Nasenfledermaus

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Nasenfledermaus

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Fledermäuse (Microchiroptera)
Familie: Glattnasen-Freischwänze (Emballonuridae)
Gattung: Rhynchonycteris (Peters, 1867)
Art: Nasenfledermaus
Wissenschaftlicher Name
Rhynchonycteris naso
(Wied-Neuwied, 1820)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Nasenfledermaus (Rhynchonycteris naso) zählt innerhalb der Familie der Glattnasen-Freischwänze (Emballonuridae) zur Gattung Rhynchonycteris. Innerhalb dieser Gattung ist die Nasenfledermaus die einzige Art. Im Englischen lautet der Name Proboscis Bat. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach nicht bekannt (Yancey, Goetze & Jones, 1998).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung

An den Vorderarmen sind weißliche bis hellgraue Haarbüschel zu erkennen. Der Calcar (knorpeliger Sporn an den Hinterbeinen) ist länger als die Tibia (Schienbein) und weist etwa die Hälfte der Vorderarmlänge auf. Die Schnauze ist deutlich verlängert. Der dorsale Teil der Interfemoralmembran (Schwanzflzgheut) weist bis zum Schwanzansatz ein dichtes Fell auf. Ein Flügelsack ist nicht vorhanden (Plumpton & Jones, 1992).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Nasenfledermaus ist eine eher kleine Flederaus. Männchen erreichen eine Körperlänge von 41,09 mm, eine Schwanzlänge von 15,39 mm, eine Hinterfußlänge von 7,18 mm, eine Ohrlänge von 13,2 mm, eine Vorderarmlänge von 36,87 mm, eine Schädellänge on 11,4 bis 12,0 mm, eine Condylobasallänge von 10,1 bis 10,6 mm, eine Jochbeinbreite von 6,7 bis 7,1 mm, eine Hirnschädelbreite von 5,8 bis 6,2 mmeine Hirnschädelhöhe von 5,2 bis 5,4 mm sowie ein Gewicht von 3,8 g. Weibchen erreichen eine Körperlänge von 42,34 mm, eine Schwanzlänge von 16,84 mm, eine Hinterfußlänge von 7,45 mm, eine Ohrlänge von 13,63 mm, eine Vorderarmlänge von 38,57 mm, eine Schädellänge on 11,6 bis 12,0 mm, eine Condylobasallänge von 10,2 bis 10,6 mm, eine Jochbeinbreite von 6,7 bis 7,2 mm, eine Hirnschädelbreite von 6,0 bis 6,3 mmeine Hirnschädelhöhe von 5,1 bis 5,3 mm sowie ein Gewicht von 3,99 g. Das Fell ist dorsal graubraun bis braun gefärbt, ventral zeigt sich eine graubraune Färbung. 2 helle Streifen sind auf dem Rücken erkennbar. Das Fell ist dicht und weich. Die Flugmembranen und die rundlich geformten Ohren sind dunkelbraun gefärbt. Der Tragus (Knorpel im Ohr) erreicht eine Länge von 3 mm. Das Gebiss verfügt über 32 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i1/3, c1/1c, p2/2, m3/3. Das Gehirn weist ein Gewicht von 90 bis 120 mg auf (Plumpton & Jones, 1992).

Lebensweise

Eine Kolonie weist eine Größe von 3 bis 45 Individuen auf. Die Ruheplätze liegen in Höhlen, im dichtem Blattwerk von Bäumen, Baumhöhlen oder umgestürzten Bäumen. In der Nähe des Menschen sind Kolonien auch in Minen, unter Brücken oder in Abwasserkanälen. Ein Gewässer wie Seen, Flüsse oder ähnliches befindet sich immer im Lebensraum der Tiere. Innerhalb einer Kolonie liegt das Geschlechterverhältnis nahezu bei 1:1. Die Siedlungsdichte der Nasenfledermaus liegt bei 3,6 bis 11,2 (8,0) Individuen ja ha. Die Kolonie wird von den Männchen vehement gegen Eindringlinge verteidigt. Die Orientierung erfolgt durch Echoortung. Die abgegebenen Signale liegen im Frequenzbereich von 80 bis 105 kHz (Plumpton & Jones, 1992).

Verbreitung und Lebensraum

Die Art ist vom nördlichen Mittelamerika, über das nördliche Südamerika bis ins zentrale Südamerika verbreitet. Demnach kommt die Nasenfledermaus in Belize, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Guyana, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Panama, Peru, Surinam, Trinidad und Tobago sowie Venezuela vor. Die Regionen westlich der Anden werden nicht besiedelt. Die Nasenfledermaus lebt im Flachland und in Höhenlagen bis in Höhen von gut 1.500 m über NN. In den meisten Regionen tritt die Art jedoch nicht in Höhen üner 500 m über NN auf. Besiedelt wird der immergrüne Regenwald oder ähnlich feuchte Habitate. Zu den typischen Gewächsen im Lebensraum der Tiere geören Bananen (Musa) und Helikonien (Heliconia) (Plumpton & Jones, 1992; IUCN, 2013).

Biozönose

Die Nasenfledermaus lebt in Sympatrie zu verwandten Arten wie der Großen Sackflügelfledermaus (Saccopteryx bilineata) und Saccopteryx leptura. Zu den natürlichen Feinden der Nasenfledermaus gehören insbesondere Bussarde (Buteo) und Falken (Falco) (Plumpton & Jones, 1992).

Ernährung

Nasenfledermäuse ernähren sich von Insekten (Insecta). Weit oben auf der Speisekarte stehen Köcherfliegen (Trichoptera), Zuckmücken (Chironomidae), kleine Käfer (Coleoptera) und Stechmücken (Culicidae). Die Nahrungssuche beginnt kurz nach Einbruch der Abenddämmerung und erfolgt sowohl über Land als auch über Wasser (Plumpton & Jones, 1992).

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird im Alter von gut 18 Monaten erreicht. Die Paarungszeit erstreckt sich im Verbreitungsgebiet über das ganze Jahr. Ein Weibchen bringt pro Wurf nur ein Jungtier zur Welt. In einer Saison kommt es zu 1 bis 2 Würfen. Die Jungen sind bei der Geburt relativ groß, die Entwöhnung erfolgt im Alter von 2 bis 4 Monaten (Plumpton & Jones, 1992).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Nasenfledermaus gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten und wird daher in der Roten Liste der IUCN in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Die Art ist im gesamten Verbreitungsgebiet noch häufig anzutreffen. In Zukunft kann sich die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch Abholzung und Entwässerung negativ auf die Population auswirken (IUCN, 2014).

Synonyme

Nach Wilson & Reeder (2005) ist die Nasenfledermaus unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind lineata Temminck, 1838, priscus G. M. Allen, 1914, rivalis Spix, 1823, saxatilis Spix, 1823 und villosa Gervais, 1855. Die Synonyme haben keine Gültigkeit.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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