Psalmopoeus reduncus

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Psalmopoeus reduncus

Systematik
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Webspinnen (Araneae)
Unterordnung: Vogelspinnenartige (Mygalomorphae)
Familie: Vogelspinnen (Theraphosidae)
Unterfamilie: Aviculariinae
Gattung: Baumvogelspinnen (Psalmopoeus)
Art: Psalmopoeus reduncus
Wissenschaftlicher Name
Psalmopoeus reduncus
(Karsch, 1880)

LSID-Kennung
LSID: [urn:lsid:amnh.org:spidersp:002372]

Die Art Psalmopoeus reduncus zählt innerhalb der Familie der Vogelspinnen (Theraphosidae) zur Gattung der Baumvogelspinnen (Psalmopoeus). Im Englischen wird die Art costa rican orangemouth genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Psalmopoeus reduncus zählt zu den kleineren Arten aus der Gattung der Baumvogelspinnen (Psalmopoeus) und erreicht als Weibchen eine Körperlänge von etwa 4,5 bis 5,0 Zentimeter bei einer Beinspannweite bis zu 13,0 Zentimeter und als Männchen eine Körperlänge von etwa 3,0 bis 4,0 Zentimeter bei einer Beinspannweite von etwa 11,0 bis 12,0 Zentimeter. Sie weist eine langgestreckte, flache Körperform auf, wie sie für Baumbewohner typisch ist. Psalmopoeus reduncus besitzt eine einheitlich dunkel schokoladenbraune Färbung. Der Carapax weist eine goldbraune Färbung auf. Die Beine erscheinen in verschiedenen Brauntönen und die Fussspitzen weisen eine dunkelbraune Färbung auf, dorsal sind sie etwas schwarz gefärbt. Die Jungspinnen sind im Gegensatz zu den adulten Tieren bunter gefärbt. Der Carapax ist bei den Jungspinnen schwarz gefärbt, die Beine weisen eine rosafarbene und schwarze Tönung auf und der Bauch schimmert metallisch grün. Psalmopoeus reduncus gehört zu den Arten, die am Tastercoxa prolateral ein Stridulationsorgan aufweist. Das Organ kann aus 10 bis 20 Stäbchen bestehen. Das adulte Männchen besitzt unterhalb an dem vorderen Beinpaar Tibialhaken für die Paarung. Die Lebenserwartung des Weibchens kann etwa über 15 Jahre betragen, während das Männchen nach der letzten Reifehäutung nur noch ein paar Wochen oder Monate lebt.

Lebensweise

Psalmopoeus reduncus wirkt nicht nur harmlos und zutraulich, sie ist es auch. Des Weiteren ist sie äußerst behende und schnell. Das Erscheinungsbild des Tiere wirkt eher zottig. Psalmopoeus reduncus wie alle Arten aus dieser Gattung keine Reizhaare auf dem Opisthosoma. Im Ruhezustand liegt die Art oft völlig ausgestreckt, wobei die ersten beiden Beinpaare und die Taster parallel zur Körperlängsachse ausgerichtet sind. Psalmopoeus reduncus ist eine nachtaktive Spinne, sie ist aber auch am Tage aktiv.

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet von Psalmopoeus reduncus befindet sich in Costa Rica, wo sie weit verbreitet, zum Beispiel Provinz San José, Santa Anna und Aserri sowie in Belize, insbesondere in Südwest-Belize. Sie kommt in lichten Tieflandregenwäldern vor. Die Temperaturen am Tag betragen dort etwa 25 bis 28 Grad Celsius und in der Nacht etwa 22 bis 24 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit etwa 70 bis 80 Prozent. Die Spinne kann aufgrund ihrer Haftpolster an den Beinen sehr gut klettern und hält sich die meiste Zeit auf Bäumen auf, dort lebt sie in Baumspalten, die innen ausgesponnen werden. Sie gibt sich aber auch mit anderen Schlupfwinkeln zufrieden.

Ernährung

Psalmopoeus reduncus
vergrößern
Psalmopoeus reduncus

Zum Nahrungserwerb verläßt sich Psalmopoeus reduncus auf ihren Tastsinn. Nachts sitzt sie, mit dem Wohngespinst immer in Kontakt, vor ihrem Unterschlupf und wartet auf Beute. Ihrer baumbewohnenden Lebensweise entsprechend, erbeutet Psalmopoeus reduncus häufig Frösche (Rana), Geckos (Gekkonidae), Eidechsen (Lacertidae), kleine Vögel (Aves) wie zum Beispiel Kolibris (Trochilidae) und andere kletternde oder fliegende Wirbeltiere.

Fortpflanzung

Bis zur Geschlechtsreife durchläuft Psalmopoeus reduncus mehrere Häutungen. Bereits zu diesem Zeitpunkt webt das Männchen ein sogenanntes Spermanetz, in das es sein Sperma füllt. Dieses Sperma wird in die Bulben aufgenommen, indem das Männchen mit seinen Pedipalpen die Spermaflüssigkeit in die Bulben pumpt. Nun geht es auf die Suche nach einem Weibchen. Das Männchen ermittelt die Anwesenheit eines Weibchens, indem es die chemischen Substanzen (Pheromone) des Weibchens wahrnimmt. Hat das Männchen ein Weibchen ausgemacht, umwirbt das Männchen das Weibchen mit seinen Tastern durch kräftiges Trommeln und spasmodischen Bewegungen des dritten Beinpaares, teilweise trommelt das Männchen auch noch mit dem ersten und zweiten Beinpaar und prüft zugleich die Paarungsbereitschaft des Weibchens. Vermutlich wird die seismische Kommunikation über den Boden durch Stridulation einiger Organe produziert. Die durch das Trommeln ausgelösten Vibrationen (seismische, akustische Signale) werden über die Hörhaare wahrgenommen.

Nach ungefähr acht Wochen nach der Kopulation versiegelt das Weibchen die Zugänge des Nestes und webt mit Seide innerhalb des Nestes einen Eikokon. Ungefähr drei Monate nach der Kopulation legt sie etwa 100 Eier im natürlichen Lebensraum in den Kokon ab. Während dieser Zeit betreibt das Weibchen Brutpflege. Im Innern des Eikokons durchlaufen die Nymphen mehrere Entwicklungsstadien, in denen sie sich zweimal häuten. Die Nymphen schlüpfen noch im Innern des Eikokons. Dies geschieht bereits nach drei Wochen. Nach insgesamt rund zehn Wochen schlüpfen die jungen Spiderlinge, wie sie nach dem Schlupf genannt werden. Die Spiderlinge wachsen nach dem Schlupf sehr schnell heran und können schon eine beachtliche Beinspannweite aufweisen. Sie häuten sich in der Folge alle zwei bis drei Wochen und leben in der ersten Zeit von Kleinstinsekten. Wenige Tage nach dem Schlupf verlassen sie das Nest. Die Spiderlinge sind während dieser Zeit sehr verletzbar. Das Weibchen dieser Art kann innerhalb eines Häutungszyklus häufig einen zweiten, manchmal sogar einen dritten Eikokon bauen. Allerdings schlüpfen meist weniger Spiderlinge als aus dem ersten Kokon.

Synonyme und Chresonyme nach Norman I. Platnick

Update 4. November 2008 <1>

  • Psalmopoeus reduncus - (Karsch, 1880)
  • Tapinauchenius reduncus - Karsch, 1880c
  • Psalmopoeus reduncus - Simon, 1903a
  • Psalmopoeus reduncus - Valerio, 1979
  • Psalmopoeus reduncus - Schmidt, 1993d
  • Psalmopoeus maya - Witt, 1996: - [urn:lsid:amnh.org:spidersp:002369]
  • Psalmopoeus reduncus - Peters, 2000b
  • Psalmopoeus reduncus - Peters, 2003
  • Psalmopoeus reduncus - Schmidt, Bullmer & Thierer-Lutz, 2006
  • Psalmopoeus reduncus - Gabriel, 2008

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

'Persönliche Werkzeuge