Palmendieb

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Palmendieb

Systematik
Klasse: Krebstiere (Crustaceae)
Unterklasse: Eumalacostraca
Überordnung: Eucarida
Ordnung: Zehnfußkrebse (Decapoda)
Teilordnung: Anomura
Überfamilie: Einsiedler- und Steinkrebse (Paguroidea)
Familie: Land-Einsiedlerkrebse (Coenobitidae)
Gattung: Birgus
Art: Palmendieb
Wissenschaftlicher Name
Birgus latro
Linnaeus, 1767

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Palmendieb (Birgus latro), auch als Ganjokrebs oder Kokoskrebs bezeichnet, zählt innerhalb der Familie der Land-Einsiedlerkrebse (Coenobitidae) zur Gattung Birgus.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Der Palmendieb gehört zwar zur Familie der Land-Einsiedlerkrebse (Coenobitidae), hat aber aufgrund seiner Größe den Schutz der Schneckenschale oder Schneckenhaus aufgegeben. Nur in der Jugend sucht er noch Schutz in Schneckenhäusern. Er hat in den Seitenteilen des Carapax (harte Bedeckung der Körperoberseite) das wirkungsvollste Luftatmungsorgan unter den Zehnfußkrebsen (Decapoda) entwickelt. Am weitesten ist diese Lungenbildung bei dem Palmendieb gegangen. Seine Kiemenhöhlen sind ebenfalls stark erweitert und ihre Wände von traubig verzweigten Anhängen übersät. Dadurch wird die Oberfläche ungemein vergrößert. Diese Oberfläche, durch die die Gase diffundieren (durchdringen, zerstreuen), wird durch Hautdrüsen feucht gehalten, außerdem können noch die fünften Laufbeine Wassertropfen durch die Kiemenhöhlen praktizieren. Durch die Atemhöhlen treiben die Scaphognathiten Luft. (Scaphognathiten sind langgestreckte, blattförmige und leicht gebogene Platten an den Enden des zweiten Maxillen-Paares). Die Kiemen dagegen spielen, obwohl sie auch beim Palmendieb noch als Rudimente vorhanden sind, für die Atmung überhaupt keine Rolle.

Im Gegenteil, das Tier ist so weitgehend dem Landleben angepaßt, daß es im Wasser nach etwa fünf Stunden ertrinkt. Der Palmendieb atmet also ganz normal mit Kiemen, oder aber er reduziert die Kiemen und atmet dann mit Hilfe der lungenähnlich ausgebildeten Wand der Kiemenhöhlen, dabei nimmt er den Sauerstoff aus der Luft und nicht aus dem Wasser auf. Der Palmendieb ist vermutlich der größte terrestrische Gliederfüßer (Arthropoda) der Welt. Er kann insgesamt eine Körperlänge von 50 Zentimeter erreichen, einschließlich der Beine und ein Gewicht von etwa fünf Kilogramm aufweisen. Das Männchen wird jedoch beträchtlich größer als das Weibchen. Je nach Vorkommen schwankt die Färbung zwischen einem purpurartigen Blau oder einem Orangerot. Der Palmendieb hat sich mit seinen langen starken Beinen gut an das Landleben angepaßt. So ist er in der Lage mit den großen Scheren, die sich am Ende der vorderen Beinpaare befinden, Kokosnüsse zu öffnen sowie Gegenstände wie Vegetation oder Felsen anzuheben, die bis zu 28 Kilogramm wiegen können.

Verbreitung

Wie schon im oberen Abschnitt erwähnt hat sich der Palmendieb dem Landleben völlig angepaßt. Er lebt auf vielen kleinen tropischen Inseln des westlichen indopazifischen Raumes. Des weiteren kommt der Palmendieb auch im Indischen Ozean auf der Insel Aldabra und der Weihnachtsinsel sowie der Pitcairn Gruppe vor. Das Verbreitungsgebiet dehnt sich bis zu den Osterinseln im Pazifischen Ozean aus.
Palmendieb
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Palmendieb
Aufgrund der Tatsache, daß das Weibchen des Palmendiebes kurz vor dem Schlupf der Larven die Eier ins Meer fallen läßt, ist das Verbreitungsgebiet sehr weitläufig. Die tropischen warmen Meeresströmungen können die Larven des Palmendiebes viele Kilometer weit forttragen, die dann auf anderen Inseln angeschwemmt werden und es entsteht somit eine neue Population, die sich dann weiter fortpflanzt. Ein Beispiel sind die Ryūkyū-Inseln, eine zu Japan gehörende Inselkette im Ostchinesischen Meer (Pazifischer Ozean) südwestlich von Japan gelegen.

Abhängig vom vorhandenen Lebensraum lebt der Palmendieb in Felsspalten, unter Wurzelstöcken oder in Sandlöchern entlang der Küstenlinie. Es kommt aber auch vor, daß der Palmendieb sich in Höhlen aufhält. So bewohnt er auf den philippinischen Olango-Inseln Höhlen im Korallenriff, während er auf den Guam-Inseln (Ozeanien) selbst Höhlen in den porösen Kalksteinsubstraten gräbt. Bei geringsten Störungen zieht sich der Palmendieb in seinen Schlupfwinkel zurück. Ins Wasser scheint der Palmendieb nie zu gehen. Hin und wieder wandert der Palmendieb bis zum Meeresrand, um zu trinken und reguliert somit auch seinen Salzhaushalt. Des weiteren sucht das Weibchen während der Gezeiten das Meer auf, wenn es kurz vor dem Schlupf der Larven die Eier abschüttelt und klettert dann aber sofort wieder an Land.

Ernährung

Der Palmendieb ist ein Allesfresser und geht in der Nacht auf Nahrungssuche, scheint aber eine Vorliebe für Kokosnüsse zu haben. Oft findet man ihn auf 20 Meter hohen Palmen, um sich von den Kokosnüssen zu ernähren. Daß der Palmendieb planvoll die Kokosnüsse an den Fruchtstielen abschneidet, um sie dann am Boden zu verspeisen, ist ein Märchen. Hin und wieder fallen Kokosnüsse auf den Boden und wenn die Kokosschale beim Aufprall auf den Boden nicht geplatzt ist, dann entfernt der Palmendieb mit seinen großen muskulösen Scheren zunächst den Bast und öffnet dann die Kokosnuß vom Keimloch her. Mit den kleinen Scheren der mittleren Beinpaare holt der Palmendieb dann das weiße Kokosfleisch heraus. Dies ist ein einzigartiges Verhalten unter Krebsen und erklärt, warum diese Art auch Kokoskrebs genannt wird. Zusätzlich ernährt er sich von Exoskletons (äußere Hülle) anderer Krebstiere, die viel Kalzium enthalten und für das Wachstum des eigenen Panzers wichtig sind.
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Auf den hinterindischen Inseln wird der Palmendieb ökonomisch sehr geschätzt. Meist mästet man ihn vor dem Verzehr noch mit Kokosnüssen. Charles Robert Darwin wußte zu berichten, daß man neben dem Fleisch aus dem Tier auch noch ein klares Öl gewinnt.

Fortpflanzung

Der Palmendieb erreicht die Geschlechtsreife etwa nach vier bis acht Jahren. Die Paarungszeit des Palmendiebes findet in den Monaten zwischen Mai und September statt. Allerdings liegt die Hauptpaarungszeit zwischen Juli und August. Die Paarung erfolgt an Land, wobei das Männchen das Weibchen auf den Rücken dreht und sich dann mit ihm paart. Nach erfolgreicher Paarung trägt das Weibchen die befruchteten Eier als Anhänge unter ihrem Abdomen. Kurz vor dem Schlupf der Larven sucht das Weibchen während der Gezeiten das Meer auf und gibt die Eier frei. Die Larven sind pelagisch (bezeichnet man die küstenferne Hochseeregion) und bleiben bis zu 28 Tage im Meer frei schwimmend, während sie sich in dieser Zeit entwickeln.

Die nächsten 21 bis 28 Tage durchleben die Larven ein amphibisches Stadium und verbleiben am Meeresboden, wo sie sich in leeren Schneckenhäusern aufhalten. Während dieser Zeit bieten die Schneckenhäuser den Larven Schutz vor Fleischfressern. Danach verlassen die Jugendlichen das Meer und verlieren somit auch die Fähigkeit unter Wasser zu atmen. Mit etwa zwei bis drei Jahren haben die Jugendlichen eine Körperlänge von etwa zwei Zentimetern erreicht. Wenn sie einen eigenen Panzer entwickelt und die Gestalt eines erwachsenen Palmendiebs mit einer Brustlänge von gerade mal fünf bis zehn Millimetern erreicht haben, dann verlassen sie die Schneckenhäuser. Bis der heranwachsende Krebs allerdings die stattliche Größe eines Palmendiebs erreicht hat, häutet er sich noch mehrmals. Der Palmendieb ist in seinem Wachstum sehr langsam. Er kann aber ein hohes Alter von etwa 40 Jahren erreichen.

In der Roten Liste der IUCN wird die Art seit 1996 als "DD" - Data Deficient geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Horst Füller...: "Wirbellose Tiere, Band 2". Urania-Verlag Leipzig Jena Berlin. Auflage: 1 (1994) ISBN 3-332-00502-2

Weblinks

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