Nasenkakadu

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Nasenkakadu

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Kakadus (Cacatuidae)
Gattung: Eigentliche Kakadus (Cacatua)
Art: Nasenkakadu
Wissenschaftlicher Name
Cacatua tenuirostris
Kuhl, 1820

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Nasenkakadu (Cacatua tenuirostris) zählt innerhalb der Familie der Kakadus (Cacatuidae) zur Gattung der Eigentlichen Kakadus (Cacatua). Im Englischen wird der Nasenkakadu Slender-billed Corella genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Nasenkakadu erreicht eine Größe von 37 cm. Das Gefieder ist weiß gefärbt. Die Unterseiten der Schwanzfedern und Schwingen zeigen ein schwaches Gelb. Besonders auffallend sind die rötlich, rot-orangen Zeichnungen an der Basis des Kopfes. Diese Zeichnung umschließt bis jeweils zur Hälfte oben und unten die Augen und sind mit einem Querband über den Nasenbereich miteinander verbunden. Die Färbung verjüngt sich zum Schluß etwas und kann gelbliche bis blasse und anschließend weiße Farbtöne aufweisen. Oberhalb der Brust tritt diese Zeichnung in unterschiedlicher Intensität ebenfalls auf. Die Zeichnung des Brustbandes ist bei jedem Nasenkakadu unterschiedlich. Einzelne Rückenfedern sind ebenfalls rötlich-orange gefärbt. Rund um die Augen sind keine Federn zu finden. Die Augen sind dunkelbraun bis schwarz. Der federlose Bereich um die Augen ist bläulich. Unter dem Unterlid befinden sich auf jeder Seite eine kleine Anzahl von Drüsen. Diese treten besonders während der Balzzeit deutlich hervor. Wie alle Kakadus verfügt auch der Nasenkakadu über eine sogenannte Federhaube. Beim Nasenkakadu spricht man von einer sogenannten Spitzhaube. Die Federn sind oberhalb des Stirnbereiches gewachsen und können bei Gefahr, zur Balz, in Erregungszuständen, zur Kommunikation und anderen Begebenheiten aufgerichtet werden. Der Nasenkakadu verfügt über eine sehr kleine Haube. Der Schwanz ist sehr kurz und wird von den Flügeldecken im ruhenden Zustand gut bedeckt. Eine Besonderheit des Nasenkakadu ist die Schnabelform. Der Oberschnabel ist ungefähr ein Drittel länger wie bei anderen Kakaduarten. Dieser läuft schmal aus und ist am Schnabelende zugespitzt. Der verlängerte und spitz auslaufende Oberschnabel dient besonders der Nahrungsaufnahme. Diesem Umstand verdankt der Nasenkakadu seinen deutschen Trivialnamen. Der Schnabel ist von der Gesamtfarbe eher hornfarben, weiß bis perlmuttfarben. Zu den Schnabelschneiden ist die Färbung nur weiß. Ebenso die Schnabelspitze. Die Füße sind gräulich schwarz und im unteren Bereich nicht befiedert. Die mittleren Zehen sind nach vorn und die äußeren beiden Zehen nach hinten ausgerichtet. Die Innenzehen sind etwas kürzer. An allen Zehen befinden sich kurze aber kräftige Krallen.

Geschlechtsunterschiede/Unterscheidung zwischen Jung- und Alttieren

Äußere Geschlechtsunterschiede sind nicht vorhanden.

Bei Jungtieren können die rötlich–orangen Zeichnungselemente gänzlich fehlen. Ebenso sind die nackten und unbefiederten Augenringe eher blaß bis weiß. Der Schnabel ist rein weiß und der Oberschnabel ist noch wesentlich kürzer. Die Iris ist bei Jungvögeln etwas heller.

Unterarten

Nasenkakadu mit Jungvogel
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Nasenkakadu mit Jungvogel

Es sind keine Unterarten beschrieben.

Verbreitung

Der Nasenkakadu ist im Südosten von Australien verbreitet. Das Verbreitungsgebiet reicht von Süd-Victoria bis in den Nordosten und Südwesten von New South Wales. In anderen Landesteilen wurde der Nasenkakadu stellenweise eingeführt und gedeiht prächtig. Grasland mit Baumbewuchs und ähnlich halboffenes Gelände gehören zu den bevorzugten Habitaten. Aber auch die Nähe des Menschen, insbesondere Parks und Gärten sowie landwirtschaftliche Flächen werden gerne besiedelt. Hier tritt er als Schädling auf. In einigen Gebieten treffen Nasenkakadus auch auf Rosenkakadu (Eolophus roseicapilla) Populationen.

Ernährung

Hauptsächlich gehen Nasenkakadus am Boden auf Nahrungssuche. Dabei werden mit dem spitzen Oberschnabel neben Wurzeln, Pflanzenteile, wildwachsenden Gemüsepflanzen vor allen Dingen auch Insekten und deren Larven ausgegraben. Der Anteil der animalischen Kost liegt bei ca. 10%. Zur Paarungszeit kann dieser Anteil auch wesentlich erhöht sein. Vor allen Dingen werden die Küken zum überwiegenden Teil mit Insekten ernährt. Ansonsten unterscheidet sich die Nahrungsaufnahme im Vergleich zu den anderen Kakaduarten nicht sonderlich. Es werden alle möglichen Sämereien, Früchte, Beeren und Nüsse aufgenommen. Nasenkakadus fühlen sich auch in der Nähe menschlicher Besiedlungen recht wohl, wo sie über die reifen Früchte der Bauern und Plantagenbetreibern herfallen.

Nasenkakadu
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Nasenkakadu

Lebensweise im Habitat

Nasenkakadus sind ausgesprochen gesellig lebende Vögel. Schwärme von bis zu Hunderten von Nasenkakadus sind keine Seltenheit. Besonders in Gebieten wo sie noch recht zahlreich leben. In Gebieten wo ein Rückgang der Populationen zu verzeichnen ist, treten entsprechend kleinere Schwärme auf. Beginnt die Paarungszeit, so sondern sich einzelne Paare ab und betreiben ihre Nachzucht. Sind Gruppenverbände nicht sehr groß und ist ein ausreichend großes und überschaubares Gelände vorhanden, so können sich auch Zuchtgemeinschaften bilden. Die Paare gehen dann innerhalb eines lockeren Schwarmes mit anderen Brutpaaren der Zucht nach. Zur Nahrungssuche schwärmen die Gruppen gemeinsam aus und versammeln sich zumeist in Bodennähe und beginnen danach am Boden mit dem Ausgraben nach Wurzeln, Knollen, Insekten. Außerhalb der Paarungszeit sind sie in den Morgen- bis Mittagsstunden mit der Nahrungssuche beschäftigt. Bei der Suche und Ausgrabung der Nahrung entstehen zuweilen recht große Löcher. In den trockenen Gebieten staubt es dabei sehr stark. Dies verschmutzt die Nasenkakadus zum Teil recht erheblich. Während der heißen Mittagszeit ruhen sich die Nasenkakadus aus und dösen im Schatten von Bäumen und Büschen bis zum Nachmittag vor sich hin. Die Gruppe ist immer wachsam und fliegt bei den geringsten Störungen und Gefahren sofort auf und davon. Es kann beobachtet werden, dass Mitglieder des Schwarmes immer etwas erhöht sitzen und sich dabei auch abwechseln. Wird eine Gefahr erkannt, so werden schrille Warnlaute ausgestoßen. Die Flucht erfolgt unmittelbar und im Schwarm. Nach der heißen Mittagszeit beginnt die erneute Nahrungssuche. Ebenfalls werden die Wasserquellen gemeinsam aufgesucht.

Nasenkakadu
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Nasenkakadu
Auf Grund des großen Verbreitungsgebietes halten sich Nasenkakadus auch in recht unterschiedlichen Biotopen auf. Sie leben in Gras- und Weidelandschaften, ebenso in oder unmittelbar bei Anbaugebieten. Nasenkakadus suchen gern die Nähe von Menschen und gelten als eine Art Kulturfolger. Man findet die Nasenkakadus auch in Städten, Gärten, Parkanlagen und auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. In diesen Habitaten sind nur noch kleinere Populationen anzutreffen. Der Grund ist in der Verfolgung der Nasenkakadus zu finden. Sie gelten in diesen Gebieten als Schädlinge, da sie ihr Futter dort suchen. Durch den besonderen Schutz scheinen sich die Bestände in diesen Gebieten jedoch wieder zu erholen. Reine Waldgebiete und große Bäume werden von den Nasenkakadus nicht erschlossen. In der Nähe von Wasserläufen oder Wasseransammlungen sind die Nasenkakadus ebenfalls sehr häufig zu finden. Populationen in diesen Habitaten halten sich viel am Wasser auf und baden auch sehr gern. Dies ist besonders in den heißen Sommermonaten gut zu beobachten.

Der bevorzugte Aufenthaltsort ist der Boden. Der Boden ist für die Nahrungssuche von Bedeutung sowie auch als ganz normaler Lebensraum. Schutz vor zu starker Sonneneinstrahlung wird in den meisten Fällen auch unter niedrig wachsenden Bäumen, Büschen oder anderen Pflanzen gesucht. Am Abend suchen Nasenkakadus nicht allzu große Schlafbäume auf.

In Gemeinschaft werden Nasenkakadus mit dem Gelbhaubenkakadu (Cacatua galerita) angetroffen. Der Große Gelbhaubenkakadu sucht seine Nahrung ebenfalls bevorzugt am Boden. Diese Art gräbt jedoch nicht so intensiv wie der Nasenkakadu.

Sind Nasenkakadus im Schwarm unterwegs, so beginnen sie den Flug mit sehr starken Flügelschlägen. Befindet sich der Schwarm in der Luft, gehen einzelne Schwarmmitglieder in eine Art Gleitflug über. Diese wechseln sich immer wieder ab. Eine gezielte Ausnutzung von thermischen Winden erfolgt, auf Grund der geringen Flughöhe, jedoch nicht. Das Flugverhalten und die Gleitflugphasen kan mit denen von Schwänen verglichen werden.

Nasenkakadus zählen eher zu den ruhigeren Kakadus. Morgens und abends sind sie jedoch genauso lautstark wie ihre Artgenossen. Gehen sie tagsüber der Nahrungssuche nach oder halten Mittagsruhe, sind sie sehr ruhig. Ausnahme ist hier eine Gefährdung durch Feinde.

Lebenserwartung

Die Lebensweise von Kakadus richtet sich zumeist auch nach der Größe der Art. Als Faustregel kann man annehmen, dass größere Kakadus älter werden. Der Nasenkakadu nimmt hier eine Sonderstellung ein. Es gibt Nasenkakadus welche über 70 Jahre in Menschenhand gelebt haben sollen.

Fortpflanzung

Nasenkakadus werden in freier Wildbahn mit ca. 5 bis 7 Jahren geschlechtsreif. Dazu suchen sich Nasenkakadus bereits spielerisch ihre Partner für die Ehe. Bei diesem Verhalten spricht man von einer Verpaarung. Diese Verpaarung hält auch bei den Nasenkakadus ein Leben lang.

Nasenkakadu
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Nasenkakadu
Der Beginn der Brutzeit geht mit dem Beginn der Regenzeit im südöstlichen Australien einher. Die Paarungszeit beginnt im Juli bis August. Danach setzt die Regenzeit ein. Die Brutdauer erstreckt sich bis in den Dezember. Es wird nur eine Brut pro Saison gemacht. Nasenkakadus benötigen für die Jungenaufzucht weiche und vorgekeimte Nahrung. Obwohl sich die Nasenkakadus fest verpaaren, werden vor der eigentlichen Fortpflanzung ausgedehnte Paarungsspiele durchgeführt. Der Hahn wirbt besonders intensiv um die Henne und beginnt auch während der Balzspiele bereits mit dem Füttern des Weibchens. Dieses intensive Balzverhalten dient der Einstimmung zur Brut und soll auch die Bindung des Paares immer wieder festigen. Eine weitere Begründung in dem sich jährlich wiederholenden Paarungsritual kann auch darin liegen, dass sich ein Zuchtpaar damit deutlich von der Gruppe absetzen möchte und für die Dauer der Brut nicht mehr aktiv am Schwarmleben teilnimmt. Das Paar sucht gemeinsam einen geeigneten Brutplatz auf. Geeignet sind vornehmlich Höhlen in etwas größeren Bäumen, welche ohne große Mühe vergrößert oder für die Brut passend hergerichtet werden können. Besonders werden Nisthöhlen in Eukalyptusbäumen bevorzugt. Diese befinden sich meistens in Wassernähe. Beobachtungen haben gezeigt das Nasenkakadus in Südwestvictoria auch in Felsspalten brüten. Die Bruthöhle wird etwas mit Nistmaterial ausgepolstert. Vor diesen Brüthöhlen erfolgt die eigentliche Paarung.

Wenige Tage nach der Paarung legt das Weibchen zumeist zwei, selten mehr Eier. Bebrütet wird das Gelege wird von beiden Partnern gleichzeitig. Die Brutzeit beträgt im Mittel 24 Tage. Nach dem Schlupf füttern beide Elterntiere gemeinsam die Küken. Sie werden zum überwiegenden Teil mit Insekten und deren Larven ernährt. Dazu suchen die Elternvögel aufgeweichte Pflanzenteile. Der Stoffwechsel der Küken ist dadurch sehr stark beansprucht. In einem Alter von ca. 80 Tagen sind die Jungvögel soweit entwickelt, dass sie in der Lage sind, das Nest zu verlassen. In den ersten Tagen schauen sie nur aus der Bruthöhle heraus und werden durch ständige Rufe der Altvögel dazu animiert, die Bruthöhle zu verlassen. Die weitere Aufzucht und Betreuung durch die Elternvögel wird bis zum Ende der Regenzeit fortgesetzt. Nach weiteren vier Monaten sind die Jungvögel flügge und verlassen selbständig die Bruthöhle und schließen sich dem Nasenkakaduschwarm an. Innerhalb des Schwarmes werden die Jungvögel noch einige Zeit gefüttert und betreut. Bei den gemeinsamen Nahrungsausflügen lernen die Jungvögel selbständig nach Nahrung zu suchen. Besonders schwierig ist für die Jungvögel noch die Suche nach Nahrung mit dem Oberschnabel. Dieser ist bei den Jungvögeln noch nicht so stark verlängert wie bei den Alttieren.

Haltung in Menschenobhut

Nasenkakadus haben eine besonders interessante Lebensweise und zeichnen sich auch durch ein sehr ruhiges Verhalten aus. Die Haltung erweist sich in der Gefangenschaftspflege als nicht sonderlich schwierig. Die eigentlichen Probleme liegen hier aber in der Nachzucht. Es gab und gibt sehr viele Nasenkakadubesitzer, welche auch sehr gute Bedingungen für die Haltung der Nasenkakadus bieten können. Die Zucht bleibt dennoch die Ausnahme. Erkenntnisse darüber sind aber sehr von Interesse und können mithelfen, noch mehr über die Nasenkakadus zu erfahren. Es ist sehr wichtig und dringend notwendig, dass die Nasenkakaduzucht auch in menschlicher Obhut erfolgreich betrieben wird. Die Bestände in menschlicher Obhut sind wahrscheinlich sehr gering.

Für die Gefangenschaftspflege sind sehr große Volieren notwendig. Bei der Planung der Volieren muß man ein ausreichend großes und stabiles Fundament mit einplanen. Nasenkakadus werden auch am Rand der Voliere ständig graben. Die Gefahr besteht das sie sich auch in die Freiheit graben. Einmal entwichenen Nasenkakadus sind schwer wieder einzufangen. In fremden Habitaten haben sie keine Überlebenschance. Der Voliere muß ein beheizbares Schutzhaus angeschlossen sein. Eingewöhnte Nasenkakadus sind sehr robust und können auch im Winter kurzzeitige Ausflüge in die Freivoliere genießen. Bei Temperaturen unterhalb von 10°C ist der Aufenthalt in den Volieren nur bei Sonneneinstrahlung günstig. Da es sich bei den Nasenkakadus um sehr bewegungsfreudige Vögel handelt, sollten sie auch dementsprechend genügend Platz zur Verfügung gestellt bekommen. Dabei ist die Volierenhöhe nicht ganz so ausschlaggebend wie die Länge. Den Nasenkakadus muß es ermöglicht werden aktiv zu fliegen. Hat man die Möglichkeit ein verpaartes Nasenkakadupaar zu pflegen, ist eine Schwarmhaltung nicht zwingend notwendig. Möchte man eine Verpaarung der Nasenkakadus erreichen, so ist eine kleine Schwarmhaltung besonders günstig. Nach einer Verpaarung kann das verpaarte Paar abgesondert werden. Für die Zucht wäre dies ohnehin notwendig. Anderenfalls kommt es zu besonders heftigen Streitereien. Da andere Nasenkakadus in der Volierenhaltung nicht ausweichen können, kann es zu ernsthaften Verletzungen führen. Zeitgleich tritt eine enorme Stressbelastung aller Vögel auf. In extremen Fällen kann dies bereits zum Tot der Insassen führen.

Der Volierenboden sollte so beschaffen sein, dass die Nasenkakadus jeder Zeit in der Lage sind, auch nach Futter graben zu können. Da in der Voliere nicht ständig Futter auf natürlichem Wege nachwachsen kann, muß man sich der Mühe unterziehen und Futter zielgerichtet vergraben. Dazu muß der Bodengrund erst so aufgegraben werden, dass man Futter einbringen kann, danach aber wieder so fest verschlossen werden, dass die Nasenkakadus das Futter auch aktiv wieder ausgraben müssen. In gewissen Abständen muß der gesamte Boden ausgewechselt werden. Der Bodengrund wird durch das ständige Umgraben und die natürlichen Hinterlassenschaften durch die Nasenkakadus unbrauchbar. Versäumt man den rechtzeitigen Wechsel und lässt auch sonst die notwendigen großzügigen Säuberungsarbeiten außer acht, werden die Vögel von Darmparasiten befallen. Im schlimmsten Fall erkranken die Nasenkakadus und können verenden.

Portrait Nasenkakadu
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Portrait Nasenkakadu

Zur Zucht in Gefangenschaft gibt es recht unterschiedliche Angaben. Bei eingewöhnten Tieren beginnt die Paarungszeit im Spätfrühling oder Frühsommer. Am günstigsten ist es, wenn man die Nasenkakadus bei Temperaturen von ca. 10°C überwintert. Als Bruthöhlen können Naturstammhöhlen aber auch selbst hergestellte Nisthöhlen verwendet werden. Diese sollten ausreichend groß gewählt werden. Wichtig ist, dass ein eher weiches Material verwendet wird. Nasenkakadus verändern die Nisthöhlen mittels Hilfe ihrer Schnäbel gern selbst und richten diese so passend her. Die angebotenen Bruthöhlen werden ausgiebig inspiziert und mit den Schnäbeln benagt. In vielen Zuchten werden die Einschlupflöcher mit Metall ausgeschlagen, um eine zu große Benagung zu verhindern. Da es aber zum natürlichen Verhalten der Nasenkakadus gehört die Bruthöhlen zu benagen, sollte man sich dazu entschließen, die Wände der Bruthöhlen immer wieder etwas zu verstärken oder auch eine zweite Brutmöglichkeit anzubieten. Dies würde dem natürlichen Bedürfnis der Nasenkakadus am ehesten gerecht werden. Meistens werden zwischen 1 bis 3 Eier abgelegt. Die Küken schlüpfen nach ca. 29 Tagen. Wird das erste Gelege verworfen, kommt es wahrscheinlich zu einem Nachgelege. Die Jungvögel fliegen in Gefangenschaft bereits nach der 10. Woche aus und nutzen bereits den gesamten zur Verfügung stehenden Raum mit den Elterntieren aus. Anders als in freier Natur muß man nun das Verhalten der Vögel untereinander gut beobachten. Sind die Jungvögel flügge, so kommt es in der Volierenhaltung recht häufig zum Verbeißen der Jungvögel. Wird dieses Verhalten beobachtet, müssen die Jungvögel sofort von den Alttieren getrennt werden.

Neben ihrer ausgeprägten Grabtätigkeiten für die Nahrungsaufnahme haben sie auch ein ausgesprochen großes Nagebedürfnis. Dies ist fast allen Papageienarten eigen und dient in erster Linie der Abnutzung des Schnabels. Bei der Gefangenschaftspflege muß dies unbedingt in ausreichendem Maße beachtet werden. Ständig frische Zweige und Äste von nicht harzenden Laubgehölzen müssen gereicht werden. Wird dies vernachlässigt, wächst der Oberschnabel der Nasenkakadus sehr stark. Die Folge wäre eine Regulierung der Länge durch menschliche Eingriffe. Wird auch dies versäumt, erschwert der zu lange Oberschnabel die Nahrungsaufnahme der Nasenkakadus erheblich. Dies kann soweit gehen, dass der Nasenkakadu keine Nahrung mehr aufnehmen kann.

Ein besonderes Problem bei den Nachzuchtbemühungen scheint die Fütterung darzustellen. In ihren natürlichen Vorkommensgebieten ernähren sich die Nasenkakadus während der Fortpflanzungszeit von besonders weichen und vorgekeimten Futterpflanzen, Wurzeln, Knollen, Sämereien und anderem. Darüber hinaus finden sie während der Regenzeit auch sehr viele und verschiedene Insektenarten. Das Verfüttern der Insekten scheint bei der Jungtieraufzucht von besonders großer Bedeutung zu sein. Bei den Nachzuchtbemühungen in Gefangenschaft muß man zeitgleich die Fütterung der Zuchttiere den Bedingungen wie in der freien Wildbahn anpassen. Dazu ist es notwendig, dass man alle möglichen Futtermittel in vorgekeimtem Zustand anbietet, alle verfügbaren Obstsorten, auch zerkleinert oder zu Brei verarbeitet, anbieten kann. Zusätzlich müssen unbedingt ausreichend Insekten und deren Larven in den unterschiedlichsten Stadien und Arten angeboten werden. Fütterungen mit gekochtem Fleisch, Eiern und anderen tierischen Bestandteilen führen nicht zum gewünschten Nachzuchterfolg. Sind die Nasenkakadus an die verschiedenen Futtermittel gewöhnt, so werden diese auch zur Brutsaison problemlos aufgenommen. Sind die verschiedenen Futtermittel neu, so muß man die Nasenkakadus erst daran gewöhnen. Frischkost in Form von allen möglichen süßen Obstsorten, Gräsern, Löwenzahn, Hirtentäschel und anderem, muß ständig vorhanden sein. Buntes Gemüse wird von eingewöhnten Nasenkakadus ebenfalls sehr gern aufgenommen. Zur Brutzeit kann das Gemüse auch leicht gedünstet werden. Zweige von Obstbäumen und anderen Laubbäumen müssen täglich frisch gereicht werden. Auch im Winter.

Besonderheiten

Das Nachahmungstalent der Nasenkakadus ist mehr oder weniger gut ausgeprägt. Sie sind in der Lage verschiedene Geräusche sehr ähnlich zu imitieren. Darüber hinaus haben sie ein sehr gutes Lernvermögen und können sich verschiedene Bewegungsabläufe gut einprägen. Das Wesen der Nasenkakadus ist recht ausgeglichen und sie sind in der Gruppe auch sehr gut verträglich. Es kommen wesentlich weniger innerartliche Gruppenstreitigkeiten vor wie bei anderen Kakaduarten vor. Bei der Gefangenschaftspflege zeigt sich dieses Verhalten besonders deutlich. Am Morgen und am Abend werden Nasenkakadus mitunter jedoch auch sehr laut.

Gefährdung

Nasenkakadus kommen nur noch in kleinen Beständen in ihrem Verbreitungsgebiet vor. Vereinzelt größere Schwärme sind nur noch selten zu beobachten. Trotz des starken Rückgangs werden Nasenkakadus von Plantagenbesitzern und Obstbauern als Schädlinge verfolgt und getötet. In einigen Habitaten konnten die Populationen stabil bleiben oder sich leicht erholen.

Schutzstatus

In der Roten Liste der IUCN wird die Art als Least Concern (nicht gefährdet) geführt.

Nasenkakadus dürfen nicht importiert und ohne staatliche Genehmigung in Gefangenschaft gepflegt werden.

Anhang

Siehe auch

Literatur

  • Dathe, Heinrich, Handbuch des Vogelliebhabers, Landbuch Verlag
  • Kakadus - Robiller, Franz - Urania Verlag, 1992 - ISBN 3332005049
  • Kakadus - Lantermann, Werner - GU-Verlag, 1988 - ISBN 3774234493
  • Kakadus - Hoppe, Dieter - Ulmer, 1986 - ISBN 3800171554
  • Kakadus - Diefenbach, Karl - Horst Müller Verlag, 1982 - ISBN 3923269064
  • Kakadus und ihre Welt - Strunden, Hans - Hort Müller Verlag, 1989 - ISBN 3923269307
  • Steckbrief: Nasenkakadu, WP-Magazin 4/97, Arndt-Verlag

Zeitschriften

  • Clausen, Jörg - Nahrungsaufnahme bei Nasenkakadus, Grossen Gelbhaubenkakadus und Rosakakadus - Papageien 2/1995
  • Silva, Tony - Die Zucht von Nasenkakadus und Wühlerkakadus - Papageien 2/94

Weblinks

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