Ohrengeier

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Ohrengeier

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Greifvögel (Falconiformes)
Familie: Habichtartige (Accipitridae)
Unterfamilie: Altweltgeier (Aegypiinae)
Gattung: Ohrengeier (Torgos)
Art: Ohrengeier
Wissenschaftlicher Name
Torgos tracheliotus
(Forster, 1791)

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Der Ohrengeier (Torgos tracheliotus), auch unter dem Synonym Aegypius tracheliotus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Habichtartigen (Accipitridae) zur Gattung der Ohrengeier (Torgos). Im Englischen wird der Ohrengeier lappet-faced vulture oder nubian vulture genannt. Dieses Taxon ist in zwei Spezies gesplittet: Torgos tracheliotus und Torgos negevensis.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Ohrengeier ist einer der mächtigsten Greifvögel im südlichen Afrika und erreicht eine Körperlänge von etwa 95 bis 115 Zentimeter und eine Spannweite von etwa 2,5 bis 3,0 Metern. Das durchschnittliche Gewicht dieser Art liegt etwa zwischen 6,2 und 9,4 Kilogramm, wobei das Weibchen größer und schwerer ist als das Männchen. Der Rücken, der Schwanz und die Flügel sind überwiegend dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbt. Es zeigt sich jedoch in fast allen Gefiederbereichen eine mehr oder weniger stark ausgeprägte weiße Säumung der einzelnen Federn. Einige Exemplare können so überwiegend weiß gefärbt erscheinen. Nur die Arm- und Handschwingen weisen keine helle Säumung auf. Im Bereich der Schulterfittiche, der Eckflügel und Deckfedern zeigt sich jedoch eine deutliche helle Säumung. Im Flug erscheinen diese Gefiederbereiche überwiegend weißlich. Der untere Teil des Halses ist durch eine braunweiße Halskrause gekennzeichnet. Der Schwanz weist eine rundliche Form auf. Der Kopf und der Hals sind unbefiedert. Die sichtbare faltige Haut ist leicht rosa- bis fleischfarben gefärbt. Der Schnabelansatz, insbesondere die Wachshaut zeigt eine bläuliche Färbung und der mittlere Teil des Schnabels ist leicht gelblich bis gelblichgrau, die Spitze des kräftigen Schnabels weist eine dunkle, fast schwarze Färbung auf. Die Extremitäten sind dicht mit einer weißen Befiederung versehen und die sichtbare Haut der Extremitäten ist blassblau bis grau gefärbt. Des Weiteren weist die Iris der Augen eine dunkelbraune Färbung auf.

Lebensweise

Ohrengeier
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Ohrengeier

Während der Brutzeit ist der Ohrengeier ein monogamer, territorialer Einzelgänger, wahrscheinlich mit einer lebenslangen Paarbindung. Bei ausreichender Nahrung kann der Ohrengeier dauerhaft an einem Ort bleiben. Teilweise kommt es jedoch zu Migrationen. An Fressplätze sind zumeist mehrere Ohrengeier und andere Geierarten anzutreffen. Trotz ihres hohen Gewichtes sind Ohrengeier gute Flieger, die auf ihren Suchflügen nach Nahrung die Thermik geschickt ausnutzen und so mühelos und kräftesparend gleiten. Dabei fliegen sie meist in weiten Kreisen über ihren Lebensraum. An den Fressplätzen kommt es nicht selten zu Tumulten, da Ohrengeier immer versuchen sich Konkurrenten vom Leib zu halten. Der Sehsinn ist sehr gut entwickelt. Bereits aus großer Entfernung kann der Ohrengeier wie alle Geierarten Aas erspähen. Als Ruhe- und Brutplätze werden Akazienbäume bevorzugt. In der Regel legt das Weibchen ein Ei pro Jahr. Die Horste werden häufig von der Falbkatze (Felis silvestris lybica), vom Sekretär (Sagittarius serpentarius) und vom Schildraben (Corvus albus) geplündert.

Unterarten

Verbreitung

Ohrengeier
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Ohrengeier

Laut der Roten Liste der IUCN zählen zu den Verbreitungsgebieten des Ohrengeier Ägypten, möglicherweise auch Libyen, Senegal, Niger, Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Tschad, Sudan, Äthiopien, Somalia, Demokratische Republik Kongo, Ruanda, Kenia, Tansania, Sambia, Malawi, Mosambik, Namibia, Botswana, Zimbabwe, Südafrika, Swasiland, Saudi-Arabien (dort ist eine wachsende Population, etwa über 500 Individuen zu beobachten), Vereinigte Arabische Emirate, Oman und Jemen. Seit den 1930er Jahren ist der Ohrengeier in Marokko, Algerien und in Tunesien ausgestorben und es existiert nur noch eine kleine Population im Süden Ägyptens und möglicherweise auch in der Westsahara und in Mauretanien. In Nigeria ist seit den späten 1970er Jahren ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen, möglicherweise ist die Art dort schon ausgestorben. Zuvor hat die Art auch in Jordanien und in Israel gebrütet. Es gibt wahrscheinlich noch 1.000 Paare (fast 3.000 Individuen) im südlichen Afrika und mindestens die gleiche Anzahl in Ost- und Nord-Ost-Afrika. In West-Afrika und in der Sahara werden etwa nur noch 500 Paare gezählt. Eine grobe Schätzung der afrikanischen Bevölkerung von mindestens 8.000 Individuen liegt vor, jedoch ist ein langsamer stetiger Rückgang dieser Art im südlichen Afrika zu verzeichnen.

Heimisch ist der Ohrengeier in folgenden Gebieten: Angola, Benin, Botswana, Burkina Faso, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Demokratische Republik Kongo, Côte d'Ivoire, Dschibuti, Ägypten, Äquatorialguinea, Eritrea, Äthiopien, Gambia, Kenia, Malawi, Mali, Mauretanien, Mosambik, Namibia, Niger, Oman, Palästinensische Autonomiegebiete, Ruanda, Saudi Arabien, Senegal, Somalia, Südafrika, Sudan, Swasiland, Vereinigte Republik Tansania, Uganda, Vereinigte Arabische Emirate, Jemen, Zambia und Zimbabwe. Regional ausgestorben ist der Ohrengeier in Israel, Jordanien und in der Westsahara. Als Durchzügler kommt der Ohrengeier in Algerien, Burundi, Frankreich, Libyen, Marokko und Togo vor und präsent ist er in Nigeria sowie in der Arabischen Republik Syrien, jedoch ist die Herkunft ungewiss und ungewiss ist die Präsenz in Kamerun. Die afrikanische Population zählt mindestens 8.000 Individuen (Mundy et al., 1992) und etwa 500 Individuen im Nahen Osten.

Der Ohrengeier ist vor allem ein Aasfresser, der sich hauptsächlich von Tierkadavern ernährt. Während der Brutzeit ist der Ohrengeier ein monogamer, territorialer Einzelgänger, wahrscheinlich mit einer lebenslangen Paarbindung. In der Regel legt das Weibchen nur ein Ei. Die Horste werden oft in Akazienbäumen gebaut, deren Verteilung jedoch durch diese Bäume begrenzt ist. Die Geschlechtsreife erreicht der Ohrengeier erst mit sechs Jahren. Eine Ringstudie in Namibia ergab eine sehr geringe Rücklaufquote. Der Ohrengeier hält sich bevorzugt in trockenen Savannen, im subtropischen und im tropischen trockenen Buschland sowie im subtropischen und im tropischen Trockenwald und im Grasland sowie in heißen Wüsten auf.

Ernährung

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Ohrengeier

Hauptsächlich ist der Ohrengeier ein Aasfresser, wobei der Schwerpunkt auf der Haut, die Sehnen und die Bänder von Tierkadavern liegt. Der Ohrengeier ist der größte und mächtigste Greifvogel im südlichen Afrika. Die Größe der Tierkadaver variiert von der Äthiopischen Grünmeerkatze (Chlorocebus aethiops), vom Impala (Aepyceros melampus) bis hin zum Afrikanischen Elefanten (Loxodonta africana). Des Weiteren zählen zum Nahrungsspektrum Wildunfall, gestrandete Fische, Eier und Nestlinge der Flamingos (Phoenicopteridae) und der Afrikanischen Strauße (Struthio camelus), die Plazenta der Gnus (Connochaetes) sowie neu geborene Antilopen und junge Sumpfschildkröten (Emydidae).

Fortpflanzung

Während der Brutzeit ist der Ohrengeier ein monogamer, territorialer Einzelgänger, wahrscheinlich mit einer lebenslangen Paarbindung. Der Horst wird von beiden Geschlechtern gebaut, bestehend aus einer großen Plattform, der mit Ästen und Zweigen zusammengehalten und mit trockenem Gras, Haaren und Fell ausgekleidet wird. In der Regel befindet sich der Horst an der Spitze eines frei stehenden Baumes, vor allem werden für den Horstbau Akazienbäume verwendet, wie zum Beispiel Acacia burkei und die Süßdornakazie (Acacia nigrescens), Hirtenbäume (Boscia) und Myrobalanen (Terminalia). Die Eiablage findet in den Monaten von Februar bis Oktober stand und erreicht ihren Höhepunkt von Mai bis Juni in Simbabwe und von Juli bis September. In der Regel legt das Weibchen ein einziges Ei, selten zwei Eier. Das Gelege wird von beiden Geschlechtern etwa 55 Tage lang bebrütet. Etwa für 72 Tage verweilt das Küken im Horst und wird von beiden Altvögeln mit Fleisch gefüttert. Nach etwa 120 bis 128 Tagen verläßt der Jungvogel das Nest und völlig unabhängig ist er nach etwa 170 Tagen. Der Jungvogel bleibt allerdings noch einige Monate bei den Altvögeln.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN ist der Ohrengeier durch Vergiftung und Verfolgung vom Aussterben bedroht und wird in der Roten Liste der IUCN als gefährdet (vulnerable) geführt. Vor allem aufgrund von vielen Landwirten, die für die Raubtier-Regulierung Strychnin verwenden, hat dies wesentlich zum Rückgang dieser Art beigetragen. Oft werden auch Tiere vergiftet, die fälschlicherweise als Raubtiere angesehen werden. So wurden in Namibia durch Aufnahme von vergifteten Tierkadavern 86 Individuen getötet. Ein weiteres Problem ist der zunehmende Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft und die Störung der Brutplätze durch die zunehmende Nutzung von Freizeit-Gelände-Wagen, vor allem für den Tourismus.

Die Art wird im Anhang II der CITES und im Anhang II der CMS geführt. Eine Reihe von Brutplätzen befindet sich in den Schutzgebieten bzw. werden zu Schutzgebieten erklärt. Ferner ist eine ökologische Forschung im Gange, inbesondere in Saudi-Arabien. Um den langsamen stetigen Rückgang der Art zu stoppen und letztendlich die Art vor dem Aussterben zu bewahren, werden folgende Maßnahmen vorgeschlagen: Organisierte koordinierte Erhebungen und Überwachungen der Populationsgröße und Rückgangswerte in ihrer gesamten Bandbreite. Des Weiteren muss ein internationaler Aktionsplan für die Erhaltung der Art aufgestellt werden. Ferner ist eine weitere ökologische Forschung notwendig und es sollte ein Programm für die Landwirte zur Bewußtseinsbildung initiiert werden, um die Mortalität durch Verfolgungen und Vergiftungen zu senken.

Galerie

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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