Pseudoskorpione

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Pseudoskorpione
Moosskorpion (Neobisium muscorum)

Systematik
Unterabteilung: Bilateria
Stammgruppe: Urmünder (Protostomia)
Überstamm: Häutungstiere (Ecdysozoa)
Stamm: Gliederfüßer (Arthropoda)
Unterstamm: Kieferklauenträger (Chelicerata)
Klasse: Spinnentiere (Arachnida)
Ordnung: Pseudoskorpione
Wissenschaftlicher Name
Pseudoscorpiones
Latreille, 1825

Die Pseudoskorpione (Pseudoscorpiones) bilden eine Ordnung innerhalb der Klasse der Spinnentiere (Arachnida). Erstmals beschrieben wurden sie im Jahre 1825 von Pierre André Latreille.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Pseudoskorpione gehören zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida). Diese Arten sind sehr klein, mit 1,5 bis 4,5 Millimeter Körperlänge sind sie eher unscheinbar. Zur Zeit sind etwa 3.000 Arten bekannt, davon leben etwa 100 Arten in Europa. Wie der Name schon vermuten lässt, besteht eine Ähnlichkeit mit Vertretern der Klasse Scorpionida. Auch sie besitzen im Vergleich zur Körpergröße überdimensioneale Scherenhände Pedipalpen. An den manchmal dem Körper überragenden Scheren, sitzt an der Scherenspitze ein Giftzahn, der bei manchen Arten beweglich und bei manchen unbeweglich ist. Mit diesem injiziert ein Pseudoskorpion ein paralysierendes Gift in die Beutetiere. Im Gegensatz zu den Vertretern der Klasse Scorpionida besitzen die Pseudoscorpione keinen mit einem Giftstachel bewehrten Schwanz Metasoma. Pseudoskorpione besitzen an den Fresswerkzeugen Chelizeren einige Spinndrüsen, mit denen sie verschiedene Arten von Gespinsten anlegen können. Für die Häutung, die Überwinterung und die Brut werden unterschiedliche Gespinste angelegt. Der Vorderkörper Prosoma kann von einer oder zwei Querfurchen durchzogen sein, seitlich davon sitzen artspezifisch ein oder zwei Paar Augen, die aber nur mit wenigen Rezeptoren ausgestattet sind. Einige Arten weisen gar keine Augen auf. Vermutlich nehmen diese Arten Lichtverhältnisse mit Rezeptoren in der Haut auf. Der Hinterleib Opisthosoma ist in zwölf Segmente aufgeteilt, wobei die Rückenschilde Tergite und die Bauchschilde Sternite jeweils mit weichen, dehnbaren Hautbereichen verbunden sind. Dies ermöglicht den Hinterleib sich bei Nahrungsaufnahme auszudehnen. Wie bei den Spinnentieren (Arachnida), so hat auch ein Pseudoskorpion vier Laufbeinpaare, mit dem er in alle Richtungen laufen kann. Manche Arten vermögen sogar mit den Beinen zu springen. An dem lezten Beinsegment sitzen Krallen, zwischen denen sitzen Haftorgane Arolium, mit denen diese sogar kopfüber an glatten Glasscheiben laufen können. Über den gesamten Körper und die Gliedmaßen sind Sinneshärchen verteilt, mit denen die gesamte Umwelteinflüsse aufgenommen werden.

Lebensweise

Durch eine besondere Fähigkeit, der Phoresie (Nuzung eines Wirtes ohne ihn zu schädigen) haften sich Pseudoskorpione an ein Bein oder Haar, eines Fluginsektes und können so große Strecken zurücklegen. Dies wirkt sich auf ihr Verbreitungsgebiet aus. Die Pseudoskorpione leben räuberisch und können dabei bis zu vier Millimeter große Beutetiere erlegen. Sie tasten bei der Nahrungssuche mit ihren Pedipalpen den
Phoresie bei einer Stubenfliege
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Phoresie bei einer Stubenfliege
Bereich vor sich ab und spüren so die Beutetiere mit ihren Sinneshaaren Trichobothrien an den Pedipalben auf. Mit Hilfe der Spinndrüsen erstellt der Pseudoskorpion auch ein Nest, um bei Kälte einen Winterschlaf und bei extremer Wärme einen Sommerschlaf zu halten oder um sich zu häuten. Dieses Nest besteht aus einem fein gewebten Netz, in das Erd-, Sand-, Moos- und Futterreste eingewoben werden. Das Nest wird zu einer Kugel verwoben, das einen Durchmesser von nur wenigen Millimeter aufweist. Durch seinen flachen Körperbau kann der Pseudoskorpion selbst in engste Spalten vordringen, so dass beispielsweise der Bücherskorpion (Chelifer cancroides) sogar in alten Büchern zu finden ist, in denen er Bücherläuse (Liposcelis divinatorius) und Milben (Acari) auflauert.

Verbreitung

Die Pseudoskorpione konnten mit Hilfe der Phoresie alle Regionen erreichen, in denen für diese Art Leben möglich war, vergleichbar mit den Ratten und Mäusen, die die Seefahrt nutzten, um andere Kontinente zu erobern, selbst in der Geröllschicht an Stränden. Als Kulturfolger finden sich Pseudoskorpione in Archiven mit alten Buchbeständen oder in Wäscheschränken. In Wäldern in der Falllaubschicht und an fließenden und stehenden Gewässern in der Ufervegetation.

Prädatoren

Pseudoskorpione haben viele natürliche Feinde. Angefangen mit den vielen Spinnentieren (Arachnida), über die Hundertfüßer (Chilopoda), die Laufkäfer (Carabidae), die Wanzen (Heteroptera) und die Raubfliegen (Asilidae) bis hin zu den Vögeln (Aves). Bei Gefahr flüchtet der Pseudoskorpion mit enormer Geschwindigkeit rückwärts und streckt dabei seine Pedipalpen mit aufgestellten Scheren weit vor sich. Besteht aber nicht die Möglichkeit den Rückzug anzutreten, legen sie die Pedipalpen schützend an die Flanken und verharren regungslos bis die Gefahr vorüber ist. Um Kannibalismus bei Begegnungen vorzubeugen, haben die Pseudoskorpione ein Ritual, durch das sie Artgenossen erkennen können und sich außerhalb der Paarungszeit aus dem Wege gehen.

Ernährung

Transport Moosskorpion
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Transport Moosskorpion

Der Pseudoskorpion ist ein aktiver Jäger, der in der Dämmerung und in der Nacht auf die Jagd geht. Dabei läuft er mit nach vorne gespreitzten und geöffneten Scheren, um nach Beutetiere zu suchen. Mit Hilfe der Sinneshärchen Trichobothrien kann dieser ziehlsicher ein Beutetier mit einer oder beiden Scheren ergreifen und tötet es sogleich mit dem Giftzahn. Beutetiere, bei denen es sich um Springschwänze (Collembola), Milben (Acari), Flohkrebse (Amphipoda) und Kleinstlarven handeln kann, werden zu den Mundwerkzeugen geführt, wo sie Stückchen für Stückchen abgeschnitten und verzehrt werden. Manche Arten beißen nur ein Loch in den Chitinpanzer und saugen das Beutetier aus. Nach jeder Mahlzeit werden die Pedipalpen sorgfältig gesäubert, indem sie langsam an den Mundwerkzeugen entlang gestreift werden. Mit dabei gründliche Nahrungsreste entfernt. Jede Verschmutzung der Sinneshärchen würde sich nachteilig auf die Sinneswahrnemung auswirken.

Fortpflanzung

Wie bei den Vertretern der Klasse Scorpionida gibt es auch bei den Pseudoskorpionen einige Arten, die einen Paarungstanz vollziehen, bei dem das Männchen eine oder beide Scheren des Weibchens greift und dann einen rituellen Tanz vollführt. Als Höhepunkt legt das Männchen eine Samenkapsel Spermatophore auf eine glatte Fläche und zieht das Weibchen darüber. Das Weibchen wiederum nimmt die Spermatophore in ihre Geschlechtsöffnung auf und lagert das Sperma in der Spermathek. Manche Arten wiederum vollführen keinen Tanz, sie legen die Spermatophore ohne ein Weibchen ab, das dann durch Zufall die Spermathek findet und aufnimmt. Am Ende der Tragzeit spinnt das Weibchen ein Nest, in das das Weibchen, je nach Art, zwei bis fünfzig Eier ablegt. Dieses Nest wird dann unter dem Hinterleib (Opisthosoma) getragen. Nach dem Schlupf bleiben die Jungen weiterhin in diesem Nest und werden von dem Muttertier mit einem Nährsekret, das aus den überschüssigen Dottersäcken zurückgebildet wird, versorgt. Dies bewirkt eine Verdreifachung der Körpergröße. Nach der zweiten Häutung verlassen sie den Beutel und klettern auf den Rücken des Muttertieres. Nach drei weiteren Häutungen, die im Laufe des ersten Jahres stattfinden, ist das Entwicklungsstadium zum adulten, erwachsenen Tier vollzogen. Die Lebenserwartung liegt bei bis zu drei Jahren.

Ökologie

Durch die Art der Beutetiere ist der Pseudoskorpion ein wichtiger Regulator gegen die Massenvermehrung von Schädlingen wie Milben (Acari) und Läuse (Phthiraptera). Andererseits ist er eine Nahrungsquelle für viele andere größere Insektenfresser.

Systematik der Pseudoskorpione

Anhang

Literatur und Quellen

  • Magazin für Wirbellose im Terrarium Jahrgang 10 Nr. 4 - 2002 Herrausgeber: ZAG Wirbellose im Terrarium e.V ISSN 0943-7274
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