Phyllium siccifolium

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Phyllium siccifolium
Phyllium siccifolium - Männchen

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Gespenstschrecken (Phasmatodea)
Überfamilie: Phyllioidea
Familie: Phylliidae
Gattung: Wandelnde Blätter (Phyllium)
Art: Phyllium siccifolium
Wissenschaftlicher Name
Phyllium siccifolium
(Linnaeus, 1758)

Phyllium siccifolium ist die zuerst beschriebene Art der Wandelnden Blätter. Es zählt innerhalb der Familie Phylliidae zur Gattung der Wandelnden Blätter (Phyllium).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Phyllium siccifolium ist die Typus-Art und wurde erstmals als Gryllus siccifolius von Linné, 1758 beschrieben. Es ist die erste und damit zugleich älteste beschriebene Art der Wandelnden Blätter. Am Hinterleib sind auf jeder Seite jeweils eine Vertiefung bei den weiblichen Tieren vorhanden. Bei den Männchen fehlen diese. Die Grundfarbe ist grün. Die Flügel sind etwas heller und erscheinen fast durchsichtig. An den Körperränder der Weibchen kann es vereinzelt zu geringen Farbabweichungen kommen. Der äußere Habitus von Phyllium siccifolium erinnert sehr stark an ein Blatt. Besonders bei den adulten Weibchen ist es gut zu beobachten. Bei den Larven haben auch die Männchen noch diese Körperform. Als Jungtiere rollen sie den Hinterleib zumeist etwas ein. Adulte Phyllium siccifolium tun es nicht mehr. Ihre Lebensweise ist als recht ruhig einzuschätzen. Phyllium siccifolium besitzt drei Beinpaare. Das erste Beinpaar ist das kürzeste und im oberen Bereich auch am breitesten und sitzt gleich hinter dem Kopfbereich im Nacken. Die anderen beiden Beinpaare befinden sich am vorderen Hinterleib und sind wesentlich schmaler. An den Beinen befinden sich unterschiedlich große Dornen. Diese dienen zum festhalten an den Pflanzen. Anhand der Dornen lassen sich auch die verschiedenen Verbreitungsformen gut unterscheiden. So finden wir bei den Phyllium siccifolium aus Malaysia nicht so viele Dornen wie bei den Tieren welche ihren Lebensraum auf den Philippinen haben.

Obwohl beide Geschlechter über gut ausgebildete Flügel verfügen, sind nur die Männchen in der Lage auch wirklich fliegen zu können. Weibchen können vermutlich auf Grund der wesentlich größeren Körperform nicht fliegen. Bei Männchen ist die Flugfähigkeit unter anderem mit der aktiven Partnersuche zu begründen. Männchen erreichen die Flugfähigkeit erst mit der Imaginalhäutung.

Größe

Männchen erreichen eine Körperlänge von bis zu 7 cm, Weibchen sogar bis 10 cm.

Geschlechtsdiphormismus

Bereits als Larven sind die Geschlechter an Hand der Körperform deutlich unterscheidbar. Die Weibchen von Phyllium siccifolium wird wesentlich größer und vor allen Dingen der Hinterleib wird wesentlich breiter. Die Männlichen Wandelnden Blätter hingegen sind um ein Viertel bis ein Drittel kleiner und gleichmäßig schlank und zierlicher im Körperbau.

adultes Weibchen
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adultes Weibchen
Die Weibchen von Phyllium siccifolium sind im adulten Stadium deutlich größer und breiter als die männlichen Tiere. Sie erreichen eine Körperlänge von 6,5 bis 9,8 cm, wobei die breiteste Stelle des Abdomens bis zu 4,1 cm betragen kann. Männchen erreichen hingegen nur eine Körperlänge 5,5 bis 6,8 cm. Die breiteste Stelle ihres Abdomens beträgt maximal 1,9 cm.

Ab der vierten Häutung läuft das Abdomenende der Männchen spitz zu. Adulte Männchen haben im Gegensatz zu den Weibchen ein schmales und langgezogenes Abdomen. Sie verfügen über vollständig ausgebildete Unterflügel. Die Deckflügel sind sehr kurz und betragen nur ca. ein Drittel der Unterflügel. Die Fühler der Männchen sind behaart und erreichen eine Länge von 3 cm.

Bei den Weibchen ist ab der vierten Häutung das Abdomen abgerundet. Das Ende des Abdomen läuft etwas spitz aus und tritt dadurch deutlich hervor. Als erwachsene Tiere besitzen die Weibchen bereits die typische Blattform, welches die Breite beibehält. Die Deckflügel sind bei den Weibchen sehr lang und reichen bis fast zum Abdomenende. Weibchen verfügen nur über kurze Fühler, die Länge beträgt rund 0,5 cm. Die Farbvarianten der Weibchenreichen von hellgrün bis schmutzig-gelb und bei den Männchen von hell- bis dunkelgrün.

Lebensweise

Phyllium siccifolium verbringen ein eher ruhiges Leben in den Pflanzen ihrer Vorkommensgebiete. Sie sind sehr gut getarnt und hauptsächlich in der Dämmerung und der Nacht aktiv. Wenn sich die Larven häuten, so geschieht dies zumeist in den Morgenstunden. Die Larven sind nach der Häutung etwas weicher und können so den Tag in Ruhe verbringen, abtrocknen und der Körper kann sich etwas aushärten. Die Häutung erfolgt kopfüber. Die abgestreifte Haut wirkt wie Pergament. Bei Gefahr laufen Phyllium siccifolium mit leicht wippenden Bewegungen sehr schnell weg. Durch die wippenden Bewegungen ist die Simulation eines Blattes fast perfekt.

Fortpflanzung

Frisch geschlüpfte Larve.
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Frisch geschlüpfte Larve.

Phyllium siccifolium wird in einem Alter zwischen 6 bis 7 Monate geschlechtsreif und pflanzt sich ab diesem Zeitraum fort. Dazu suchen die Männchen aktiv nach paarungsbereiten Weibchen und sind auch zu dieser Zeit häufig am Tage aktiv. Hat ein Männchen ein paarungswilliges Weibchen gefunden, so reitet es von hinten auf, hält sich mit seinen drei Beinpaaren fest und führt die männliche Kloake bis zur weiblichen Kloake. Für die eigentliche Paarung erfolgt eine direkte Begattung. Die Eiablage erfolgt ca. eine Woche nach der Paarung. Es werden in regelmäßigen Abständen über den gesamten Tag, incl. der Nacht, zwischen ein bis vier Eier abgegeben. Diese fallen einfach zu Boden. Die Eier nehmen keinen Schaden, auch wenn sie mitunter aus großer Höhe herunterfallen, da sie eine relativ harte Umhüllung aufweisen.

Verbreitung

Phyllium siccifolium hat ein recht großflächiges Verbreitungsgebiet und ist auf den Philippinen, in China, West-Malaysia und Indien heimisch. Phyllium siccifolium ist nur in tropischen bis subtropischen Gegenden zu finden. Innerhalb diesen großen Verbreitungsgebietes unterscheiden sich die Wandelnden Blätter auch.

Ernährung

Halbwüchsige Larve, Weibchen
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Halbwüchsige Larve, Weibchen

Phyllium siccifolium ist ein reiner Pflanzenfresser. In freier Natur kommen alle möglichen Rosengewächse (Rosaceae) und artverwandte Pflanzenarten in Frage. Darüber hinaus werden verschieden Eichenblätter (Quercus) und artverwandte Pflanzen als Nahrung bevorzugt. Von den Larven werden vornehmlich die neuen Blätter und frischen Austriebe verzehrt.

Haltung, Pflege, Zucht

Für die Gefangenschaftshaltung sind Terrarien von mindestens 40x40x60 cm notwendig. Die Höhe ergibt sich zum einem aus der Größe der Tiere und zum anderem ist diese notwendig weil die kopfüber hängenden Häutung sonst nicht problemlos erfolgen kann. Terrarien in dieser Größe sind für ein Paar oder einigen Jungtieren ausreichend. Der Bodengrund wird mit einem etwas feucht zu haltenden Erde-Torf-Gemisch gegeben. Zusätzliche Klettermöglichkeiten sind dann nicht erforderlich wenn genügend frische Futterpflanzen zur Verfügung stehen. Als Futter werden alle Rosengewächse, Himbeeren-, Brombeeren- und Eichenlaub angeboten. Viele Phyllium siccifolium nehmen problemlos Himbeer- und Brombeerlaub als Nahrung an. Larven hingegen können diese Nahrungspflanzen auch verschmähen. Hier ist es besonders wichtig das man frische Eichenlaubblätter zur Verfügung hat. Es hat sich auch so bewährt wenn man diese zeitgleich mit anderen Futterpflanzen anbietet. Bemerkt man in der Larvenaufzucht keine Fraßspuren an den Futterpflanzen, muß man diese einschneiden. Damit schafft man weichere Stellen welche von den Larven gut angefressen werden können.

Die Tagestemperaturen sollten ca. 22 bis 28°C betragen. In der Nacht kann die Temperatur bis auf 18°C fallen. Steht der Behälter mit den Phyllium siccifolium hell, benötigt man keine zusätzliche Beleuchtung. Anderenfalls ist eine möglichst strahlungsarme Beleuchtung zu verwenden. Besonders ist auf Überhitzung zu achten. Die künstliche Beleuchtung kann so gewählt werden das der Boden des Terrarium fast nicht mehr ausgeleuchtet wird. Eine künstliche Beleuchtungsdauer sollte nicht länger wie 12 Stunden erfolgen.

Imaginalhäutung, Männchen.
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Imaginalhäutung, Männchen.
Der gesamte Behälter muß eine relative gleichmäßige Luftfeuchtigkeit haben. Tagsüber kann diese auf bis zu 60% sinken. Für die Nacht ist diese auf jeden Fall auf 80% und mehr zu erhöhen. Dazu besprüht man das Terrarium am bestens in der Abenddämmerung. Die Tiere dürfen nicht angesprüht werden. Die erhöhte Luftfeuchtigkeit über Nacht ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens sind die Wandelnden Blätter nachtaktiv und zweitens häuten sich Phyllium siccifolium in den frühen Morgenstunden. Unmittelbar vor der Häutung wird die zu eng gewordene Haut etwas weicher und kann so ohne Probleme abgestreift werden. Ist die Luftfeuchtigkeit zu gering, treten Häutungsprobleme auf. Der Verlust der Tiere wäre die Folge. Die Rück- und Seitenwände können für die Haltung der Luftfeuchtigkeit auch mit Kokosfaser- oder Xaxim Weisstorf-Platten verkleidet und bepflanzt werden. Phyllium siccifolium vermehrt sich durch die geschlechtliche Paarung fort. Es ist keine parthenogenetische Vermehrung! Berichte über angebliche Jungfernzeugung (Parthenogenese), sind definitiv falsch. Ebenso falsch ist es das dabei wohl auch nur Weibchen aus den Eiern schlüpfen können. Die Paarung erfolgt umgehend nach der Imaginalhäutung. Dazu gehen die Männchen aktiv auf Partnersuche. Bis zur ersten Eiablage vergehen ca. 3 bis 4 Wochen. Pro Tag legt ein Weibchen ca. 2 bis 3 Eier. Während der geschlechtsreifen Lebenszeit eines Weibchens kann die Eiablagezahl ca. 250 betragen. Die Eigröße beträgt ungefähr 5 Millimeter. Die Eier haben eine nierenförmige Form und weisen eine raue Struktur auf. Die Farbe ist zumeist braun bis dunkelbraun. Werden die Eier frisch abgelegt, dass Weibchen lässt die Eier einfach fallen oder schleudert diese auch während des Geburtsvorganges von sich, sind diese noch glatt. Kommen die Eier mit Feuchtigkeit in Berührung entfalten sich ringsherum kleine Härchen. Diese Härchen haken sich am Untergrund fest. Ist das Terrarium sehr stark und gut bepflanzt, kann man auch beobachten wie sich die Eier mit den kleinen Härchen auch an den Glasscheiben festhalten können. Für die Zeitigung der Eier ist eine Temperatur von ca. 22°C (+-2°C) notwendig. Der Bodengrund muß ständig feucht aber nicht nass gehalten werden. Die Eier dürfen dabei nicht unmittelbar bewässert werden. Die Luftfeuchtigkeit im Inkubationsbehälter beträgt zu diesem Zeitpunkt bis zu 90%. Das Substrat kann aus einem Erde-, Sand- und Kokosgemisch bestehen. Die Entwicklungsdauer der Eier beträgt ca. 4 Monate. Nach dem Schlupf sehen die Larven wie ältere Larven aus, sind dunkelgrau bis schwarz gefärbt. In diesem Stadium sind die Larven besonders aktiv und sind durch die Färbung und aktive Bewegung nicht getarnt. Die Beine sind weis umrandet. Die Größe von frisch geschlüpften Larven beträgt ca. 14 mm. Das Abdomen der frisch geschlüpften Larven färbt sich nach der ersten Nahrungsaufnahme in der Mitte grün um. Dies geschieht innerhalb der erst 12 Lebensstunden der Phyllium siccifolium Larven. Die Temperatur für die Aufzucht der Larven kann ein klein wenig niedriger wie bei den adulten Tieren gewählt werden. Eine gleichmäßige Hälterung in den ersten Wochen bei Zimmertemperatur ist gut möglich und ergibt keine Probleme. Der Vorteil ist das etwas verzögerte Wachstum. Wachsen die Larven bei wesentlich höheren Temperaturen heran, so besteht die Gefahr das die erwachsenen Tiere der nachfolgenden Generationen in der Endgröße immer ein kleinwenig zurück bleiben können.
Perfekt getarnt.
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Perfekt getarnt.
Die Entwicklung bis zur erwachsenen Phyllium siccifolium dauert zwischen 6 und 7 Monaten. Weibchen benötigen bis zur Imaginalhäutung immer etwas mehr Zeit. Da sich die Geschlechter bereits im Larvenstadium gut unterscheiden lassen, ist eine weitere Aufzucht bei unterschiedlichen Temperaturen sinnvoll wenn man die Entwicklung so gestalten möchte das Männchen und Weibchen zeitgleich Geschlechtsreif werden. Die männlichen Larven werden bei ein bis zwei Grad niedriger Temperatur gepflegt. Besonders sinnvoll ist diese Art der Zeitigung wenn man nur über wenige Nachzuchttiere verfügt und eine gefahrlose und sichere Zucht anstreben möchte.

Eine Vergesellschaftung mit anderen verwandten Arten oder auch mit anderen Schreckenarten ist möglich. Es ist aber darauf zu achten das genügend Platz und genügend Futterpflanzen zur Verfügung stehen. Unter Umständen kann es vorkommen das Phyllium siccifolium Fraßspuren von artgleichen oder auch anderen Tieren aufweist. Das beeinträchtigt Phyllium siccifolium jedoch in keiner Weise. Phyllium siccifolium akzepiert generell Artgenossen und kann bei ausreichendem Platzangebot auch gesellig gepflegt werden.

Gefährdung und Schutz

Über eine genaue Bestandsdichtenermittlung liegen keine verlässlichen Angaben vor. Durch ihre sehr gute Tarnung ist es nicht immer möglich den tatsächlichen Bestand Phyllium siccifolium zu ermitteln. Auch das Bemerken von Eiern auf den natürlichen Bodengrundschichten des Herkunftsgebietes ist nicht möglich. Phyllium siccifolium genießt keinen Schutzstatus.

Prädatoren

Männchen auf Futterpflanze.
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Männchen auf Futterpflanze.

Als Prädatoren kommen nur baumbewohnende Echsen (Lacertilia), Spinnen (Arachnida), Vögel (Aves), und Kleinsäuger (Mammalia) in Betracht. Diese Prädatoren spüren entweder durch Geruch die Phyllium siccifolium auf oder die Larven der Wandelnden Blätter verraten sich durch ihre etwas schnelleren Bewegungen selbst. Phyllium siccifolium ist der Autotomie fähig. Werden die Tiere angegriffen, so neigen sie dazu Beine abzuwerfen. Es werden in der Regel erst die Mittel- und danach Hinterbeine abgeworfen. Dieses Verhalten ist jedoch nicht so stark ausgeprägt wie beispielsweise bei den Stab- und Gespenstschrecken.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Kleinsteuber, Dr. Erich. (1930-1998), Kleintiere im Terrarium, Urania 1989, ISBN 3332002732
  • Detlef Größer, Wandelnde Blätter, Chimaira, ISBN 3930612461
  • Christoph Seiler , Phasmiden zu Hause, bede, ISBN 3898601420
  • Christoph Seiler; Sven Bradler; Rainer Koch, Ratgeber Phasmiden, bede, ISBN 978-3898601429
  • Stephan Kallas, Michael Meyer, Wolfgang Schmidt Kleintiere im Terrarium. Haltung und Zucht *wirbelloser Tiere, Landbuch Verlag, ISBN 3784205348

Links

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