Panzerkrokodil

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Panzerkrokodil

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Krokodile (Crocodylia)
Unterordnung: Vollkrokodile (Eusuchia)
Familie: Echte Krokodile (Crocodylidae)
Gattung: Crocodylus
Art: Panzerkrokodil
Wissenschaftlicher Name
Crocodylus cataphractus
Cuvier, 1825

IUCN-Status
Vulnerable (VU) - IUCN

Das Panzerkrokodil (Crocodylus cataphractus) zählt innerhalb der Familie der Echten Krokodile (Crocodylidae) zur Gattung Crocodylus. Im Englischen wird dieses Krokodil Slender-snouted Crocodile genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Das mittelgroße Panzerkrokodil erreicht eine Gesamtlänge von bis zu 250 Zentimeter. Längenangaben von bis zu 400 Zentimetern erscheinen eher als unglaubwürdig. Weibchen bleiben deutlich kleiner als Männchen. Markantes Erkennungsmerkmal ist seine langgezogene schmale und glatte Schnauze, die spitz zuläuft. Beim Panzerkrokodil sind die Hautknochen auch in den lateralen und ventralen Hautschilden zu finden. Im Kopfbereich weisen auch die Augenschilde einiger Arten derartige Hautknochen auf. Im Nackenbereich zeigen sich in drei oder vier Reihen vergrößerte Nackenschilde, die paarweise angebracht sind. Die Körperoberfläche weist eine olivbraune bis gelblichbraune Färbung auf. Dunkle, meist schwarze Querstreifen überziehen den gesamten dorsalen Bereich und laufen an den Flanken aus. Die Zähne sind spitz zulaufend und schauen auch bei geschlossenem Maul seitlich heraus. Die Anzahl der Zähne beträgt bis zu 70. Die fünf Finger der Vorderfüße und die vier Zehen der Hinterfüße enden teilweise in leicht gebogene, dunkelgefärbte Krallen. Sowohl an den Vorderfüßen als auch an den Hinterfüßen enden jeweils die ersten drei Zehen in Krallen.

Verbreitung

Panzerkrokodile sind südlich der Sahara im tropischen Teil West- und Zentralafrikas verbreitet. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Angola, Benin, Burkina Faso, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Tschad, Republik Kongo, Elfenbeinküste, Äquatorial Guiana, Gabun, Ghana, Liberia, Mali, Mauretanien, Nigeria, Senegal, Sierra Leone, Tansania, Togo und Sambia. Der Lebensraum der Panzerkrokodile ist eng an das Wasser gebunden. Flussläufe mit dichter Uferbewachsung, Überschwemmungsbereiche und wasserreiche Sumpfgebiete zählen zu den natürlichen Lebensräumen. Üblicherweise sind die Krokodile nur an Süßgewässern anzutreffen. Kleinere Populationen leben in Küstennähe jedoch auch im Brackwasser.

Ernährung

Panzerkrokodile haben es als reine Fleischfresser eher auf kleine Beutetiere abgesehen. Zur Hauptnahrung gehören beispielsweise Fische (Pisces). Aber auch im Wasser lebende wirbellose Tiere stehen auf der Speisekarte. Nur selten werden größere Tiere wie kleinere Huftiere gefressen. Zu Übergriffen auf den Menschen kommt es in der Regel auch nicht. Ein Beutetier wird bei passender Größe im Ganzen verschlungen oder in mundgerechte Stücke zerrissen. Schlüpflinge ernähren sich in der ersten Zeit hauptsächlich von Muscheln (Bivalvia), Schnecken (Gastropoda), kleineren Krebstieren (Crustacea), Insekten (Insecta) und deren Larven sowie Fischeiern und die Larven von Amphibien (Amphibia). Beutetiere werden üblicherweise im Wasser erbeutet. An Land ist das Panzerkrokodil einfach zu langsam. In der Regel liegen sie ruhig im Wasser und warten auf eine potentielle Beute. In dieser Position sind an der Wasseroberfläche meist nur die Augen und die Nasenöffnung zu sehen. Ist ein Beutetier in erreichbarer Nähe, so wird es mit einer plötzlichen und schnellen Seitwärtsbewegung mit dem Kopf gefangen. Mit den kräftigen Kiefern wird ein Beutetier zerdrückt oder erstickt. Die Dauer der Verdauung richtet sich im wesentlichen nach den Außentemperaturen. So ist eine optimale Verdauung bei etwa 30 Grad Celsius gewährleistet. Die Verdauung im Magen wird durch Muskelkontraktionen in den Magenwänden und proteolytisch (Abbau von Proteinen) wirkende Verdauungssäfte in Gang gesetzt. Steine und ähnliches werden gelegentlich geschluckt, um den Verdauungsprozess im Magen zu unterstützen. Die Nahrung wird durch Muskelkontraktionen zwischen den Steinen im Magen förmlich zerrieben. Diese Steine werden auch als Gastrolithen oder Magensteine bezeichnet.

Fortpflanzung

Jungtier
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Jungtier

Die Geschlechtsreife der Panzerkrokodile stellt sich im Alter von 10 bis 12 Jahren ein. Die Paarungszeit und Eiablage erstreckt sich in den natürlichen Lebensräumen über die Regenzeit. Die Weibchen der Panzerkrokodile bauen unmittelbar vor der Eiablage ein Hügelnest, in dessen Innern sie 13 bis 27 Eier ablegen. Die Nester befinden sich in der Nähe des Wassers, nicht selten auf Sandbänken oder an ähnlich sonnenexponierten Stellen. Als Baumaterial dienen allerlei Pflanzenteile, die mit der Zeit verrotten und dem Gelege somit Wärme zuführen. Je nach Umgebungstemperatur erstreckt sich die Inkubationszeit über 90 bis 110 Tage. Dabei gilt: je höher die Inkubationstemperatur, desto kürzer die Inkubationsdauer. Während dieser Zeit bleibt das Weibchen in der Nähe des Geleges und sorgt so für Schutz. Bei zuviel Feuchtigkeit kann es zur Fäule an den Eiern kommen und die Embryos sterben ab. Dies geschieht vor allem bei Überflutung eines Geleges. Ist die Zeit des Schlüpfens gekommen, so befreien sich die Schlüpflinge mit Hilfe des Eizahns, der kurz nach dem Schlupf abfällt. Durch quäkende Laute machen sie auf sich aufmerksam. Dieses ist das Signal an das Muttertier. Sie öffnet mit den Extremitäten vorsichtig das Hügelnest und befreit so die Schlüpflinge. Die Jungtiere sind ab diesem Zeitpunkt auf sich alleine gestellt. Die Lebenserwartung ist nicht bekannt, dürfte aber bei über 40 Jahren liegen.

Gefährdung und Schutz

Die Gefährdungssituation ist heute nicht klar umrissen. Es fehlt an Daten. Bis 1996 wurde das Panzerkrokodil in der Roten Liste der IUCN als gefährdet geführt (VU, vulnerable). Die aktuelle Gefährdungsgrad ist DD, Data Deficient. An der allgemeinen Gefährdung dürfte sich jedoch nichts geändert haben. Das Panzerkrokodil wird im Washingtoner Artenschutzabkommen in Anhang I geführt. Damit ist der Handel mit Tiere und Produkten aus den Tieren stark eingeschränkt.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Reinhard Radke, Krokodile. Expeditionen zu den Erben der Dinosaurier, Taschenbuch, Lübbe; Auflage: 1 (Oktober 2002) - ISBN 3785721056
  • Gunther Köhler, Krokodile Schildkröten Echsen, Herpeton; Auflage: 1. Aufl. (2000) - ISBN 3980621405
  • Barbara Taylor, Krokodile, Franckh-Kosmos Verlag (2001) - ISBN 3440085481
  • Ludwig Trutnau, Krokodile, Taschenbuch, Westarp Wissenschaften, 2005 - ISBN 3894324201
  • Charles A. Ross, Krokodile und Alligatoren. Entwicklung, Biologie und Verbreitung,
    Bassermann; Auflage: 1 (Januar 2002) - ISBN 3572013194

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