Pyrenäen-Gämse

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Pyrenäen-Gämse

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Gämsen (Rupicapra)
Art: Pyrenäen-Gämse
Wissenschaftlicher Name
Rupicapra pyrenaica
Bonaparte, 1845

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Die Pyrenäen-Gämse (Rupicapra pyrenaica) zählt innerhalb der Familie der Hornträger (Bovidae) zur Gattung der Gämsen (Rupicapra).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Pyrenäen-Gämse erreicht eine Körperlänge von 90 bis 130 Zentimeter, eine Schulterhöhe von 76 bis 82 Zentimeter sowie ein Gewicht von 25 bis 50 Kg. Weibchen bleiben etwas leichter und kleiner als Männchen. Die Schwanzlänge beträgt knapp fünf Zentimeter. Der Körperbau ist insgesamt gedrungen und kräftig, der Hals ist lang und wirkt schlank. Die langen Ohren sind spitz zulaufend. Die Beine sind mittellang und enden in kräftigen Hufen, mit denen sie optimalen Halt auf steinigem Untergrund haben. Beide Geschlechter verfügen über Hörner, wobei die Hörner des Männchen an der Spitze stärker gebogen sind. Die Hörner erreichen eine Länge von 15 bis 20 Zentimeter und werden nicht abgestoßen. Sie verlaufen dreiviertel der Länge gerade und krümmen sich zur Spitze hin nach hinten. Die Krümmung fällt beim Männchen stärker aus. Die Hörner bestehen aus einer Hornsubstanz und sind in einem Knochenzapfen verankert. Das Fell der Pyrenäen-Gämsen ist im Sommer rotbraun gefärbt. Die Unterseite ist deutlich heller. Der Rücken weist einen dunklen Aalstrich auf, der sich bis zum Schwanz fortsetzt. Das deutlich dichtere und längere Winterfell ist dunkler gefärbt und reicht von dunkelbraun bis fast schwarzbraun.

Verhalten

Pyrenäen-Gämsen sind tagaktiv. Weibchen und Jungtiere leben in Gruppen mit zum Teil 20 oder gar 30 Tieren. Männchen leben einzelgängerisch und suchen die Nähe zu den Geißengruppen nur während der Paarungszeit. Im Herbst, während der Paarungszeit, kommt es zwischen den Männchen zu heftigen Kommentkämpfen, die auch tödlich enden können. Die Reviere markieren die Böcke mit einem Sekret aus Drüsen, die hinter den Hörnern liegen (sogenannte Brunftfeigen). Pyrenäen-Gämsen sind ausgesprochen gute Kletterer, die sich selbst im steilen Gelände sicher bewegen können. Ihre Lunge ist deutlich größer als bei Ziegen anderer Gattungen in ähnlicher Größe. Selbst in unebenem Gelände können Pyrenäen-Gämsen Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h erreichen. Sprünge in den Klippen von über fünf Metern sind ebenfalls keine Seltenheit. Auch die Sinne sind allesamt sehr gut entwickelt.

Unterarten

Trivialname Wissenschaftlicher Name Erstbeschreiber IUCN-Status Vorkommen
Abruzzengämse Rupicapra pyrenaica ornata Neumann, 1899 EN Italien
Pyrenäen-Gämse Rupicapra pyrenaica pyrenaica Bonaparte, 1845 LR Frankreich, Italien und Spanien

Verbreitung

Die Pyrenäen-Gämse kommt mit ihren zwei Unterarten in Frankreich, Italien und Spanien vor. Die Tiere bewohnen die unzugänglichen Gebirgsmassive der Pyrenäen, den Ausläufern der Alpen und im mittleren Apennin. Der Apennin ist ein Gebirgszug in Italien, der sich vom nördlichen Italien bis in den Süden des Landes erstreckt. Pyrenäen-Gämsen leben zumeist in Höhen von über 1.800 Metern. Nur im Winter kommen die Tiere gelegentlich in Tallagen, jedoch auch hier nicht unter 1.000 Meter über NN. Pyrenäen-Gämsen bevorzugen offenes und steiniges Gelände, Wälder werden in der Regel gemieden.

Ernährung

Pyrenäen-Gämsen sind hauptsächlich in den frühen Morgenstunden und am Vormittag mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Auch gegen Abend werden sie wieder aktiv. Sie fressen hauptsächlich Gräser und Kräuter, junge Triebe von Sträuchern, Rinde sowie in Mangelzeiten wie dem Winter auch Moose und Flechten.

Fortpflanzung

Pyrenäen-Gämsen erreichen die Geschlechtsreife mit rund zwei bis drei Jahren. Die Brunft erstreckt sich über die Monate Oktober bis Dezember. Während dieser Zeit kommt es unter den Böcken zu heftigen Gefechten um das Paarungsrecht mit den Weibchen. Tödliche Ausgänge der Kämpfe sind zwar selten, kommen aber regelmäßig vor. Ein Siegreiches Männchen begattet in einer Weibchenherde alle geschlechtsreifen Weibchen. Nach einer Tragezeit von etwa 170 bis 175 Tagen bringt das Weibchen ein Jungtier zur Welt, selten kommt es zu Zwillingsgeburten. Die Jungtiere kommen im Frühjahr oder Frühsommer zur Welt und können der Mutter bereits kurz nach der Geburt folgen. Die Säugezeit beträgt zwischen vier und sechs Monaten. Pyrenäen-Gämsen können ein Alter von 15 bis 20 Jahren erreichen. Weibchen erreichen dabei ein etwas höheres Alter.

Gefährdung und Schutz

Sowohl in historischer Zeit als auch heute wird die Pyrenäen-Gämse wegen ihres zarten Fleisches gejagt. Auch das Fell und die Haut finden Verwendung. Durch die massive Bejagung sanken die Populationen dramatisch. Erst nach dem Schutz der Tiere erholten sich die Populationen. Die Nominalform gilt heute nicht mehr als gefährdet und wird in der Roten Liste der IUCN als solches geführt. Deutlich schlechter steht es um die zweite Unterart, die Abruzzengämse. Sie gilt auch heute noch als gefährdet. Die aktuellen Bestände liegen bei 300 bis 350 Tiere, die überwiegend in einem Nationalpark in den Abruzzen vorkommt. Das Washingtoner Artenschutzabkommen stellt die Abruzzengämse in Anhang I unter Schutz. Eine Bejagung ist verboten.

Anhang

Siehe auch

Literatur und Quellen

  • David Macdonald: Die große Enzyklopädie der Säugetiere. Ullmann/Tandem ISBN 3833110066
  • Hans Petzsch: Urania Tierreich, 7 Bde., Säugetiere. Urania, Stuttgart (1992) ISBN 3332004999

Links

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