Pantanalkatze

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Pantanalkatze
Foto folgt.

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Katzenartige (Feloidea)
Familie: Katzen (Felidae)
Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)
Gattung: Leopardus
Art: Pantanalkatze
Wissenschaftlicher Name
Leopardus braccatus
Cope, 1889
(vgl. Wilson & Reeder, 2005)

Die Pantanalkatze (Leopardus braccatus) zählt innerhalb der Familie der Katzen (Felidae) zur Gattung Leopardus. Im Englischen wird die Art Pantanal Cat genannt. Es sind 2 Unterarten bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Fossile Funde

Mit Bildung der Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika gelangten die ersten Katzen nach Südamerika und breiteten sich hier schnell aus. Die Landbrücke ist rund 4,5 Millionen Jahre alt und bildete sich im Pliozän. Die Bildung dieser Landbrücke wurde jedoch bis Mitte des Pleistozän durch den Anstieg des Meeresspiegels mehrmals unterbrochen, so dass die Einwanderung von Katzen nach Südamerika in mehreren Schüben stattfand. Man geht von 5 bis 6 Schüben aus. Heute werden 9 der 10 neotropischen Kleinkatzen in eine monophyletische Gruppe der Ozelot-Linie zusammengefasst. Die fossilen Funde der Ozelot-Linie ist sehr fragmentarisch und weisen ein Alter von 2.000.000 bis 500.000 Jahren auf. Die älteste Art der Linie ist Felis vorohuensis. Die ältesten fossilen Funde dieser Art stammen aus der Provinz Buenos Aires. Die ältesten fossilen Funde vom nahen verwandten der Pantanalkatze, der Pampaskatze (Oncifelis colocolo) weisen ein Alter von 780.000 bis 500.000 Jahre auf. Fossilierte Funde reichen bis hinunter nach Feuerland. Die Abspaltung der Pampaskatze von der Ozelot-Linie erfolgte aufgrund der Basis molekularer Schätzungen vor rund 1,7 Millionen Jahren. Zweifelsfrei der Pantanalkatze zuzuordnen sind Funde aus dem späten Pleistozän und dem frühen Holozän und stammen aus dem brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso (Barstow & Leslie, 2012).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Pantanalkatze erreicht eine Körperlänge von 423 bis 750 mm, eine Schwanzlänge von 220 bis 330 mm und ein Gewicht von 2.900 bis 3.700 g. Das Gesicht weist 2 bräunliche bis schwärzliche Querlinien im Bereich der Wangen auf. Die Unterseite des Kinns und die Kehle sind weiß. Das Fell ist je nach Unterart und Vorkommen orangebraun bis bräunlich gefärbt. Dunkle Flecken oder Rosetten zeigen sich undeutlich im Bereich der Flanken. Der dorsale Kamm ist insgesamt etwas dunkler als das restliche Fell. Der Schwanz ist nicht geringelt und endet in einer schwarzen Spitze. Sowohl in Gefangenschaft als auch in Freiheit sind melanistische Formen bekannt. Im Bereich der Vorderseite der Beine zeigen sich deutlich schwarze Kringel, die jedoch das Bein nicht vollständig umschließen. Ventral ist das Fell heller gefärbt und mit dunklen Flecken durchzogen. Die Füße sind einschließlich der Handgelenke und Knöchel schwarz gefärbt. Die nach vorne gerichteten Ohren der Pantanalkatze sind ausgesprochen groß und spitz zulaufend. Das ventrale Fell erreicht eine Länge von 1 bis 3 cm, das dorsale Fell im Bereich des Kammes bis zu 7 cm. Der Kamm ist rund 3 cm breit und verläuft vom Nacken bis zur Basis des Schwanzes. Die Pantanalkatze hat große und scharfe einziehbare Krallen, die leicht gekrümmt sind. Der Schädel ist deutlich gerundet. Er erreicht eine Länge von 94,3 bis 100,5 mm, eine Condylobasallänge von 89,4 bis 91,8 mm, eine Schnauzenbreite im Bereich der Eckzähne von 21,6 bis 24,1 mm und eine Jochbeinbreite von 62,1 bis 67,5 mm. Das kräftige Gebiss besteht aus 30 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i3/3, c1/1, p3/2, m1/1 (Barstow & Leslie, 2012).

Lebensweise

Je nach Lebensraumqualität beanspruchen Pantanalkatzen ein Revier in einer Größe von 3,07 bis 36,98 km². Die Art ist primär tag- und dämmerungsaktiv. Eher selten gehen die Tiere auch in der Nacht auf Nahrungssuche (Barstow & Leslie, 2012). Ansonsten ist über die Lebensweise nichts bekannt.

Unterarten

Unterarten nach Wilson & Reeder (2005):

  • Leopardus braccatus braccatus - Cope, 1889
  • Leopardus braccatus munoai - Ximenez, 1961

Verbreitung

Die Art ist in Südamerika östlich der Anden in 2 voneinander getrennten Populationen endemisch. Die Nominatform siedelt in Brasilien, Paraguay und Argentinien. Leopardus braccatus munoai kommt im Nordosten von Urugay und in Grande do Sul, Brasilien vor. L. b. munoai besiedelt fast ausschließlich Feuchtlebensräume wie Wiesen, Feuchtsavannen und Regenwälder. Die Nominatform ist in zahlreichen Habitattypen anzutreffen. So werden auch Savannen, Trockenwälder und andere trockene Lebensräume besiedelt. Die Tiere besiedeln das Flachland und sind lokal auch in Höhenlagen bis in Höhen von 2.300 m über NN anzutreffen. Die Niederschlagsmenge variiert je nach Lebensraumtyp und liegt zwischen 400 und 1.200 mm Niederschlag pro Jahr. In ausgesprochen trockenen Regionen fallen sogar nur 80 bis 200 mm Regen. Die durschnittlichen Temperaturen liegen je nach Jahreszeit zwischen 13 und 42°C (Barstow & Leslie, 2012).

Biozönose

Sympatrie

Die Pantanalkatze kommt sympatrisch mit der Tigerkatze (Leopardus tigrinus) und der Kleinfleckkatze (Oncifelis geoffroyi) vor. Zwischen der Pantanalkatze und der Tigerkatze kann es zur Hybridisierung kommen (Barstow & Leslie, 2012).

Krankheiten und Parasiten

In der Feldforschung und in Laboruntersuchungen konnten zahlreiche Ekto- und Endoparasiten nachgewiesen werden. Hier sind insbesondere Toxoplasma gondii zu nennen, deren Erreger wie die Toxoplasmose hervorruft, die als Infektionskrankheit nicht nur Katzen, sondern auch Menschen befällt. Deren Erreger finden sich obligat intrazellulär in fast allen Zellen wieder. Auch das Zentrale Nervensystem und das Retikulo-Endotheliale-System der Milz, der Leber und der Lunge werden weitflächig befallen. Als Ursache für die Mortalität der Pantanalkatze und in Bezug auf die Morbidität (Krankheitshäufigkeit) ist jedoch bei dem Erreger noch nicht viel bekannt. Mehrere gefangene Katzen litten unter dem Felinen Leukämievirus, der die Katzenleukämie hervorruft. An Ektoparasiten treten insbesondere Flöhe (Siphonaptera) , Tierläuse (Phthiraptera) und Zecken (Ixodida) in Erscheinung (Barstow & Leslie, 2012).

Ernährung

Pantanalkatzen ernähren sich als Fleischfresser überwiegend von Vögeln (Aves) und kleinen Säugetiere (Eutheria) wie beispielsweise das Wildmeerschweinchen (Cavia aperea). Aber auch Kriechtiere (Reptilia) wie Eidechsen (Lacertidae) und Nattern (Colubridae) sowie Kleingetier wie Käfer (Coleoptera) werden häufig gefressen. Die Nahrungssuche erfolgt sowohl am Tag als auch in der Dämmerung, eher selten in der Nacht (Barstow & Leslie, 2012).

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten ist nur wenig bekannt. Ein Wurf besteht aus 1 bis 3 Jungtieren, die nach einer Tragezeit von 80 bis 85 Tagen zur Welt kommen. Die Geschlechtsreife wird mit 2 Jahren erreicht. Die Lebenserwartung in Gefangenschaft liegt bei 16,5 Jahren, in freier Wildbahn bei lediglich 9 Jahren (Barstow & Leslie, 2012).

Synonyme

  • Felis braccata Cope, 1889
  • Lynchailurus pajeros braccatus J. A. Allen, 1919
  • Felis (Mungofelis) braccatus Antonius, 1933
  • Lynchailurus colocolus braccatus Cabrera, 1940
  • Felis colocola munoai Ximenez, 1961
  • Leopardus braccatus Wozencraft, 2005

Vgl. Barstow & Leslie, 2012.

Systematik

Bis vor wenigen Jahren wurde die Pantanalkatze noch als Unterart der Pampaskatze (Oncifelis colocolo) geführt (Barstow & Leslie, 2012).

Anhang

Siehe auch

  • Die Familie der der Katzen (Felidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X
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