Palmenflughund

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Palmenflughund

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Fledertiere (Chiroptera)
Unterordnung: Flughunde (Megachiroptera)
Familie: Flughunde (Pteropodidae)
Tribus: Rosettenflughunde (Rousettini)
Gattung: Eidolon
Art: Palmenflughund
Wissenschaftlicher Name
Eidolon helvum
(Kerr, 1792)

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Der Palmenflughund (Eidolon helvum) zählt innerhalb der Familie der Flughunde (Pteropodidae) zur Gattung Rousettus. Im Englischen wird der Palmenflughund Straw-coloured Fruit Bat genannt. Im Jahre 1792 beschrieb Kerr den Palmanflughund unter dem wissenschaftlichen Namen Vespertilio vampyrum helvum. Erst im Jahre 1912 prägte Anderson den heute noch gültigen Namen.

Inhaltsverzeichnis

Systematik

Dobson vereinte im Jahre 1878 die beiden Gattungen Rousettus und Eidolon zur Gattung Gynonycteris. Anderson stellte im Jahre 1912 korrekterweise den eindeutigen generischen Status fest. Die Vertreter der Gattung Eidolon weisen eine relativ längere Schnauze auf und p1 (Prämolar 1) ist größer als bei Rousettus. Unterschiede zeigen sich auch bei den Molaren, insbesondere bei m1 und m2, sowie in der unterschiedlichen Ausfärbung der Geschlechter und in der unterschiedlichen Größe.

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Palmenflughund erreicht je nach Vorkommen und Geschlecht eine Körperlänge von 150 bis 195 Millimeter, eine Vorderarmlänge von 117 bis 132 Millimeter, eine Flügelspannweite von 750 bis 950 Millimeter, eine Ohrlänge von 27,2 bis 28 Millimeter, eine Ohrbreite von 18,5 bis 20 Millimeter, eine Schwanzlänge von 10 bis 15,5 Millimeter, eine Hinterfußlänge von 31,5 bis 38,5, eine Schädellänge von 54,5 bis 38,5 Millimeter, eine Jochbeinbreite von 32 bis 36 Millimeter sowie ein Gewicht von 230 bis 350 Gramm. Der Dimorphismus unter den Geschlechtern ist nicht sonderlich groß. Männchen sind im Schnitt ein wenig größer als Weibchen. Die Vorderarme sind bei den Männchen rund 13 Prozent länger als bei Weibchen.

Das kurze und dichte Fell variiert je nach Vorkommen und auch unter einzelnen Individuen von gelblichgrau bis zu einem dunklen Sepiagrau gefärbt. Im Nackenbereich ist das Fell besonders dicht. Bei adulten Tieren zeigt sich ein orangener bis leicht gelblichbrauer und glänzender Schimmer. Bei Männchen wirkt das Fell üblicherweise glänzender als bei Weibchen. Jungtiere sind insgesamt ein wenig dunkler gefärbt, weisen ansonsten jedoch die gleiche Färbung auf. Das Patagium (Flugmembran) ist schwarzbraun gefärbt und weist bei Männchen eine durchschnittliche Fläche von 739,4 m³ und bei Weibchen eine Fläche von 545,3 m³ auf. Das Gebiss der Palmenflughunde weist 34 Zähne auf. Die zahnmedizinische Formel lautet i2/2, c1/1, p3/3, m2/3. Die apokrinen Schweißdrüsen sind gut entwickelt, insbesondere bei den Männchen, und liegen axillar, also im Bereich der Achseln. Die Speiseröhre (Oesophagus) ist mit 100 Millimeter ausgesprochen lang. Die Därme erreichen eine Gesamtlänge von etwa 170 Zentimeter. Die Verdauung ist beim Palmenflughund ausgesprochen rasch. Die Körpertemperatur liegt zwischen 32 und 37 Grad Celsius.

Lebensweise

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Als überwiegend nachtaktive Tiere verbringen Palmenflughunde die meiste Zeit vom Tage mit Schlafen. Die Schlafplätze der Kolonien befinden sich in Bäumen, Höhlen oder an Felswenden, meist in Höhen von 6 bis 20 Meter über dem Grund. Die Kolonien, die bis zu 1 Millionen Tiere umfassen können, teilen sich in kleiner Schlafgruppen von etwa 100 Tieren. Beliebte Schlafbäume sind Feigen (Ficus), Kokospalmen (Cocos nucifera), Eukalypten (Eucalyptus) wie Eucalyptus saligna sowie Ölpalmen (Elaeis guineensis).

Unterarten

Verbreitung

Palmenflughunde sind in Afrika verbreitet. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Ostafrika über Dschibuti, Somalia, Äthiopien, westlich bis zum Senegal, südlich bis nach Malawi und Südafrika sowie Madagaskar. Palmenflughunde migrieren von zentralen Verbreitungsgebiet in Richtung Norden und Süden. Die Migration richtet sich im Wesentlichen nach der Reifezeit verschiedener Früchte.

Prädatoren und Parasiten

Prädator: die Fleckenuhu (Bubo africanus)
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Prädator: die Fleckenuhu (Bubo africanus)

Zu den natürlichen Fleischfressern zählen insbesondere der Fleckenuhu (Bubo africanus), Raben und Krähen (Corvus), der Schwarzmilan (Milvus migrans), der Fleckenadler (Hieraaetus ayresii) und der Afrikanische Habichtsadler (Hieraaetus spilogaster). Unter den Säugetieren stellen den Palmenflughunden vor allem Pottos (Perodicticus potto), Afrikanische Zibetkatzen (Civettictis civetta) und Ginsterkatzen (Genetta) nach. An Aktoparasiten wurde vor allem Milben (Acari) und einige Fledermausfliegen (Nycteribiidae) nachgewiesen. Über Endoparasiten ist nichts bekannt.

Ernährung

Palmenflughunde ernähren sich hauptsächlich von saftigen und reifen Früchten. Es werden aber auch Knospen, Blüten, Nektar und Pollen sowie junge Triebe und Blätter gefressen. Die Nahrungssuche beginnt erst mit Einbruch der Dunkelheit. Zu diesen Zeitpunkt verlassen die Tiere ihre Schlafplätze und suchen die Nahrungsgründe auf. Die Nahrungssuche erfolgt meist im Umkreis von 15 Kilometer rund um den Schlafplatz.

Fortpflanzung

Palmenflughunde erreichen die Geschlechtsreife mit rund einem Jahr. Die Paarungszeit erstreckt sich in den meisten Gebieten von April bis in den Juni hinein. Die embryonale Entwicklung erfolgt jedoch nicht unmittelbar nach der Kopulation. Es setzt zunächst eine Keimruhe ein, so dass die embryonale Entwicklung erst ab Oktober einsetzt. Zu den Geburten kommt es demnach erst zwischen Februar und Mai des Folgejahres. Die minimale Tragezeit inklusive der Keimruhe beträgt somit 9 Monate. Die Hoden der Männchen weisen zwischen Oktober und November ein Gewicht von 1,0 bis 2,8 Gramm auf, zwischen April und Juni (also während der Paarungszeit) 5,2 bis 5,5 Gramm.

Palmenflughunde leben in polygamen Haremsgruppen. Ein Männchen paart sich meist mit mehreren Weibchen. Weibchen bringen Nachwuchs nur einmal jährlich zur Welt. Ein Wurf besteht aus 1 bis 2 Jungtieren. Die Geburt dauert nur wenige Minuten und erfolgt in hängender Position. Die Jungtiere kommen mit dem Kopf voran zur Welt. Bei Zwillingsgeburten kann sich der Geburtsvorgang über eine Stunde oder mehr erstrecken. Der Nachwuchs wiegt in der Regel zwischen 15 und 24 Gramm und weist eine Körperlänge von 5,6 Zentimeter auf. Sie sind bei der Geburt blind, öffnen ihre Augen erst in der zweiten bis dritten Lebenswoche. In der ersten Zeit klammern sich die Jungtiere an der Mutter fest und werden auch bei der Nahrungssuche mitgenommen. Im Ruhezustand werden die Jungtiere durch die Flügel der Mutter geschützt. Später lässt die Mutter ihren Nachwuchs während der Nahrungssuche an den Ruheplätzen zurück. Der Nachwuchs lernt im Alter von etwa drei Monaten das Fliegen. Mitte Juni weisen die Jungtiere bereits ein Gewicht von 120 bis 150 Gramm auf. Die Säugezeit endet spätestens nach 2 bis 3 Monaten. Die maximale Lebenserwartung liegt bei knapp über 20 Jahre. Ein solch hohes Alter erreichen jedoch nur wenige Individuen.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In einige Regionen Afrika stehen Palmenflughunde auf der Speisekarte der einheimischen Bevölkerung. Dies ist insbesondere im südlichen Nigeria der Fall. Die Tiere werden von Jägern in der Regel geschossen. Palmenflughunde gehören heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (least concern) geführt. In der Nähe des Menschen sind Palmenflughunde keine gern gesehenen Gäste, da sie bei massenhaftem Auftreten durchaus erheblichen Schaden in Obstgärten anrichten können. Dabei gelten die Tiere wie alle Flughunde als eine der wichtigsten Bestäuber von blütentragenden Pflanzen.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Ordnung der Fledertiere (Chiroptera)

Literatur und Quellen

Links

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