Panzerkopf

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Panzerkopf
Zeitraum
Obere Kreide
80 bis 65 Mio. Jahre
Fossilfundorte
  • Alberta, Montana
  • Kanada
  • Nordamerika
Systematik
Klasse: Sauropsida
Unterklasse: Diapside Reptilien (Diapsida)
Infraklasse: Archosauromorpha
Überordnung: Herrscherreptilien (Archosauria)
Ordnung: Vogelbeckensaurier (Ornithischia)
Unterordnung: Schildträger (Thyreophora)
Infraordnung: Panzerechsen (Ankylosauria)
Familie: Ankylosauridae
Gattung: Euoplocephalus
Art: Panzerkopf
Wissenschaftlicher Name
Euoplocephalus tutus
Lambe, 1902

Der Panzerkopf (Euoplocephalus tutus) war eine pflanzenfressende Dinosaurier-Art und gehört zur Gruppe der Vogelbeckensaurier (Ornithischia). Euoplocaphalus tutus (wörtlich: "gut gepanzerter Kopf") trägt seinen Namen zu Recht, denn sein Kopf und sein ganzer Rücken sind mit ausgezeichneten Knochenplatten gepanzert. Lawrence Morris Lambe, der auch als Entdecker des Styracosaurus bekannt ist, beschrieb so wie viele andere Saurierarten 1902 Euoplocaphalus tutus.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Der Euoplocephalus tutus lebte vor 80 bis 65 Millionen Jahren am Ende der Oberen Kreidezeit während des Maastrichtium, zeitlich dem jüngsten Abschnitt der Kreidezeit. Wie alle Dinosaurier, so ist auch der Euoplocephalus tutus vor etwa 65 Millionen Jahren ausgestorben. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten. Eine mögliche Ursache kann der Einschlag eines großes Meteoriten im Golf von Mexiko sein. Dieser Meteorit soll einen Durchmesser von zehn bis fünfzehn Kilometern gehabt haben. Durch den Einschlag wurde eine ökologische Katastrophe ausgelöst, die die Welt monatelang, wenn nicht jahrelang in Dunkelheit hüllte. Zudem verursachte der Einschlag kurzfristige aber weitflächige Feuersbrünste, Tsunamis und orkanartige Sand- und Staubstürme. Auch mit dem einhergehenden säurehaltigen Regen kamen weitreichende Folgen auf die Flora und Fauna zu. Durch die Staubrückstände in der Atmosphäre verdunkelte sich nicht nur der Himmel, sondern senkte auch binnen kurzer Zeit die globale Temperatur herab. Fast 90 Prozent aller Herbivoren und Carnivoren starben infolgedessen aus. Zu den bekanntesten Zeitgenossen dieser Zeit zählten insbesondere Tyrannosaurus rex und Deinonychus antirrhopus, die ebenfalls ausstarben.

Systematik

Der Euoplocephalus tutus gehört zu der Ordnung der Vogelbeckensaurier (Ornithischia). Er war hier ein Vertreter der Unterordnung der Schildträger (Thyreophora) zu denen die Familie der Ankylosaurier (Ankylosauridae) gehört. Alle Arten dieser Familie waren mittelgroße bis große, gepanzerte Herbivoren, die üblicherweise in Herden lebten. Dazu gehörten unter anderem die Gattungen Ankylosaurus, Euoplocephalus, Minmi, Pinacosaurus, Saichania und Talarurus. Als bekannteste Species waren hier insbesondere Ankylosaurus magniventris und Minmi paravertabra zu nennen, die beide dem Euoplocephalus tutus sehr ähnlich waren.

Fossile Funde

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Bisher wurde über 40 Fossilien des Euoplocephalus tutus gefunden. Die meisten stammen aus dem westlichen Kanada und den westlichen USA. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das erste Fossil von dem kanadischen Paläontologe Lawrence Morris Lambe gefunden, der es später auch beschrieb.

Beschreibung

Aussehen, Maße

Euoplocephalus tutus erreichte ein Gesamtlänge von fünfeinhalb bis sieben Meter sowie ein Gewicht von 2.500 bis 3.000 Kilogramm. Sein Schwanz erreichte in etwa ein Drittel der Gesamtlänge und maß rund zwei Meter. Sein Körper war durch einen mächtigen Panzer aus Hornplatten geschützt. Auf dem Rückenschild, den Schultern, an den Beinen und seitlich am Kopf zeigten sich große hornartige Fortsätze, die einen zusätzlichen Schutz boten. Die hornartigen Fortsätze erreichten eine Länge von zehn bis fünfzehn Zentimeter. Der Kopf war oberhalb der Augen zusätzlich durch kleine verhornte Platten geschützt. Auch der Nacken war durch Hornplatten gut geschützt.

Sein Schädel war im Vergleich zum Körper relativ klein und endete in einem kleinen, vorne stumpf endenden Maul. Mit seinem breiten Maul konnte er pflanzliche Nahrung von Ästen oder Büschen abzupfen oder am Erdboden grasen. Im vorderen Bereich des Maules verfügte er über zahnlose Hornkiefer, mit denen er Nahrung abzupfte. Gewaltige Backenzähne zermalmten die Nahrung. Sein stämmiger Körper ruhte auf vier kräftigen Beinen. Er war ein recht behäbiger Saurier, der durch Flucht kaum einem Raubsaurier entkam. Der lange Schwanz endete in einer großen verhornten rundlichen Keule, mit der Euoplocephalus tutus Hiebe austeilen konnte. Die Schwanzwurzel war ebenfalls durch hornartige Fortsätze geschützt. Der Knochenbau war extrem stabil, damit der schwere Körper getragen werden konnte und eine gewisse Stabilität gegeben war.

Verhalten

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Euoplocephalus tutus lebte wie alle Ankylosaurier (Ankylosauridae) in mittelgroßen bis großen Herden. Die Tiere waren wahrscheinlich tagaktiv und gingen in Gruppen auf Nahrungssuche. Dabei wurden sie von einem hoch entwickelten Geruchssinn geleitet, der sie zu ergiebigen Nahrungsquellen führte. Seh- und Hörsinn waren durchschnittlich gut entwickelt. Aufgrund der Relation zwischen Körpergewicht und Hirngröße, hat man festgestellt, dass Euoplocephalus tutus zu den nur mäßig intelligenten Sauriern zählte.

Die Tiere waren eher behäbige Pflanzenfresser, die ihr Heil nicht in der Flucht suchten, sondern sich auf ihren ausgesprochen widerstandsfähigen Panzer verließen. Bis auf die Bauchseite war der gesamte Körper mit mächtigen Hornplatten und großen dornenartigen Fortsätzen geschützt. Der lange Schwanz, mit der am Ende befindlichen Hornkugel, diente dabei als gefährliche Waffe, die empfindliche oder gar tödliche Hiebe austeilen konnte. Selbst für den allmächtigen Tyrannosaurus rex war es ein Wagnis, einen Euoplocephalus tutus anzugreifen.

Verbreitung

Euoplocephalus tutus war in weiten Teilen des heutigen Nordamerika, insbesondere im westlichen Teil der USA und Kanada, verbreitet. Aus diesen Gebieten stammen alle bisherigen Fossilien. Er lebte in einem feuchten, fast tropisch anmutenden Klima. Offene Wälder in der Ebene und bewaldete Flusstäler stellten dabei seinen Lebensraum dar. Die Jahreszeiten waren zu dieser Zeit nur schwach ausgeprägt, so dass es auch im Winter recht mild war.

Nahrung

Euoplocephalus tutus war ein reiner Pflanzenfresser. Aufgrund seines Körperbaus konnte er nur niedrig wachsende Pflanzen wie Gräser und Farne fressen. Und davon brauchte er eine ganze Menge. Aufgrund von Fossilien hat man festgestellt, dass der Darm von Euoplocephalus tutus extrem lang war, denn anders ist es nicht möglich eine große Menge stark faserhaltiger Nahrung zu verwerten. Wahrscheinlich war auch sein Magen in mehreren Kammern unterteilt. Zumindest war sein faßartiger Körper dazu groß genug. Zudem konnte er mit seinen Füße in lockerer Erde graben, um dort an Wurzeln und Knollen zu gelangen, die er ebenfalls fraß. Er war wahrscheinlich ein tagaktiver Saurier, der in größeren Gruppen auf Nahrungssuche ging. In einer Herde waren die Tiere auch relativ sicher von großen Raubsauriern.

Fortpflanzung

Über das Fortpflanzungsverhalten des Euoplocephalus tutus ist recht wenig bekannt. Es handelt sich bei dieser Species um eine eierlegende Art. Die Nester wurden vermutlich an geschützter Stelle angelegt. Das Gelege wurde im folgenden zumindest vom Weibchen, beiden Elternteilen oder gar einer Herde bewacht. Nach dem Schlupf dürften die Jungtiere im Schutze der Herde aufgewachsen sein. Ausgewachsen waren sie erst mit 10 bis 15 Jahren. Die Geschlechtsreife wurde vermutlich mit acht bis zehn Jahren erreicht. Über die Lebenserwartung ist nichts bekannt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Hazel Richardson: Dinosaurier und andere Tiere der Urzeit. Aussehen, Merkmale, Biologie, Verbreitung. Blv Buchverlag; Auflage: 1 (August 2004) ISBN 3405167655

Links

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