Prinz-Alfred-Hirsch

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Prinz-Alfred-Hirsch

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hirsche (Cervidae)
Unterfamilie: Echte Hirsche (Cervinae)
Gattung: Rusa
Art: Prinz-Alfred-Hirsch
Wissenschaftlicher Name
Rusa alfredi
Sclater, 1876

IUCN-Status
Endangered (EN)

Der Prinz-Alfred-Hirsch (Rusa alfredi) zählt innerhalb der Familie der Hirsche (Cervidae) zur Gattung Rusa. Die Art wird gelegentlich noch unter dem veralterten Namen Cervus alfredi geführt. In älterer Literatur wird der Prinz-Alfred-Hirsch als Unterart des Sambar (Rusa unicolor) geführt, dies ist definitiv nicht korrekt.

Benannt wurde die Art nach der königlichen Hoheit Prinz Alfred (Duke Alfred of Edinburgh), der dem britischen Zoologen Philip Lutley Sclater ein Tier dieser Art zukommen lies. Sclater hat das Tier daraufhin als erster Autor wissenschaftlich beschreiben können. Im englischen heisst die Art Visayan spotted deer. Die englische Bezeichnung verweist auf das Heimatgebiet der Tiere: die Visayan-Inseln, einer Inselgruppe, die zu den Philippinen gehört.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der Prinz-Alfred-Hirsch ist eine sehr kleine Art innerhalb der Familie der Hirsche (Cervidae). Er erreicht eine Körperlänge von 126 bis 129 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 71 bis 77 Zentimeter, eine Ohrlänge von 9 bis 11 Zentimeter, eine Schwanzlänge von 12 bis 13 Zentimeter sowie ein Gewicht von bis zu 50 Kilogramm. Weibchen bleiben dabei kleiner und leichter als Männchen. Neben der Größe ist auch das Geweih und die Größe des Schädels der Männchen ein deutliches Unterscheidungsmerkmal. Die Geweihe können eine Länge von gut 25 Zentimeter erreichen. Das überaus weiche Fell ist fein und dicht. Es schützt die Tiere insbesondere vor Feuchtigkeit. Die Färbung reicht von bräunlich, rotbraun bis schwarzbraun. Die hintere Rücken- und Flankenregion weist kleine und hell gefärbte Punkte auf. Diese Punkte sind bei Jungtieren deutlich stärker ausgeprägt und ziehen sich bei ihnen über den ganzen Rücken und die Flanken. Die Bauchseite und die Innenseite der Extremitäten ist weißlich gefärbt. Die Außenseiten der Beine sind überwiegend hellbraun gefärbt. Der Kopf ist überwiegend graubraun gefärbt, weist jedoch im Kinn- und Kehlbereich eine cremefarbene Färbung auf.

Lebensweise

Prinz-Alfred-Hirsche leben heute vorwiegend in den unzugänglichen Bergregenwäldern. Ursprünglich waren sie auch häufig im Tiefland anzutreffen. Typisch für diese Lebensräume ist die Lebensweise: Prinz-Alfred-Hirsche leben überwiegend einzelgängerisch oder in Kleinstgruppen. Kleinere Gruppen bestehen meist aus Weibchen und Jungtieren. Die Geschlechter treffen sich im Grunde nur während der Paarungszeit. Männchen leben außerhalb der Paarungszeit grundsätzlich einzelgängerisch. Typisch für die zurückgezogene Lebensweise ist auch die Nachtaktivität. Am Tage ruhe die Tiere in dichter Vegetation. Während der Paarungszeit sind Männchen ausgesprochen territorial. Durch laute Brunftrufe markieren sie zum einen ihr Revier und zum anderen präsentieren sie sich so der einen oder anderen potentiellen Partnerin.

Verbreitung

Prinz-Alfred-Hirsche sind auf den Visayan-Inseln endemisch. Ursprünglich waren die Tiere auf allen Inseln im Archipel verbreitet. Heute sind die Tiere nur noch auf wenigen Inseln anzutreffen. Auf allen anderen Inseln wurden sie bereits ausgerottet. Kleinstpopulationen leben nur noch auf Negros und Panay. Sichtungen auf Cebu, Guimaras und Masbate beruhen vermutlich auf andere Hirscharten wie dem Philippinenhirsch (Rusa marianna). Das verbliebene Verbreitungsgebiet macht heute nur noch fünf Prozent des ursprünglichen Verbreitungsgebietes aus. Prinz-Alfred-Hirsche leben in dichten Regenwäldern und im Bergregenwald. Im Flachland ist der Prinz-Alfred-Hirsch eher selten anzutreffen. Er hält sich zumeist im Hügelland in Höhen von 250 bis 1.000 Metern auf.

Prädatoren

In ihren natürlichen Verbreitungsgebieten werden Prinz-Alfred-Hirsche nicht durch Fressfeinde bedroht. Auf den Visayan-Inseln gibt es keinen größeren Raubtiere. Der einzige Feind ist der Mensch, der die Art in seiner Gier nach Fleisch so gut wie ausgerottet hat.

Ernährung

Prinz-Alfred-Hirsche ernähren sich im wesentlichen von Laub, Gräsern und Kräutern, jungen Trieben, Beeren, Waldfrüchten und Wurzeln. Auf Nahrungssuche gehen sie ausschließlich in der Nacht. In der Regel gehen sie einzelgängerisch auf Nahrungssuche. Eher selten sieht man sie in Kleinstgruppen, die meist aus einer Mutter und ihrem Nachwuchs bestehen.

Fortpflanzung

Weibliche Tiere erreichen die Geschlechtsreife mit gut 24 Monaten. Männliche Tiere hingegen erst mit rund drei Jahren. Zu einer Paarung kommen geschlechtsreife Hirsche allerdings meist erst mit vier bis fünf Jahren, da sie vorher kaum in den Rivalenkämpfen bestehen können. Die Brunftzeit erstreckt sich in tropischen Verbreitungsgebieten in der Regel über das ganze Jahr. Die Spitze der Brunftzeit erstreckt sich allerdings von November bis Dezember. Die Tiere führen eine polygame Lebensweise. Nach einer Tragezeit von rund 235 bis 245 Tagen bringt ein Weibchen ein, selten zwei Jungtiere zur Welt. Bereits kurz nach der Geburt sind die Jungtiere in der Lage der Mutter zu folgen. Die Säugezeit beträgt einige Monate. Die Jungtiere verbleiben meistens bis zur Geschlechtsreife bei der Mutter. Prinz-Alfred-Hirsche können ein Alter von 12 bis 15 Jahren erreichen.

Gefährdung und Schutz

Prinz-Alfred-Hirsche gehören zu den am stärksten bedrohten Hirscharten auf der Welt. In Freiheit leben heute nur noch weniger Hundert Tiere. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als stark gefährdet (EN, endangered) geführt. Nicht nur die starke Bejagung durch den Menschen hat die Art an den Rand der Ausrottung gebracht, sondern auch die weitflächige Vernichtung der natürlichen Lebensräume. Die letzten ihrer Art leben heute zumeist in kleineren Reservaten und Schutzgebieten. Aber auch hier ist der Prinz-Alfred-Hirsch vor Wilderen nicht sicher. Die zum Teil sehr arme Bevölkerung macht ohne Rücksicht auf den Gefährdungsgrad weiterhin Jagd auf die Hirsche. Zudem ist der verbliebene Lebensraum stark zersplittert. Zusammenhängende Lebensräume gibt es seit Jahrzehnten nicht mehr. Wenn die Bejagung und die Zerstörung der Lebensräume nicht gestoppt werden kann, wird die Art in weniger als 10 Jahren ausgestorben sein. Jährlich fallen in dem kleinen Verbreitungsgebiet der Prinz-Alfred-Hirsche mehr als 50.000 Hektar Wald der Zerstörung zum Opfer. Seit 1990 laufen in Zoos weltweit Arterhaltungsprogramme unter dem Dach des EEP (Europäischen Erhaltungszuchtprogramme) und anderer Organisationen. Ob die Art aufgrund des geringen genetischen Pools dadurch am Leben erhalten werden kann, bleibt abzuwarten. Eine Auswilderung kommt derzeit jedoch nicht in Frage, da die politische und wirtschaftliche Situation auf den Philippinen dies nicht zulässt.

Anhang

Siehe auch

  • Hauptartikel: die Familie der Hirsche (Cervidae)

Literatur und Quellen

  • Ronald M. Nowak: Walker's Mammals of the World: v. 1 & 2. B&T, Auflage 6, 1999, (engl.) ISBN 0801857899
  • Don E. Wilson & DeeAnn M. Reeder: Mammal Species of the World, a Taxonomic & Geographic Reference. J. Hopkins Uni. Press, 3rd ed., 2005 ISBN 0801882214
  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999
  • Säugetiere. 700 Arten in ihren Lebensräumen. Dorling Kindersley, 2004. ISBN 383100580X

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