Pirre-Stummelfußfrosch

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Pirre-Stummelfußfrosch
Weibchen

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Überfamilie: Laubfrösche, Echte Kröten und Verwandte (Hyloidea)
Familie: Kröten (Bufonidae)
Gattung: Stummelfußfrösche (Atelopus)
Art: Pirre-Stummelfußfrosch
Wissenschaftlicher Name
Atelopus glyphus
Dunn, 1931

IUCN-Status
Critically Endangered (CR)

Der Pirre-Stummelfußfrosch (Atelopus glyphus), auch unter Synonym Atelopus varius glyphus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Kröten (Bufonidae) zur Gattung der Stummelfußfrösche (Atelopus). Im Englischen wird der Pirre-Stummelfußfrosch pirre mountain frog, pirri range stubfoot toad oder pirre harlequin frog genannt. Die Art ist monotypisch, demnach sind keine Unterarten bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Pirre-Stummelfußfrosch ist eine mittelgroße Kröte. Das Männchen erreicht eine Körperlänge von etwa 36,0 Millimeter, während das Weibchen eine Körperlänge von etwa 48,0 Millimeter erreicht. Die dorsale Grundfarbe ist ein einheitliches Braun oder ein helles Braun und ist mit winzigen gelblich-weißen Flecken besetzt. Die Flecken weisen einen braunen Kern oder eine durchgezogene Linie auf. Die ventrale Oberfläche ist gelb und ist mit einem etwas dunkleren Muster versehen. Das Männchen unterscheidet sich vom Weibchen durch seine robusten Oberarme. Die Iris der Augen weist eine grüne Färbung auf und die Pupillen sind vertikal ausgerichtet.

Lebensweise

Die Art lebt terrestrisch und die Fortpflanzung sowie die larvale Entwicklung erfolgen in den Waldbächen. Obwohl die Fortpflanzungs-Biologie dieser Art kaum bekannt ist, geht man jedoch davon aus, dass die Art die Eier in Schnüren an die Unterseite der Steine in fließenden Bächen während der Trockenzeit, wenn das Wasser relativ niedrig ist, ablegt. Die Kaulquappen entwickeln sich zu Beginn der Regenzeit, wenn der Wasserdurchfluss erhöht ist. Alle Atelopus-Kaulquappen haben große ventrale Saugnäpfe am Mund, so dass sich die Kaulquappen an Felsen oder Steinen auch bei starker Strömung festsaugen können.

Verbreitung

Pirre-Stummelfußfrosch - Männchen
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Pirre-Stummelfußfrosch - Männchen

Laut der Roten Liste der IUCN kommt der Pirre-Stummelfußfrosch im östlichen Panama, in der Serranía de Pirre sowie im Chocó von Kolumbien in einer Höhe von 884 bis 1.500 Meter über NN vor. Der Pirre-Stummelfußfrosch ist eine terrestrische Art und lebt im tropischen Bergwald, wo die Fortpflanzung und die larvale Entwicklung in den Waldbächen erfolgen. Es gibt keine Informationen darüber, ob diese Art auch in ungünstigen Lebensräumen überleben kann.

Ernährung

Die Kaulquappen ernähren sich von Mikroorganismen und organischem Material. Nach der Metamorphose zur adulten Kröte ernähren sich die Tiere von kleinen Insekten (Insecta), Spinnentiere (Arachnida) und kleinen wirbellosen Tieren wie Tausendfüßer (Myriapoda). Auf Nahrungssuche gehen Pirre-Stummelfußfrosch am Tage im Bereich des Waldbodens. Beutetiere werden mit einer schnellen Bewegung der Zunge gefangen.

Fortpflanzung

Der Pirre-Stummelfußfrosch erreicht die Geschlechtsreife wahrscheinlich gegen Ende des ersten Lebensjahres. Als Fortpflanzungsgewässer dienen Waldbäche.
Junger Pirre-Stummelfußfrosch
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Junger Pirre-Stummelfußfrosch
Die Balz ist von charakteristisch quakenden Rufen seitens des Männchens geprägt. Hat sich ein Paar gefunden, so kommt es zu der für Kröten typischen Umklammerung. Das Paar bildet ein sogenanntes Amplexuspaar. Das Weibchen und das Männchen geben Eier und Samen zeitgleich frei, so dass es zu einer äußeren Befruchtung kommt. Ein Strang besteht meist aus bis zu 100 Eiern. In der Regel werden jedoch nur 70 bis 90 Prozent befruchtet. Interessant ist auch die Brutpflege. Diese wird nicht vom Weibchen, sondern vom Männchen betrieben. Das Männchen schützt das Gelege bis zum Schlupf der Kaulquappen. Sie schlüpfen bereits nach wenigen Tagen. Auch nach dem Schlupf wird die Brut noch vom Männchen betreut. Droht das Kleinstgewässer auszutrocknen, so trägt das Männchen die Kaulquappen in ein anderes Gewässer. Die larvale Entwicklungszeit erstreckt sich über etwa vier Wochen, an deren Ende die Metamorphose zur Jungkröte steht. Die Kaulquappen ernähren sich von Mikroorganismen und organischem Material. Bei Nahrungsmangel kann es auch durchaus zum Kannibalismus unter den Kaulquappen kommen. Die jungen Kröten weisen im Gegensatz zu den Erwachsenen eine metallisch grünliche Färbung auf, die ebenfalls mit dunklen variablen Flecken besetzt ist. Markantes Merkmal bei den Jungkröten sind die auffällig leuchtend orangefarbenen Füße.

Gefährdung und Schutz

Laut der Roten Liste der IUCN steht die Art kurz vor dem Aussterben, weil ein projizierter Rückgang der Population zu beobachten ist. Schätzungsweise mehr als 80 Prozent ist wahrscheinlich aufgrund der Krankheit Chytridiomykose über die nächsten zehn Jahr ein weiterer Rückgang zu erwarten. Noch im September 2002 war die Art in der in der Serranía de Pirre vor Cana, im östlichen Panama anzutreffen.
Junger Pirre-Stummelfußfrosch
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Junger Pirre-Stummelfußfrosch
Die größte Bedrohung wird wahrscheinlich die Chytridiomykose sein, da in nächster Zukunft ein katastrophaler Rückgang zu erwarten ist. Viele andere Arten sind ebenfalls von dieser Krankheit befallen. Zusätzliche Bedrohungen ist der Verlust durch die Entwicklung der intensiven Landwirtschaft, einschließlich der Anpflanzung von illegalem Anbau. Zu den weiteren Bedrohungen zählen unter anderem noch die Abholzung, die Besiedlung und die Verschmutzung infolge des Bespritzens von illegalem Drogenanbau. Die Art lebt in zwei Schutzgebieten, und zwar im Parque Nacional Darién (ein Weltkulturerbe) in Panama und im Parque Nacional Natural Los Katíos in Kolumbien. Angesichts der ernsten Gefahr von Chytridiomykose sollte der Status dieser Art genau überwacht werden und Ex-situ-Populationen sollten festgelegt werden.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3

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