Notiosorex crawfordi

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Notiosorex crawfordi
Foto/Zeichnung folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Rotzahnspitzmäuse (Soricinae)
Gattung: Wüstenspitzmäuse (Notiosorex)
Art: Notiosorex crawfordi
Wissenschaftlicher Name
Notiosorex crawfordi
(Coues, 1877)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Notiosorex crawfordi zählt innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae) zur Gattung der Wüstenspitzmäuse (Notiosorex). Im Englischen wird die Art Desert Shrew genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Das Review erfolgte durch Armstrong & Jones (1972b) sowie durch Carraway & Timm (2000). Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Erkennung

Notiosorex crawfordi ist relativ klein, der Schwanz ist mit einem Drittel der Körperlänge kurz. Er ist behaart und zweifarbig. Das Fell ist dorsal silbergrau bis graubraun gefärbt, ventral zeigt sich eine insgesamt hellere Färbung. Der Schädel ist flach. Das Gebiss besteht aus 28 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/1, c1/1, p1/1, m3/3 (Armstrong & Jones, 1984).

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde der Gattung Notiosorex stammen aus späten pliozänen Ablagerungen der Roxroad Formation und wurden Notiosorex jacksoni zugeordnet. Notiosorex jacksoni war deutlich länger als Notiosorex crawfordi jedoch kleiner als Megasorex gigas. Das Gebiss entspricht dem vom Notiosorex crawfordi. Jüngere Funde von Notiosorex jacksoni stammen aus dem mittleren Pleistozän und wurden in Kansas und Kalifornien gefunden. Die ältesten Funde von Notiosorex crawfordi weisen ein Alter von 11.000 bis 8.000 Jahren auf. Dies belegen Radiokarbon-Messungen. Subfossile Funde von Notiosorex crawfordi sind etwa 1.000 Jahre alt und stammen aus Arkansas (Armstrong & Jones, 1984).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Notiosorex crawfordi erreicht eine Gesamtlänge von 81 bis 90 (85,5) mm, eine Schwanzlänge von 24 bis 26 (25) mm, eine Hinterfußlänge von 9 bis 11 (10) mm, eine Ohrlänge von 8 bis 9 mm, eine Condylobasallänge von 15,bis 16,2 (16) mm, eine Schädelbreite von 7,8 bis 8,4 (8,3) mm sowie ein Gewicht von 4,4 bis 6,3 (5,42) g. Notiosorex crawfordi verfügt über 52 bis 54 Wirbel, die sich in 7 Halswirbel (Cervical vertebrae), 13 Brustwirbel (Thoracic vertebrae), 16 Lendenwirbel (Lumbar vertebrae), 5 Kreuzbeinwirbel (Sacral vertebrae) und 11 bis 13 Steißbeinwirbel (Coccygeal vertebrae) gliedern. Lateral zeigen sich insbesondere bei den adulten Männchen ausgeprägte Hautdrüsen, die eine Länge von 2 bis 5 mm aufweisen. Bei den Weibchen sind diese Drüsen eher rudimentär vorhanden. Nur während der Tragezeit sind die Drüsen funktionell. Das dorsale Fell von Notiosorex crawfordi erreicht eine Länge von 3 mm, ventral eine Länge von 1,5 bis 2 mm. Das Fell subadulter Tiere ist insgesamt kürzer und basal heller gefärbt. Der Fellwechsel wird zwischen April und Juni durchgeführt. Im Bereich der Schnauze zeigen sich lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen (Armstrong & Jones, 1984).

Lebensweise

Notiosorex crawfordi ist ein schneller und unruhiger Läufer. Der Schwanz wird beim Laufen steif nach oben gehalten. Nester werden von beiden Geschlechtern gebaut. Die Nester weisen einen Durchmesser von etwa 40 bis 50 mm auf. Das Nestinnere wird mit feinen Gräsern ausgepolstert. Ein Nest wird nur von einem Individuen bzw. von einem Weibchen und deren Nachwuchs bewohnt. Notiosorex crawfordi ist ein aktiver und aggressiver Jäger. Schutz suchen die Tiere in dichter Bodenvegetation. Sind die Lebensbedingungen oder die Nahrungsressourcen unzureichend, können die Tiere in eine Art Torpor verfallen. Auf diese Weise spart Notiosorex crawfordi Energie (Armstrong & Jones, 1984).

Verbreitung und Lebensraum

Notiosorex crawfordi kommt im nördlichen und zentralen Mexiko und in den südöstlichen Bundesstaaten der USA vor. Darüber hinaus ist die Art auf den Inseln Isla Martín und Isla Palmito del Verde verbreitet. In Mexiko werden die Bundesstaaten Baja California Peninsula, Chihuahua, Coahuila, Durango, Hidalgo, Jalisco, Nuevo Leon, San Luis Potosi, Sinaloa, Sonora und Zacatecas besiedelt. Die Vorkommen in den USA erstrecken sich über Arizona, California, Colorado, New Mexico, Oklahoma, Texas. Zu den typischen Lebensräumen zählen das Buschland der Wüste, lichte Kiefernwälder, Wüsten und Halbwüsten sowie Grasland. Nicht selten ist die Art auch in der Nähe von Flussufern zu Hause. Die Lebensräume liegen bis in Höhen von gut 2.100 m über NN. Zu den typischen Pflanzen im Lebensraum der Tiere gehören Mimosengewächse (Mimosoideae) wie Mesquitebäume (Prosopis), Agaven (Agave), Eichen (Quercus), Walnüsse (Juglans), Wacholder (Juniperus). Die Nähe zum Menschen wird nicht gemieden. So fühlt sich die Art auch in menschlichen Siedlungen zu Hause (Armstrong & Jones, 1984; IUCN, 2011).

Biozönose

Sympatrie

Notiosorex crawfordi lebt sympatrisch mit Arten wie Notiosorex cockrumi oder Amerikanischen Buschratten (Neotoma) wie Neotoma albigula und Neotoma fuscipes (Armstrong & Jones, 1984).

Prädatoren und Parasiten

Über Prädatoren ist nur wenig bekannt. Überreste wurden im Kot von Schleiereulen (Tyto alba) und Eigentliche Eulen (Strigidae) wie der Virginia-Uhu (Bubo virginianus) gefunden. Zu den nachgewiesenen Endoparasiten zählen beispielsweise Bandwürmer (Cestoda) wie Raillietina sowie Fadenwürmer (Nematoda) der Ordnung der Spirurida (Armstrong & Jones, 1984).

Ernährung

Notiosorex crawfordi ernährt sich opportunistisch von Mehlkäfern (Tenebrio molitor), Grillen (Gryllidae), Schaben (Blattodea), Stubenfliegen (Musca domestica), verschiedene Kurzfühlerschrecken (Caelifera), Käfern (Coleoptera), Regenwürmern (Lumbricidae), Schmetterlingen (Lepidoptera), Ohrwürmern (Dermaptera), Hundertfüßer (Chilopoda), aber auch von Aas von Vögeln (Aves) und kleinen Säugetieren (Mammalia). Ist Trinkwasser vorhanden, so wird dieses konsumiert. Ansonsten decken die Tiere ihren Wasserbedarf über die Nahrung. Der Fäzes von Notiosorex crawfordi ist 5 bis 9 mm laang und 2 bis 4 mm breit (Armstrong & Jones, 1984).

Fortpflanzung

Die Paarungszeit von Notiosorex crawfordi erstreckt sich im Wesentlichen über die wärmeren Monate des Jahres und erstreckt sich meist vom zeitigen April bis in den November hinein. Die Kernzeit reicht von Mai bis September. Weibchen verfügen im Leistenbereich über 3 Paar Zitzen. Ein Wurf besteht aus 3 bis 5 Jungtieren. Neugeborene erreichen eine Gesamtlänge von 43 bis 47 mm, eine Schwanzlänge von gut 9 mm und ein Gewicht von 1,6 bis 2 g auf. Der Nachwuchs ist blind, nackt und unselbständig. Die Vibrissen sind nur rudimentär vorhanden. Ab dem 3. Lebenstag beginnt das Fell zu wachsen. Ab dem 40. Lebenstag verlassen die Jungtiere erstmals das Nest. Zu diesem Zeitpunkt weisen die Jungtiere gut 90% der adulten Größe auf (Armstrong & Jones, 1984).

Etymologie

Notiosorex setzt sich aus dem griechischem Notios = "südlich" und dem lateinischen sorex = "Spitzmaus" zusammen. Das Artepitheton crawfordi wurde zu Ehren des Sammlers des Holotyps S. W. Crawford verwandt (Armstrong & Jones, 1984).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Notiosorex crawfordi gehört heute noch nicht zu den gefährdeten Spitzmäusen (Soricidae). In den meisten Regionen kommt Notiosorex crawfordi noch häufig vor. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Über Gefährdungsursachen ist nichts bekannt (IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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