Philippinen-Koboldmaki

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Philippinen-Koboldmaki

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Unterordnung: Trockennasenaffen (Haplorhini)
Teilordnung: Koboldmakis (Haplorhini)
Familie: Koboldmakis (Tarsiidae)
Gattung: Koboldmakis (Tarsius)
Art: Philippinen-Koboldmaki
Wissenschaftlicher Name
Tarsius syrichta
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Der Philippinen-Koboldmaki (Tarsius syrichta) zählt innerhalb der Familie der Koboldmakis (Tarsiidae) zur Gattung der Koboldmakis (Tarsius).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen, Maße

Der Philippinen-Koboldmaki erreicht eine Körperlänge von acht bis sechzehn Zentimeter sowie ein Gewicht von 90 bis 160 Gramm. Das Fell ist überwiegend graubraun bis rotbraun gefärbt. Der buschige Schwanz ist mit 25 Zentimetern ausgesprochen lang. Markant für Koboldmakis ist der rundliche Kopf, die ausgesprochen großen Augen und Ohren. Unter allen Säugetieren verfügen Koboldmakis in Relation zur Körpergröße über die größten Augen. Auch das Gehör ist außerordentlich gut entwickelt. In Verbindung mit dem sehr guten Sehsinn können sie selbst in finsterster Nacht zielsicher auf Beutefang gehen. Der Kopf ist sehr beweglich und ermöglicht so eine Drehung um 180 Grad. Die Beine und auch Arme sind ausgesprochen lang und filigran gebaut. Dennoch verfügen sie in den Beinen über eine große Sprungkraft. Sprünge von drei bis fünf Metern sind dabei keine Seltenheit. Die fünf Finger an den Händen enden in abgeflachten Nägeln, mit denen sie Beutetiere sehr gut fangen und festhalten können. Zudem können sie sich damit auch im Geäst der Bäume gut festhalten.

Verhalten

Philippinen-Koboldmaki sind sehr soziale Tiere, die in kleinen Familiengruppen leben. Selten sind sie auch in kleinen Gruppen anzutreffen. Sie leben fast ausschließlich in den Bäumen oder höheren Sträuchern und sind nur während der Nacht aktiv. Den Tag über verschlafen sie in den Bäumen. Die Kommunikation untereinander erfolgt durch quitschende Geräusche, die abschliessend noch nicht erforscht sind. Mit diesen Geräuschen wird auch ihr kleines Revier markiert. Auch die chemische- und die Tastkommunikation bilden im sozialen Miteinander eine herausragende Rolle. Neben den Lautäußerungen wird das Revier auch mit Urin markiert. Fellpflege, insbesondere zwischen Mutter und Nachwuchs, stärkt die familiäre Bande. Zu den natürlichen Hauptfeinden zählen insbesondere nachtaktive Raubvögel und Schlangen. In der Nähe menschlicher Siedlungen gelten sie als Nützlinge, da sie die Insektenpopulatione klein halten. Gelegentlich hält man sie aus diesem Grunde auch als Haustier.

Gefährdung, Schutz

Aufgrund der weitreichenden Zerstörung der Lebensräume und Habitate ist der Philippinen-Koboldmaki heute stark vom Aussterben bedroht. Durch ihr recht kleines Verbreitungsgebiet sind sie ganz besonders davon betroffen. Versuche, den Philippinen-Koboldmaki, in Gefangenschaft zu züchten, haben bisher zu keinem Erfolg geführt. Auch die Bejagung für den Tierhandel haben der Art stark zugesetzt. Die Art kann wohl nur gerettet werden, wenn der verbleibende Lebensraum geschützt und die Bejagung eingestellt wird. Die Art steht aufgrund des Washingtoner Artenschutzabkommens, Anhang II, unter weltweitem Schutz. Der Handel mit Tieren und Produkten aus ihnen ist verboten. In der Roten Liste des IUCN wird der Philippinen-Koboldmaki mittlerweile als stark bedrohte Art geführt.

Verbreitung

Verbreitungsgebiet
vergrößern
Verbreitungsgebiet

Der Philippinen-Koboldmaki ist auf einigen philippinischen Inseln endemisch. Dazu gehören insbesondetre die Inseln Samar, Leyte, Bohol und Mindanao. Kleinere Populationen leben auch auf Sumatra. Die Primaten leben in tropischen Regenwälder, in Sekundärwälder und an dessen Rändern. Sie halten sich hauptsächlich im Geäst der Bäume und Büsche auf. Den Boden betreten sie relativ selten, und wenn, dann nur um einen Baum zu wechseln. Stehen die Bäume nah beieinander, so werden kleinere Distanzen auch durch Sprünge bewältigt.

Nahrung

Wie alle Koboldmakis, so ernährt sich auch der Philippinen-Koboldmaki hauptsächlich von Insekten und deren Larven. Darüber hinaus werden aber auch Spinnentiere, kleine Reptilien und kleinere Wirbeltiere gefressen. Gelegentlich verschmähen sie auch Vogeleier und Jungvögel nicht. Bei der Nahrungsaufnahme halten sie ihre Beutetiere wie alle Primaten mit den Händen. Im Schnitt nehmen sie zehn bis fünfzehn Gramm an Nahrung am Tag zu sich. Auf Nahrungssuche gehen sie nur in der Nacht.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich in den tropischen Verbreitungsgebieten hauptsächlich über die Regenzeit - die Zeit, in der das Aufkommen an Nahrung in Form von Insekten besonders groß ist. Philippinen-Koboldmaki sind monogam und leben in Familiengruppen. Nach rund 175 bis 185 Tagen bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt. Anders als bei den meisten anderen Primaten wird dazu kein Nest in den Bäumen ode am Boden gebaut. Das Jungtier klammert sich instinktiv am Bauch der Mutter fest. Es ist bereits weit entwickelt und kommt mit geöffneten Augen zur Welt. Bereits nach einigen Tagen klettern die Kleinen munter umher und werden streckenweise auch auf dem Rücken getragen. Mit bereits 45 Tagen werden Jungtiere von der Muttermilch entwöhnt und nehmen feste Nahrung in Form von Insekten zu sich. Das Fell der Jungtiere weist die gleiche Färbung auf wie die adulten Tiere. Auch wenn sich der Vater gelegentlich um seinen Nachwuchs kümmert oder mit ihm spielt, so obliegt die meiste Arbeit doch der Mutter. Die Lebenserwartung in Gefangenschaft liegt bei zwölf bis dreizehn Jahren, die Lebenserwartung in Freiheit dürfte deutlich darunterliegen.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer Verlag, 2003, ISBN 3540436456
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge