Ovis dalli stonei

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Ovis dalli stonei
Männchen

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Schafe (Ovis)
Art: Dallschaf (Ovis dalli)
Unterart: Ovis dalli stonei
Wissenschaftlicher Name
Ovis dalli stonei
Allen, 1897

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Ovis dalli stonei ist eine Unterart der Art Dallschaf (Ovis dalli) und zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Schafe (Ovis). Gelegentlich wird Ovis dalli stonei auch unter dem deutschen Synonym Steinschaf geführt. Diese Benennung findet im folgenden Artikel Verwendung.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Das Steinschaf erreicht eine Körperlänge von 130 bis 180 Zentimeter sowie ein Gewicht von 48 bis 110 Kilogramm. Weibchen bleiben deutlich kleiner und leichter als Männchen. Aber nicht nur in der Größe weisen die Geschlechter der Steinschafe einen Dimorphismus auf. Auch die Hörner unterscheiden sich grundlegend. Weibchen verfügen über kleine und schlank geformte Hörner. Die Hörner der Männchen sind deutlich größer und in einem weiten Bogen geschwungen. Bei einem ausgewachsenen Männchen können die massigen Hörner bis zu zehn Prozent des Körpergewichtes erreichen. Ausgewachsen sind die Tiere im Alter von gut fünf Jahren. Anhand der Ringe der Hörner kann auf das Alter eines Tieres geschlossen werden. Das Fell weist je nach Jahreszeit und Unterart eine abweichende Färbung auf. Es besteht aus einer dichten Unterwolle, die die Tiere vor Kälte schützt und aus oben aufliegenden gröberen Schutzhaaren. Das Fell ist überwiegend grau oder graubraun gefärbt. Ventral ist das Fell jedoch immer weiß gefärbt. Das gleiche gilt für die Innenseite der Beine und das Hinterteil. Der Schwanz und die Außenseiten der Extremitäten sind dunkelgrau bis schwarz gefärbt. Zum Fellwechsel kommt es im Frühjahr bis Frühsommer.

Verhalten

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Ovis dalli stonei

Die Weibchen der Steinschafe leben mit ihren Lämmern und Jungtieren in geselligen Gruppen von teilweise über 20 Individuen. Die Gruppen sind ausgesprochen sozial, Streitigkeiten unter den Weibchen ist im Grunde nicht zu beobachten. Ist ein Weibchen auf Nahrungssuche, so passen andere erwachsene Tiere auf ihr Lamm auf. Es geht also ausgesprochen harmonisch in den Weibchengruppen zu. Geschlechtsreife Männchen leben in sogenannten Junggesellenherden, da sie mit Erreichen der Geschlechtsreife die Geburtsgruppe verlassen müssen. Geschlechtsreife Weibchen verbleiben in der Regel in ihrer Geburtsgruppe. Ältere Männchen leben nicht selten einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Während dieser Zeit kommt es unter den Böcken zu heftigem Kämpfen um das Paarungsrecht mit den Weibchen einer Herde. Die Kämpfe sind zwar heftig, zu schweren Verletzungen kommt es in der Regel aber nicht. Die mächtigen Hörner federn die Kopfstöße ab. Nur selten drängt ein Konkurrent einen Rivalen über eine Klippe. In diesen Fällen kann es dann auch zu Todesfällen kommen. Zu Kämpfen kommt es aber auch außerhalb der Paarungszeit. In den Sommermonaten dienen die Kämpfe zur Herstellung einer Hierarchie innerhalb einer Junggesellengruppe.

Verbreitung

Das Steinschaf findet im westlichen Kanada in British-Columbia bis zum Yukon-Territorium seine Verbreitung. Steinschafe leben vor allen in den subarktischen und arktischen Regionen der alpinen Hochgebirge. Bevorzugter Lebensraum sind die kargen Hochgebirgssteppen, in denen selbst im Sommer der Tisch nicht reichlich gedeckt ist. Die Lebensräume sind im allgemeinen ausgesprochen trocken und nur mit niedriger Vegetation und Buschwerk versehen. Habitate von 2.500 Metern und mehr sind keine Seltenheit. Im Winter steigen die Steinschafe in der Regel in Tallagen hinab, da im Hochgebirge Nahrung durch zum Teile hohe Schneedecken verdeckt ist. Steile Hänge und Klippen prägen die Habitate. Durch speziell angepasste Hufe bewegen sich Steinschafe schlafwandlerisch in solch unzugänglichen Landschaften. Dennoch kommen insbesondere Jungtiere und Lämmer durch Lawinenabgänge, Steinschlag, Schnee und Kälte ums Leben. Im Sommer ziehen die Tiere zumeist wieder in höhere Gegenden. Es gibt aber auch dauerhaft sesshafte Populationen.

Gefährdung, Schutz

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Ovis dalli stonei

Das Steinschaf ist zwar noch nicht in seiner Art bedroht, jedoch sind die Bestände seit vielen Jahren stark rückläufig. Das Steinschaf ist dabei deutlich stärker gefährdet als die Nominalform, das Dallschaf. Vor allem unter den Jungtieren herrscht mit teilweise über 50 Prozent eine hohe Sterblichkeit. Dieses alleine würde die Art aber nicht in Gefahr bringen, da dies in der Regel in den hochalpinen Lebensräumen so üblich ist. Jedoch wirken sich die Eingriffe des Menschen deutlich gravierender auf die Populationen aus. Allen voran sind unter anderem der Bergbau, der Straßenbau und die starke Belästigung durch den Fluglärm zu nennen. Die Vernichtung und Urbanisierung der natürlichen Lebensräume schreiten ebenfalls in großen Schritten voran. Nur noch wenige hochalpine Regionen sind heute unberührt. Ein weiterer Gefährdungspunkt ist die unkontrollierte Bejagung durch Wilderer und sogenannte Jäger. Trotz der Jagdbeschränkung geht die illegale Jagd auf Steinschafe weiter.

Prädatoren

Selbst in den unzugänglichen alpinen Regionen sind Steinschafe nicht vor Fressfeinden sicher. Hier ist an erster Stelle der Wolf (Canis lupus) zu nennen. In etwas tieferen Lagen zählen auch Kojoten (Canis latrans), Kanadische Luchse (Lynx canadensis), Braunbären (Ursus arctos), Amerikanische Schwarzbären (Ursus americanus) und der Vielfraß (Gulo gulo) zu den natürlichen Fressfeinden. Steinadler (Aquila chrysaetos) reissen gelegentlich das eine oder andere Lamm.

Ernährung

Steinschafe sind reine Pflanzenfresser. Sie ernähren sich im wesentlichen von Seggen (Carex), anderen Süßgräsern (Poaceae) und Kräutern. In den Sommermonaten stehen den Tieren eine Vielzahl an Pflanzen als Nahrung zur Verfügung. Im Winter ist das Nahrungsangebot witterungsbedingt deutlich eingeschränkter. Aber auch eine Reihe von Bedecktsamer der Abteilungen Magnoliophyta, Magnoliopsida und Angiospermae stehen durchaus auf der Speisekarte. In Zeiten knapper Nahrung, insbesondere im Winter, werden auch Moose und Flechten verzehrt. Im Sommer bilden insbesondere Quecken (Agropyron), Schwingel (Festuca), Riedgrasgewächse (Cyperaceae), Krautweide (Salix herbacea) und Fingerkraut (Potentilla) die Hauptnahrung. An Salzlecken werden Phosphate und andere Mineralien aufgenommen, die zum Überleben notwendig sind.

Fortpflanzung

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Ovis dalli stonei

Auch wenn die physische Geschlechtsreife bereits mit etwa drei Jahren erreicht wird, so kommt es bei den Weibchen meist erst im Laufe des vierten Lebensjahres zur ersten Paarung. Männchen sogar erst nach sechs oder sieben Jahren, da sie vorher den älteren Männchen im Kampf um eine Gruppe unterlegen sind. Die Brunftzeit beginnt im späten Herbst oder im frühen Winter. Hier kommt es unter den Widdern zu erbitterten Gefechten, die bis zu einem ganzen Tag andauern können. Zu gefährlichen Verletzungen kommt es dennoch selten, da die mächtigen Hörner die Kopfstöße abfedern. Nur das stärkste Männchen kann die Vormachtstellung über eine Gruppe von Weibchen erlangen. Nach einer Tragezeit von 175 bis 180 Tagen bringt das Weibchen ein, selten zwei Jungtiere an geschützter Stelle zur Welt. Lämmer wiegen rund 3.500 bis 4.000 Gramm und gelten als Nestflüchter, die kurz nach der Geburt der Mutter folgen können. Zuvor leckt die Mutter ihren Nachwuchs sauber. Ein Jungtier wird für etwa fünf bis sechs Monate gesäugt. DIe Selbständigkeit erreichen die Jungtiere in der Regel im Alter von acht bis neun Monaten. Die Sterblichkeit der Lämmer liegt im ersten Lebensjahr im Mittel bei 50 Prozent. Vor allem der harte erste Winter wird für viele Jungtiere zum Verhängnis. Die Lebenserwartung kann bei bis zu 20 Jahren liegen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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