Weißnackenwiesel

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Weißnackenwiesel

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Überfamilie: Hundeartige (Canoidea)
Familie: Marder (Mustelidae)
Unterfamilie: Mustelinae
Gattung: Poecilogale
Art: Weißnackenwiesel
Wissenschaftlicher Name
Poecilogale albinucha
Gray, 1864

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Das Weißnackenwiesel (Poecilogale albinucha) zählt innerhalb der Familie der Marder (Mustelidae) zur Gattung Poecilogale. Im Englischen wird das Weißnackenwiesel African Striped Weasel genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt. Es werden zwar vier bis sechs Unterarten geführt, sie sind jedoch noch nicht anerkannt und daher ungültig.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Das Weißnackenwiesel erreicht je nach Vorbereitungsgebiet und Geschlecht eine Körperlänge von 24 bis 33 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 13,8 bis 20 Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 3,1 bis 4,3 Zentimeter, eine Ohrlänge von 1,1 bis 2,0 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 215 bis 380 Gramm. Männchen werden zwischen 35 und 50 Prozent größer als Weibchen. Der Körper der Tiere ist langgestreckt und durchaus kräftig gebaut. Markant sind die sehr kurzen Extremitäten, die im Grunde für alle Marder typisch sind. Die Zehen der Füße enden in kräftigen Krallen, die hervorragend zum Graben geeignet sind. In der Färbung zeit sich eine Zweiteilung. Lateral und ventral ist das Fell tief schwarz gefärbt. Dieses gilt auch für die Extremitäten und das Gesicht. Der Kopf ist sehr kurz und die Schnauze endet stumpf. Der Oberkopf, der Rücken und der Schwanz weisen eine cremefarbene bis weißliche Färbung auf. Mittig auf dem Rücken zeigt sich eine schwarzer Längsstreifen, der vom Nacken bis zum Schwanzansatz reicht. Dorsolateral befindet sich auf jeder Körperseite ein weiterer Streifen, der jedoch deutlich kürzer ausfällt. Das kräftige Gebiss verfügt über 28 Zähne. Die zahnmedizinische Formel lautet 3/3, 1/1, 2/2, 1/1. Weibchen verfügen zum Säugen ihres Nachwuchses über zwei Paar abdominal gelegene Zitzen. <1>

Lebensweise

Wie die meisten Marder (Mustelidae), so lebt auch das Weißnackenwiesel überwiegend einzelgängerisch. Die Geschlechter treffen nur während der Paarungszeit aufeinander. Gesichtete Gruppen sind in der Regel ein Muttertier mit ihrem Nachwuchs. Weißnackenwiesel sind ausgesprochen nachtaktiv. Am Tage halten sich die Tiere in unterirdischen Bauten auf und ruhen. In diesen Bauten bringen Weibchen auch ihren Nachwuchs zur Welt. Die Bauten werden selbst gegraben. Dazu verfügen sie an den Zehen über kräftige Krallen. Eher selten übernehmen sie die Bauten von anderen Tieren oder nisten sich in Termitenbauten ein. Lokal können sich die Gewohnheiten deutlich unterscheiden. Der wichtigste Sinn bei der Orientierung ist zweifelsohne der Geruchssinn. Der Sehsinn spielt nur eine untergeordnete Rolle. Das eigene Revier wird mit einem Sekret aus der analen Drüse markiert. Bei Revierstreitigkeiten kann es durchaus zu heftigen Kämpfen kommen. Dies ist vor allem während der Paarungszeit der Fall.

Verbreitung

Das Weißnackenwiesel ist in weiten Teilen Afrikas, südlich der Sahara verbreitet. Im südlichen Afrika fehlen sie im Grunde genommen nur in Namibia. Besiedelt werden die Republik Kongo, die Demokratishe Republik Kongo, Burundi, Ruanda, Uganda, Kenia, Angola, Sambia, Malawi, Mosamik, Botswana, Simbabwe und Südafrika. <2> In diesem sehr großen Verbreitungsgebiet werden eine Vielzahl an unterschiedlichen Lebensräumen besiedelt. Dazu gehört beispielsweise der tropische Regenwald, lichte Trockenwälder, Sumpfgebiete und Heidelandschaften. Weißnackenwiesel sind auch in Höhenlagen von bis zu 1.500 Meter, selten auch bis über 2.000 Meter über NN. anzutreffen. Trockene Habitate werden strikt gemieden. Sie halten sich für gewöhnlich in Regionen auf, in denen mehr als 600 Millimeter an Niederschlag fällt. Im späten Pleistozön waren Weißnackenwiesel auch im nördlichen Aufrika weit verbreitet. Dieses belegen fossile Funde aus Marocco. <2>

Prädatoren

Zu den natürlichen Feinden der Weißnackenwiesel gehören vor allem verwilderte Haushunde. Aber auch Eulen (Strigiformes) stellen den Tieren durchaus häufig nach. Der gefährlichste Feind der Weißnackenwiesel ist jedoch der Mensch. Er stellt den Tieren vor allem wegen des Felles nach. Ein weiteres Problem sind die durchaus häufigen Buschfeuer, die meist absichtlich vom Menschen gelegt werden (Brandrodung). Der einzige Schutz gegen Räuber ist die nachtaktive Lebensweise. <4>

Ernährung

Das Weißnackenwiesel ist ein reiner Fleischfresser. Kleine Säugetiere (Mammalia) wie Ratten (Rattus), Afrikanischen Striemen-Grasmäuse (Rhabdomys), Mäuse (Mus) und andere kleinere Nagetiere (Rodentia) gehören zur bevorzugten Nahrung. Hin und wieder stehen jedoch auch kleinere Schlangen (Serpentes), Eidechsen (Lacertidae), Vögel (Aves) und deren Eier, sowie Insekten (Insecta). <5> Nagetiere werden meist in ihren Bauten gefangen, seltener auch aktiv gejagt. Beutetiere werden in der Regel durch einen Biss in den Nacken getötet. Weißnackenwiesel gehen täglich auf die Jagd, wobei sie ausschließlich während der Dunkelheit jagen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass bei der Nahrungssuche der Geruchssinn eine entscheidende Rolle spielt. In einer Nacht können sie durchaus bis zu vier Ratten fressen. Gefressen wird in der Regel nur das Fleisch des Rumpfes. Die Haut oder das Fell sowie der Kopf, der Schwanz und die Extremitäten werden verschmäht.
Naher Verwandter und Nahrungskonkurrent: der Zorilla (Ictonyx striatus)
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Naher Verwandter und Nahrungskonkurrent: der Zorilla (Ictonyx striatus)
Beutetiere werden nicht an Ort und Stelle gefressen, sondern zunächst in den eigenen Bau verbracht. Hier legen die Tiere nicht selten auch Nahrungsvorräte für Mangelzeiten an. Pro Tag können bis zu 25 Prozent des eigenen Körpergewichtes an Nahrung aufgenommen werden. Weißnackenwiesel stehen in ihren Verbreitungsgebieten in Nahrungskonkurrenz zum Zorilla (Ictonyx striatus). <6>

Fortpflanzung

Weißnackenwiesel erreichen die Geschlechtsreife mit 15 bis 18 Monaten. Die Paarungszeit erstreckt sich vom Frühjahr bis in den Sommer hinein. Pro Saison kommt es zu einem Wurf. Geht ein Wurf jedoch früh verloren, so kommt es meist zu einem zweiten Wurf. Während der Balz kommt es unter den Männchen in der Regel zu erbitterten Kommentkämpfen um die Weibchen, die nicht selten mit schmerzhaften Bissverletzungen enden. Auch bei der Kopulation geht es recht ruppig zu. Das Männchen fügt dem Weibchen bei der Paarung oftmals schmerzhafte Bisse zu und schleppt sie hinter sich her. Das Weißnackenwiesel lebt polygam, das heißt, ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen und umgekehrt. Nach einer Tragezeit von etwa 30 bis 32 Tagen bringt ein Weibchen an einer geschützten Stelle zwei, selten drei Jungtiere zur Welt, die ein Geburtsgewicht von lediglich vier Gramm aufweisen. <7> Die Jungtiere sind nur wenig entwickelt und kommen sowohl blind als auch taub auf die Welt. Erst im Alter von gut sieben Wochen öffnen sie ihre Augen. Voll entwickelt und mobil sind sie im Alter von rund elf Wochen. Die Selbständigkeit wird mit 20 Wochen erreicht. Die Säugezeit und die Lebenserwartung sind nicht bekannt.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

In der Nähe der Menschen ist der Weißnackenwiesel kein gern gesehener Gast, da er es vor allem auf das Geflügel der Farmer abgesehen hat. Auf der anderen Seite dezimiert der Weißnackenwiesel aber auch die Populationen der Hausratten, Mäuse und anderer schädlicher Tiere. Ohne den Weißnackenwiesel würden die Populationen der Schadtiere überhand nehmen. Dennoch stellt der Mensch den Tieren nach. Das Fell dient den eingeborenen Stämmen als Schmuck bei ritualisierten Tänzen. In dem sehr großen Verbreitungsgebiet ist der Weißnackenwiesel fast überall noch häufig anzutreffen. Daher wird die Art in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet geführt.

Anhang

Literatur und Quellen

Links

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