Scheltopusik

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Scheltopusik

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Eigentliche Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Autarchoglossa
Überfamilie: Schleichenartige (Diploglossa)
Familie: Schleichen (Anguidae)
Unterfamilie: Blindschleichen (Anguinae)
Gattung: Glasschleichen (Ophisaurus)
Art: Scheltopusik
Wissenschaftlicher Name
Ophisaurus apodus
Pallas, 1775

Der Scheltopusik (Ophisaurus apodus), der auch Panzerschleiche genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Schleichen (Anguidae) zur Gattung Ophisaurus. Der Scheltopusik ist auch unter dem wissenschaftlichen Namen Pseudopus apodus bekannt. Diese Bezeichnung ist jedoch veraltet.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Auch wenn der Scheltopusik wie eine Schlange aussieht, so gehört er dennoch zur Unterordnung der Echsen (Lacertilia). Im Grunde ist der Scheltopusik trotz seines Aussehens eher mit den Waranen (Varanus) als mit den Schlangen (Serpentes) verwandt. Im Laufe der Evolution haben sich die Extremitäten fast vollständig zurückgebildet. Im Bereich der Kloake befinden sich lediglich rudimentär vorhandene Hinterbeine. Diese Reste sind im Bereich des Skelettes kaum noch erkennbar und weisen bei einem ausgewachsenem Tier lediglich eine Länge von wenigen Millimetern auf. Weitere Unterscheidungsmerkmale zu den Schlangen sind die beweglichen Augenlider und die externen Ohren des Scheltopusik. Sowohl die beweglichen Lider als auch äußere Ohren und das Mittelohr fehlen den Schlangen.

Der Scheltopusik erreicht eine durchschnittliche Gesamtlänge von 100 bis 120, selten auch bis 140 Zentimeter sowie ein Gewicht von 300 bis 450 Gramm. In dieser Gesamtlänge ist der sehr lange Schwanz bereits erhalten, der in etwa das 1,5-fache der Körperlänge erreicht. Der Schwanz läuft ausgesprochen spitz zu. Die Geschlechter weisen weder in der Größe noch in der Färbung einen Dimorphismus auf.

Die Körperfärbung kann je nach Vorkommen und Unterart zum teil stark variieren. Die Farbvariationen reichen von hellbraun bis dunkelbraun und von olivbraun bis olivgrün. Die Schuppen weisen eine ungewöhnliche Form auf, sie sind rautenartig geformt. Markant ist die laterale Falte, die sich seitlich am gesamten Körper erstreckt. Der Scheltopusik ist zur Autotomie fähig. Er kann bei Gefahr Teile seines Schwanzes abwerfen. Die Wunden bluten dabei nur wenig. Der Schwanz wächst jedoch nicht in voller Pracht nach. Er bleibt mehr oder weniger verkrüppelt. Das Gebiss ist kräftig, die Zähne des Scheltopusik sind ausgesprochen breit und können Beutetiere mühelos zermalmen. Der Kopf ist recht massig, er setzt sich jedoch nicht deutlich vom Hals ab. Er ist zur Schnauze hin spitz zulaufend und ist zumeist etwas heller gefärbt als der restliche Körper. Die Augen sitzen seitlich, weit hinten am Kopf.

Lebensweise

Der Scheltopusik ist wie alle Reptilien sehr wärmebedürftig. Ein Sonnenbad gehört bei ihm somit zum Tagesablauf. Scheltopusiks sind tagaktive Reptilien, die in der Nacht an geschützter Stelle ruhen. Potentiellen Angreifern haben die Tiere nur wenig entgegen zu setzen. In der Regel ergreift der Scheltopusik die Flucht und versucht in die Enge getrieben, sich mit Bissen zu wehren. Die Attacken gehen mit lautem Fauchen einher. Nur im Notfall wirft er einen Teil seines Schwanzes ab, um die Aufmerksamkeit eines Fleischfressers von sich abzulenken. Zu den natürlichen Feinden zählen insbesondere Greifvögel (Falconiformes), Eulen (Strigiformes), Rabenvögel (Corvidae) sowie Säuger wie Rotfüchse (Vulpes vulpes) und Marder (Mustelidae). Während der kalten Jahreszeit hält der Scheltopusik eine mehrmonatige Winterruhe. Hierzu zieht er sich beispielsweise in verlassene Erdbauten von Nagetieren zurück.

Unterarten

  • Pseudopus apodus apodus - Pallas, 1775 - Östlicher Kaukasus, Armenien und Georgien, Armenien sowie östliche Regionen der Türkei sowie Teile des südwestlichen bis zentralen Asiens
  • Pseudopus apodus thracius - Obst, 1978 - Inselwelt des Balkans, Westliche und zentrale Teile der Türkei, Schwarzes Meer mit nordwestlichen Ausrichtung bis zum Kaukasus

Verbreitung

Der Scheltopusik kommt in Teilen von Südosteuropa, dem nahen Osten und in Asien bis nach Mittelasien vor. Die Tiere leben sowohl in der Ebene als auch in Mittelgebirgen in Höhen bis zu 2.000 Metern. In der östlichen Türkei lebt er auch bis in Höhen von rund 2.300 Metern. Lichte Wälder, die Ränder von landwirtschaftlichen Flächen sowie aride und halbaride Trockensteppen gehören zum natürlichen Lebensraum. Unterschlupf findet der Scheltopusik in von Nagetieren verlassene Erdbauten, unter Steinen, in Felsspalten oder an ähnlich geschützten Orten.

Ernährung

Der Scheltopusik ist ein reiner Fleischfresser. Als Lauer- und Anschleichjäger stehen bei ihm vor allem Insekten (Insecta) aller Art, Weichtiere (Mollusca) wie Schnecken (Gastropoda) sowie Wenigborster (Oligochaeta) wie den Tauwurm (Lumbricus terrestris) und andere Regenwürmer (Lumbricidae) auf der Speisekarte. Bei Gelegenheit werden jedoch auch die Brut und die Eier von Vögel (Aves) oder kleine Säugetiere wie Mäuse (Mus) gefressen. Die Hauptnahrung bilden jedoch Insekten.

Fortpflanzung

Der Scheltopusik erreicht die Geschlechtsreife mit zwei Jahren. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten im zeitigen Frühjahr kurz nach der Winterruhe. Scheltopusiks gehören zu den eierlegenden Reptilienarten. Da die Tiere einzelgängerisch leben, treffen die Geschlechter nur während der Paarungszeit aufeinander. Kurze Zeit nach einer erfolgreichen Paarung legt das Weibchen an geschützter Stelle in eine flache Erdmulde zwischen sechs und zehn Eier. In Abhängigkeit der Umgebungstemperatur erstreckt sich die Inkubation über einen Zeitraum von 35 bis 45 Tage. Während dieser Zeit wurde eine Brutpflege beobachtet. Diese scheint allerdings nicht die Regel zu sein. Wie bei allen Reptilien, so kommt es auch beim Scheltopusik regelmäßig zu einer Häutung, da die Beschuppung nicht mitwächst. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 20 bis 25 Jahren. In Gefangenschaft ist ein Alter von über 50 Jahren nachgewiesen.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Hans-Günter Petzold : Blindschleiche und Scheltopusik. Die Familie Anguidae. Westarp Wissenschaften, Auflage 3, 2004 ISBN 3894324732

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