Pirol

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Pirol

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Pirole (Oriolidae)
Gattung: Oriolus
Art: Pirol
Wissenschaftlicher Name
Oriolus oriolus
Linnaeus, 1758

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Pirol (Oriolus oriolus), auch bekannt als Goldamsel, Pfingstvogel oder Vogel Bülow, zählt innerhalb der Familie der Pirole (Oriolidae) zur Gattung Oriolus. Im Jahre 1990 wurde der Pirol in Deutschland vom Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) zum Vogel des Jahres gewählt <2> .

Inhaltsverzeichnis

Systematische Einordnung

Die systematische Einordnung des Pirols galt lange Zeit als höchst umstritten. Ursprünglich wurde der Pirol innerhalb der Unterordnung der Singvögel (Passeri) der Familie der Pirole (Oriolidae) zugeordnet. Licht ins Dunkle brachten molekularbiologische Untersuchungen. Aufgrund von DNS-Untersuchungen (Desoxyribonukleinsäure), die der US-amerikanische Ornithologe und Molekularbiologe Charles Gald Sibley durchführte, wurde festgestellt, dass Pirole sehr nah mit Paradiesvögeln (Paradisaeidae) und vor allem mit Rabenvögeln (Corvidae) verwandt sind. Die ursprüngliche Annahme, Pirole wären mit Drongos (Dicruridae) und Staren (Sturnidae) nahe verwandt, konnte nicht erhärtet werden. Drongos zählen allenfalls zur näheren Verwandtschaft der Pirole. <1>

Uneins ist man auch bei der Frage, welche Arten zu den Pirolen gezählt werden. Viele augenscheinlich ähnliche Arten wiesen im Laufe der Evolution lediglich eine konvergente Entwicklung auf. Nach neuesten Erkenntnissen zählt man zur Gattung Oriolus 27 Arten. Feigenpirole werden in eine separate Gattung mit dem wissenschaftlichen Namen Sphecotheres geführt. <1>

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Pirol erreicht eine Körperlänge von gut 22 bis 25 Zentimeter, eine Flügelspannweite von 35 bis 40 Zentimeter sowie ein Gewicht von 55 bis 80 Gramm. Die Geschlechter weisen einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus auf. Beim Männchen ist das Gefieder der Ober- und Unterseite leuchtend gelb, mit einem leicht orangegelbenen Ton gefärbt. Der Bereich des Bürzels und die Oberschwanzdecken weisen eine etwas hellere gelbe Färbung auf. Die Flügel sind schwarzbraun gefärbt und weisen im Bereich der großen Handdecken einen ausgedehnten gelben Spiegel auf. Der Schwanz zeigt bis auf die Oberschwanzdecken ebenfalls eine schwarzbraune Färbung auf. Im Bereich der Augen ist deutlich ein schwarz gefärbter Zügelstreifen zu sehen, der sich vom Schnabelansatz bis hinter die Augen erstreckt. Die Iris der Augen weist eine rötliche Färbung auf, der kräftige Schnabel ist rötlichbraun gefärbt. Die Extremitäten weisen eine graublaue Färbung auf.

Im Gegensatz zum Männchen zeigt sich beim Weibchen auf der Oberseite eine helle olivgrüne Färbung, wobei stellenweise ein gelblicher Schimmer zu sehen ist. Die Kehle, die Brust sowie die Bauchseite sind überwiegend hellgrau gefärbt. Im Bereich der Kehle und der oberen Brust zeigt sich eine feine Strichelung. Diese Strichelung ist auch an den Flanken vorhanden. Die Flanken und die Unterschwanzdecken weisen eine hellgelbe Färbung auf. Flügeldecken und Schwungfedern zeigen eine bräunlich-grüne Färbung. Im Bereich der Augen ist ein schwach ausgebildeter, braungefärbter Zügelstreif zu erkennen. Die Iris ist beim Weibchen wie beim Männchen rötlich gefärbt, die Extremitäten zeigen eine gräuliche Färbung. Juvenile Vögel ähneln bis zum dritten Lebensjahr dem Weibchen. Die Oberseite der Jungvögel ist jedoch mehr gelblichgrün gefärbt. Ihr Schnabel weist eine schwarzbraune Färbung auf. Bei den männlichen Jungvögeln stellt sich die adulte Ausfärbung im dritten Lebensjahr ein.

Lebensweise

Der Pirol ist ein typischer Einzelgänger, nur während der Paarungszeit leben die Geschlechter paarweise oder in kleinen Familiengruppen. Pirole sind also alles andere als gesellige Vögel. In die Brutreviere fliegen die Vögel einzeln, zeitlich versetzt ein. Zuerst treffen die Männchen aus den Winterquartieren in die Brutgebiete ein. Der natürliche Lebensraum sind die Kronenbereiche hoher Bäume. Hier brüten die Vögel und gehen in diesen Bereichen auch auf Nahrungssuche. Pirole sind geschickte Kletterer, die sich geschwind und sicher in den Bäumen bewegen können. Auf den Waldboden gehen sie selten, meist nur zu Nahrungssuche hinab. Pirole bevorzugen Lebensräume mit ausreichend dichter Vegetation. An Wasserflächen wagen sie sich jedoch regelmäßig aus der Deckung. An Gewässern nehmen Pirole gerne ein Bad. Sie lassen sich dabei von Ästen regelrecht ins Wasser fallen und tauchen teilweise völlig unter. Es scheint ihnen richtig Spaß zu bereiten, da dieses Ritual meist mehrfach wiederholt wird. Teil der Gefiederpflege ist das täglichen Putzen des Gefieders. Das Gefieder wird vor allem mit dem Schnabel gepflegt und gerichtet. Zum Thema territoriales Verhalten siehe Kapitel Fortpflanzung.

Unterarten

Pirol
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Pirol

Verbreitung

Vorkommen

Der Pirol ist die einzige Pirolart in Europa. Die Brutgebiete erstrecken sich über weite Teile Europas, über Nordafrika und dem Nahen Osten bis nach Indien. In Nordafrika wird jedoch nur das nordwestliche Marokko besiedelt. In Europa erstreckt sich das Verbreitungsgebiet von Südwesteuropa über Südeuropa bis nach Mittel- und Osteuropa. Mit Ausnahme der nördlichen skandinavischen Regionen wird somit ganz Europa besiedelt. Im Laufe der Zeit reichte das Verbreitungsgebiet immer weit in den Norden hinein. Gelegentlich tauchen Pirole auch in Mittelskandinavien auf. Hier allerdings nur punktuell und mit starker Fluktuation. Aber egal wo der Pirol anzutreffen ist, er ist in keinem Verbreitungsgebiet häufig vertreten.

Lebensraum

Lichte Wälder mit ausreichend altem Baumbestand, Auwälder und Feuchtwälder in Gewässernähe sowie große Gärten und Parks gehören zu den natürlichen Lebensräumen. Nicht besiedelt werden beispielsweise Mittel- und Hochgebirge sowie waldfreies Hinterland in Küstenregionen. Höhenlagen oberhalb von 600 Metern werden grundsätzlich nicht oder nur selten besiedelt. Am Südrand der Alpen gilt der Pirol bis in Höhen von 800 Metern als nachgewiesen. Ein Brutareal umfasst zumeist eine Größe von bis zu 50 Hektar. Die Nester entstehen in der Regel in großer Höhe von alten Bäumen. Hier gehen Pirole auch auf Nahrungssuche.

Siedlungsdichte

Insgesamt ist die Siedlungsdichte schwer einzuschätzen, da sich von Jahr zu Jahr die Populationsstärke ändern kann. Die Siedlungsdichte liegt je nach Verbreitungsgebiet bei einem Brutpaar auf 10.000 km² bis hin zu 2 bis 3 Brutpaare je 10 km². Die Siedlungsdichte hängt nicht nur von klimatischen Bedingungen ab, sondern auch von intakten Waldfläche. Derartige Waldsysteme sind vor allem in Mitteleuropa, wo die klimatischen Bedingungen optimal sind, eher selten. Aufgrund der fehlenden Wälder ist der Pirol
typischer Lebensraum - Parkanlage
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typischer Lebensraum - Parkanlage
vor allem auf den Inseln im Mittelmeer wie Sizilien, Korsika oder Zypern ebenfalls selten anzutreffen. Die Unterart Oriolus oriolus kundoo , die sich nur marginal von der Nominalform unterscheidet, kommt auf dem indischen Subkontinent, inklusive Afghanistan, Pakistan und Bangladesh, vor. Auch hier ist der Pirol nicht häufig, aber weitflächig anzutreffen.

Migration

Kurz nachdem die Jungvögel ihre Selbständigkeit erreicht haben, beginnen die Reisevorbereitungen in die Winterquartiere. Dies ist in den meisten Verbreitungsgebieten ab Anfang August der Fall. Die Vorbereitungen für die Züge fangen schon während der Brutzeit an. Während dieser Zeit wechseln die Elternvögel einen Teil ihrer Federn, um den langen Zug zu überstehen. Bei dieser Mauser werden vor allem alte Gefiederbereiche und verwaschene Federn ausgetauscht. Bei der Mauser in den Brutgebieten handelt es sich allerdings nur um eine Teilmauser. Die Vollmauser wird erst in dem Winterquartier durchgeführt. Bei der Teilmauser werden vor allem wichtige Flügel- und Schwanzfedern ausgetauscht.

Kurz vor dem Flug fressen sich Pirole eine Fettreserve an, die den Vögeln auf den langen Flügen als Energiereserve dienen. Diese Energiereserven reichen aber meist für die ersten Etappen. Daher legen Pirole zwischendurch immer wieder Fresspausen ein. Dieses gilt nicht nur für die Altvögel, sondern auch für die Jungvögel, die ihr ideales Fluggewicht erreichen müssen. Während des Fluges in die Winterquartiere verlieren Pirole in der Regel um die 20 Prozent an Gewicht. In den Mittelmeerländern, in den Nahen Osten sowie in Nordafrika wird dieses erhöhte Gewicht gerne gesehen, denn in diesen Regionen steht der Pirol regelmäßig auf der Speisekarte.

typischer Lebensraum - bewaldeter Flusslauf)
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typischer Lebensraum - bewaldeter Flusslauf)

Der Zug in die Winterquartiere beginnt zuerst in Familiengruppen. Aber schon nach einiger Zeit trennt sich das Männchen von der Familiengruppe und die Weibchen ziehen mit ihrem Nachwuchs alleine weiter. In Südeuropa ist daher nicht nur der Mensch ein großes Hindernis, sondern auch der Eleonorenfalken (Falco eleonorae), der in dem zumeist offenen Gelände ein leichtes Spiel mit dem Pirol hat. Der Zug führt die Pirole auch über das Mittelmeer. Dabei überfliegen Pirole jedoch nur an schmalen Stellen das Mittelmeer. Hierzu gehören unter anderem die ägäischen Inseln, die Südspitze Italiens sowie die Iberische Halbinsel. Die Zugwege über das nördliche Afrika sind nur wenig erforscht. Sicher zu sein scheinen die Zugwege über die Westküste Afrikas und der Weg durch das Niltal. Die Sahara wird wahrscheinlich nicht überflogen.

Ende September, Anfang Oktober, also nach zwei Monaten Zug, haben die Pirole ihre Winterquartiere erreicht. Sie liegen zumeist in Ostafrika und erstrecken sich über Kenia, Ruanda, Uganda und dem nördlichen Tansania. Demnach liegt für nordeuropäische Populationen ein Zugstrecke von etwa 9.000 Kilometern hinter den Vögeln - eine erstaunliche Leistung. In den Winterquartieren bewohnen Pirole hauptsächlich den tropischen Regenwald. Die Population, die die Westroute genommen haben, überwintern zumeist im Westen Afrikas in Guiana, Gambia, Guinea-Bissau oder Sierra Leone. Im April machen sich die Pirole dann wieder auf den langen Weg in die Brutgebiete.

Fressfeind: Eichelhäher (Garrulus glandarius)
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Fressfeind: Eichelhäher (Garrulus glandarius)

Prädatoren

Pirole, deren Jungvögel und Eier stehen auf der Speisekarte einiger räuberisch lebendender Vögel und Säugetiere. Zu den natürlichen Fressfeinden gehören beispielsweise Eulen (Strigiformes) und Greifvögel (Falconiformes) wie Sperber (Accipiter nisus) und Habicht (Accipiter gentilis). Aber auch Aaskrähe (Corvus corone) und Eichelhäher (Garrulus glandarius) sowie Europäisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) und Baummarder (Martes martes) stellen dem Prirol und dessen Eiern regelmäßig nach. Auf den Zügen in die Winterquartiere fallen viele Pirole dem Eleonorenfalken (Falco eleonorae) zum Opfer. Die Verluste durch Prädatoren haben jedoch keinen nennenswerten Einfluss auf die Bestände der Pirole.


Ernährung

beliebter Snack: Walker (Polyphylla fullo)
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beliebter Snack: Walker (Polyphylla fullo)

Pirole ernähren sich überwiegend von Insekten (Insecta) und deren Larven. Dabei konzentrieren sich Pirole vor allem auf größere Insekten wie beispielsweise Walker (Polyphylla fullo) oder Feldmaikäfer (Melolontha melolontha). Aber auch Langfühlerschrecken (Ensifera) und Kurzfühlerschrecken (Caelifera) stehen weit oben auf der Speisekarte. Nahrung wird sowohl im Geäst von Bäumen und Sträuchern als auch auf dem Boden aufgelesen. Auf den Waldboden begeben sich Pirole jedoch nur bei einem besonders reichhaltigem Nahrungsangebot.

Küken und Jungvögel werden vor allem mit nahrhaften Raupen und kleineren Insekten mit weichem Chitinpanzer gefüttert. Gegen Ende der Entwicklung der Jungvögel werden auch Insekten mit hartem Chitinpanzer verfüttert. Bei Küken wird die Nahrung von den Elternvögeln sorgsam ausgewählt und teilweise vorbereitet. Den Raupen werden zum Beispiel die harten Chitinköpfe abgebissen, ehe sie verfüttert werden. Behaarte Raupen werden von den Eltern vorher eingespeichelt, bilden jedoch nur einen sehr geringen Nahrungsabnteil. In späteren Entwicklungsstufen werden die Jungtiere auch mit Beeren und Früchten, wie beispielsweise Kirschen, gefüttert. Sind die Früchte zum Schlucken noch zu groß, so werden sie ausgepresst und der Saft in den Schnabel der Jungvögel geträufelt. Pflanzliche Nahrung stellt bei der Aufzucht des Nachwuchses jedoch nur einen kleinen Teil dar, da für das Wachstum vor allem tierisches Eiweiß benötigt wird.

Fortpflanzung

Allgemeines

Pirol
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Pirol

Pirole erreichen die Geschlechtsreife mit gut zwei Jahren. Nicht selten kommt es bei den Männchen erst im dritten Lebensjahr zur ersten Paarung, da erst zu dieser Zeit das Gefieder voll ausgefärbt ist. Ende Mai kommen die ersten Männchen aus ihren Winterquartieren zurück in die Brutgebiete, Weibchen folgen meist ein bis zwei Wochen später. Zugleich besetzen die Männchen ein passendes Brutareal. Beliebte Brutreviere sind Laubwälder oder Auenwälder, die in unmittelbarer Nähe zu einem Gewässer liegen. Auch entlang von Flussläufen sind Pirole regelmäßig anzutreffen. Ein Pirolpärchen benötigt ein großes Brutareal. In der Regel zwischen 5 und 20, in seltenen Fällen sogar bis zu 50 Hektar. Die eigentliche Brutzeit ist sehr kurz und erstreckt sich nur über die Monate Mai und Juni. Im Kern eines Brutreviers befinden sich grundsätzlich alte und sehr hohe Bäume. Hier erfolgt sowohl die Balz als auch später der Nestbau und die Brut.

Balz und Paarbildung

Durch ihren Gesang erreichen die Männchen nicht nur rivalisierende Artgenossen, sondern auch potentielle Weibchen, die sich durch den Gesang angelockt fühlen. Hat sich ein Pärchen gefunden, so geht es kurz danach an die Errichtung des Nestes. Während der Paarungs- und Brutzeit legt der Pirol ein ausgesprochen territoriales Verhalten an den Tag. Er geht sowohl gegen eindringende Artgenossen als auch gegen Fressfeinde energisch vor. Zu heftigen Kämpfen kommt es nicht selten mit Elstern oder auch Eichelhähern. Durch diese Aggressivität erhöhen die Pirole ihren Bruterfolg deutlich. Es ist zwar nicht die Regel, aber des öfteren helfen bei der Jungenaufzucht die Jungvögel aus den Vorjahren. Damit sammeln Jungpirole die ersten Erfahrungen für ihre erste eigene Paarungs- und Brutzeit.

Nestbau

Ist die Balz abgeschlossen, so geht es an den Nestbau. Ein Nest entsteht in Astgabeln hoch oben in den Bäumen. Es handelt sich in der Regel um Laubbäume, nur selten nehmen Pirole auch Nadelbäume an. Das Nest wird zum Schutz vor terrestrischen Fressfeinden möglichst am äußeren Ende eines Astes errichtet. Um den Bau des Nestes kümmert sich hauptsächlich das Weibchen. Als Baumaterial nutzt sie kräftige Fasern, die förmlich zu einem Gewebe verwoben werden. Auch Blätter, Grashalme und andere weiche Materialien kommen zum Einsatz. Das Nest liegt dabei nicht auf einer Astgabel auf, sondern befindet sich in der Astgabel hängend zwischen zwei Ästen. Ausgepolstert wird ein Nest mit weichen Moosen und Flechten sowie Tierhaaren. Der Nestbau kann bis zu 12 Tagen in Anspruch nehmen. Die Nistmulde weist einen Durchmesser von bis zu 90 Millimetern und eine Tiefe von bis zu 100 Millimeter auf.

Gelege, Schlupf, Küken

In das fertige, napfartige Nest legt das Weibchen in eintägigem Abstand zwischen drei und vier weißliche bis cremefarbene Eier, die eine feine bräunliche Fleckung aufweisen. Ein Ei wiegt etwa acht bis neun Gramm . Das Wärmen der Eier beginnt bereits mit der Ablage des ersten Eies. Beide Geschlechter beteiligen sich am Wärmen der Eier gleichermaßen. Der Schlupf erfolgt nach etwa 14 bis 15 Tagen. Die Küken schlüpfen im Abstand von ein bis zwei Tagen. Die geschlüpften Küken gelten als Nesthocker. Sie kommen blind und weitestgehend nur spärlich befiedert auf die Welt. Frühestens nach fünf bis sechs Tagen öffnen sie erstmals ihre Augen. Nachdem das spärlich aussehende Dunenkleid getrocknet ist, entpuppt es sich als durchaus dichtes Dunenkleid. Es schützt die Küken vor Kälte und Feuchtigkeit. In der ersten Lebenswoche werden die Küken jedoch noch zusätzlich von den Eltern gewärmt.
Pirol gut getarnt in seinem Lebensraum)
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Pirol gut getarnt in seinem Lebensraum)
Gegen Ende der ersten Woche brechen die ersten Federn des Jugendkleides durch, wenige Tage später folgen die ersten Schwanzfedern. Im Alter von gut 12 bis 13 Tagen verfügen sie bereits über ein voll entwickeltes Federkleid. Gegen Ende der dritten Lebenswoche sind den Küken auch die Federn auf dem Oberkopf gewachsen.

Jungenaufzucht

Um die Versorgung des Nachwuchses mit Nahrung kümmern sich beide Elternteile und gelegentlich auch die Bruthelfer. Ihren Nahrungsbedarf signalisieren die Küken, indem sie ihren Schnabel weit aufsperren. Dies ist im übrigen bei allen Singvögeln der Fall. Das Betteln um Nahrung geht in der Regel auch mit lautstarken Ausrufen einher. Es kommt dabei oft vor, dass das zuletzt geschlüpfte Küken zu schwach ist, seinen Kopf in die Höhe zu recken und den Schnabel zu öffnen. In diesen Fallen ist das Küken zum Sterben verurteilt, da die Eltern keine Rücksicht auf die Nachzügler nehmen, da sie sonst einen Totalausfall riskieren würden. Die Küken sehen in den ersten Tagen ihre Eltern nicht. Aber Anhand der Erschütterung am Nest merken sie, das ein Elternteil mit potentieller Nahrung am Nest eingetroffen ist. Dieses ist für die Küken das Signal, ihren Schnabel zu öffnen. Später orientieren sich die Küken mit ihrem Sehsinn. Beobachtungen haben ergeben, dass die Eltern gut 10 mal pro Stunde mit Nahrung am Nest erscheinen und ihren Nachwuchs damit füttern. Das ist für die Eltern echte Schwerstarbeit.

In der Anfangsphase, also in den ersten beiden Lebenswochen werden die Küken ausschließlich mit kleinen Insekten, Larven und Raupen gefüttert. Ab der dritten Woche kommen auch Beeren und reife Früchte hinzu. Nach der Nahrungsaufnahme sondern die Küken ihren Kot in kleinen Ballen ab. Diese Kotballen werden von den Elternvögeln sorgsam aus dem Nest entfernt. Diese Nesthygiene beugt Krankheiten und eventuelle Parasiten vor. Gegen Ende der dritten Lebenswoche sind die Jungvögel flügge und fliegen erstmals aus, jedoch bleibt die Familie noch ein bis zwei Wochen zusammen und der Nachwuchs wird auch noch weiter mit Nahrung versorgt. In dieser Phase beginnen bereits die Vorbereitungen für den Flug in die Winterquartiere. Ein Pirol kann unter günstigen Umständen ein Alter von fünf bis sechs Jahren erreichen, die Lebenserwartung in Gefangenschaft liegt bei neun Jahren.

Ökologie

Sowohl in der Vergangenheit als auch heute noch wird der Pirol in vielen Ländern wegen seines Fleisches bejagt. Dies ist vor allem in Südeuropa, insbesondere in Italien sowie in Nordafrika und im Nahen Osten der Fall. Der Pirol vertilgt in seinem Lebensraum eine große Menge an Insekten und trägt somit seinen Teil dazu bei, die Populationen von Schadinsekten zu regulieren. Auf der anderen Seite bilden Pirole die Nahrungsgrundlage für eine Reihe von räuberisch lebenden Vögeln und Säugetieren. Somit ist der Pirol ein wichtiger Teil im Ablauf seines komplizierten Ökosystems. Bei Obstbauern und Gärtnern sind Pirole keine gern gesehenen Gäste, da die Vögel auch große Mengen an Beeren und Früchten vertilgen können.

Gefährdung und Schutz

Lebensraum: offener Buchenwald
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Lebensraum: offener Buchenwald

Der Pirol ist weit verbreitet und in den meisten Verbreitungsgebieten noch nicht gefährdet. Zudem steht er lokal in vielen Ländern unter Natur- und Artenschutz. In der Roten Liste der IUCN wird der Pirol daher als nicht gefährdet geführt. Aber der Schutz der Art ist nur die eine Seite der Medaille. Ebenso wichtig ist der Schutz der Lebensräume, der Schutz der natürlichen Habitate und Biotope. Daran hapert es in weiten Teil der Verbreitungsgebiete - auch in Deutschland. Zu den Hauptgefährdungspunkten gehört neben der Abholzung alter Wälder, vor allem die Trockenlegung von Feucht- und Auwäldern. Hier liegen vor allem die Brutgebiete der Pirole. Auch die Umwandlung von reinen Laubwäldern oder Mischwäldern in reine Monokulturen (beispielsweise reine Nadelwälder) setzen der Art stark zu. Für den Pirol haben sich auch die Auflichtung dichter Wälder und die Zerschneidung durch Straßen und andere Verkehrwege negativ ausgewirkt. Wie sich das allgemeine Waldsterben, hervorgerufen durch den sauren Regen, Befall durch Borkenkäfer und andere Gefahren, auswirkt, bleibt abzuwarten.

Anhang

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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