Pampasfuchs

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Pampasfuchs

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Hunde (Canidae)
Tribus: Echte Hunde (Canini)
Gattung: Lycalopex
Art: Pampasfuchs
Wissenschaftlicher Name
Lycalopex gymnocercus
(Fischer, 1814)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Pampasfuchs (Lycalopex gymnocercus; Syn. Pseudalopex gymnocercus) zählt innerhalb der Familie der Hunde (Canidae) zur Gattung Lycalopex. Im Englischen wird die Art Pampas Fox, Azara's Fox, Azara's Zorro oder Azara’s Fox genannt.

Der Pampasfuchs ähnelt in der Größe grob dem nah verwandten Magellanfuchs (Lycalopex culpaeus). Seine Schnauze weist jedoch eine größere Länge des Rostrums auf. Auch die Fellfärbung zeigt einen deutlich geringeren rötlichen Anteil - vor allem im Bereich der Ohren sowie am Kopf und Hals. Der Pampasfuchs ist insgesamt ein wenig größer und schwerer als der Magellanfuchs. Der Habitus ist ansonsten sehr ähnlich (Lucherini & Vidal, 2008).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Die ältesten fossilen Funde, die eindeutig der Gattung Lycalopex zugeordnet werden konnten, stammen aus dem Pliozän und weisen ein Alter von 3 bis 2,5 Millionen Jahren auf. Die Fundstellen liegen im Wesentlichen im zentralen und nördlichen Chile. Der Pampasfuchs tauchte in der Evolution erstmals vor etwa 2,5 bis 1,5 Millionen Jahren im spätern Pliozän oder frühen Pleistozän auf. Dies belegen fossile Funde in der Vorohué Formation nahe Buenos Aires. Jüngere fossile Funde, die ein Alter von rund 30.000 Jahren aufweisen, konnten in Luján Formation in Argentinien gefunden werden. Die Luján Formation liegt ebenfalls in der Provinz Buenos Aires (Lucherini & Vidal, 2008). <3>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Geschlechter des mittelgroßen Pampasfuchses weisen leicht divergierende Maße und Gewichte auf. Männchen erreichen eine Körperlänge von 597 bis 700 (648) mm, eine Schwanzlänge von 320 bis 365 (352) mm, eine Hinterfußlänge von 135 bis 155 (140) mm, eine Ohrlänge von 80 bis 90 (86) mm, eine Schädellänge 130 bis 154.3 (143,6) mm, eine Jochbeinbreite von 69,6 bis 79,0 (75,7) mm, eine Unterkieferlänge von 100,0 bis 111,0 (106,3) mm sowie ein Gewicht von 4,63 bis 5,88 Kilogramm. Weibchen bleiben ein wenige kleiner und leichter. Sie erreichen eine Körperlänge von 535 bis 683 (621) mm, eine Schwanzlänge von 270 bis 356 (319) mm, eine Hinterfußlänge von 115 bis 145 (128) mm, eine Ohrlänge von 80 bis 90 (84) mm, eine Schädellänge 129,3 bis 143,0 (134,9) mm, eine Jochbeinbreite von 67,0-76,1 (71,3) mm, eine Unterkieferlänge von 101,3 sowie ein Gewicht von 4,21 bis 4,61 Kilogramm. Der Schädel weist eine leicht dreieckige Form auf, die Schnauze ist länglich. Das kräftige und fuchstypische Gebiss verfügt über 42 Zähne, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p4/4, m2/3. Die Zahnmorphologie lässt beim Pampasfuchs auf einen Allesfresser schließen. Das Fell weist dorsal und lateral eine gräuliche Färbung auf. An den Kopfseiten zeigt sich eine deutliche Rotfärbung, die Bauchseite ist weißlich bis leicht gräulich gefärbt. Die großen breiten Ohren sind dreieckig geformt. Sie sind außen rötlich und innen weißlich gefärbt. Der buschige Schwanz ist mit mehr als 50% der Körperlänge ausgesprochen lang. Dorsal zeigt sich ein dunkler Aalstrich, der sich von den Schultern bis auf dem Schwanz erstreckt. Die Schwanzspitze ist schwarz. Die hinteren Beine sind außen gräulich und distal leicht rötlich gefärbt. Im Winter ist das Fell der Pampasfüchse länger und dichter. Die Füße der Vorderbeine weisen 5 Zehen auf, von denen 4 mit einer kräftigen Kralle versehen sind. Die fünfte Zehe weist nur eine rudimentäre Kralle auf. Die Füße der Hinterbeine verfügen über je 4 Zehen (Lucherini & Vidal, 2008). <4>

Lebensweise

Pampasfüchse sind zwar tag- und nachtaktiv, in der Nähe des Menschen verlegen die Tiere ihre Aktivität auf die Nacht. Die größte Aktivität entfalten Pampasfüchse im Sommer und im Herbst. Die Geschlechter leben in einer monogamen Einehe. Dies ist im übrigen bei allen Füchsen der Fall. Auf Nahrungssuche gehen die Geschlechter jedoch einzelgängerisch. Zentraler Punkt im Revier der Pampasfüchse ist ein Erdbau, in dem auch der Nachwuchs zur Welt kommt. Es kann sich bei den Erdbauten um natürlichen Felshöhlen, Höhlen im Wurzelwerk oder Höhlen in umgestürzten Bäumen handeln. Gelegentlich werden auch die Baue anderer Tiere wie beispielsweise von Gürteltieren (Dasypodidae) übernommen. Eigene Bauten werden in der Regel nicht gegraben. Zudem werden die Bauten in regelmäßigen Abständen gewechselt. Pampasfüchse sind durchaus territorial. In Argentinien haben Forscher Reviergrößen von 55 bis 461 ha je Familiengruppe feststellen können. Die Siedlungsdichte liegt je nach Region bei etwa 0,6 und 5,85 Füchse je km². Die Reviergröße und die Siedlungsdichte divergieren im Wesentlichen mit dem Nahrungsaufkommen. Das Geschlechterverhältnis liegt bei etwa 1,4:1 (m/f). Die Populationen weisen demnach mehr Männchen als Weibchen auf (Lucherini & Vidal, 2008; Nowak, 1999). <5>

Unterarten

Verbreitung

Pampasfüchse sind in Südamerika südöstlich der Anden weit verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über das östliche Bolivien, das westliche und zentrale Paraguay, über Uruguay, das südöstliche Brasilien sowie über das nördliche Argentinien. Pampasfüchse besiedeln meist offene und halbaride Lebensräume wie die offene Pampa, Buschland, Dornbuschsavannen und Grünland. Auch auf landwirtschaftlichen Flächen ist die Art häufig zu beobachten. Flächen mit hohem Graswuchs werden bevorzugt besiedelt. In den Ausläufern der Anden treten die Tiere auch in subtropischen Wäldern in Erscheinung. In einigen Regionen kommen die Tiere auch in Sumpfgebieten, Mooren und Küstenwäldern vor (Lucherini & Vidal, 2008). <6>

Biozönose

Konkurrent: die Pampaskatzen (Leopardus pajeros)
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Konkurrent: die Pampaskatzen (Leopardus pajeros)

Sympatrie

In den natürlichen Verbreitungsgebieten steht der Pampasfuchs in Lebensraum- und Nahrungskonkurrenz zu zahlreichen anderen Raubtieren (Carnivora) wie Kleinfleckkatzen (Oncifelis geoffroyi), Pampaskatzen (Leopardus pajeros), Chilenische Skunks (Conepatus chinga), Kleingrisons (Galictis cuja) und verschiedenen Hundeartigen und Füchse (Canidae) wie dem Maikong (Cerdocyon thous) (Lucherini & Vidal, 2008). <7>

Prädatoren und Mortalität

Zu den wenigen natürlichen Feinden der Pampasfüchse gehören verwilderte Haushunde und der Puma (Puma concolor). Weit schwerwiegender wirken sich jedoch anthropogene Einflüsse aus. Zahlreiche Füchse kommen in der Nähe im Straßenverkehr zu Tode oder werden von Menschen wegen des Felles getötet. Pampasfüchse werden mit Hunden gejagt und erschossen oder mit Giftködern erlegt (Lucherini & Vidal, 2008). <8>

Krankheiten und Parasiten

In der Feldforschung konnten zahlreiche Ekto- und Endoparasiten nachgewiesen werden. Besonders häufig sind Ektoparasiten. Befallen sind die Tiere häufig von Zecken (Ixodida) wie Amblyomma maculatum und Amblyomma auriculare, andere Milben (Acari) wie die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei), Flöhe (Siphonaptera) wie der Katzenfloh (Ctenocephalides felis), Hectopsylla broscus, Malacopsylla grossiventris, Polygenis, Pulex irritans und Tiamastus cavicola. Weit schwerwiegender wirken sich Endoparasiten auf den Organismus aus.
Parasit: die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei)
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Parasit: die Krätzemilbe (Sarcoptes scabiei)
Hier sind insbesondere Bandwürmer (Cestoda) wie Dipylidium Caninus und Taenia pisiformis, Joyeuxiella und Fadenwürmer (Nematoda) wie Ancylostoma Caninus, Molineus felineus, Toxocara canis, Ancylostoma Caninus, Echinococcus granulosus, Echinococcus cepanzoi, Rictularia und Physaloptera zu nennen. Ebenfalls zu den Endoparasiten gehören Saugwürmer (Trematoda) wie Athesmia foxi, der sich insbesondere im Dünndarm (Intestinum tenue) ausbreitet. Pampasfüchse sind auch Träger verschiedener Parvoviren (Parvoviridae) und können an der Viruserkrankung Staupe erkranken (Lucherini & Vidal, 2008). <9>

Ernährung

Der Pampasfuchs zeichnet sich als opportunischer Generalist unter den Raubtieren (Carnicora) aus. Die bevorzugte Nahrung divergiert dabei je nach Region. Zu den bevorzugten Beutetieren zählen Wirbeltiere (Vertebrata) wie Feldhasen (Lepus europaeus), Weißohropossums (Didelphis albiventris), Braunborsten-Gürteltiere (Chaetophractus villosus), Kleine Borstengürteltier (Chaetophractus vellerosus), Südliche Siebenbinden-Gürteltiere (Dasypus hybridus) und Zwerggürteltiere (Zaedyus pichiy). Beliebt sind auch Nagetiere (Rodentia) wie Südamerikanische Feldmäuse (Akodon), Echte Meerschweinchen (Cavia) Vespermäuse (Calomys), Kaninchenratten (Reithrodon), Tukotukos (Ctenomys), Hochland-Wüstenmäuse (Eligmodontia), Blattohrmäuse (Graomys), Zwergmeerschweinchen (Microcavia), Viscacha (Lagostomus maximus), Zwergreisratten (Oligoryzomys) und Blattohrmäuse (Phyllotis). Auch Vögel (Aves) wie beispielsweise Tauben (Columbidae), Steißhühner (Tinamiformes) und verschiedene Sperlingsvögel (Passeriformes) sowie Schnecken (Gastropoda), Krebstiere (Crustacea) , Skorpione (Scorpiones) und kleine Kriechtiere (Reptilia) werden nicht verschmäht. An Insekten (Insecta) werden vor allem Käfer (Coleoptera), Zweiflügler (Diptera), Hautflügler (Hymenoptera), Gleichflügler (Homoptera), Libellen (Odonata) und Geradflügler (Orthoptera) gefressen, wobei Imagines und Larven auf der Speisekarte stehen. Neben tierischer Kost stehen auch zahlreiche Früchte auf der Speisekarte. Hier sind nach Lucherini & Vidal (2008) insbesondere die Früchte der Zürgelbäume (Celtis), der Akazien (Acacia) und der Mesquite-Sträucher (Prosopis) zu nennen. Auch Aas wird gefressen und in der Nähe des Menschen wühlen Pampasfüchse nicht selten im Abfall oder auf Mülldeponien nach verwertbarer Nahrung. Zum Leidwesen der Menschen werden hin und wieder auch Hausgeflügel oder juvenile Hausziegen (Capra hircus) und Hausschafe gerissen (Novak, 1999;Lucherini & Vidal, 2008; Varela, Cormenzana-Méndez, Krapovickas & Bucher, 2008). <1> <2>

Fortpflanzung

Pampasfüchse erreichen die Geschlechtsreife im Alter von 8 bis 12 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich über das Frühjahr, zu den Geburten kommt es in der Regel zwischen September und Dezember. In einer Saison kommt es lediglich zu einem Wurf. Nach einer Tragezeit von 55 bis 60 Tagen bringt ein Weibchen in ihrer Höhle 1 bis 8 (3,4) Jungtiere zur Welt. Die Geburt erfolgt in höhlenartigen Behausungen, die meist im Wurzelwerk von Bäumen oder an ähnlich geschützten Stellen liegen. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt im Alter von 2 Monaten. Ab diesem Zeitpunkt begleiten die Jungtiere die Eltern während der Nahrungssuche. Die Lebenserwartung in Freiheit ist nicht bekannt, sie dürfte jedoch bei nur wenigen Jahren liegen. In Gefangenschaft kann ein maximales Alter von bis zu 14 Jahren erreicht werden (Lucherini & Vidal, 2008). <10>

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Pampasfüchse zählen noch nicht zu den bedrohten Caniden (Canidae). In der Roten Liste der IUCN wird die Art als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) listet die Art in Anhang II des Abkommens. In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes stellt der Mensch den Tiere wegen der Felle oder weil gelegentlich Haustiere gerissen werden. Die Bejagung ist jedoch verboten. An der Umsetzung der Gesetze hapert es jedoch. Man geht davon aus, dass rund 8.000 Füchse pro Jahr getötet werden. Ein weiteres Problem stellt die Umwandlung der natürlichen Lebensräume in Agrar- und Weideland dar (Lucherini & Vidal, 2008; García Fernandez, 1991).

Anhang

Fotos

Siehe auch

  • Die Familie der Hunde (Canidae)
  • Die Ordnung der Raubtiere (Carnivora)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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