Ohrenkröte

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Ohrenkröte

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Kröten (Bufonidae)
Gattung: Echte Kröten (Bufo)
Art: Ohrenkröte
Wissenschaftlicher Name
Bufo typhonius
Schneider, 1799

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Ohrenkröte (Bufo typhonius), auch unter den Bezeichnungen Falllaubkrötchen und Zwergkrötchen bekannt, zählt innerhalb der Familie der Kröten (Bufonidae) zur Gattung der Echten Kröten (Bufo). Im Englischen wird die Ohrenkröte crested forest toad, leaf litter toad oder south american common toad genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Ohrenkröte erreicht eine Körperlänge von 6,0 bis 8,0 Zentimeter. Große Weibchen können fast 10,0 Zentimeter Körperlänge erreichen. Eine etwas schlanke Kröte mit ziemlich langen dünnen Hinterbeinen. Der Kopf ist kurz und breit, schmäler als der Hals. Über jedem Auge eine stark gewölbte Erhöhung, der Kopf dazwischen etwas konkav. Die Schnauze ist mäßig stumpf. Die Nasenlöcher sind klein und erscheinen etwas länglich. Der Rachen ist mäßig groß, die Kieferränder sind glatt und die Zunge ist fleischig, länglich schmal, an der Spitze etwas ausgebreitet, ein wenig verschmälert, hinten wieder etwas breiter, kaum bemerkbar dicht mit feinen Papillen oder Wärzchen besetzt. Das Ohrfell ist rund, nicht vertieft, nahe unter dem hinteren Rand des Auges gelegen. Nicht weit hinter dem Auge steht an jeder Seite die längliche Ohrdrüse am Rand der Oberfläche des Halses. Der Leib ist breiter als der Hals, an der Mitte des Rückens etwas erhaben, nach hinten schief abfallend. Der Rücken ist von der Seite des Tiers durch eine Längsfalte der Haut getrennt, welche mit einer Reihe von Wärzchen besetzt ist. Die Vorderbeine sind zart und schlank. Die äußerste der vier Vorderzehen ist die kürzeste, dann folgt in der Länge die dritte von außen, die vierte und die zweite von außen ist die längste. Alle haben an ihrer Sohle zwei bis drei kleine zugespitzte Ballenwärzchen und an der inneren Hand ebenfalls einige Ballenwarzen. Die Hinterbeine sind ziemlich lang und schlank. Die fünf schlanken Zehen sind mit halben Schwimmhäuten verbunden. Die äußere Zehe ist kurz, die zweite sehr lang, die dritte etwas länger als die äußere, die vierte und fünfte nehmen an Länge ab und beide stehen weiter zurück als die drei äußeren. Zwei bis drei kleine Ballenwärzchen befinden sich an der Zehensohle und viele kleinere an der Fußsohle. Die gesamte Oberseite des Tiers von der Nase bis zum After ist mit kleineren und etwas größeren, ein wenig kegelförmig erhöhten Wärzchen besetzt. Sie sind auf dem Scheitel am kleinsten, auf den Augenliedern schon etwas größer, am größesten sind sie auf dem Hinterkörper. Die Schenkel, Beine und Füße sind ebenfalls mit Wärzchen bedeckt. Die Unterseite des Körpers ist fein chagriniert (narbenmusterartig), allein die Wärzchen sind hier viel kleiner und mehr flach. <1>

Ohrenkröte
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Ohrenkröte

Die Iris ist zitronengelb. Der Rücken an den Seiten ist mit einer Reihe ziegelroter Warzen bedeckt, welche hinter der Ohrdrüse beginnt und in der Mitte der Seiten sich etwas aufwärts krümmt. Über den Rücken hinab ziehen parallel zwei schwarze Längsstreifen, welche in ihrer Mitte einen Streifen von der Grundfarbe des Rückens einschließen. Sie bilden das lange Mittelteil des vierfach schwarzen Kreuzes, welches diese Art sehr charakteristisch bezeichnet. Am Anfang der Parallellinien steht zwischen dem Hinterteil der Augenerhöhung quer vor eine schwarze Linie. Sie bildet das erste Kreuz, kaum anderthalb Linien dahinter erkennt man an jeder Seite der Mittellinien einen schwarzen Querfleck, das zweite Kreuz. Am Hals wieder zwei schwarze Querflecken, das dritte Kreuz und auf der Mitte des Rückens die vierten Kreuzflecke, wodurch eine sehr regelmäßige Zeichnung entsteht. Die Grundfarbe aller oberen Teile ist gräulich-braun, aber überall ziegelrot oder rötlich-braun gemischt oder überlaufen. Diese letzte Farbe erscheint besonders an den vier Beinen, den Kieferrändern, wo auch ein paar dunkele Querbinden, die eine unter, die andere hintere dem Auge, angedeutet sind. Die Vorder- und Hinterbeine haben einige dunkle schwärzlich-grau-braune Querbinden. Der Bauch ist weißlich und dunkel grau-braun marmoriert. <2>

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN lebt die terrestrische und nachtaktive Ohrenkröte in primären und sekundären Tieflandwäldern sowie in prämontanen und montanen feuchten Wäldern, einschließlich Festland und saisonal überschwemmte Wälder. Auch in offenen Bereichen präsentiert sich die Ohrenkröte. Auf der Insel Gorgona scheint die Ohrenkröte abhängig von reichlich Unterwuchs zu sein. Die Ohrenkröte bevorzugt für das Ablaichen temporäre Pools und Bäche. Die Männchen rufen entlang der Ufer von Wasserläufen. Die Ohrenkröte ist eine sehr generalistische Art und wird auch in gestörten Gebieten gefunden.

Verbreitung

Ohrenkröte
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Ohrenkröte

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Ohrenkröte im ganzen Amazonasbecken Südamerikas verbreitet. Sie tritt in Guyana, Suriname (ehemals Niederländisch-Guyana) und im Überseedépartement Französisch-Guayana sowie im zentralen Panama, im östlichen Tiefland und in den Kordilleren von Panama sowie auf Gorgona Island, Kolumbien auf. Ferner hält sich die Ohrenkröte an der Westküste von Ecuador auf. Die Ohrenkröte lebt etwa in einer Höhe bis zu 2.400 Meter über dem Meeresspiegel. Nativ ist die Ohrenkröte in Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Ecuador, Französisch-Guayana, Guyana, Panama, Peru, Surinam und in Venezuela verbreitet. In den genannten Ländern kommt die Ohrenkröte sehr häufig vor, jedoch ist sie in Kolumbien selten anzutreffen.

Ernährung

Ohrenkröten sind opportunistische Fleischfresser, die sich vorzugsweise von Insekten (Insecta) und deren Larven ernähren. Zur bevorzugten Nahrung gehören beispielsweise Käfer (Coleoptera), Ameisen (Formicoidea), Schnecken (Gastropoda), Fliegen (Brachycera) und Mücken (Nematocera) sowie Schmetterlinge (Lepidoptera) der Familie Eulenfalter (Noctuidae). Die Nahrungssuche erfolgt fast ausschließlich während der Nacht oder in der Dämmerung. Am Tage ruhen die Kröten an geschützten Orten. Ohrenkröten sind keine reinen Ansitzjäger, sie gehen durchaus auch aktiv auf Beutefang. Beutetiere werden mit der klebrigen Zunge gefangen, zwischen den kräftigen Kiefern zerquetscht und im Ganzen verschlungen.

Fortpflanzung

Ohrenkröten bei der Paarung
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Ohrenkröten bei der Paarung

Die Männchen rufen entlang der Ufer von Wasserläufen. Wie bei allen Kröten, so wird die Paarung auch bei der Ohrenkröte im Wasser vollzogen, bevorzugt werden für das Ablaichen temporäre Pools und Bäche. Hat ein Männchen ein Weibchen erobert, so klettert das Männchen auf den Rücken des Weibchens und klammert sich mit seinen Vorderbeinen am Körper des Weibchens fest. Nach wenigen Tagen kommt es im Wasser zur Eiablage. Das Weibchen stößt Stränge von Eiern durch Muskelkontraktion aus. Das Männchen bemerkt diese Muskelkontraktion und gibt gleichzeitig sein Sperma ab, um die Eier zu befruchten. Die Anzahl der Eier variiert stark mit dem Alter des Weibchens. Die Stränge sind wulstartig gallertartig. Ein Strang kann zwischen 439 und 473 Eier enthalten. Die Eier weisen eine schwarze Färbung auf. Die Embryonalentwicklung erforderdet eine warme Temperatur von mindestens 24 Grad Celsius. Wenn es zu viele Eier sind, tritt ein "Crowding-Effekt" auf, d. h. dass einige Embryonen sterben. Nach rund 25 Tagen der Embryonalentwicklung schlüpfen die Kaulquappen, die eine durchschnittliche Länge von etwa 23,50 Millimeter sowie eine dunkle Färbung aufweisen. Die Kaulquappen leben gesellig und schwimmen meist in größeren Schwärmen umher. Dabei halten sie sich wegen der Wärme meist in den oberen Wasserschichten auf. Sie ernähren sich hauptsächlich von Kleinstlebewesen, Algen und totem organischem Material. Sie verschmähen dabei selbst Aas nicht. Auch gestorbene Artgenossen bleiben nicht verschont. Die Metamorphose zur Jungkröte ist nach rund 20 Tagen abgeschlossen. Zu diesen Zeitpunkt begeben sich die jungen Ohrenkröten dann an Land und geben ihr amphibisches Leben auf.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört die Ohrenkröte heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Sie ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt die Ohrenkröte selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird sie als least concern (nicht gefährdet) geführt. Die Ohrenkröte ist weit verbreitet mit großen Bereichen geeigneter Lebensräume. Es gibt einige lokalisierte Lebensraumverluste aufgrund menschlicher Aktivitäten wie Landwirtschaft (Ackerbau, Viehzucht etc.). Gelegentlich findet man die Ohrenkröte auch im internationalen Tierhandel, jedoch stellt dies kaum eine Bedrohung dar.

Weitere Synonyme

Ohrenkröten bei der Paarung
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Ohrenkröten bei der Paarung
  • Rana margaritifera - Laurenti, 1768
  • Rana gemmata - Lacépède, 1788
  • Rana typhonica - Schneider, 1799
  • Rhinella margaritifer - Laurenti, 1768
  • Bufo nasutus - Schneider, 1799
  • Bufo typhonius - Schneider, 1799
  • Bufo mitrata - Daudin, 1802
  • Bufo perlatus - Cuvier, 1817
  • Bufo naricus - Spix, 1824
  • Trachycara fusca - Tschudi, 1845
  • Bufo pleuropterus - Schmidt, 1857
  • Bufo margaritifer - Laurenti, 1768

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] [2] Beiträge zur Naturgeschichte von Brasilien: Bd. Amphibia. Amphibien von Maximilian Wied (Prinz von). Mit drei Kupfertafeln. Weimar. Im Druckverlag des Gr. H. S. priv. Landes-Industrie-Comptoirs. 1825.
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Kurt Brauer, Annette Bromma: Kröten. Urania, Freiburg (1991). ISBN 3332003798

Qualifizierte Weblinks

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