Ostpazifischer Delfin

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Ostpazifischer Delfin

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odondoceti)
Familie: Delfine (Delphinidae)
Unterfamilie: Echte Delfine (Delphininae)
Gattung: Fleckendelfine (Stenella)
Art: Ostpazifischer Delfin
Wissenschaftlicher Name
Stenella longirostris
Gray, 1828

Der Ostpazifische Delfin (Stenella longirostris) zählt innerhalb der Familie der Delfine (Delphinidae) zur Gattung der Fleckendelfine (Stenella) . Im Englischen wird dieser Delfin Spinner Dolphin genannt. Der wissenschaftliche Name "longirostris" ist ein Verweis auf die lange Schnauze dieser Art.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Ostpazifische Delfin ist ein eher kleiner Delfin und erreicht eine Körperlänge von 130 bis 235 Zentimeter sowie ein Gewicht von 23 bis 78 Kilogramm. Die durchschnittliche Länge beträgt bei einem Gewicht von 33 Kilogramm rund 182 Zentimeter. Der Körperbau ist ausgesprochen schlank. Dorsal weist der Ostpazifische Delfin eine dunkelgraue Färbung auf. Lateral zeigt sich eine hellgraue, ventral eine weißliche Färbung, die dunkel gesprenkelt ist. Geografisch variiert sowohl die Färbung als auch die Größe der Tiere zum Teil sehr stark. Der Schnabel ist lang und schmal, seitlich am Kopf verläuft ein dunkel gefärbtes Band von den Augen bis zu den Brustflossen. Der Oberkiefer weist je Oberkieferhälfte zwischen 44 und 64 Zähne auf, je Unterkieferhälfte zwischen 42 und 62 Zähne.
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Die sehr kleine Rückenfinne sitzt etwa in der Mitte des Rückens und weist eine Höhe von 15 bis 25 Zentimeter auf. Die kleinen und schmalen Brustflossen befinden sich weit vorne im ersten Drittel des Körpers. Der Schwanz endet in einer waagerechten Flosse, die nur schwach gegabelt ist.

Lebensweise

Ostpazifische Delfine leben in geselligen Schulen, die durchaus mehr als 1.000 Individuen umfassen können. Eine durchschnittliche Schule umfasst jedoch deutlich weniger Tiere und setzt sich meist aus Familiengruppen zusammen. Die Zusammensetzung einer Schule ist dabei durchaus variabel und keineswegs fix. Größere Schulen können sich auch in Untergruppen teilen. Innerhalb einer Gruppe ist vor allem die Beziehung zwischen einer Mutter und ihrem Nachwuchs sehr eng und innig. Kälber bleiben meist bis zum zweiten Lebensjahr bei der Mutter und erlernen von ihr alles was sie für das selbständige Leben brauchen. Auch wenn Ostpazifische Delfine vorwiegend tagaktiv sind, so gehen sie ausschließlich in der Nacht auf Nahrungssuche. Ostpazifische Delfine weisen wie viele Delfine ein interessantes Verhalten auf. Sie katapultieren sich durch mächtige Sprünge vollständig aus dem Wasser heraus. Welchen Sinn oder Zweck diese Sprünge verfolgen ist wissenschaftlich noch nicht erforscht.

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Unterarten

Verbreitung

Das deutsche Synonym, Ostpazifischer Delfin, ist irreführend, da diese Delfinart mit vier Unterarten weltweit in allen tropischen und subtropischen Ozeanen vorkommt. Sie leben dabei hauptsächlich auf offener See, sind zuweilen aber auch im Bereich der Küsten des Festlandes oder einzelner Inseln wie Hawaii anzutreffen. Bevorzugt werden aber auf jeden Fall pelagische Gewässer. Ostpazifische Delfine treten ausschließlich in Gewässern mit Wassertemperaturen von 25 Grad Celsius und mehr auf. Am weitesten verbreitet ist die Nominatform Stenella longirostris longirostris. Sie kommt in allen drei Ozeanen vor. Stenella longirostris orientalis ist ausschließlich vor der Küste des westlichen Mittelamerikas anzutreffen. Ähnliches gilt für die Unterart Stenella longirostris centroamericana, die jedoch im westlichen Mittelamerika ausschließlich nahe der Küste vorkommt. Stenella longirostris orientalis lebt auch auf hoher See. Die vierte Unterart, Stenella longirostris roseiventris kommt in einem kleinen Gebiet in Südostasien vor. Hier leben die Tiere vor der Küste von Thailand und rund um Timor. Südlich reicht das Verbreitungsgebiet dieser Unterart bis nach Indonesien und ins nördliche Australien.

Die Bestandszahlen aller Populationen liegen heute bei rund 900.000 Individuen. Die Schätzungen variieren je nach Autor jedoch stark. Die Bestände unterlagen jahrzehntelang einer starken Bejagung. Aber als Beifang in Thunfischnetzen endeten mehrere Hunderttausend Tiere. Die kleinste Population ist Stenella longirostris roseiventris, die in Südostasien lebt und auf rund 30.000 bis 35.000 Tiere geschätzt wird. Je nach Vorkommen kommt es bei den Ostpazifischen Delfinen zu saisonalen Wanderungen. Dies gilt vor allem für subtropische Gewässer, in denen es im Winter zu kalt wird. Dieses gilt beispielsweise für die Gewässer vor Neuseeland oder Südafrika. Ansonsten kommt es lediglich bei der Nahrungssuche zu kleineren Wanderungen.

Prädatoren, Parasiten

Prädator: Weißer Hai (Carcharodon carcharias)
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Prädator: Weißer Hai (Carcharodon carcharias)

Zu den natürlichen Fleischfressern der Ostpazifischen Delfine gehören wahrscheinlich vor allem Große Schwertwale (Orcinus orca), Kleine Schwertwale (Pseudorca crassidens) und einige Hai-Arten wie der Weiße Hai (Carcharodon carcharias). Perrin vermutet auch, dass Kurzflossen-Grindwale (Globicephala macrorhynchus) und Zwerggrindwale (Feresa attenuata) die Ostpazifischen Delfine bejagen. Aufgrund der Gruppenbildung fallen nur die Tiere Fleischfressern zum Opfer, die sich außerhalb der Gruppe aufhalten oder einzelgängerisch leben. Weit schlimmer wiegt der Befall durch Ekto- und Endoparasiten wie beispielsweise Fadenwürmer (Nematoda). Diese Erreger können leicht tödliche Krankheiten auslösen und die Delfine sterben zwangsläufig.

Ernährung

Ostpazifische Delfine ernähren sich als reine Fleischfresser hauptsächlich von Knochenfischen (Osteichthyes), die meist eine Länge von bis zu 20 Zentimeter aufweisen. Es werden aber auch Kopffüßer (Cephalopoda) wie Kalmare (Teuthida) sowie kleine Zehnfußkrebse (Decapoda). Die Beutetiere werden bis in Tiefen von 200 bis 300 Metern erbeutet. Weit oben auf der Speisekarte stehen je nach Verbreitungsgebiet und Lebensraum beispielsweise Laternenfische (Myctophidae), Leuchtfische (Phosichthyidae), Einhorndorsche (Bregmaceros), Perlaugen (Scopelarchidae), Medusenfische (Stromateidae), Barrakudinas (Paralepididae), Eingeweidefische (Carapidae), Soldaten- und Husarenfische (Holocentridae) und Brotulas (Bythitidae).

Fortpflanzung

Nachwuchs
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Nachwuchs
Die Geschlechter der Ostpazifischen Delfine erreichen die Geschlechtsreife zu unterschiedlichen Zeiten. Während Weibchen die Geschlechtsreife durchschnittlich mit 4 bis 7 Jahren erreichen, benötigen Männchen meist 7 bis 10 Jahre. Dies entspricht beim Weibchen einer Körperlänge von 165 bis 170 Zentimeter, beim Männchen von 160 bis 180 Zentimeter. Weibchen bringen im Schnitt nur alle drei Jahre Nachwuchs zur Welt. Dies liegt zum einen an der langen Tragezeit und zum anderen an der recht langen Säuge- und Betreuungszeit des Nachwuchses. Ostpazifische Delfine führen eine polygame Lebensweise, eine feste, monogame Partnerschaft kennen diese Tiere nicht. Die Paarungszeit erstreckt sich in den tropischen Meeren über das ganze Jahr. In den gemäßigten Regionen konzentriert sich die Paarungszeit auf das Frühjahr und den Sommer. Die Trächtigkeit erstreckt sich über rund 300 Tage. Nach dieser langen Tragezeit bringt ein Weibchen lediglich ein Jungtier zur Welt. Zwillingsgeburten sind sehr selten, aber bereits dokumentiert. Die Geburtslänge liegt je nach Unterart bei etwa 76 bis 77 Zentimeter. Der Nachwuchs wird für etwa ein bis zwei Jahren von der Mutter umsorgt, die ersten 10 bis 12 Monate auch gesäugt. Mit drei bis vier Jahren kann man Ostpazifische Delfine als subadult bezeichnen. Ausgewachsen sind sie mit sechs bis acht Jahren, spätestens mit Erreichen der Geschlechtsreife. Weibchen können bis zu einem Alter von 30 bis 35 Jahren Nachwuchs zur Welt bringen.
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Im Alter von acht bis neun Jahren stellt sich auch die typische Sprenkelung der Haut ein. Die Lebenserwartung der Ostpazifischen Delfine in Freiheit ist nur wenig erforscht, man glaubt jedoch, dass die Tiere durchaus ein Alter von über 30 Jahren erreichen können.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Roten Liste der IUCN wird der Ostpazifische Delfin heute als nicht gefährdet geführt (LC, Least Concern). Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Art in Anhang II unter besonderem Schutz. In der Vergangenheit wurde der Ostpazifische Delfin massiv bejagt. Die Bestandsrückgänge nahmen kritische Werte an. Nachdem die Art unter Schutz gestellt wurde, begann eine langsame Erholung der Bestände, die jedoch auch heute noch nicht abgeschlossen ist. In weiten Teilen Südostasiens wird die Art auch heute noch bejagt. In der Regel werden die Tiere harpuniert. Weit schlimmer als der direkte Fang stellt heute jedoch der Beifang dar. Ostpazifische Delfine sind sehr neugierige Delfine und verfangen sich häufig in Schleppnetzen der Fischer. Bis zu 100.000 Ostpazifische Delfine verfangen sich Jahr für Jahr in solchen Schleppnetzen. Neuartige Netze konnten den Beifang in den letzten Jahren zwar vermindern, aber nicht gänzlich abstellen. Darüber hinaus wirken sich auch klimatische Veränderungen, Schwund durch Prädatoren, Strandungen und Trennung der Kälber von ihren Müttern negativ auf die Bestände aus.

Die allgemeine Verschmutzung der Küstengewässer mit Schwermetallen und Pflanzenschutzmitteln wie DDT oder PCB stellt die Ostpazifischen Delfine zusätzlich vor große Probleme. Die Gifte wirken sich direkt oder indirekt über die Nahrung auf die Tiere aus. Zunehmend kommt auch Ökotourismus zum Tragen, der sich vor allem durch Dolphin-Watching ausdrückt. Der Mensch dringt heute immer weiter in die Lebensräume der Ostpazifischen Delfine ein. So wurde bereits berichtet, dass in dicht besiedelten Küstengebieten von Mittelamerika oder von Südostasien Ostpazifische Delfin durch die Antriebsschnecken von Schiffen und Booten verletzt wurden. Auch schon die reine Anwesenheit von Schiffen und Booten in den Heimatgewässern der Delfine sorgt für Unruhe in den Schulen. Sie werden nervös, sind orientierungslos und tiefgreifende Eingriffe in das Sozialleben lassen sich ebenfalls nicht ausschließen. Nicht selten führen diese Ursachen zum Tode der Tiere. Das Stranden von Ostpazifischen Delfine ist in dicht besiedelten Lebensräumen ebenfalls häufig zu beobachten. Nicht minder schlimm dürfen die Schäden durch Motorengeräusche sein. Dies wirkt sich insbesondere auf die Hör- und Orientierungsfähigkeit aus. Selbst das überall beliebte Dolphin-Watching hat einen negativen Einfluss auf die Populationen.

Anhang

Literatur und Quellen

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