Panzerspitzmaus

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Panzerspitzmaus

Systematik
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Kiefermäuler (Gnathostomata)
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Spitzmausartige (Soricomorpha)
Familie: Spitzmäuse (Soricidae)
Unterfamilie: Weißzahnspitzmäuse (Crocidurinae)
Gattung: Scutisorex, Thomas, 1913
Art: Panzerspitzmaus
Wissenschaftlicher Name
Scutisorex somereni
(Thomas, 1910)

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Die Panzerspitzmaus (Scutisorex somereni) gehört innerhalb der Familie der Spitzmäuse (Soricidae) zur monotypischen Gattung Scutisorex. Im Englischen wird die Art Armored Shrew oder Hero Shrew genannt.

Ein weiteres deutsches Synonym ist Schildspitzmaus. Die Art ist auch unter dem wissenschaftlichen Synonym S. congicus (Thomas, 1915) bekannt (Heim de Balsac & Meester, 1977:7). Die Panzerspitzmaus ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt (Wilson & Reeder, 2005).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Panzerspitzmaus erreicht eine Körperlänge von 120 bis 150 mm, eine Schwanzlänge von 68 bis 95 mm sowie ein Gewicht von 30 bis 115 g. Das lange, dichte und grob wirkende Fell weist eine gräuliche Färbung auf. Statt der typischen 4 Lendenwirbel verfügt die Panzerspitzmaus über 11 Lendenwirbel. Diese Tatsache unterscheidet die Art von anderen Spitzmäusen. Ein weiteres anatomisches Merkmal ist die Wirbelsäule. Sie ist äußerst robust gebaut und dennoch extrem flexibel. Anders als bei anderen Säugetieren sind die Wirbel auch durch dorsale und laterale Fortsätze miteinander verbunden. Durch die Artikulation der Wirbel ist der Rücken nicht nur sehr flexibel, sondern auch extrem belastbar. Selbst ein erwachsener Mensch könnte sich auf eine Panzerspitzmaus stellen, ohne dass sie Schaden nimmt. Die Masse der Wirbelsäule weist ein Gewicht von fast 4% des Körpergewichtes auf. Bei vergleichbaren Tieren entspricht das Gewicht der Wirbelsäule lediglich 0,5 b is 1,6% des Körpergewichtes (Nowak, 1999).

Lebensweise

Panzerspitzmäuse sind sowohl am Tage als auch in der Nacht aktiv. Die Tiere sind ausgesprochen territorial und markieren ihr Revier mit einem übelriechendem Sekret aus lateralen Drüsen. Die Wirbelsäule der Tiere ist äußerst biegsam. Sie können sich innerhalb einer Röhre, die nur unwesentlich größer ist als der Umfang der Tiere um 180° drehen. Bei anderen Säugetieren ist die Wirbelsäule mehr oder weniger steif. Der Grund für diese anatomische Besonderheit ist unbekannt (Nowak, 1999).

Über das Fortpflanzungsverhalten, die allgemeine Lebensweise und die Sozialstruktur der Art ist nichts bekannt.

Verbreitung

Die Panzerspitzmaus ist in Zentralafrika in der Republik Kongo, Ruanda, Uganda und in Burundi beheimatet. Das Kerngebiet erstreckt sich dabei über das Kongobecken und den angrenzenden Bergregionen. Die Art lebt in Höhen zwischen 700 und 2.230 m über NN. Es werden hauptsächlich feuchte, tropische Montanwälder und Sumpfgebiete besiedelt. In der Regel sind die Tiere in der Nähe eines Gewässers anzutreffen (IUCN, 2011).

Ernährung

Panzerspitzmäuse ernähren sich als Allesfresser von Insekten (Insecta), deren Larven, Wenigborstern (Oligochaeta) wie Regenwürmer (Lumbricidae), Lurchen (Amphibia) sowie Wurzeln und Knollen. Nicht selten steht auch Aas auf der Speisekarte. Ursprünglich nahm man an, die Panzermaus wäre ein reiner Pflanzenfresser. Dieses konnte nicht bestätigt werden (Nowak, 1999).

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Panzerspitzmäuse sind wie alle Spitzmäuse ein wichtiger Teil in einem intakten Ökosystem. Zum einen dienen die Tiere verschiedenen natürlichen Feinden als Nahrung, zum anderen vertilgen sie in ihrem Lebensraum eine nicht unerhebliche Menge an Schadinsekten. In weiten Teilen des Verbreitungsgebietes gilt die Panzerspitzmaus als nicht gefährdet. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher in der Kategorie LC, Least Concern, geführt. Die größte Gefahr geht von der Vernichtung der natürlichen Lebensräume aus. Der Panzerspitzmaus werden von den Eingeborenen in der Kongoregion aufgrund der anatomischen Besonderheiten magische Kräfte nachgesagt. Die Menschen glauben, wenn man ein Körperteil oder das Fell einer Panzerspitzmaus als Talisman mitführt, sei man unverwundbar (Nowak, 1999; IUCN, 2011).

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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