Panama-Laubfrosch

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Panama-Laubfrosch

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Überfamilie: Laubfrösche, Echte Kröten und Verwandte (Hyloidea)
Familie: Laubfrösche i.w.S. (Hylidae)
Unterfamilie: Hylinae
Gattung: Zwillingsblasen-Laubfrösche (Smilisca)
Art: Panama-Laubfrosch
Wissenschaftlicher Name
Smilisca sila
Duellman & Trueb, 1966

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Panama-Laubfrosch (Smilisca sila) zählt innerhalb der Familie der Laubfrösche i.w.S. (Hylidae) zur Gattung der Zwillingsblasen-Laubfrösche (Smilisca). Im Englischen wird der Panama-Laubfrosch panama cross-banded treefrog genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Diagnose, Aussehen und Maße

Diagnose: Der Panama-Laubfrosch ist ein mittelgroßer grauer, beigefarbener, brauner bis rötlicher Laubfrosch mit dunklen Rücken-Markierungen. Im Profil zeigt sich die Schnauze ziemlich kurz und wirkt eher abgeschnitten. Die Oberfläche der Flanken und der hinteren Oberschenkel ist mit braunen bis bläulichen Flecken besetzt. Darüber hinaus ist die Oberfläche einiger Individuen dieser Art höckerig ausgebildet und weist zusätzlich noch ein höckerartiges Tympanon (Membran des Hörorgans der Froschlurche) auf. Die erwachsenen Männchen weisen graue Schallblasen sowie eine Reihe von prominenten Warzen entlang der posteroventralen Ränder des Unterarmes und einzelne subartikuläre Tuberkel unter den Fingern III und IV auf. <1>

Das erwachsene Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 31,0 bis 45,0 Millimeter und das Weibchen eine Körperlänge von etwa 44,0 bis 62,0 Millimeter. Die Oberfläche ist gehöckert und der Bauch ist körnig. Der Kopf ist breiter als lang. Die dorsalen Konturen des Kopfes sind rund bis halbkreisförmig. Die Schnauze wirkt von oben gesehen und im Profil wie abgeschnitten. Die Augen erscheinen relativ groß. Das Tympanon ist deutlich gehöckert. Die externen gepaarten grau gefärbten Schallblasen beim erwachsenen Männchen sind schlitzförmig und voll dehnbar. Die Finger sind mäßig lang und dick geformt. Die Fingerscheiben sind mäßig und die Breite der Fingerscheiben des vierten Fingers sind etwa zwei Drittel im Durchmesser. Die subartikulären Tuberkel sind einzeln gelegen. In der Paarungszeit ist der Daumen an der Basis beim erwachsenen Männchen schwarz und nicht hornig ausgebildet. Zwischen den Fingern befinden sich Schwimmhäute, jedoch zwischen den Fingern I und II zeigt sich nur ein Band. Die Daumenscheibe ist nur mäßig vergrößert und palmar (hohlhandseitig) zeigen sich undeutlich dreieckförmige Tuberkel. Die Schwimmhäute zwischen den Zehen sind weit ausladend. Am inneren Mittelfußknochen sind die Tuberkel klein, niedrig, abgeflacht und am äußeren Mittelfußknochen sind keine Tuberkel erkennbar.

An der inneren Fußwurzel erkennt man eine Falte. Dorsalflächig zeigen sich verschiedenne graue oder braune Schattierungen mit dunkleren braunen Markierungen. Des Weiteren erkennt man deutlich metallisch grüne Flecken.
Fransenlippenfledermaus (Trachops cirrhosus) - Spezialisert auf Frösche
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Fransenlippenfledermaus (Trachops cirrhosus) - Spezialisert auf Frösche
Im Bereich der oberen Extremitäten sind dunkle Querbinden erkennbar. In der Leistengegend und im hinteren Bereich des Oberschenkels zeigt sich auf der Oberfläche ein braunes Retikulum (Netz) umschlossen mit blauen Flecken. Der Bauch weist eine cremeweiße Färbung auf. Die Iris ist in der Färbung variabel. Sie reicht von blassbraun bis gräulich mit oder ohne bronzefarbenen Suffusionen (Blutunterlaufungen) und mit dunkelbraunen oder schwarzen netzartigen Mustern. Die Stimme ist ein niedriges Quaken, meist gefolgt von ein oder mehreren sekundären rasselnden Noten. Die primären Noten dauern etwa 60 bis 280 Millisekunden und die sekundären Noten etwa 140 bis 480 Millisekunden. Die Impulsraten der primären Noten liegen bei 97 bis 120 pro Sekunde und die domimierenden Frequenzen liegen bei etwa 0,9 bis 2,2 kHz. <2>

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN hält sich der Panama-Laubfrosch bevorzugt in feuchten Niederungen im Südwesten von Costa Rica und im östlichen Panama sowie im zentralen Panama, Kolumbien und im Norden in der Mitte des Magdalena-Tals auf. Auf Costa Rica kommt der Panama-Laubfrosch recht selten vor. Gelegentlich trifft man den Panama-Laubfrosch auch in einer Meereshöhe bis zu 500 Metern an. Er hält sich bevorzugt in den feuchten Tiefland-Regionen und in den feuchten Wäldern nahe von felsigen Pools und seichten Bachufern auf. Er kann auch in Sekundärwäldern überleben, aber in der Regel braucht der Panama-Laubfrosch eine gute Vegetation. Auf Costa Rica wird er in relativ offenen Gebieten beobachtet. Weniger häufig wird er in der Vegetation oberhalb der Fließgewässer gefunden. Die benthischen Kaulquappen halten sich in klaren Pools und im langsam fließenden Wasser auf. Der Panama-Laubfrosch ist eher ein gemeinsam nächtlicher Laubfrosch, der während des ganzen Jahres aktiv ist. Die Männchen rufen meist von einer in Bächen oder an den Ufern befindlichen Erhöhung und manchmal auch von einer niedrigen Vegetation oberhalb des Wassers. Die Paarung und Brut erfolgen in der trockenen Jahreszeit in den Monaten Dezember bis Februar oder März, wenn der Wasserstand am niedrigsten ist. Die Männchen produzieren während dieser Zeit synchrone Rufe. Die Komplexität der Rufe wird durch vokale Interaktionen mit anderen Männchen bestimmt. Jedoch steigern die Frösche durch die komplexen Rufe das Prädations-Risiko, vor allem die Fransenlippenfledermaus (Trachops cirrhosus) ist durch ihre Jagd auf Frösche bekannt. Die Fledermaus sucht akustisch ihre Nahrung und reagiert bevorzugt auf komplexe Froschrufe. Darüber hinaus ist sie in der Lage, an Hand der Froschrufe einzelne Froscharten zu identifizieren, so kann sie giftige von genießbaren Fröschen unterscheiden. <3>

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Panama-Laubfrosch nur in Kolumbien, auf Costa Rica und Panama vor. Zu seinen Lebensräumen zählen unter anderem subtropische und tropische feuchte Tieflandwälder, Feuchtgebiete (Inland) wie Flüsse, Bäche, schmale Buchten mit Wasserfällen sowie Süßwassersümpfe und Pools unter 8 Hektar.

Biozönose

Zu den natürlichen Feinden zählt beispielsweise die Fransenlippenfledermaus (Trachops cirrhosus), die eine Spezialisierung auf Froschlurche (Anura) aufweist.

Ernährung

Panama-Laubfrosch
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Panama-Laubfrosch

Der Panama-Laubfrosch ernährt sich hauptsächlich von Insekten (Insecta) und deren Larven wie Mücken (Nematocera), Stechmücken (Culicidae) und Fliegen (Brachycera). Neben den Insekten (Insecta)und Larven erbeutet Panama-Laubfrosch auch Milben (Acari), Webspinnen (Araneae), Blattläuse (Aphidoidea), Weberknechte (Opiliones) und Schnecken (Gastropoda). Die Larven ernähren sich von Algen, Mikroorganismen, Plankton und zellulären Abfallstoffen. Gegen Ende ihrer larvalen Entwicklung ernähren sie sich auch von größeren Beutetieren wie andere Larven und Aas. Die Kaulquappen fressen dabei an toten Fischen, Schnecken und anderen Tieren. Im Wasser lokalisieren die Kaulquappen ihre Beute über ihren gut entwickelten Geruchs- und Geschmackssinn.

Fortpflanzung

Der Panama-Laubfrosch ist eher ein gemeinsam nächtlicher Laubfrosch, der während des ganzen Jahres aktiv ist. Die Männchen rufen meist von einer in Bächen oder an den Ufern befindlichen Erhöhung und manchmal auch von einer niedrigen Vegetation oberhalb des Wassers. Die Männchen produzieren während dieser Zeit synchrone Rufe. Die Komplexität der Rufe wird durch vokale Interaktionen mit anderen Männchen bestimmt. Die Paarung und das Ablaichen erfolgen in der trockenen Jahreszeit in den Monaten Dezember bis Februar oder März, wenn der Wasserstand am niedrigsten ist. Die Weibchen legen den Laich in kleine Tümpel aber auch in größere Pfützen ab. Der abgelegte Laich schwimmt in Klumpen an der Wasseroberfläche oder sinkt zu Boden. Nach nur 3 Tagen verlassen die Larven die Eier. Die Larven weisen eine Körperlänge von etwa 25,0 bis 31,0 Millimetern auf. Der Körper ist eiförmig, der Mund ventral und die Nasenlöscher sowie die Augen befinden sich dorsolateral. Das Atemloch ist seitlich, sinistral und der Anus befindet sich dextral. Der Schwanz und die Schwanzflosse sind mäßig ausgebildet und die Schwanzspitze erscheint spitz zulaufend. Die Mundhöhle ist mäßig geformt. Oberhalb des Mundes zeigt sich ein schmaler Spalt. Die Papillen sind in ein oder zwei Reihen seitlich der Unterlippe angeordnet. Im Bereich der Oberlippe des Mundes zeigen sich keine Papillen. Der Oberkörper der Larven ist blass graubraun und der Unterkörper ist mit dunkelbraunen Flecken und dorsolateral mit hellen Flecken besetzt. Die kaudale Muskulatur ist blassbraun und ebenfalls mit braunen Flecken versehen. Auf der Rückenflosse und im Bereich der hinteren Hälfte ventral zeigen sich ebenfalls dunkelbraune Flecken. <4>

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN gehört der Panama-Laubfrosch heute noch nicht zu den bedrohten Froscharten. Er ist in weiten Teilen des Verbreitungsgebietes häufig anzutreffen. Nur in wenigen Regionen kommt der Panama-Laubfrosch selten oder nur spärlich vor. In der Roten Liste der IUCN wird er als least concern (nicht gefährdet) geführt. Auch wenn der Panama-Laubfrosch noch nicht zu den bedrohten Arten zählt, so geht doch eine stetige Bedrohung durch Abholzung der Wälder für die Landwirtschaft, illegale Bepflanzungen und durch menschliche Besiedlungen aus. Auch die Verschmutzung der Lebensräume infolge der chemischen Düngemittel illegaler Kulturen tragen zu einer Gefährdung dieser Art bei.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] [2] [3] [4] Jay M. Savage is emeritus professor of biology at the University of Miami and adjunct professor of biology at San Diego State University. He is the author of Evolution, coauthor of Introduction to the Herpetofauna of Costa Rica, and editor of Ecological Aspects of Development in the Humid Tropics. The University of Chicago Press, Chicago 60637. The University of Chicago Press, Ltd., London. 2002 by The University of Chicago. All rights reserved. Published 2002. Printed in China. ISBN 0-226-73537-0 (cloth).
  • Dr. Wolf-Eberhard Engelmann, Jürgen Fritzsche, Dr. sc. Rainer Günther und Dipl.-Biol. Fritz Jürgen Obst: Lurche und Kriechtiere Europas. Neumann Verlag Radebeul 1993. ISBN 3-7402-0094-4
  • Dr. Josef Blab und Hannelore Vogel: Amphibien und Reptilien erkennen und schützen. Alle mitteleuropäischen Arten, Biologie, Bestand, Schutzmaßnahmen. BLV Verlagsgesellschaft mbH München Wien Zürich 1996. ISBN 3-405-14936-3
  • Andreas Nöllert und Christel Nöllert: Die Amphibien Europas. Bestimmung - Gefährdung - Schutz. Kosmos Naturführer, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH Stuttgart 1992. ISBN 3-440-06340-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Kurt Brauer, Annette Bromma: Kröten. Urania, Freiburg (1991). ISBN 3332003798

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