Pazifikboa

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Pazifikboa

Systematik
Klasse: Kriechtiere (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Riesenschlangen (Boidae)
Unterfamilie: Boas (Boinae)
Gattung: Pazifik-Boas (Candoia)
Art: Pazifikboa
Wissenschaftlicher Name
Candoia carinata
(Schneider, 1801)

Die Pazifikboa (Candoia carinata), auch unter den Synonymen Boa carinata und Boa variegata bekannt, zählt innerhalb der Familie der Riesenschlangen (Boidae) zur Gattung der Pazifik-Boas (Candoia). Im Englischen wird die Pazifikboa pacific ground boa oder pacific keel-scaled boa genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Männchen ist kleiner und leichter als das Weibchen. Das Weibchen erreicht eine Körperlänge von etwa 1,2 bis 1,4 Meter und ein Gewicht von etwa 1,0 bis 1,2 Kilogramm, während das Männchen eine Körperlänge von etwa 70,0 bis 90,0 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 300,0 bis 400,0 Gramm erreicht. Die Farbe variiert zwischen dunkelbraun und hell orange-braun. Aber die Unterart Candoia carinata paulsoni weist meist eine weiße Färbung auf. Die Schuppen der Pazifikboa sind gekielt. Ferner weist sie ein abgewinkeltes Rostralschild auf, so dass die Schnauze stark zugespitzt erscheint. Der dreieckige Kopf setzt sich deutlich vom Körper ab. Die Augen liegen relativ weit oben am Kopf, die Pupillen sind senkrecht geschlitzt. Der Schwanz ist relativ kurz und ist leicht abgerundet. Ferner hat die Pazifikboa eine lange, biegsame Wirbelsäule. Sie besteht aus 300 bis 450 Wirbeln. An jedem Wirbel zwischen der Schwanzwirbelsäule und dem Hals liegt ein Paar Rippen. Die Rippen können auf Grund des Fehlens eines Brustbeins weit gespreizt werden.
Halmahera-Archipel
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Die Kloake ist die gemeinsame Öffnung von Geschlechts- und Ausscheidungsorganen und wird mit einem Schuppenschild bedeckt. Die Pazifikboa kann, wie alle anderen Schlangen, aufgrund eines nicht vorhandenen Außenohrs und verkümmerten Innenohrs kaum bis gar nicht hören. Schallwellen nimmt sie über den Boden und durch das Wasser über den Körper wahr. Sehen kann sie sicher sehr gut, womöglich nimmt sie sogar Farben wahr. Gerüche nimmt die Pazifikboa über die gegabelte Zunge auf. Geruchspartikel bleiben an der Zunge hängen und werden beim Einziehen, dem am Gaumen liegenden, sogenannten Jakobsonschen Organ zugeführt. Dieses nimmt die Gerüche auf und gibt die gewonnenen Informationen an das Gehirn weiter.

Lebensweise

Die Pazifikboa ist gut an ein Leben auf Bäumen angepasst, aber sie hält sich bevorzugt am Boden auf. Sie ist überwiegend Einzelgänger und sucht Artgenossen nur zur Paarungszeit gezielt auf. Ferner ist die Pazifikboa dämmerungs- und nachtaktiv, kommt aber gelegentlich auch tagsüber aus ihrem Versteck. Männchen bilden relativ kleine Reviere, welche aber nicht immer gegen Artgenossen verteidigt werden. Die Pazifikboa ist ein Lauerjäger und legt sich in einem Busch oder Gewässer auf die Lauer und kann dort einige Tage oder sogar Wochen ausharren. Ist ein günstiger Zeitpunkt gekommen und ein Beutetier ist in erreichbarer Nähe, so schlägt die Schlange blitzschnell nach vorne und beißt das Beutetier in die Kopfregion. Anschließend schlingt sie ihren massigen Körper um die Brust und den Hals der Beute und drückt fest zu. Mit jedem Ausatmen der Beute drückt sie fester zu, bis das Tier an Kreislaufversagen und Sauerstoffmangel gestorben ist. Dann verschlingt sie die Beute im Ganzen. Ermöglicht wird dies durch das Ausrenken des Unterkiefers und das Spreizen der Rippen, wodurch der Bauch sehr dehnbar ist. Zusätzlich sind die linke und rechte Seite des Unterkiefers nur durch dehnbare Bänder miteinander verbunden.

Unterarten

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  • Candoia carinata carinata - (Schneider, 1801)
  • Candoia carinata paulsoni - (Stull, 1956)
  • Candoia carinata superciliosa - (Günther, 1863)
  • Candoia carinata tepedeleni - Smith, Chiszar, Tepedelen & van Breukelen, 2001

Verbreitung

Die Pazifikboa ist in Indonesien, auf Neuguinea, auf Irian Jaya und auf dem Halmahera-Archipel sowie auf dem Bismarck-Archipel weit verbreitet. In Indonesien wird die Pazifikboa sogar als Haustier gehalten. Die Pazifikboa hält sich gelegentlich in den Bäumen auf, aber meist lebt sie terrestrisch.

Ernährung

Zum Beutespektrum der Pazifikboa zählen vor allem Säugetiere (Mammalia), Vögel (Aves), Kriechtiere (Reptilia), Lurche (Amphibia) und seltener auch Fische (Actinopterygii). Die Größe der Beute variiert je nach Größe der Schlange. Die Jugendlichen fressen in der Regel Kleinsäuger und Vögel (Aves), aber auch Echsen (Lacertilia) und Fledermäuse (Microchiroptera).

Fortpflanzung

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Die Geschlechter sind nicht immer leicht zu unterscheiden. Meistens sind die Aftersporne der männlichen Tiere größer, die der Weibchen entweder kaum oder gar nicht zu sehen. Zur Paarungszeit bilden Weibchen Pheromone, also Sexuallockstoffe. Die Männchen folgen diesen Gerüchen und finden so die Weibchen. Vor der Paarung findet ein Vorspiel statt. Dazu umwirbt das Männchen das Weibchen, indem das Männchen das Weibchen zart umschlingt und abzüngelt. Zusätzlich werden die Weibchen durch ein leichtes Kratzen mit den Afterspornen des Männchens stimuliert. Zur Befruchtung selbst stülpen Boamännchen einen der zwei Hemipenisse aus und führen diesen in die Kloake des Weibchens ein, wo dann ein Samenpaket abgesetzt wird und die Eizellen befruchtet werden. Die Pazifikboa zählt zu den lebendgebärenden Schlangen und die Würfe bestehen aus 10 bis 15 kleinen Jungschlangen. Die Beutegröße wächst mit der Schlange, genauso wie die Abstände zwischen den Häutungen. Jungschlangen häuten sich wesentlich öfter als adulte Boas. Sie wachsen ihr gesamtes Leben lang, im fortgeschrittenen Alter allerdings sehr viel langsamer. Die Häutung ist ein hormonell gesteuerter Vorgang, bei dem sich eine Schlange ihre Haut abstreifen muss, weil diese nicht mit dem Tier wächst. Unter der alten Haut liegt dann bereits eine neue Haut. Die Pazifikboa kann unter günstigen Lebensbedingungen ein Alter von etwa 20 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Die Pazifikboa sowie alle Arten aus der Gattung der Pazifik-Boas (Candoia) sind im Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES im Anhang II gelistet. Das heißt, dass der Import und Export dieser Tiere genehmigt werden muss. Ferner müssen die Tiere, die privat gehalten werden, bei der zuständigen Behörde angemeldet sein.

Anhang

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Siehe auch

  • Hauptartikel: Schlangen (Serpentes)
  • Hauptartikel: Boas (Boinae)

Literatur und Quellen

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