Palästinaviper

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Palästinaviper

Systematik
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Überfamilie: Colubroidea
Familie: Vipern (Viperidae)
Unterfamilie: Echte Vipern (Viperinae)
Gattung: Echte Ottern (Vipera)
Art: Palästinaviper
Wissenschaftlicher Name
Vipera palaestinae
Werner, 1938

Verbreitungsgebiet
Least Concern (LC) - IUCN

IUCN-Status
Verbreitungsgebiet

Die Palästinaviper (Vipera palaestinae) zählt innerhalb der Familie der Vipern (Viperidae) zur Gattung der Echten Ottern (Vipera). Im Englischen wird sie Palestinian Viper und im Französischen Vipère de la Palestine genannt. Sie wurde erstmals im Jahre 1938 von dem österreichischen Naturforscher Franz Werner beschrieben. Die Palästinaviper ist auch unter den Synonymen Daboia palaestinae (Esterbauer, 1987) und Vipera palgestinae (Garcia, Huang & Perez, 1989) bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Palästinaviper erreicht zumeist etwa 80 bis 100, maximal 130 Zentimeter in der Gesamtlänge. Sie ist ziemlich massig und ausgewachsen recht gedrungen. Der dreieckig geformte Kopf mit den senkrecht geschlitzten, schwarzen Pupillen der Augen setzt sich sichtbar vom Rest des Körpers ab. Die Körperschuppen sind gekielt, um die Körpermitte liegen 24 bis 25 Rückenschuppenreihen. Der Kopf ist mit vielen kleinen Schuppen besetzt. Das auffallend große Nasenloch der Viper liegt in einer Vertiefung des Nasenschildes (Nasale). Zwischen Augenunterrand und Oberlippenschildern liegen zwei Reihen Unteraugenschildchen (Subocularia). Die Grundfarbe liegt bei grau, ocker, gelblich oder hellbraun. Die Rüchenzeichnung besteht aus dunkelbraunen, in der Mitte etwas aufgehellten und ovalen Flecken, welche hell gesäumt sind und meist zu einem Zickzackband verschmelzen. Die Flanken sind mit einer Reihe dunkler, runder Flecken versehen. Des Weiteren befindet sich auf dem Kopf hinter der Schnauze eine Zeichnung, die sich zu einem "V" aufgabelt und in zwei Streifen hinter den Hals führt. Vom Auge bis zum Hals zieht sich ein dunkles Schläfenband, ein weiteres Band läuft vom Augenunterrand zum Mundwinkel. Die Schnauzenspitze ist dunkel gezeichnet. Der helle Bauch ist oft dunkel gesprenkelt. Die Schnauze der ausgewachsenen Tiere ist geringfügig kürzer und gedrungener als bei anderen Vipern. Jungtiere (wie das auf dem Foto gezeigte) haben kürzere Schnauzen als Alttiere.

Die Palästinaviper lebt überwiegend auf dem Boden und erklimmt nur zur Jagd nach kletternden Tieren niedrige Büsche. Auf Grund der im Verbreitungsgebiet hohen Temperaturen im Sommer ist die Viper in der Regel nachts aktiv, kommt bei entsprechendem Klima aber auch in der Dämmerung und sehr selten auch am Tage aus ihrem Versteck. Über die kühleren Wintermonaten hält diese Viper eine Winterruhe.

Verbreitung und Lebensraum

Lebensraum: Ruine mit vielen schattigen Versteckmöglichkeiten
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Lebensraum: Ruine mit vielen schattigen Versteckmöglichkeiten

Das Verbreitungsgebiet der Palästinaviper erstreckt sich im Nahen Osten vor allem vom Gazastreifen über Israel und Libanon bis Syrien. Sie kommt besonders häufig in mittelmeernahen Gebieten vor. Ursprünglich besiedelte die Viper vor allem lichte und trockene Eichenwälder mit lockerer Bodenvegetation sowie mäßig hohen Temperaturen, trockenem Boden und relativ geringer Luftfeuchtigkeit (tagsüber um 40 bis 50 Prozent) im Sommer. Dort hielt sie sich dann zum Schutz unter Steinen oder in anderen feuchten Verstecken wie morschem Holz auf. Heutzutage sind solche Wälder im Verbreitungsgebiet der Art jedoch sehr selten geworden, sie hält sich aber dennoch dort auf, wenn sie Waldgebiete vorfindet. Überlebt hat sie nur auf Grund ihres Anpassungsvermögens. Nun besiedelt sie vorwiegend trockene Halden und Hänge, Halbwüsten, steinige Gegenden, Felder von Bauernhöfen, trockene Wiesen und Gärten, Oasen und auch menschliche Siedlungen. Die Temperaturen können in diesen trockenen Habitaten im Sommer in der prallen Sonne auf weit über 45 Grad Celsius ansteigen. Durch diese hohen Temperaturen lässt sich auch die Nachtaktivität erklären.

Ernährung

Die Palästinaviper ernährt sich von kleinen Säugetieren (Mammalia) wie Hausmäusen (Mus musculus), Ratten (Rattus) und Hamster (Cricetus cricetus). Aber auch kleine Echsen (Lacertilia) und Vögel (Aves) werden gelegentlich von der Viper gefangen und verzehrt. Die Beute wird mit einem schnellen Biss gepackt und durch einen Giftbiss getötet, bevor sie in einem Stück verschlungen wird.

Fortpflanzung

Jungtier
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Jungtier

Die Palästinaviper erreicht mit etwa drei Jahren die Geschlechtsreife. Zur Paarung lockt das Weibchen das Männchen mittels Pheromonen (Sexuallockstoffen) an. Die Männchen versammeln sich dann oft um ein Weibchen und bekämpfen sich in ablaufenden Kommentkämpfen, bei denen das stärkere Männchen siegt und das schwächere Männchen sich zurückzieht. Dann umschlingt sich das Paar und das Männchen führt den ausgestülpten Hemipenis in die Kloake des Weibchens ein, um dort mit einem Samenpaket die Eier zu befruchten. Einige Wochen später werden bis zu zwanzig, sind die Weibchen älter und gut genährt auch mehr, Eier in ein sicheres (geschütztes und feuchtes) Versteck abgelegt, nach etwa acht Wochen (ca. 45 Tage bei einer Bruttemperatur von 30°C) schlüpfen die jungen Schlangen.

Toxikologie

Die Toxikologie befasst sich mit dem Gift der Palästinaviper. Sie verfügt über ein hochwirksames Hämotoxin, welches Blutzellen und -gefäße angreift und schädigt sowie als Prokoagulantivum auf die Blugerinnung einwirkt und somit Thrombosen und Embolien verursachen kann. Es wird durch lange, einklappbare Röhrengiftzähne im vordersten Bereich des Oberkiefers injiziert. Es existiert ein Gegengift (Antivenin), dass nach einem Biss möglichst schnell injiziert werden sollte, denn nicht oft, aber immer wieder sterben Menschen an den Folgen des Bisses dieser Schlangenart. Besonders gefährlich ist sie hinsichtlich der Tatsache, dass häufig Palästinavipern als Kulturfolger in menschlichen Siedlungen anzutreffen sind. <1>

Prädatoren und Gefährdung

Zu den natürlichen Feinden dieser Viper zählen vor allem Greifvögel (Falconiformes) wie der Schlangenadler (Circaetus gallicus) und die Marder (Mustelidae). Selten wagen sich auch Füchse (Vulpes) an die Giftschlange. Ferner stellt das Abholzen von trockenen Wäldern, der Bau von Straßen und Siedlungen sowie Pestizide, welche durch die Nahrungsketten in die Palästinaviper gelangen, eine große Gefahr für die Schlange dar. Allerdings können sie sich gut anpassen und sich nach dem Abholzen eines Waldes an kahles Ödland gewöhnen, sofern sie die Möglichkeit haben, einen schattigen, feuchten Platz aufsuchen zu können. In der Roten Liste der IUCN wird die Palästinaviper als nicht gefährdet geführt.

Galerie

Anhang

Siehe auch

Einzelnachweise

  • [1] Mark O'Shea: Giftschlangen - Alle Arten der Welt in ihren Lebensräumen, Franckh-Kosmos Verlag, 2006, ISBN 3-440-1061-95

Literatur und Quellen

  • Ulrich Gruber: Die Schlangen Europas und rund ums Mittelmeer, Franckh Kosmos Verlag, ISBN 3-440-05753-4

Links

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