher. Männchen und Weibchen geben Eier und Samen ins freie Wasser ab. Eine Brutpflege wird nicht betrieben. Das Ablaichen erfolgt für gewöhnlich nahe der Wasseroberfläche und erfolgt in größeren Gruppen. Die geschlüpften Larven zieht es kurz nach dem Schlupf in die Nähe von Korallen. Hier leben sie die ersten Jahre und genießen zwischen den Korallen einen gewissen Schutz vor Fleischfressern. Napoléon-Lippfische erreichen ein hohes Alter. Dokumentiert ist dabei ein erreichbares Alter von etwa 32 Jahren.

Gefährdung und Schutz

Aufgrund der intensiven Bejagung gehören Napoléon-Lippfische heute zu den stark gefährdeten Fischarten. In weiten Teilen sind die Tiere mittlerweile völlig verschwunden oder sehr selten geworden. Das Fleisch erzieht auf den Fischmärkten in Hongkong und anderen asiatischen Regionen Höchstpreise. Das ist für Wilderer natürlich ein entsprechender Anreiz. Weitere Gefährdungsursachen sind die Verschmutzung und Zerstörung der küstennahen Riffe in weiten Teilen der Verbreitungsgebiete.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • E. Lieske, R.F. Myers: Korallenfische der Welt, Jahr Verlag 1994, ISBN 3-86132-112-2

Links

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