Polarkröte

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Polarkröte
Juvenile Polarkröte

Systematik
Klasse: Lurche (Amphibia)
Unterklasse: Nacktlurche (Lissamphibia)
Ordnung: Froschlurche (Anura)
Unterordnung: Moderne Froschlurche (Neobatrachia)
Familie: Kröten (Bufonidae)
Gattung: Anaxyrus
Art: Polarkröte
Wissenschaftlicher Name
Anaxyrus boreas
(Baird & Girard, 1852)

IUCN-Status
Near Threatened (NT)

Die Polarkröte (Anaxyrus boreas), auch unter den Synonymen Bufo boreas und Bufo politus bekannt, zählt innerhalb der Familie der Kröten (Bufonidae) zur Gattung Anaxyrus. Im Englischen wird die Polarkröte boreal toad oder western toad genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Polarkröte ist eine ziemlich große, robuste Kröte und weist eine trockene, warzige Haut auf. Sie erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 5,1 bis 12,7 Zentimeter. In der Regel ist das Weibchen größer als das Männchen. Es zeigen sich keine Knochenzapfen. Oval geformte große Parotoid-Drüsen sind vorhanden, sie liegen weit auseinander und sind größer als die oberen Augenlider. Die Parotoid-Drüsen produzieren ein milchiges Gift, das zur Abwehr von natürlichen Feinden dient. Die Tarsen-Falte ist gut entwickelt. Die Pupillen sind horizontal ausgerichtet. Die Färbung der Oberseite variiert zwischen grünlich, bräunlich, rötlich-braun, dunkelgrau und gelblich. In der Mitte des Rückens erkennt man einen hellen cremefarbenen oder weißen Streifen. Die Warzen sind oft rostbraun gefärbt und sind mit dunklen Flecken durchsetzt. Des Weiteren zeigen sich auch dunkle Flecken auf der Unterseite. Das Männchen ist in der Regel weniger fleckig gezeichnet als das Weibchen und die Haut des Männchens ist auch glatter als die Haut des Weibchens. Die Kehle beider Geschlechter erscheint ziemlich blass gefärbt. Im Gegensatz zu den Erwachsenen weisen die jungen Polarkröten noch nicht den markanten Aalstrich auf. Erst im Alter von ein oder zwei Jahren zeigt sich ein heller cremefarbener Streifen in der Mitte des Rückens.

Lebensweise

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Polarkröte entlang der Pazifikküste von Nordamerika, südlich Alaskas (Wiedmer und Hodge 1996), auf Baja California vor und die Verbreitung reicht bis östlich zu den Rocky Mountains im mittleren Westen von Alberta, Montana, Wyoming und Utah (Ross et al. 1995), Colorado (Hammerson 1999) und früher im Norden von New Mexico (Degenhardt, Painter und Price 1996). Ferner hält sich die Polarkröte auch in einer Höhe von etwa 3.640 Meter über dem Meeresspiegel auf. Die Polarkröte ist in einer Vielzahl von Lebensräumen einschließlich Wüsten, Oasen, Bäche, Wiesen, Wälder, Feuchtgebiete und Bergregionen, zu finden. Des Weiteren hält sich die Polarkröte in der Nähe von Teichen, Seen, Stauseen und langsam fließenden Flüssen und in der Nähe von Bächen auf. Die Polarkröte gräbt sich eine eigene Höhle in lockerer Erde oder nutzt die von kleinen Säugetieren oder sucht sich Unterschlüpfe unter Baumstämmen oder in Felsen. Der Laich und die Kaulquappen entwickeln sich in flachen Bereichen von Teichen, Seen, Stauseen, Pools oder in langsam fließenden Gewässern.

Unterarten

Unterart Anaxyrus boreas halophilus
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Unterart Anaxyrus boreas halophilus
  • Anaxyrus boreas boreas - (Baird & Girard, 1852) - Westlich von Nevada über Central Valley, Kalifornien und an der Südküste von Kalifornien bis Baja California Norte.
  • Anaxyrus boreas halophilus - (Baird & Girard, 1852) - Western British Kolumbien und südliches Alaska, südlich von Washington, Oregon, Idaho, Montana und westliches Wyoming bis Nord-Kalifornien, Nevada, westlich von Colorado und westlich von Utah.

Verbreitung

Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Polarkröte in Kanada, Mexiko und in den Vereinigten Staaten von Amerika vor. Die Polarkröte kommt in folgenden Lebensräumen vor: Boreale Wälder, gemäßigte Wälder, gemäßigte Heideflächen, gemäßigtes Grünland, Feuchtgebiete (Inland) wie Flüsse, Bäche, schmale Buchten mit Wasserfällen, saisonal intermittierende irreguläre Flüsse, Bäche, schmale Buchten, Moore, Sümpfe, Torf-Moor-Landschaften, Süßwasserseen über 8 Hektar, Süßwassersümpfe und Pools unter 8 Hektar, saisonal intermittierende Süßwassersümpfe und Pools unter 8 Hektar, Süßwasserquellen und Oasen, gemäßigte Wüsten, Ackerflächen, Weiden, aquatische Stauflächen über 8 Hektar und Teiche unter 8 Hektar.

Ernährung

Juvenile Polarkröte zwei Jahre alt
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Juvenile Polarkröte zwei Jahre alt

Die Polarkröte wartet auf ihre Beute an der Erdoberfläche oder in flachen Höhlen, die von anderen Tieren gegraben oder von ihr selbst gegraben wurden. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Bienen, Käfern, Ameisen und Spinnen. Des Weiteren ernährt sich die Polarkröte auch von Flusskrebsen, Asseln, Heuschrecken, Köcherfliegen, Schmetterlingen und von Zweiflüglern.

Fortpflanzung

Die Paarungs- und Laichzeit erfolgen in den Monaten zwischen März und Juli in den Bergregionen und bereits im Januar in niedrigen Regionen. Wie bei allen Kröten, so wird die Paarung auch bei der Polarkröte im Wasser vollzogen. Hat ein Männchen ein Weibchen erobert, so klettert das Männchen auf den Rücken des Weibchens und klammert sich mit seinen sehr langen Vorderbeinen am Körper des Weibchens fest. Nach wenigen Tagen kommt es im Wasser zur Eiablage. Das Weibchen stößt Stränge von Eiern durch Muskelkontraktion aus. Das Männchen bemerkt diese Muskelkontraktion und gibt gleichzeitig sein Sperma ab, um die Eier zu befruchten. Die Anzahl der Eier variiert stark mit dem Alter des Weibchens. So ein Strang kann bis zu 17.000 Eier enthalten. Die Stränge haften in der Regel entlang an Kanten von Wasserläufen oder in Teichen, Seen, Stauseen sowie in Pools. Nach rund zehn bis vierzehn Tagen der Embryonalentwicklung schlüpfen die Kaulquappen. Die Kaulquappen leben gesellig und schwimmen meist in größeren Schwärmen umher. Dabei halten sie sich wegen der Wärme meist in den oberen Wasserschichten auf. Sie ernähren sich hauptsächlich von Kleinstlebewesen, Algen und totem organischem Material. Sie verschmähen dabei selbst Aas nicht. Auch gestorbene Artgenossen bleiben nicht verschont. Die Metamorphose zur Jungkröte ist nach rund 70 bis 90 Tagen abgeschlossen. Zu diesen Zeitpunkt begeben sich die jungen Polarkröten dann an Land und geben ihr amphibisches Leben auf.

Gefährdung und Schutz

Juvenile Polarkröte ein Jahr alt
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Juvenile Polarkröte ein Jahr alt

Laut der Roten Liste der IUCN wird die Polarkröte als gering gefährdet geführt, weil sie wahrscheinlich einen deutlichen Rückgang (Rate von weniger als 30 Prozent über zehn Jahre) wegen Krankheit (einschließlich Chytridiomykose) erfährt. Das Ausmaß der Bedrohung ist nicht mit Sicherheit bekannt. Der Rückgang in den südlichen Rocky Mountains hängt mit der Übersäuerung des Wassers zusammen (Mais und Vertucci 1992). Carey (1993) stellte die Hypothese auf, dass einige Umweltfaktoren oder synergistische Effekte zum Rückgang der Kröte verantwortlich seien, verursacht durch Schwächung des Immunsystems oder indirekt verursacht durch Immunsuppressionen (unerwünschte Reaktionen des Immunsystems werden gehemmt), durch erhöhte Sekretion der Hormone in der Nebennierenrinde, gekoppelt mit der Körpertemperatur sowie durch Infektion des Bakteriums Aeromonas hydrophila (verursacht rote Beine) oder andere infektiöse Erreger. Des Weiteren wird das Krötensterben in den südlichen Rocky Mountains mit dem Chytridpilz in Verbindung gebracht (Muths et al. 2003). Vor allem ist der Laich sehr anfällig für den Pilz Saprolegnia ferax, der während des Fischbesatzes (Kiesecker und Blaustein 1997) eingeführt wurde.

Eine andere Möglichkeit ist, dass der Laich auf die erhöhten Werte der ultravioletten Strahlung empfindlich reagiert und ebenfalls zum Rückgang der Population beiträgt (Blaustein et al. 1994). In den Nordamerikanischen Seealpen (Cascade Range of Oregon) könnten ebenfalls die Raben während der Laichzeit offenbar zu einem deutlichen Rückgang der Population beigetragen haben (Olson 1992). Möglicherweise besteht auch eine signifikante Prädation durch Vögel in Colorado und Idaho. Der Rückgang könnte auch in Verbindung mit der Zerstörung und Abbau von Lebensräumen, Wasserstau-Projekten, mit Prädation und Konkurrenz durch heimische und nicht-heimische Arten sowie mit Fischerei-Management-Aktivitäten oder mit anderen Faktoren stehen. Aber diese Faktoren wurden noch nicht ausreichend beurteilt. Die Polarkröte kommt in vielen Nationalparks, Wildschutzgebieten und Wildnisgebieten der Vereinigten Staaten von Amerika vor, wo jedoch noch keine große Gefahr durch Zerstörung von Lebensraum besteht. In Mexiko lebt die Polarkröte im Sierra de San Pedro Mártir National Park. Die Polarkröte wird als eine vom Aussterben bedrohte Art im Bundesstaat Colorado geführt und ist damit auch gerechtfertigt, aber der US-Bundesstaat schließt für diese Art den Status als bedroht aus.

Die Größe der gesamten Population der Art ist unbekannt, aber wahrscheinlich übersteigt sie mehr als 100.000 Individuen. Die Art kommt immer noch in vielen Bereich häufig vor. Die Population in den Rocky Mountains, Colorado und Wyoming haben einen drastischen Rückgang seit den 1970er Jahren erlebt (Hammerson 1989, 1992, 1999; Carey 1993; Mais, Stolzenburg und Bury 1989. Muths et al 2003). Auch sind die Populationen im Yosemite Gebiet der Sierra Nevada, Kalifornien (Drost und Feller 1996) stark zurückgegangen. Des Weiteren ist ein starker lokaler Rückgang im Yellowstone National Park (Peterson, Koch und Corn 1992), Montana (Reichel und Flath 1995) und anderswo zu beobachten.

Anhang

Literatur und Quellen

  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
  • Kurt Brauer, Annette Bromma: Kröten. Urania, Freiburg (1991). ISBN 3332003798

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