Oliv-Bastardschildkröte

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Oliv-Bastardschildkröte

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Meeresschildkröten (Cheloniidae)
Unterfamilie: Carettinae
Gattung: Bastardschildkröten (Lepidochelys)
Art: Oliv-Bastardschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Lepidochelys olivacea
(Eschscholtz, 1829)

IUCN-Status
Vulnerable (VU)

Die Oliv-Bastardschildkröte (Lepidochelys olivacea) zählt innerhalb der Familie der Meeresschildkröten (Cheloniidae) zur Gattung Bastardschildkröten (Lepidochelys). Im Englischen wird die Art Olive Ridley oder Pacific Ridley genannt. Die ist innerhalb der Familie der Meeresschildkröten die kleinste Art. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Oliv-Bastardschildkröte erreicht eine Carapaxlänge von 56 bis 78 Zentimeter und ein Gewicht von 35 bis 50 Kilogramm. Der leicht herzförmige Panzer weist eine olivfarbene bis olivgraue Färbung auf. Die Geschlechter weisen nur einen geringen Dimorphismus auf. Männchen sind jedoch leicht am etwas längeren Schwanz zu erkennen, der über den Carapax hinausreicht. Außerdem ist der Plastron konkav geformt. Diese Form erleichtert dem Männchen das Aufreiten. Der Carapax ist ausgesprochen breit, glatt und leicht gewölbt. Die Anzahl der Pleuralschilde ist variabel und kann 5 bis 9 Paare aufweisen. Nicht selten zeigen sich je Seite des Carapax eine unterschiedliche Anzahl an Pleuralschilden. Caudal sind 2 Supracaudalschilde vorhanden. Der Kopf der Oliv-Bastardschildkröte ist relativ groß. Die Tiere sind gewandte Schwimmer. Sie können eine Schwimmgeschwindigkeit von bis zu 24 km/h erreichen. Auch wenn Oliv-Bastardschildkröten fast ihr gesamtes Leben im Wasser verbringen, müssen sie doch zum Atmen an die Wasseroberfläche kommen. Der Gasaustausch erfolgt für gewöhnlich in 1 bis 3 Sekunden an der Wasseroberfläche. Die Tauchzeiten liegen durchschnittlich bei 4 bis 5 Minuten.

Lebensweise

Aufgrund der marinen Lebensräume ist über die Lebensweise und das Paarungsverhalten relativ wenig bekannt. Sicher ist jedoch, dass die Weibchen der Oliv-Bastardschildkröten Jahr für Jahr immer die gleichen Strände aufsuchen, um ihre Eier abzulegen. Oliv-Bastardschildkröten halten sich relativ häufig an der Wasseroberfläche auf, um hier vor allem in den Morgenstunden ein Sonnenbad zu nehmen. Männchen verlassen das Meer nie, Weibchen nur zur Eiablage.

Verbreitung

Oliv-Bastardschildkörten sind weltweit in allen tropischen und subtropischen Küstengewässern der Ozeane verbreitet. Die wichtigsten Nistplätze liegen an der Westküste Südamerikas, an der Nordostküste Südamerikas, an der Westküste Zentralafrikas, vor Madagaskar, an der Indischen Küste und in Teilen Südostasiens. In Ozeanien und Australien sind nur wenige Brutgebiete bekannt. Oliv-Bastardschildkörten sind keine Hochseeschildkröten, sie halten sich hauptsächlich im Bereich des Kontinentalschelfs auf. Flache Küstengewässer gehören zu den bevorzugten Lebensräumen.

Prädatoren

Adulte Oliv-Bastardschildkröten haben im Meer nur wenige natürlichen Feinde. Allenfalls größere Knorpelfische (Chondrichthyes) können einer ausgewachsenen Schildkröte gefährlich werden. Anders sieht dies jedoch für die Eier oder die Schlüpflinge aus. An Land haben es vor allem Möwen (Laridae), Raben und Krähen (Corvus) und andere räuberisch lebende Vögel (Aves) auf die Jungtiere abgesehen. Den Eiern stellen je nach Verbreitungsgebiet Ratten (Rattus rattus), Waschbären (Procyon), Opossums (Didelphis), Füchse (Vulpini), Wildschwein (Sus scrofa) nach. Aber auch verschiedene Schlangen (Serpentes) verschmähen die Eier und Schlüpflinge nicht. Der Hauptfeind ist und bleibt jedoch der Mensch.

Ernährung

Weit oben auf der Speisekarte der Oliv-Bastardschildkröte stehen Krabben (Brachyura) und andere Krebstiere (Crustacea). Aber auch marine Schnecken (Gastropoda), Seeigel (Echinoidea), Manteltiere (Tunicata), Nesseltiere (Cnidaria) andere Weichtiere (Mollusca) und Plankton werden häufig gefressen. Die Nahrungssuche erfolgt im Flachwasser bis in Tiefen von rund 100 Metern. Beutetiere werden meist auf dem Meeresgrund gefangen, seltener auch im Freiwasser.

Fortpflanzung

vergrößern

Oliv-Bastardschildkröten erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 7 bis 15 Jahren. Die Eiablage der Oliv-Bastardschildkröte ist stark synchronisiert. Es sind zwei Eiablagemuster erkennbar. Auf der einen Seite kommt es weltweit an zahlreichen Fortpflanzungsstränden zu einer synchronen Eiablage binnen weniger Tage, auf der anderen Seite legen Weibchen ohne erkennbare Muster einzelgängerisch ihre Eier ab. Die Hauptzeit der Eiablage erstreckt sich über den Mai. Dies ist weltweit zu beobachten. Ein Weibchen legt 1 bis 3 (2,5) mal pro Saison jeweils 100 bis 110 (105) Eier in eine tiefe Grube am Strand, die zusätzlich mit einer schleimigen Schutzschicht bedeckt sind. Dieser Schleim verhindert, dass sich auf den Eiern Schimmelpilze bilden. In der Dunkelheit kriechen die Weibchen an Land und heben mit ihren Flossen tiefe Gruben aus. Hier hinein legen sie die Eier und schaufeln die Grube nach erfolgter Eiablage zu. Der Aufenthalt an Land erstreckt sich zwischen 1 und 3 Stunden. Die Eiablage erfolgt in der Regel jährlich. Márquez (1990) hat festgestellt, dass etwa 60% aller Weibchen jährlich Eier legen. Im warmen Sand inkubieren die Eier während der nächsten 50 bis 60 Tage. Sind die Jungtiere geschlüpft, befreien sie sich aus dem Sand und kriechen dann ins Meer. Der Schlupf erfolgt wie die Eiablage in der Regel in der Nacht. Die Länge der Schlüpflinge beträgt rund 40 mm, das Gesicht liegt bei etwa 20 Gramm. Ein Großteil der Schlüpflinge schaffen es jedoch nicht ins sichere Wasser. In der Regel schaffen dies nur 1 bis 8% der Schlüpflinge. Die Mortalität ist also sehr hoch.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Oliv-Bastardschildkröte gehört heute zu den bedrohten Meeresschildkröten. Die Art wird daher in der Roten Liste der IUCN als gefährdet (VU, Vulnerable) geführt. Die Massenanlandungen in einigen Regionen der Erde während der Paarungszeit können nicht darüber hinweg täuschen, dass die Populationen in den letzten Jahrzehnten dramatisch gesunken sind. Die Hauptgefahren gehen von der Verfolgung des Menschen und verschiedener Prädatoren, vom Beifang in Fischernetzen, von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume sowie von der allgemeinen Wasserverschmutzung aus. Der Mensch hat es vor allem auf die Eier abgesehen, die weitflächig nach der Eiablage abgesammelt werden. Im Wasser wurde neben Ölen vor allem Pestizide, Schwermetalle und PCB nachgewiesen. Aber auch Plastikabfälle und anderer Unrat wurden in den Mägen der Tiere schon nachgewiesen. In Küstengewässern kommt es zudem nicht selten zu Kollisionen mit Schiffen und Booten.

Systematik der Meeresschildkröten

Familie: Meeresschildkröten (Cheloniidae)

Gattung: Allopleuron
Gattung: Catapleura
Gattung: Glaucochelone
Gattung: Glyptochelone
Gattung: Peritresius
Gattung: Tomochelone
Unterfamilie: Carettinae
Gattung: Caretta
Art: Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta)
Gattung: Bastardschildkröten (Lepidochelys)
Art: Oliv-Bastardschildkröte (Lepidochelys olivacea)
Art: Atlantik-Bastardschildkröte (Lepidochelys kempi)
Unterfamilie: Cheloniinae
Gattung: Chelonia
Art: Suppenschildkröte (Chelonia mydas)
Gattung: Eretmochelys
Art: Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata)
Gattung: Natator
Art: Wallriffschildkröte (Natador depressus)

Anhang

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge