Orchideenmantis

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Orchideenmantis

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Unterklasse: Geflügelte Insekten (Pterygota)
Teilklasse: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Schabenverwandte (Dictyoptera)
Unterordnung: Fangheuschrecken (Mantodea)
Familie: Hymenopodidae
Gattung: Hymenopus
Art: Orchideenmantis
Wissenschaftlicher Name
Hymenopus coronatus
Olivier,1792

Die Orchideenmantis (Hymenopus coronatus) zählt innerhalb der Familie Hymenopodidae zur Gattung Hymenopus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Orchideenmantis erreicht eine Körperlänge von 35 bis 70 Millimeter. Männchen erreichen dabei selten eine Länge von über 40 Millimeter. Der Größenunterschied wird vor allem ab der fünften Häutung sichtbar. Die Gründfärbung ist je nach Umgebungsvegetation durchaus variabel. Jedoch herrscht eine weißliche Grundfärbung vor. Aber auch grünliche oder leicht rötliche bis rosarote Variationen sind möglich. Der Körper der Orchideenmantis ist sehr langgestreckt. Die Oberschenkel der Extremitäten weisen eine blattförmige Struktur auf. Die blattförmige Struktur ist bei Weibchen stärker ausgeprägt. Form und Färbung bieten der Orchideenmantis eine vorzügliche Tarnung. Die Augen liegen weit vorne seitlich am Kopf und ragen gut sichtbar hervor. Die Fühler sind mittellang und sind beim Männchen deutlich länger als beim Weibchen. Die Männchen zeichnen sich zudem durch bräunlichen Bereiche auf dem Rückenschild aus, beim Weibchen ist der Bereich leicht grünlich gefärbt. Diese farbigen Bereiche bilden sich jedoch ab dem vierten Häutungsstadium zurück. Die markanten Fangarme sind beim Männchen schlank und beim Weichen kräftiger ausgeprägt. Beide Geschlechter sind flugfähig und durchaus gute Flieger. Die Flügel beim Weibchen reichen deutlich über das Abdomen hinaus.

Als Nymphen durchlaufen die Tiere bei jeder Häutung eine Teilmetamorphose, wobei bei jeder Häutung das Aussehen verändert wird. Nach dem Schlupf, ähneln sie bestimmten Ameisen oder der Larve einer Wanzenart aus der Familie der Raubwanzen (Reduviidae). Im späteren Stadium sind sie typisch weiß gefärbt und weisen einen intensiven violetten Schimmer auf. Das Abdomen wird hochgestellt über dem Thorax getragen. Die Flügel stellen sich erst mit der Reifehäutung ein.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Orchideenmantis reicht vom Nordosten Indiens, über Bangladesh, Borneo, Myanmar, Thailand, Malaysia, Kambotscha und Südchina bis nach Indonesien. Die Tiere leben in feuchten, tropischen und subtropischen Regenwäldern und bewohnen dort reich verzweigtes Blattwerk, Blüten und vorwiegend Orchideen, weshalb sie auch im Deutschen Orchideenmantis genannt werden.

Ernährung

Orchideenmantis bei der Häutung
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Orchideenmantis bei der Häutung

Das Aussehen erleichtert der Orchideenmantis den Beutefang, da durch die Tarnung Geflügelte Insekten angelockt werden. Ein Fleck auf ihren Flügeln imitiert sogar ein Fluginsekt und täuscht Sicherheit vor. Die Orchideenmantis verharrt absolut regungslos und wartet auf Beutetiere. Sollte sich ein Insekt nicht in unmittelbarer Reichweite der Fangarme befinden, so wippt sie beim Laufen wie eine Blüte im Wind, um die Distanz zum Beutetier zu verkürzen. Beide Geschlechter sind sehr gute Flieger und können so ihren Ansitz im Blütenmeer des indonesischen Urwaldes frei wählen. Die Farbgebung der Orchideenmantis ist so gestaltet, dass sie eine Vielzahl von Blüten imitiert, die in ihrem Herkunftsgebiet auftreten. Sie frißt alle Arten von Insekten, die sie mit ihren klappmesserartigen Fangarmen erbeutet und lebend verspeist. Meistens beginnt die Orchideenmantis den Kopf als erstes zu fressen, wahrscheinlich um von wehrhaften Insekten (Insecta) nicht verletzt zu werden. Zu den bevorzugten Beutetieren gehören insbesondere Geflügelte Insekten wie Fliegen (Brachycera), Mücken (Nematocera), Schaben (Blattodea) und ähnliche Tiere. Mit den kräftigen Mundwerkzeugen wird die Beute dann zerteilt und gefressen. Trinkwasser braucht die Orchideenmantis nicht, da sie genügend Feuchtigkeit über ihre Nahrung aufnimmt.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht die Orchideenmantis zwei bis drei Wochen nach der Reifehäutung (Imaginalhäutung). Beim Männchen erfolgt die Reifehäutung mit der fünften Häutung, beim Weibchen mit der siebten Häutung. In den tropischen Verbreitungsgebieten ist die Paarungszeit der Orchideenmantis nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden, sie kann ganzjährig erfolgen. Nach der erfolgreichen Befruchtung legt das Weibchen in mehreren Ootheken (Eipakete), die jeweils rund 30 bis 120 Eier enthalten, an die Unterseite von Blüten oder Blätter. Die bis zu 60 Millimeter langen Ootheken weisen eine leicht ovale Form und eine weißliche Färbung auf. Im Abstand von gut einem Monat kommt es zur Produktion mehrerer Ootheken. Der Schlupf der Nymphen erfolgt nach rund vier bis fünf Wochen. Bis zur Geschlechtsreife durchlaufen die Larven je nach Geschlecht fünf bis sieben Häutungen. Die Larven weisen eine leicht rötliche Färbung sowie eine Länge von acht Millimeter auf. Kopf und Beine sind durchweg schwarz gefärbt. Die Lebenserwartung eines Männchen liegt bei rund fünf Monaten, die des Weibchens etwa elf Monate.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Dr. Franz Bachmaier, Dr. Wolfgang Dierl, Dr. Eberhard Ernst, Prof. Dr. Bernhard Grzimek, Prof. Dr. Hubert Markl, Dr. Werner Rathmayer, Prof. Dr. Peter Rietschel, Prof. Dr. Friedrich Schaller, Dr. Richard Zur Strassen, Dr. Heinz Wundt, Dr. Dr. Fritz Zumpt: Grzimeks Tierleben. Enzyklopädie des Tierreichs. Insekten. Zweiter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München, Oktober 1993 ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Günther, Hans-Joachim Hannemann, Fritz Hieke: Urania Tierreich, 6 Bde., Insekten . Deutsch Harri GmbH; Auflage: 5, 1990 ISBN 387144944X
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