Polarhase

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Polarhase

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Unterfamilie: Leporinae
Gattung: Echte Hasen (Lepus)
Art: Polarhase
Wissenschaftlicher Name
Lepus arcticus
Ross, 1819

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Polarhase (Lepus arcticus) zählt innerhalb der Familie der Familie Hasen (Leporidae) zur Gattung der Echten Hasen (Lepus).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Polarhase erreicht eine Körperlänge von 56 bis 63 Zentimeter sowie ein Gewicht von 2.500 bis 6.800 Gramm. Die nördlichen Populationen auf Grönland erreichen zumeist ein höheres Gewicht. Das Durchschnittsgewicht liegt bei etwa 4 bis 5 Kilogramm. Das Fell der Tiere ist im Winter grundsätzlich weiß. Im Sommer kann die Fellfärbung je nach Verbreitungsgebiet variieren. In südlichen Regionen wie auf Neufundland oder Labrador ist das Fell im Sommer blaugrau gefärbt. In anderen Verbreitungsgebieten wie auf Grönland ist das Fell ganzjährig weiß bis grauweiß. Das Fell ist sehr dicht und verfügt über eine dichte Unterwolle, die die Tiere vor der arktischen Kälte schützt. Zum Fellwechsel kommt es zweimal im Jahr, wobei Weibchen ein wenig früher in den Fellwechsel kommen. Das Winterfell ist deutlich länger als das Sommerfell. Das Sommerfell wird je nach Verbreitungsgebiet nur drei bis fünf Monate getragen. Unter der Haut hat der Polarhase eine dicke Fettschicht, die zusätzlich vor Kälte schützt. Die Fettschicht macht etwa 2,5 Prozent des Körpergewichtes aus. Die zahnmedizinische Formel entspricht die aller Hasen aus der Gattung Lepus, das Gebiss besteht insgesamt aus 28 Zähnen. Die Ohren sind relativ kurz, dennoch ist das Gehör hoch entwickelt.

Lebensweise

Polarhasen sind überwiegend in der Dämmerung und in der Nacht aktiv. Die Lebensweise kann regional unterschiedlich sein. Polarhasen leben sowohl einzelgängerisch als auch lokal in größeren Gruppen von bis zu 300 Individuen. Sie sind ausgesprochen wachsame Tiere. Während der Paarungszeit lösen sich größere Gruppen auf oder teilen sich in kleinere Gruppen. Bei der Nahrungsaufnahme halten einige Individuen einer Gruppe Wache und Ausschau nach Feinden. Polarhasen können auf der Flucht durchaus hohe Geschwindigkeiten erreichen, nicht selten erreichen sie ein Tempo von über 60 km/h. Dabei kommt es zu weiten Sprüngen über Distanzen von mehr als einem Meter. Ansonsten bewegen sich Polarhasen hoppelnd fort. Sie gelten auch als gute Schwimmer und können selbst größere Flüsse überqueren. Polarhasen sind nur wenig territorial, jedoch kommt es während der Paarungszeit zu Kommentkämpfen unter den Männchen um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Bei den Kämpfen richten sich die Männchen auf und teilen mit ihren Vorderbeinen schmerzhafte Hiebe auf.

Unterarten

Unterarten laut einem Aufsatz von Best & Henry in der The American Society of Mammalogists, 1994. <1>

Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Lepus arcticus andersoni Nelson,1934 LC Yukon-Territorium, Nordwest-Territorien, Nunavut, Kanada
Lepus arcticus arcticus Ross, 1819 LC Novavut, Kanada
Lepus arcticus bangsii Rhoads, 1896 LC Neufundland und Labrador, Kanada
Lepus arcticus banksicola Manning & Macpherson, 1958 LC Nordwest-Territorien, Kanada
Lepus arcticus groenlandicus Rhoads, 1896 LC südliches Grönland
Lepus arcticus hubbardi Handley, 1952 LC Nordwest-Territorien, Kanada
Lepus arcticus labradorius Miller, 1899 LC Quebec und Meufundland, Kanada
Lepus arcticus monstrabilis Nelson, 1934 LC Novavut, Kanada
Lepus arcticus porsildi Nelson, 1934 LC nordöstliches und nordwestliches Grönland

Verbreitung

Der Polarhase ist in den polaren Regionen von Kanada und Grönland verbreitet. In Kanada reicht das Verbreitungsgebiet vom Yukon-Territorium im Westen bis nach Labrador im Osten. Der natürliche Lebensraum erstreckt sich über die arktische Tundra. Der Polarhase ist sowohl in der Ebene als auch in Mittelgebirgen bis in Höhen von fast 1.000 Metern anzutreffen. In diesen unwirklichen Lebensräumen leben die Polarhasen in ihren Ruhephasen in unterirdischen Bauten oder Schneehöhlen. Trotz der arktischen Temperaturen halten sie im Winter keine Winterruhe.

Ernährung

Die Nahrung der Polarhasen unterscheidet sich je nach Jahreszeit. Meist ernähren sie sich als reine Vegetarier von Gräsern und Kräutern, Moosen und Flechten, Seggen, Beeren und Früchten. In mageren Zeiten stehen auch Rinde, Wurzeln und junge Triebe auf ihrem Speiseplan. In besonders kalten Wintern kann es aufgrund von Nahrungsmangel zu erhöhten Sterberaten kommen.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife wird mit knapp einem Jahr erreicht. Zu ersten Paarung kommt es im Frühjahr nach der Geburt. Die Paarungszeit beginnt in den meisten Verbreitungsgebieten im April und kann sich bis in den Mai erstrecken. Während der Paarungszeit kommt es unter den Männchen zu Kommentkämpfen. Die Lebensweise ist als polygam anzusehen, da sich Männchen zumeist mit mehreren Weibchen paaren und mit der Aufzucht des Nachwuchses nichts zu tun haben. In der Regel kommt es nur zu einem Wurf, in südlichen Regionen ist jedoch auch ein zweiter Wurf in einer Saison möglich. Theoretisch wäre eine Paarung bis August oder September möglich, da sich erst zu diesem Zeitpunkt die Keimdrüsen bei den Männchen zurückbilden. Eine Häsin bringt nach einer Tragezeit von 50 bis 55 Tagen meist zwischen drei und sieben, selten bis acht Jungtiere zur Welt, die relativ weit entwickelt sind. Die Geburt erfolgt in einem Nest, das nur spärlich mit trockenen Pflanzenteilen ausgepolstert wird. Das Nest entsteht in einer flachen Erdmulde und wird an geschützter Stelle unter Sträuchern oder an ähnlichen Orten errichtet. Die Jungtiere sind in den ersten Tagen reine Nesthocker und werden von der Mutter gewärmt. Später sind sie mehr oder weniger selbständig und bleiben zeitweise alleine im Nest, während die Mutter auf Nahrungssuche geht. Im Alter von etwa zwei Monaten wird der Nachwuchs von der Muttermilch abgesetzt.

Gefährdung und Schutz

In weiten Teilen ihrer Verbreitungsgebiete werden Polarhasen von der einheimischen Bevölkerung wegen ihres Fleisches und des Felles gejagt. Das Fell wird in der Regel zu Kleidung verarbeitet. In einigen Regionen leben sie in Nahrungskonkurrenz zu Kanadischen Karibus (Rangifer tarandus caribou), Grönland-Renen (Rangifer tarandus groenlandicus) und anderen Hirschen (Cervidae). In allen Verbreitungsgebieten gelten Polarhasen als nicht gefährdet. Daher werden sie in der Roten Liste der IUCN als solche geführt.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: Familie der Hasen (Leporidae)

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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