Geoffroy-Perückenaffe

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Geoffroy-Perückenaffe

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Familie: Krallenaffen (Callitrichidae)
Gattung: Tamarins (Saguinus)
Art: Geoffroy-Perückenaffe
Wissenschaftlicher Name
Saguinus geoffroyi
Pucheran, 1845

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Geoffroy-Perückenaffe (Saguinus geoffroyi) zählt innerhalb der Familie der Kapuzinerartigen (Cebidae) zur Gattung Alouatta. Die Art ist auch unter dem deutschen Synonym Panamaperückenaffe bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Geoffroy-Perückenaffe erreicht eine Körperlänge von 20 bis 28 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 31 bis 42 Zentimeter sowie ein Gewicht von 350 bis 450 Gramm. Männchen bleiben nur unwesentlich kleiner und leichter. Charakteristisch ist die lange weiße Mähne an Kopf und Nacken, die an der vorderen Stirn beginnt. Das Gesicht und die kleinen Ohren sind dunkelgrau bis schwärzlich, ebenso die Innenflächen der Hände und Füße. Die Arme, Unterschenkel und die Bauchseite sind ebenfalls mit einem langen weißen Fell bedeckt. Der Rücken und der erste Teil des Schwanzes sind bräunlich bis schwarzbraun gefärbt. Der Rücken ist stellenweise weißlich-marmoriert durchzogen. Der hintere Schwanzteil ist fast schwarz. Die Nägel an den Zehen haben sich im Laufe der Evolution zu kräftigen Krallen umgewandelt, ihre Beine sind recht lang. Diese Tatsache und der sehr lange Schwanz, der als Balancierorgan fungiert, sind ein Indiz für die hervorragenden Klettereigenschaften der Geoffroy-Perückenaffen. Im Geäst können sie durchaus auch Sprünge von einigen Metern bewältigen.

Lebensweise

Die tagaktiven Geoffroy-Perückenaffen leben in sozialen Gruppen, die zumeist eine Stärke von bis zu 20 Individuen aufweisen. Eine Gruppe besteht aus mehreren Männchen und Weibchen sowie deren Nachwuchs. Geoffroy-Perückenaffen legen ein territoriales Verhalten an den Tag, ihr Revier umfasst für gewöhnlich eine Größe von 20 bis 30 Hektar. Um die Revierverteidigung kümmern sich überwiegend die Männchen. Die Nacht über verbringen die Tiere gemeinsam in Baumnestern. Die Hauptaktivitäten entfalten die Geoffroy-Perückenaffen meist am Vormittag und am späten Nachmittag. Geoffroy-Perückenaffen halten sich fast ausschließlich in den Bäumen oder größeren Büschen auf.

Verbreitung

Geoffroy-Perückenaffen sind in Mittelamerika und im nordwestlichen Südamerika verbreitet. Sie kommen insbesondere von Costa Rica über Panama bis nach Nordwest-Kolumbien vor. Der Lebensraum erstreckt sich über tropische und subtropische Regenwälder. Sie sind sowohl in der Ebene als auch in Bergregenwäldern bis in Höhen von gut 1.000 Metern anzutreffen. Geoffroy-Perückenaffen halten sich fast ausschließlich in Bäumen oder Büschen auf. Dies gilt sowohl für ihre aktive Zeit als auch für die Nachtruhe. Offene Flächen werden von den Primaten strikt gemieden.

Prädatoren

Zu den natürlichen Fressfeinden der Geoffroy-Perückenaffen zählen hauptsächlich kleinere Raubkatzen, Schlangen und Greifvögel wie die Harpyie (Harpia harpyja). Der Hauptfeind ist jedoch der Mensch, der ihnen durch die Abholzung der Regenwälder die Lebens- und Nahrungsgrundlage nimmt. Der Schwund der Populationen durch Fressfeinde ist relativ gering, da die Tiere durch die baumbewohnende Lebensweise mehr oder weniger geschützt sind.

Ernährung

Der Geoffroy-Perückenaffe ist ein typischer Allesfresser (Omnivora). Zur bevorzugten Nahrung gehören neben Insekten und deren Larven auch Sämereien, Blätter, Baumsäfte und Nektar, junge Triebe und reife Früchte. Spinnentiere, kleine Reptilien, Amphibien wie Baumfrösche, Vögel und deren Eier und Nestlinge sowie kleinere Wirbeltiere stehen ebenfalls auf dem Speiseplan der Geoffroy-Perückenaffen. Die Hauptnahrung besteht aus Insekten und Fruchtfleisch. Die typische Tötungsweise für Beutetiere ist ein Biss in den Kopf. Geoffroy-Perückenaffen wenden fast die Hälfte des Tages für die Nahrungssuche auf, die fast ausschließlich in den Bäumen stattfindet. Nahrung wird in die Vorderpfoten genommen und zum Maul geführt.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht der Geoffroy-Perückenaffe mit 16 bis 20 Monaten. Die Tiere leben in kleinen Gruppen mit einem dominanten, geschlechtsreifen Weibchen und zum Teil mehreren Männchen. Die Tiere führen demnach eine polygame Lebensweise. Paarungsberechtigt ist nur das dominante Weichen. Die Paarungszeit ist in den tropischen Verbreitungsgebieten an keine bestimmte Jahreszeit gebunden, jedoch fallen die meisten Geburten in die beginnende Regenzeit - die Zeit, in der Nahrung reichlich vorhanden ist. Dies ist in der Regel im Januar und Februar der Fall. Die Geburten fallen dann zumeist in den Zeitraum von April bis Juni. Nach einer Tragezeit von 140 bis 145 Tagen bringt das Weibchen zwischen ein und zwei, sehr selten auch drei Jungtiere zur Welt. Üblich sind allerdings ein oder zwei Jungtiere. Die Jungtiere wiegen bei der Geburt rund 40 Gramm. Die Jungtiere werden sowohl vom Vater und von der Mutter als auch von den anderen Gruppenmitgliedern sorgsam gehütet. Die erste Zeit klammern sich die Jungtiere am Bauch der Mutter fest, später reiten sie auf dem Rücken der Gruppenmitglieder. Ab der vierten Lebenswoche klettern die Jungtiere selbständig umher. Zu diesem Zeitpunkt probieren sie auch bereits ihre erste feste Nahrung. Die Säugezeit endet mit rund zwei bis drei Monate. Kurz darauf sind die Jungaffen selbständig. Ein Geoffroy-Perückenaffe kann ein Alter von etwa 10 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Geoffroy-Perückenaffen bilden einen wichtigen Teil in einem intakten Ökosystem. Sie steuern mit ihrem guten Appetit die Populationen von Insekten und anderen wirbellosen Tieren. Auch als Samenverbreiter spielen sie eine durchaus große Rolle. Auf der anderen Seite sind sie auch Nahrungsgrundlage für den einen oder anderen Räuber wie Raubkatzen oder Schlangen. Geoffroy-Perückenaffen gelten heute als noch nicht gefährdet. Daher werden wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) stellt die Art in Anhang I unter weltweitem Schutz. Ob die Art auch langfristig Bestand haben wird, bleibt abzuwarten, denn die Vernichtung der tropischen Regenwälder schreitet in Südamerika in großen Schritten voran.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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