Puffotter

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Puffotter

Systematik
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
Familie: Vipern (Viperidae)
Gattung: Puffottern (Bitis)
Art: Puffotter
Wissenschaftlicher Name
Bitis lachesis
Merrem, 1820

Die Puffotter (Bitis lachesis, früher Bitis arietans) ist eine afrikanische Schlange und zählt innerhalb der Familie der Vipern (Viperidae) zur Gattung der Puffottern (Bitis). Im Englischen wird die Puffotter Puff adder genannt. Erstmals beschrieben wurde sie im Jahre 1820 von Blasius Merrem.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Puffotter ist eine der größten Arten ihrer Gattung. Sie erreicht in der Regel eine Länge von 100 Zentimeter, kann unter Umständen aber auch eine Länge von 140 bis 200 cm erreichen. Dabei bringt sie es auf ein Gewicht von durchschnittlich rund 2.000 bis 4.000 Gramm, manchmal bis zu 9.000 oder mehr Gramm. Ihr Körper ist trotz der Länge mit einem Umfang von bis zu 25 cm recht gedrungen, der Schwanz ist verhältnismäßig kurz und schmal. Die Puffotter ist sehr gut getarnt, ihre Grundfärbung reicht von grau bis graubraun. Das Muster ist meist dunkelbraun bis schwarz und zieht sich über den gesamten Rücken in Form von Querbändern. Die Kopfoberseite ist dunkelbraun, der Bauch ist einfarbig hell gefärbt. Die Augen sind meist dunkel und zeigen bei Lichteinfall senkrecht geschlitzte, schwarze Pupillen.

Lebensweise und Fortpflanzung

Die Puffotter ist ein dämmerungs- und nachtaktive Bodenbewohner. Am Tage verbirgt sie sich eingerollt im Gras, zwischen Büschen oder unter Steinen und Wurzeln. Im Grunde ist die Puffotter keine aggressive Schlange und reagiert auch oft nicht, wenn man sich in ihrer Nähe aufhält. Kommt man ihr jedoch schnell zu nahe, so dass sie einen Menschen als Bedrohung ansieht, beißt sie blitzschnell und oft ohne Vorwarnung zu. In der Regel bleibt keine Zeit mehr für eine Reaktion. So träge wie sie aussieht lebt sie normalerweise auch: Sie ist eine Ansitzjägerin, kann kaum klettern und bleibt oft tagelang an der selben Stelle liegen, wenn sie nicht verscheucht wird. Fühlt sich die Puffotter bedroht, erzeugt sie zumeist durch plötzliches Ausstoßen von Luft ein puffendes Geräusch, daher auch der Name "Puffotter".

Eine Winterruhe hält die Puffotter nur in ihren nördlichsten und südlichsten Verbreitungsgebieten. Je nach Vorkommen liegt die Paarungszeit zwischen Oktober und März. Die Puffotter ist eine Ei lebendgebärende Schlange und bringt nach rund fünf Monaten bis zu 80, meist um die 40, knapp 20 cm lange, lebende Jungen zur Welt. Die Geschlechtsreife tritt nach etwa zwei Jahren ein. Puffottern betreiben keine Brutpflege und die Jungen müssen von Anfang an selbst für sich sorgen. In den ersten Tagen nehmen die Jungschlangen noch keine Nahrung zu sich.

Lebensraum: trockene Savanne in Afrika
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Lebensraum: trockene Savanne in Afrika

Verbreitung und Lebensraum

Die Puffotter kommt in ganz Südafrika vor. Nach Norden hin findet man sie bis zum Süden des Tschad und Niger, wo sie sich von Osten nach Westen bis zu den Küsten ausbreitet. Größere Vorkommen in Nordafrika gibt es in Südmarokko und im mittleren Niger. Auch der Südwesten Saudi-Arabiens sowie der Jemen auf der Arabischen Halbinsel werden teilweise von der Puffotter besiedelt. Im zentralen Westen Afrikas, etwa bis zur Zentralafrikanischen Republik, also in den tropischen Regenwaldgebieten, ist diese Puffotternart nicht anzutreffen.

Der Lebensraum der Puffotter ist vor allem durch heiße und trockene Gebiete geprägt. Besonders Wüsten, Halbwüsten, Steppen und Savannen werden von ihr bewohnt. In der Regenzeit dringt sie auch regelmäßig in menschliche Siedlungen ein, was zu ihrer Gefährlichkeit beiträgt. Außerhalb der Regenzeiten findet man sie sonst auch auf landwirtschaftlichen Flächen. Die Puffotter meidet sumpfige und zu feuchte Habitate.

Ernährung und Toxizität

Die Puffotter ernährt sich hauptsächlich von Vögeln (Aves) und kleinen Nagetieren (Rodentia), aber auch von Echsen (Lacertilia) wie die Siedleragame (Agama agama). Puffottern sind Ansitzjäger, das heißt,
Beute: Siedleragame
sie warten auf dem Boden oder in einem Versteck bis ein potentielles Beutetier in Bissreichweite gekommen ist. Sie stellen einem Beutetier beim Entkommen nur selten nach. Die Beute wird mit einer Injektion des Giftes (Toxin) durch die bis zu 35 mm langen Giftzähne getötet. Das Gift enthält vorverdauende Proteine und Enzyme. Bei Giftschlangen ist es so, dass sie ihre Beute zuerst beißen müssen, da das Verdauungssystem bereits darauf eingestellt ist, die Nahrung vorverdaut zu verarbeiten. Ist die Beute tot, wird sie im ganzen heruntergeschlungen.

Für Säugetiere (Mammalia) und Menschen ist das Giftgemisch der Puffotter vor allem ein hoch potentes Cytotoxin. Ungefähr 100 Milligramm würden ausreichen um einen erwachsenen und gesunden Menschen zu töten, die Schlange injiziert bis zu 350 mg. Es schädigt das Blut und vor allem zerstört es lebende Zellen und sorgt beim Menschen oft für das Absterben von Gliedmaßen und für starke Nekrosen. Nach einem Biss treten starke Schmerzen im gebissenen Gliedmaß auf, die Bissstelle schwillt an und wird rot. Des weiteren folgen Kopfschmerzen, Fieber und Kreislaufprobleme. Wird nicht schnell ein Antiserum (Antivenin) verabreicht, tritt in der Regel nach spätestens zwei bis vier Tagen infolge von Kreislaufversagen oder einem Schock meistens der Tod ein. Die Stärke des Toxins, sowie die weite Verbreitung und Häufigkeit der Schlange, machen sie zur gefährlichsten Giftschlange Afrikas. Nur in der Giftstärke wird sie noch von einigen Schlangen übertroffen.

Prädatoren und Feinde

Zu den Prädatoren der Puffotter zählen vor allem Greifvögel (Falconiformes) wie der Wanderfalke (Falco peregrinus), Löwen (Panthera) und selten auch Krokodile (Crocodylus). Auch können ihr Erdmännchen (Suricata suricatta), Mungos (Mungos) und Hyänen (Hyaenidae) gefährlich werden. In offenen Prärien und Steppen kommt es auch vor, dass sie von Elefanten (Elephantidae) oder anderen Huftieren wie Zebras (Equus quagga) zertreten werden.

Gefährdung

Allgemein ist die Puffotter nicht gefährdet. In einigen, kleinen Gebieten (kleinere Dörfer) jedoch ist es bereits, zum Beispiel aufgrund mehrerer Bisse mit Todesfolge, aus Angst zur Ausrottung der Puffotter gekommen. Dies bedroht die Puffotter im allgemeinen allerdings noch nicht. Sonstige Bedrohungen stellen neben den natürlichen Prädatoren noch Straßen und manchmal auch Wilderer dar, welche an die Haut der Schlange kommen wollen.

Puffotter: Detail-Ansicht des Kopfes
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Puffotter: Detail-Ansicht des Kopfes

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

Literatur und Quellen

  • Mark O'Shea, Giftschlangen. Alle Arten der Welt in ihren Lebensräumen, Franckh-Kosmos Verlag, 2006 - ISBN 3440106195
  • Steve Setford: Reptilien, Omnibus Verlag, ISBN 3-570-21050-2
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