Nhandu chromatus

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Nhandu chromatus

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Theraphosinae
Gattung: Nhandu
Art: Nhandu chromatus
Wissenschaftlicher Name
Nhandu chromatus
Schmidt, 2004

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:002249]

Die Art Nhandu chromatus zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung Nhandu. Im Englischen wird die Art white striped bird eater oder brazillian red & white genannt.

Nhandu chromatus wurde im Jahre 2004 von Dr. Günter Schmidt beschrieben. Viele Jahre wurde diese Art unter dem Namen Lasiodora cristata gehandelt. Des Weiteren wurde sie noch unter der Bezeichnung Vitalius cristatus im Handel angeboten. In Wirklichkeit ist die Vogelspinne eine eigenständige Art. Die Bezeichnung Nhandu chromatus wurde von Dr. Günter Schmidt im Jahre 2004 eingeführt. In der Natur widersteht Nhandu chromatus hohe Temperaturen während des Tages bis zu 39 Grad Celsius und relativ geringe Temperaturen in der Nacht von etwa 12 Grad Celsius.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Es handelt sich um eine stark behaarte, zum Teil recht groß werdende Art mit einem sehr attraktiven äußeren Erscheinungsbild. Nhandu chromatus erreicht eine Körperlänge von etwa 6 bis 7 Zentimeter und eine Beinspannweite von etwa 13 Zentimeter. Männchen bleiben insgesamt ein wenig kleiner als Weibchen. Der Carapax (Prosoma) weist eine dunkelgraue bis schwärzliche Färbung auf, wobei der Rand des Carapax hellbraun bis sandfarben gefärbt ist. Ventral zeigt sich im Bereich des Sternum eine schwarze Färbung. Das Opisthosoma (Abdomen) ist dunkelgrau gefärbt und ist gekennzeichnet durch lange, rötliche bis rötlichbraune Reizhaare gekennnzeichnet, die bei Bedrohung mit den Hinterbeinen abgestreift werden können. Es handelt sich bei Nhandu chromatus demnach um eine sogenannte Bombadierspinne. In der Pigmentierung ähneln sich beide Geschlechter. Ähnlich dem Opisthosoma sind auch Cheliceren und die Laufbeinpaare dicht mit Tasthaaren besetzt. Die 4 Laufbeinpaare entspringen fächerförmig aus der weichhäutigen Verbindung zwischen Carapax und Sternum. Der Femur (Schenkel) ist dorsal dunkelgrau bis fast schwarz gefärbt, zwischen Patella (Knie) und Tarsus (Fuß) zeigt sich eine hell und dunkle Bänderung. Die Cheliceren, die am Prosoma das erste Gliedmaßenpaar bilden, weisen eine hellbraune Färbung auf. Sie bestehen aud einem massiven Grundglied und einer beweglich eingelenkte Klaue. Die Giftdrüsen münden dabei in den Klauen. Das Petiolus (Verbindungsstil) verbindet Opithosoma und Prosoma. Der Prosoma gliedert sich in das Oberteil, dem Kopfbrustschild (Peltidium) und dem Sternum. Das Sternum ist eine sternförmige plattenartige ventrale Abdeckung. Im vorderen Teil des Prosoma schließt sich das Labium, eine beweglich angebrachte Unterlippe, die Kauladen sowie zwei Kiefertaster, den Pedipalpen, an. Der untere Teil des Prosoma dient hauptsächlich der Nahrungsaufnahme, im oberen Teil des Prosoma liegt der Augenhügel mit den acht symmetrisch angeordneten Augen. Im Vorderkörper befinden sich zudem auch das Gehirn, der Saugmagen und Teile des Verdauungssystems.

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Nhandu chromatus

Lebensweise

Nhandu chromatus ist überwiegend nachtaktiv und ruht am Tage in ihrer Wohnhöhle. Die Art lebt fast ausschließlich am Boden, obwohl Klettereigenschaft nachgewiesen wurden. Als Wohnhöhle dienen kleine Erdbauten in lockerem Substrat. Die Höhle wird im Grunde nur zur Nahrungssuche verlassen. Das Innere der Höhle ist mit einem feinen Gespinnst ausgekleidet. Nhandu chromatus lebt einzelgängerisch, die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander.

Verbreitung

Der Verbreitungsschwerpunkt von Nhandu chromatus erstreckt sich über das zentrale und nördliche Brasilien, insbesondere über die brasilianischen Bundesstaaten Mato Grosso und Tocantins. Nhandu chromatus besiedelt die feuchten Regionen der tropischen Regenwälder und ist hier in den unteren Schichten, in der Regel am Waldboden anzutreffen. Im Lebensraum herrschen am Tage hohe Temperaturen bis zu 39 Grad Celsius, während in der Nacht die Temperaturen bei etwa 12 Grad Celisus liegen können. Die Luftfeuchtigkeit beträgt etwa 80 Prozent.

Ernährung

Nhandu chromatus ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta). Auf der Speisekarte weit oben stehen Insekten (Insecta) wie beispielsweise Schaben (Blattodea), Echte Grillen (Gryllidae), Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera). In Gefangenschaft werden auch Wachsmotten (Galleriinae), Mehlkäferlarven (Tenebrio) und zuweilen nestjunge Mäuse (Mus) verfüttert. Über die Chelizerenklauen injiziert Nhandu chromatus ein Gift in das Beutetier. Das Gift löst die Beute von innen her auf. Nach einiger Zeit saugt Nhandu chromatus das Beutetier aus. Übrig bleibt lediglich die leere Hülle. Nhandu chromatus ist in der Lage, nach einem reichhaltigen Mahl über mehrere Wochen zu Hungern.

Fortpflanzung

In Abhängigkeit vom Nahrungsangebot erreicht das Weibchen der Nhandu chromatus die Geschlechtsreife nach 3 bis 4 Jahren. Das Männchen erreicht die Geschlechtsreife nach der letzten Häutung, der sogenannten Reifehäutung. Das Männchen baut in der Paarungszeit ein spezielles Spermanetz,
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in das es aus seiner Geschlechtsöffnung am Hinterleib, einen Spermatropfen absetzt. Diesen nimmt es dann mit dem Begattungsorgan, die im Bereich der Pedipalpen liegen, auf. Zu diesem Zeitpunkt begibt sich das Männchen auf die Suche nach einer Partnerin. Weibchen häuten sich, anders als die Männchen, übrigens lebenslang mehrmals im Jahr, das Männchen nach der Reifehäutung nicht mehr. Hat ein Männchen ein Weibchen gefunden, so versucht das Männchen das Weibchen durch charakteristisches Trommeln vor die Wohnhöhle zu locken. Wird das Trommeln erwidert, so ist das Weibchen paarungsbereit und verlässt die Höhle. Das Männchen stemmt das Weibchen mit den Schienbeinhaken, die sich am ersten Beinpaar befinden, so weit in die Höhe, dass das Männchen mit den Paarungsfortsätzen, den Bulben an den Pedipalpen, an die Geschlechtsöffnung am Hinterleib des Weibchens gelangt. Dort führt das Männchen den stachelähnlichen Fortsatz in die Geschlechtsöffnung ein und gibt das Sperma frei. Unmittelbar nach der Kopulation trennt sich das Paar. Nach erfolgreicher Paarung bildet das Weibchen einen Kokon aus Spinnseide. Darin legt das Weichen einige Wochen nach der Begattung 600 und 1.800 Eier ab. Nach weiteren 8 bis 12 Wochen schlüpfen die Spiderlinge. Kurz nach dem Schlupf verlassen sie die Wohnhöhle der Mutter und sind nun auf sich allein gestellt. In der ersten Zeit sind die Spiderlinge sehr verletzbar und werden meist von verschiedenen Prädatoren gefressen. Zu den natürlichen Hauptfeinden der Spiderlinge gehören vor allem andere Spinnentiere (Arachnida) und Lurche (Amphibia). Im ersten Lebensjahr wachsen die Spiderlinge sehr schnell heran, ab dem zweiten Lebensjahr verlangsamt sich ihr Wachstum jedoch deutlich. Sie ernähren sich überwiegend von Kleinstinsekten. Nach der Reifehäutung hat das Männchen nur noch eine geringe Lebenserwartung. Weibchen können unter günstigen Umständen ein Alter von 14 bis 15 Jahren erreichen, Männchen kommen hingegen über ein Alter von 4 bis 5 Jahren nicht hinaus.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 4. November 2008 <1>

  • Nhandu chromatus - Schmidt, 2004
  • Nhandu chromatus - Schmidt, 2004b
  • Nhandu chromatus - Peters, 2005b

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

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