Pardelluchs

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Pardelluchs

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Katzen (Felidae)
Gattung: Luchse (Lynx)
Art: Pardelluchs
Wissenschaftlicher Name
Lynx pardinus
Temminck, 1827

IUCN-Status
Critically Endangered (CR) - IUCN

Der Pardelluchs (Lynx pardinus), der auch Iberischer Luchs genannt wird, zählt innerhalb der Familie der Katzen (Felidae) zur Gattung der Luchse (Lynx). Die englische Bezeichnung des Pardelluchses lautet Iberian Lynx. Der Pardelluchs gilt heute als eines der seltensten Säugetiere der Welt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind keine bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Evolution und Abstammung

Lange Zeit wurde der Pardelluchs als Unterart des Europäischen Luchses (Lynx lynx) geführt. Neueste genetische Untersuchungen belegen jedoch, dass es sich um eine eigene Art handelt, die sich vor rund 8 Millionen Jahren vom Europäischen Luchs abgespaltet hat. Zu dieser Zeit entwickelte sich auch der Rotluchs (Lynx rufus) und der Kanadische Luchs (Lynx canadensis).

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Pardelluchs erreicht eine Körperlänge von 85 bis 110 Zentimeter sowie ein Gewicht von 9 bis 13 Kilogramm. Weibchen bleiben kleiner und leichter als Männchen. Sowohl in der Statur als auch in der Fellfärbung ähnelt der Pardelluchs dem Europäischen Luchs. Das Fell weist eine gräuliche bis gelblichgraue Grundfärbung auf. Rostbraune bis braune Flecken und Tupfen überziehen den gesamten Körper und dienen als Tarnung. Die Tupfen setzen sich auch auf den Außenseiten der Extremitäten fort. Hier sind sie jedoch etwas kleiner. Im Buschwerk oder im hohen Gras ist der Pardelluchs so kaum auszumachen. Markantes Merkmal der Pardelluchse ist der stark verlängerte Backenbart sowie die langen schwarzen Ohrbüschel. Die Ohren sind insgesamt mittellang und spitz zulaufend. Welchen Sinn die Pinsel an den Ohren machen, ist wissenschaftlich abschließend noch nicht geklärt. Wie bei allen Luchsen, so sind die Hinterbeine auch bei dieser Art etwas länger als die Vorderbeine, so dass die Rückenlinie leicht nach vorne abfällt. Das ist ein Indiz für eine hohe Sprungkraft und hohe Sprintgeschwindigkeit. Der Schwanz ist kurz und weist nur eine Länge von wenigen Zentimetern auf. Die Extremitäten enden in breiten Pfoten, die auch auf den Sohlen mit Fell besetzt sind. Im Winter dienen die pelzbesetzten Pfoten im Schnee als "Schneeschuhe". Das Gebiss besteht aus 28 Zähnen. Die zahnmedizinische Formel lautet 3/3, 1/1, 2/2, 1/1.

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Lebensweise

Pardelluchse sind ausgesprochen nachtaktiv. Am Tage ruhen sie an geschützter Stelle und sind eher selten zu sehen. Ihre Hauptaktivität entfalten Pardelluchse in der Morgen- und Abenddämmerung. Pardelluchse leben einzelgängerisch. Allenfalls ein Muttertier sieht man in Begleitung ihres Nachwuchses. Die Reviere gleichgeschlechtlicher Tiere überschneiden sich nicht, die Reviere von Männchen und Weibchen können sich hingegen leicht überschneiden. Da die Reviere der Männchen deutlich größer ausfallen, decken sich ihre Reviere mit denen mehrerer Weibchen. Markiert wird das eigene Revier mit Harn, der an markanten Punkten abgelassen wird. Die Reviergröße richtet sich nach dem Geschlecht, dem Alter vor allem nach dem Beutevorkommen. Der Pardelluchs ist ein guter Kletterer, der mühelos Bäume oder ähnliches erklimmen kann. Er klettert jedoch nur wenn es sein muss. Wie alle Luchse, so sind auch Pardelluchse exzellente Jäger. Werden Beutetiere nicht sofort gefressen, so kommt es nicht selten vor, dass ein Pardelluchs Beutetiere für Mangelzeiten hortet.

Verbreitung

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet umfasste die gesamte Iberische Halbinsel und auch im südlichen Frankreich nördlich der Pyrenäen war der Pardelluchs durchaus häufig anzutreffen. In der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts nahmen die Populationen dramatisch ab. Die Tiere wurden stark bejagt und ihr Lebensraum wurde weitflächig in Agrarflächen und Siedlungsraum umgewandelt oder durch den Straßenbau stark zersiedelt. Heute ist der Pardelluchs nur noch in wenigen Regionen im Süden der Iberischen Halbinsel anzutreffen. Als Lebensraum dienen den Tieren Die Ränder von lichten Wäldern, Savannen und Steppen sowie Dickichte mit ausreichendem Sichtschutz. Sie sind sowohl in der Ebene als auch in Höhenlagen in Mittelgebirgen anzutreffen. An der Küste wird streckenweise auch Sumpfland besiedelt. Offene Flächen dienen in der Dämmerung und der Nacht als Jagdrevier. Hier macht der Pardelluchs hauptsächlich Jagd auf Kaninchen.

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Ernährung

Anders als beispielsweise der Europäische Luchs (Lynx lynx) ernährt sich der Pardelluchs zu über 90% von Wildkaninchen (Oryctolagus cuniculus). In Ermangelung von Wildkaninchen werden gelegentlich auch andere kleine Säugetiere (Mammalia) wie Nagetiere (Rodentia) sowie Vögel (Aves) gefressen. Dies ist beispielsweise im Winter der Fall, wenn Wildkaninchen nur noch selten zu erbeuten sind. Pro Tag benötigt ein ausgewachsener Pardelluchs etwa ein Kaninchen.

Fortpflanzung

Pardelluchse erreichen die Geschlechtsreife mit gut 12 Monaten. Jedoch kommt es erst zur ersten Paarung wenn sich die Tiere ein eigenes Revier gesucht haben. So kommt es meist erst im Alter von zwei Jahren zur ersten Paarung. Die Paarungszeit erstreckt sich meist von Februar bis in den Spätsommer hinein. Während dieser Zeit kommt es nur zu einem Wurf. Pardelluchse leben einzelgängerisch und treffen nur kurz zur Paarung aufeinander. Die Männchen haben mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun. Diese Arbeit wird ausschließlich von der Mutter bewältigt. Ein Weibchen kann bis zu einem Alter von gut 10 Jahren Nachwuchs zur Welt bringen.

Der reine Paarungsakt entspricht in etwa dem unserer Hauskatzen. Während der Kopulation kommt es zu den typischen Genickbissen. Nach einer durchschnittlichen Tragezeit von 60 bis 65 Tagen bringt das Weibchen meist zwischen Mai und Juni zwischen zwei und drei, selten bis vier Jungtiere zur Welt, die anfangs noch blind und taub sind. Jüngere Weibchen bringen meist selten mehr als drei Jungtiere zur Welt. Die Geburt findet in einer Geburtshöhle oder einem hohlen Baumstamm statt, die von anderen Tieren in Beschlag genommen wurde. Die Jungen weisen eine Körperlänge von gut 17 Zentimeter und ein Gewicht von 200 bis 300 Gramm auf. Die Augen öffnen sich frühenstens nach 12 Tagen, meist erst gegen Ende der zweiten oder Anfang der dritten Lebenswoche. Die ersten Zähne stellen sich ab dem 17. Tag ein, im Alter von 30 Tagen ist das Gebiss vollständig entwickelt.

Im Alter von vier Wochen sind die Jungtiere in der Lage zu Laufen. Das Fell hat sich bis Ende des zweiten Lebensmonates vollständig entwickelt.
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Die Jungtiere sind wie die adulten Katzen getupft. Nach rund zehn Wochen werden die Jungtiere entwöhnt und fangen an spielerisch Beute zu jagen. Sie nehmen ab der fünften Lebenswoche jedoch neben der Muttermilch das erste Fleisch zu sich. Sie bleiben insgesamt 7 bis 10 Monate bei der Mutter, bis sie selbständig sind. Sie bleiben jedoch noch einige Zeit im Revier der Mutter, ehe sie sich ein eigenes Revier suchen. In Freiheit kann ein Pardelluchs ein Alter von 10 bis 13 Jahren erreichen. Dieses Alter wird allerdings selten erreicht.

Gefährdung und Schutz

Der Pardelluchs gehört heute zu den kritisch gefährdeten Raubkatzen. Als solches wird der Pardelluchs in der Roten Liste der IUCN auch geführt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) stellt die Art in Anhang I unter besonderem Schutz. Die aktuelle Restpopulation in Freiheit besteht aus nur noch 120 bis 150 Individuen. Die letzten Rückzugspunkte liegen heute in wenigen Nationalparks, wobei alleine im Doñana-Nationalpark in Andalusien 50 Tiere leben. Das Leben in den Nationalparks ist mehr oder weniger gesichert. Das Hauptproblem bei kleinen Populationen ist jedoch die hohe Anfälligkeit und die geringe genetische Vielfalt. Schon eine Krankheit könnte eine gesamte Population auslöschen. Die Hauptbedrohungen stellen heute die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, die starke Bejagung außerhalb der Nationalparks sowie der Nahrungsmangel dar. In Spanien sind bereits Zuchtprogramme angelaufen, um die genetische Vielfalt zu sichern. Die Europäische Kommission unterstützt die umfangreichen Rettungsma0nahmen. <1>

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Links

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