Papua-Weichschildkröte

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Papua-Weichschildkröte

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Papua-Weichschildkröten (Carettochelyidae)
Gattung: Carettochelys
Art: Papua-Weichschildkröte
Wissenschaftlicher Name
Carettochelys insculpta
Ramsay, 1886

IUCN-Status
Vulnerable (VU) - IUCN

Die Papua-Weichschildkröte (Carettochelys insculpta) zählt innerhalb der Familie der Papua-Weichschildkröten (Carettochelyidae) zur Gattung Carettochelys. Im Englischen wird diese Schildkröte Pig-nosed Turtle genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Papua-Weichschildkröte erreicht eine Carapaxlänge von gut 50 bis 55 Zentimeter sowie ein Gewicht von gut 22 Kilogramm. Rekordlängen von bis zu 60 Zentimeter sind selten aber bestätigt. Ähnlich wie bei Meeresschildkröten erscheint der Carapax weich und lederartig. Unterhalb der Haut befindet sich jedoch ein voll entwickelter Knochenpanzer. Dorsal weist die Papua-Weichschildkröte eine olivgraue Grundfärbung auf. Ventral zeigt sich eine rein weiße bis cremefarbene Färbung. Eine ähnliche Färbung zeigt sich im Kinnbereich und an der Unterseite des Halses. Unmittelbar hinter dem Augen befindet sich ein weißlicher Fleck. Der Rand des Carapax ist bei adulten Tieren glatt, bei Schlüpflingen in den ersten Monaten noch gezackt. Markantes Merkmal ist die fleischige Nasenspitze, die deutlich aus dem Gesicht hervortritt und über zwei große Nasenlöcher verfügt. Der englische Name Pig-nosed Turtle verweist auf diese morphologische Eigenschaft. Der Geruchssinn ist hoch entwickelt und dient in erster Linie der Nahrungssuche. Die Atmung erfolgt an der Wasseroberfläche über die Nase, unter Wasser in begrenztem Umfang auch über die Haut. Die Tatsache ermöglicht der Papua-Weichschildkröte eine ausgesprochen lange Tauchzeit von bis zu einer Stunde. Die Extremitäten ähneln den flossenartigen Füßen von Meersschildkröten. Die Füße verfügen jeweils über zwei krallenartige Gebilde. Die Krallen dienen zum Festhalten auf Sonnenplätzen oder zum Zerreißen oder Halten von Nahrung. Männchen krallen sich zudem während der Kopulation mit den Krallen auf dem Carapax des Weibchens fest. Aufgrund der flossenartigen Extremitäten gelten Papua-Weichschildkröte als gute und gewandte Schwimmer.

Unterarten

Verbreitung

Die Papua-Weichschildkröte ist in Indonesien verbreitet. Hier ist sie im Tiefland in der Provinz Irian Jaya anzutreffen. Kleinere Populationen sind auch im Norden von Australien verbreitet. Auch wenn die Papua-Weichschildkröte überwiegend in Süßwasser vorkommt, bewohnt sie in Küstennähe auch Brackwasser. Sie gilt in Bezug auf ihren Lebensraum als ausgesprochen anpassungsfähig. Dies gilt vor allem für die australischen Populationen. Im allgemeinen bewohnen Papua-Weichschildkröten langsam fließende Flüsse, die über einen schlammigen Untergrund verfügen. Aber auch dauerhafte Überschwemmungsbereiche sowie Seen und größere Teiche werden gerne bewohnt. In Küstennähe sind die Tiere in Lagunen und Sumpfgebieten anzutreffen. Papua-Weichschildkröten leben meist in niedriger Tiefe von ein bis drei Metern. Nur während der Regenzeit werden auch größere Wassertiefen erreicht. Sandreiche Ufer dienen den Schildkröten als Eiablageplatz.

Ernährung

Papua-Weichschildkröten gelten als Allesfresser, die sich sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Kost ernähren. Der Anteil pflanzlicher Nahrung überwiegen dabei leicht. Ins Wasser gefallene Früchte (beispielsweise Feigen und ähnliches), Blüten, Wurzeln und Knollen gehören zur pflanzlichen Kost. An tierischer Nahrung nehmen die Tiere hauptsächlich Würmer, andere Weichtiere (Mollusca), Insekten (Insecta), deren Larven und Krebstiere (Crustacea) zu sich. Hin und wieder fallen den Papua-Weichschildkröten auch kleinere Fische (Pisces) zum Opfer. Auf Nahrungssuche gehen die Papua-Weichschildkröten ausschließlich im Wasser.

Fortpflanzung

Die Männchen der Papua-Weichschildkröte erreichen die Geschlechtsreife mit 14 bis 16 Jahren. Dies entspricht einer Carapaxlänge von rund 30 Zentimetern. Weibchen sind im Schnitt im Alter von 20 Jahren oder einer Carapaxlänge von etwa 34 Zentimeter geschlechtsreif. Die Paarungszeit erstreckt sich in den natürlichen Verbreitungsgebieten je nach Verbreitungsgebiet über die Trockenzeit von August bis November, in Irian Jaya bis Januar. Während der Paarungszeit kommt es zur Bildung von kleinen Gruppen, in denen sich einzelne Paare finden. Kurz vor der Eiablage begibt sich das Weibchen an Land und gräbt in einer sandigen Uferbank eine kleine Mulde, die meist einen Durchmesser von 15 bis 20 Zentimeter sowie eine ähnliche Tiefe aufweist. In die fertige Grube legt das Weibchen je nach Alter, Ernährungszustand und Unterart zwischen 10 und 40 Eier. In Australien liegt die Gelegegröße selten über 20 Eier. Je nach Gegebenheit wird die Nistgrube in einer Entfernung von bis zu 500 Zentimeter vom Ufer angelegt. Die Eier weisen eine rundliche Form auf, der Eidurchmesser beträgt rund 38 bis 39 Millimeter, das Gewicht 33 bis 34 Gramm. Je nach Umgebungstemperatur erstreckt sich die Inkubation über 60 bis 75 Tage. In Irian Jaya beträgt die durchschnittliche Bruttemperatur etwa 30 Grad Celsius. Unmittelbar vor dem Schlupf brechen die Jungtiere mit dem Eizahn durch die Schale. Der Eizahn fällt kurz nach dem Schlupf ab. Wie bei den meisten Schildkröten, so schlüpfen auch die Jungtiere der Papua-Weichschildkröte während der Nacht. Während der Nacht sind die Schlüpflinge vor den meisten Fleischfressern in Sicherheit. Der reine Schlupfvorgang erstreckt sich über einem Zeitraum von rund zehn Minuten. Wie bei allen Reptilien so richtet sich das Geschlecht der Schlüpflinge nach der Bruttemperatur. Zwischen 27,7 und 30 Grad schlüpfen überwiegend Männchen. Die Lebenserwartung der Papua-Weichschildkröte ist nicht bekannt.

Gefährdung und Schutz

Die Papua-Weichschildkröte gehört heute zu den bedrohten Schildkrötenarten. In der Roten Liste der IUCN wird sie daher als gefährdet (vulnerable, VU) geführt. Seit dem Jahre 1975 ist die Art auch im Washingtoner Artenschutzabkommen in Anhang II verzeichnet. Lokal steht die Papua-Weichschildkröte sowohl in Indonesien als auch in Australien unter Schutz. Der Schutz in Indonesien ist jedoch nur wenig nachhaltig, da das Absammeln der Eier und Tiere munter weiter geht.

Besonders angreifbar ist die Papua-Weichschildkröte an den Fortpflanzungsplätzen. Vor allem in Irian Jaya werden die Eier von der einheimischen Bevölkerung abgesammelt. Aber auch die erwachsenen Tiere werden gefangen und wegen des Fleisches getötet. In Australien gelten die Bestände auch als bedroht, jedoch aus anderen Gründe. An den Fortpflanzungsstätten leben viel Tiere, die die Eier plündern oder die Gelege zertreten. Aber auch die Zerstörung der natürlichen Lebensräume sowie die Umwelt- und Wasserverschmutzung stellen in weiten Teilen der Verbreitungsgebiete ein großes Problem dar.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Holger Vetter, Peter P. van Dijk: Schildkröten der Welt 4. Ost- und Südostasien. Chimaira Mai 2006. ISBN 3930612844
  • Andreas S. Hennig: Haltung von Wasserschildkröten. Natur und Tier-Verlag; Auflage 1, Dez. 2004. ISBN 3931587959

Links

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