Nymphensittich

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Nymphensittich

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
Familie: Kakadus (Cacatuidae)
Gattung: Nymphensittiche (Nymphicus)
Art: Nymphensittich
Wissenschaftlicher Name
Nymphicus hollandicus
Kerr, 1792

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Nymphensittich (Nymphicus hollandicus) zählt innerhalb der Familie der Kakadus (Cacatuidae) zur Gattung der Nymphensittiche (Nymphicus). Im Englischen wird der Nymphensittich Cockatiel, Cockatoo Parrot, Crested Parrot, Quarrion oder Weero genannt. Es gibt keine bekannten Unterarten und somit ist der Nymphensittich monotypisch.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Nymphensittiche werden 30 bis 34 cm groß und wiegen 80 bis 120 g. Sie werden in der Regel 15 bis 20 Jahre alt, können aber durchaus 30 Jahre überschreiten. Feinde: Schlangen, Greifvögel, Menschen, Buschfeuer und der Straßenverkehr.

Wildfarbene Nymphensittichmännchen sind überwiegend grau gefärbt, wobei das Bauchgefieder hellgrau ist; die Flügeloberseiten sind dunkelgrau gefärbt, und die Flügeldeckfedern bilden über der gesamten Flügellänge einen weißen Streifen; Hand- und Armschwingen sind einheitlich dunkelgrau. Stirn, Kehle und Wangen sind gelb, auf Höhe der Ohren befindet sich ein kräftig orangefarbener Fleck. Schnabel, Beine und Füße sind grau gefärbt, die Iris ist dunkelbraun. Die mittleren Schwanzfedern sind einfarbig hellgrau, die äußeren Schwanzfedern dunkelgrau bis schwarz. Nymphensittichweibchen sind einheitlich grau gefärbt, wobei das Gesicht mehr oder weniger gelb überhaucht ist. Auch das Weibchen besitzt orangefarbene Ohrenflecken, allerdings sind diese matter als die der Männchen. Die Handschwingen weisen hellgelbe Punkte auf, die Schwanzunterseite und die langen Schwanzfedern haben eine grau-gelbe Querbänderung. Beide Geschlechter besitzen eine bewegliche Haube, die die Zugehörigkeit zu den Kakadus erkennen lässt.

Jungvögel sehen aus wie erwachsene Weibchen, unterscheiden sich von diesen aber durch kürzere Schwanzfedern, ein insgesamt stumpferes Gefieder, einer kürzeren Haube und durchgehend schwarzen Augen. Die Geschlechtsbestimmung der Jungvögel ist in den ersten Monaten sehr schwer. Im Lauf der Jugendmauser, die mit etwa 3 bis 4 Monaten beginnt und mit etwa 9 bis 12 Monaten abgeschlossen ist, färbt sich das Gefieder der jungen Männchen um, wobei Männchen der Farbschläge "Perl" und "Perlschecke" ihre Perlung des Gefieders mit der Jugendmauser verlieren und naturfarbenen Nymphensittichen gleichen. Mit 9 Monaten sind Nymphensittiche geschlechtsreif.

Verbreitungsgebiet

Nymphensittich
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Nymphensittich

Der Nymphensittich ist in Australien endemisch. Er kommt in den Bundesstaaten New South Wales, Northern Territory, Queensland, Southaustralia, Western Australia, Tasmanien und Victoria vor. Größere Populationen sind im Kings Billabong Wildlife Reserve, im Murray Sunset National Park, im Hattah-Kullkyne National Park, im Wyperfeld National Park, im Lake Albacutya Park und im Little Desert National Park anzutreffen.

Laut der Roten Liste der IUCN gehören zu den Lebensräumen des Nymphensittich subtropische und tropische Wälder, Savannen, subtropisches und tropisches Buschwerk sowie subtropisches und tropisches Grasland. Des Weiteren besiedelt der Nymphensittich Ackerland, Weiden, Plantagen, ländliche Gärten sowie subtropisches und tropisches stark geschädigtes ehemaliges Waldgebiet. Nymphensittiche bewohnen hauptsächlich die trockenen Inlandsgebiete Australiens und ziehen paarweise, in kleinen Gruppen oder in großen Schwärmen auf der Suche nach Nahrung und Wasser über weite Strecken. Ihr Flug ist schnell und geradlinig, und die Vögel halten über Rufe engen Kontakt zu den Artgenossen.

Ernährung

Die geselligen Vögel ernähren sich von Samen, Körnern, Früchten, Beeren und Getreide.

Fortpflanzung

In der Brutzeit (August bis Dezember, im Süden Australiens u. U. auch ganzjährige Bruten) suchen die Vögel bevorzugt Eukalyptusbäume in Wassernähe auf. Hier umwirbt das Männchen sein Weibchen mit einem melodiösen Gesang, stellt seine Flügel in V-Form ab und klopft mit dem Schnabel spechtartig gegen Äste und Stämme. Das Weibchen legt nach der Paarung in einer Baumhöhle oder einem Astloch 4 bis 6 weiße Eier ab, die abwechselnd von beiden Partnern bebrütet werden. (Dies ist ein weiteres Indiz für die Zugehörigkeit zu den Kakadus). Nach 18 bis 21 Tagen schlüpfen die Jungvögel, deren gelbe Dunen mit der Zeit in eine Art Puder zerfallen. Nach 21 Tagen sind die Jungvögel flügge.

Haltung und Nachzucht

Nymphensittiche besitzen wie alle Papageienvögel ein ausgeprägtes Sozialverhalten und dürfen niemals einzeln gehalten werden, da dies für den Vogel eine Qual ist und er schnell Verhaltensstörungen entwickelt, die ihn, da er nach einem Partner bzw. seinem Besitzer ruft, den er als Ersatzpartner erkoren hat, zum Schreier werden lassen oder in Selbstverstümmelung, Gefiederrupfen etc. ausarten können. Auch ein Paar oder eine kleine Gruppe kann durchaus zahm werden und den Menschen in ihr ausgeprägtes Sozialverhalten integrieren.

Der Nymphensittich wurde 1840 nach Europa eingeführt. Erst ab 1855 gelangen die ersten Nachzuchten innerhalb Europas. Inzwischen gibt es unzählige Farbschläge, wie z.B. Lutinos, Albinos, Schecken, Geperlte, Weißköpfe, Zimter. Nymphensittichen sollte in Gefangenschaft genügend Platz zur Verfügung stehen. Der Käfig für ein Paar sollte mindestens 1,50 m lang sein, den Freiflug allerdings nicht ersetzen.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN weist diese Art ein großes Verbreitungsgebiet auf mit einem geschätzten globalen Umfang von etwa 1.000.000 bis 10.000.000 Quadratkilometer. Die globale Population wurde noch nicht quantifiziert, aber man geht davon aus, dass die Art in weiten Teilen häufig vorkommt (del Hoyo et al., 1997). Der globale Bevölkerungstrend ist bisher noch nicht quantifiziert worden. Die Population scheint aber stabil zu sein, so dass der Nymphensittich noch nicht zu den bedrohten Arten zählt, d. h., abnehmend mehr als 30 Prozent in zehn Jahren oder drei Generationen. Aus diesem Grund wird die Art als nicht bedenklich (least concern) eingestuft.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049
  • Einhard Bezzel, Roland Prinzinger: Ornithologie, Utb, 1990, ISBN 3800125978
  • Hans-Heiner Bergmann: Die Biologie des Vogels. Aula, 1987, ISBN 389104447X

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