Pinselscharbe

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Pinselscharbe

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neornithes)
Teilklasse: Neoaves
Parvklasse: Passerae
Überordnung: Passerimorphae
Ordnung: Stelz- und Schreitvögel (Ciconiiformes)
Unterordnung: Ciconii
Teilordnung: Ciconiides
Parvordnung: Sulida
Überfamilie: Phalacrocoracoidea
Familie: Kormorane (Phalacrocoracidae)
Gattung: Kormorane (Phalacrocorax)
Art: Pinselscharbe
Wissenschaftlicher Name
Phalacrocorax penicillatus
Brandt, 1837

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Pinselscharbe (Phalacrocorax penicillatus) zählt innerhalb der Familie der Kormorane (Phalacrocoracidae) zur Gattung der Kormorane (Phalacrocorax). Die englische Bezeichnung der Pinselscharbe lautet Brandt's Cormorant.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Pinselscharbe ist verhältnismäßig groß und besitzt einen langen dünnen Schnabel. Sie erreicht eine Körperlänge von etwa 70 bis 79 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 108 Zentimeter sowie ein Gewicht von etwa 1.400 bis 2.700 Gramm. Zwischen dem Männchen und dem Weibchen besteht kaum ein nennenswerter Dimorphismus, nur das Männchen ist etwas größer als das Weibchen. Die Altvögel sind insgesamt einheitlich schwarz gefärbt. Das insgesamt schwarz getönte Gefieder schimmert blau metallisch. Die Jungvögel in ihrem jugendlichen Gefieder weisen eine bräunliche bis schwärzliche Färbung auf. Sowohl bei den Altvögeln als auch bei den Jungvögeln sieht man im Gesicht auf den Wangen deutlich lange filigrane weißlich gefärbte Wangenfedern. Während der Paarungszeit und der Brutsaison zeigt sich an der Schnabelbasis ein breiter blauer Fleck und hebt sich
Pinselscharbe
vergrößern
Pinselscharbe
kontrastreich von den übrigen schwarz gefärbten Körperpartien ab.

Unter all den Kormoranen ist die Pinselscharbe sicherlich eine der Arten, die den kürzesten Schwanz besitzt. Die Jungvögel und die noch nicht geschlechtsreifen Vögel weisen eine hellbraun gefärbte Unterseite auf, ebenso ist die Brust hellbraun getönt. In der Übergangszone zwischen dem Hals und der Brust bildet sich ein hell gefärbtes V.

Lebensweise

Die Pinselscharben sind gesellige Vögel und fliegen oft in langen Reihen in niedriger Höhe über dem Ozean. Sie bilden große Verbände und versammeln sich an den Küsten in flachen Gewässern, um gemeinsam Fische zu erbeuten. Sie suchen ihre Nahrung in Gesellschaft mit Seelöwen und jagen überwiegend ihre Beutetiere im Wasser, wobei sie oft zwischen 30 und 50 Meter tief tauchen. Die Pinselscharbe kann unter günstigen Umständen in der Natur ein Alter von etwa 15 bis 18 Jahre erreichen.

Verbreitung

Pinselscharbe
vergrößern
Pinselscharbe

Während der Reproduktionsphase halten sie sich entlang der Küsten am Pazifischen Ozean auf, das Gebiet erstreckt sich südlich von Alaska bis nach Baja California im Nordwesten von Mexiko. Im Winter ändert sich kaum die Verteilung, da die Pinselscharbe insgesamt ein sesshafter Vogel ist. Die Verbreitung der Populationen, die in British Columbia vorkommen, erstreckt sich bis zur Nordgrenze von Mexiko und frequentiert die salzigen und brackigen Gewässer, während die Pinselscharbe vorwiegend an felsigen Küsten lebt, wo auch reichlich Seetang wächst. Man findet sie ebenfalls in breiten Buchten, gelegentlich auch an Flussmündungen und in Lagunen. Die nestbauenden Kolonien siedeln sich auf Inseln an, die die typischen Steilfelsen aufweisen.

Ernährung

Pinselscharbe
vergrößern
Pinselscharbe

Das Nahrungsspektrum der Pinselscharbe setzt sich aus einer großen Vielzahl von Fischen zusammen. Aber auch Garnelen und Schalentiere gehören zu diesem breiten Nahrungsspektrum. Die Pinselscharbe fischt überwiegend im tiefen Gewässer, aber es kommt auch vor das sie im flachen Wasser ihre Beute jagt. Größtenteils hängt die Verteilungsfläche der Pinselscharbe vom Reichtum seiner Versorgung mit Nahrung ab, direkt verbunden mit den Fluktuationen des Golfes von Kalifornien. Im Winter, wenn die Auswirkungen des Golfes zurückgehen, hält sich die Population entlang der Küste auf, wo sie auch brütet und wo auch Nahrung reichlich vorkommt.

Fortpflanzung

Pinselscharbe
vergrößern
Pinselscharbe

Wie die Mehrzahl der Kormorane, so brütet auch die Pinselscharbe in Kolonien. Das Männchen versucht ein Weibchen durch sein grotesk aussehendes Balzverhalten das Weibchen anzulocken, um mit ihr dann gemeinsam eine geeignete Stelle für den Nestbau zu wählen. Nach der Paarung bauen das Männchen und das Weibchen gemeinsam ein Nest auf dem Boden, das im allgemeinen mit Seetang bedeckt wird. Das Männchen sammelt das Nistmaterial meistens auf offener See, das er dem Weibchen übergibt. Das Nistmaterial besteht überwiegend aus Algen und Seetang. Das Weibchen befaßt sich sofort mit der Verbauung des Nistmaterials. Nach Fertigstellung des Nestes legt das Weibchen im allgemeinen vier Eier. Beide Partner lösen sich beim Wärmen der Eier abwechselnd ab. Die Inkubationszeit des Geleges beträgt etwa 24 Tage. Nach dem Schlupf werden die Jungvögel ausreichend mit Nahrung in Form von hochgewürgten und vorverdauten Fischen versorgt. Die Nesthocker verbleiben für 35 bis 40 Tage im Nest. Die Jungvögel und die noch nicht geschlechtsreifen Vögel weisen eine hellbraun gefärbte Unterseite auf, ebenso ist die Brust hellbraun getönt. Die Lebenserwartung der Pinselscharbe beträgt unter günstigen Umständen in der Natur etwa 15 bis 18 Jahre.

Gefährdung und Schutz

Die Pinselscharbe gehört heute noch nicht zu den bedrohten Vogelarten. Das globale Verbreitungsgebiet der Populationen erstreckt sich annähernd von über 100.000 bis 1.000.000 Quadratkilometern. Die globale Population wird auf etwa 230.000 Pinselscharben (Wetlands International 2002) geschätzt. Die Pinselscharbe ist in weiten Teilen dieses großen Areals meist häufig anzutreffen. In der Roten Liste der IUCN wird die Pinselscharbe als least concern (nicht gefährdet) geführt.

Literatur und Quellen

  • Prof. Dr. Dr. H. C. Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Band 7-9 Vögel. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG München (1993) ISBN 3-423-05970-2
  • Gottfried Mauersberger, Wilhelm Meise: Urania Tierreich, 7 Bde., Vögel.Urania, Stuttgart (1995) ISBN 3423032049

Links

'Persönliche Werkzeuge