Quappe

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Quappe

Systematik
Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
Unterklasse: Neuflosser (Neopterygii)
Teilklasse: Echte Knochenfische (Teleostei)
Überordnung: Dorschartige (Paracanthopterygii)
Ordnung: Dorschartige (Gadiformes)
Familie: Dorsche (Gadidae)
Unterfamilie: Quappen (Lotinae)
Gattung: Lota
Art: Quappe
Wissenschaftlicher Name
Lota lota
(Linnaeus, 1758)

Die Quappe (Lota lota), auch als Aalquappe, Alruppe, Aalraupe, Rutte, Trusche oder Trüsche bekannt, zählt innerhalb der Familie der Dorsche (Gadidae) zur Gattung Lota. Im Englischen wird die Quappe Burbot genannt. Die Art ist monotypisch, Unterarten sind demnach keine bekannt.

Der Verband Deutscher Sportfischer (VDSF) e.V., Sitz in Offenbach, hat die Quappe zum Fisch des Jahres 2002 gewählt. Auch diese Fischart ist aufgrund der Verbauungen durch Kleinwasserkraftwerke, Mühlenstaus und andere Wehre sowie durch Gewässerverschmutzungen als gefährdet anzusehen. Damit die Art nicht ausstirbt, wird der Bestand durch hohen finanziellen Aufwand und Arbeitseinsatz der Angelvereine in geeigneten Flusssystemen durch Besatz gestützt.

Die Gattung Lota befindet sich in einer kritischen Revision. Die Population von Ost-Sibirien und Nordamerika ist eine eigenständige Art Lota maculosa.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Die Quappe kann eine Körperlänge von etwa 152 Zentimeter bei einem Gewicht von 34,0 Kilogramm erreichen. In der Regel erreicht die Quappe eine Körperlänge von etwa 40 Zentimeter. Der Körper wirkt insgesamt spindelförmig. Beide Rückenflossen sind von gleicher Höhe und stoßen zusammen. Der Kopf ist kurz und ziemlich breit und von oben nach unten zusammengedrückt. Die Kinnladen sind gleichlang, jedoch ist der Unterkiefer kürzer als der Oberkiefer. Die Zwischenkiefer sind mit feinen borstenförmigen Zähnen bestückt. Der Unterkiefer ist fast halbkreisrund und ist mit vielen Reihen von Borstenzähnchen besetzt. Die Augen, die sich auf der Seite befinden, wirken ziemlich klein. Die Iris ist gelb und schwarz punktiert, während die Pupille rund und schwarz gefärbt ist. Der Rumpf ist von beiden Seiten zusammengedrückt. Der Rücken ist vor den Rückenflossen etwas gewölbt in der Mitte zeigt sich eine Längsfurche. Der Schwanz ist ziemlich lang und die Brustflossen sind fächerförmig und abgerundet.
Quappe
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Quappe
Die Bauchflossen sind klein, fächerförmig, am Ende dreispitzing und die mittlere Spitze ist die längste. Die vordere Rückenflosse mit 14 Strahlen steht über dem hinteren Drittel des Bauches mit ihrem Ende fast der Aftergegend gegenüber. Die hintere Rückenflosse reicht bis zur Schwanzflosse, am Anfang steht die hintere Rückenflosse dem After mit 68 Strahlen. Die Afterflosse vom After bis zum Schwanz reichend weist 67 Strahlen auf. Alle Flossen sind sehr weich. Der After befindet sich am Ende Bauches, fast in der Mitte des Körpers. Der Leib ist mit ganz kleinen, weichen, dünnen Schuppen bedeckt und mit größeren und kleineren rundlichen Gruben und mit Schleim überzogen. Die Seitenlinie erscheint gerade. Die Flossen sind ebenfalls mit diesen Grübchen besetzt. Die Färbung ist an Rücken, Seiten, Flossen olivgrün oder gelblich-olivgrün und mit braunschwarzen wolkigen Flecken bedeckt. Der Bauch, die Bauchflossen und die Unterseite der Schnauze weisen eine weißliche Färbung auf. Die Leber ist sehr groß und von einer fleischfarbenen bis gelblichen Tönung. Der untere Leberrand ist dreilappig und die beiden seitlichen Lappen sind am längsten und mit ihren äußersten Enden bis über den Anfang des Mastdarms reichend. Die Gallenblase erscheint birnenförmig und länglich. <1>

Laut fishbase weist die Quappe insgesamt 0 Rückenflossenstacheln, insgesamt 67 bis 96 Rückenflossenweichstrahlen, 0 Afterflossenstacheln, 58 bis 79 Afterflossenweichstrahlen und 50 bis 67 Wirbel auf. Die Quappe zeichnet sich durch eined lange zweite Rückenflosse aus, die mindestens sechsmal so lang wie die erste Rückenflosse ist. Die Quappe weist einen einzigen Bartfaden unter dem Kinn auf. Die Kiemenstrahlen und die erste Rückenflosse erscheinen recht kurz. Die zweite dorsale und anale Flosse sind nach kaudal verbunden. Die Brustflossen sind ebenfalls kurz und erscheinen abgerundet. Der Schwanz mit 40 Strahlen wirkt ebenfalls abgerundet. Die Färbung der Quappe variiert je nach Verbreitungsgebiet und Lebensraum zwischen gelb marmoriert, hellbraun, braun marmoriert und braun. Des Weiteren findet sich eine dunkelbraune bis schwarze Musterung am Körper, Kopf und an den Flossen. Die Bauchflossen sind von einer blassen Tönung und die anderen Flossen erscheinen dunkel und fleckig. <2>

Lebensweise

Quappe
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Quappe

Laut der Roten Liste der IUCN ist die Quappe in der Loire-Flussmündung und in der Rhône-Flussmündung (Frankreich) sowie in der Barentssee und im Nordpolarmeer zu finden. Des Weiteren hält sich die Quappe in der oberen Wolga-Flussmündung und südöstlich im Kaspichen Meer und in den Zuflüssen bis zum Schwarzen Meer sowie in Sibirien östlich in der Lena auf. Ferner ist die Quappe in der Po-Flussmündung (Italien) beheimatet und im Osten Englands ist die Quappe ausgerottet. Ursprünglich ist die Quappe außerhalb der Iberischen Halbinsel, Mittel- und Süditalien, Adria-Becken, Griechenland, Irland, westlich und nördlich von Großbritannien und in Westfrankreich anzutreffen. Die Quappe hält sich vorwiegend in sauerstoffreichen langsamen Fließgewässern, in tiefen Seen, in großen Flußmündungen, Tieflandflüssen sowie in kleinen Gebirgsbächen auf. Im Allgemeinen ist die Quappe ein nachtaktiver Süßwasserfisch. Im Gegensatz zu den meisten anderen Süßwasserfischen, ist die Quappe im Winter sehr aktiv, sogar unter der Eisdecke. Zu den Nahrungsplätzen bewegt sich die Quappe während Sommernächte in flacheres Wasser. Die Quappe vermehrt sich sehr stark und hat ein sehr zähes Leben. Die Quappe kann ein Alter von bis zu 14 Jahren erreichen. Es gab aber auch schon Exemplare, die ein stolzes Alter von 20 Jahren aufweisen konnten.

Verbreitung

Larven der Quappe
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Larven der Quappe

Laut der Roten Liste der IUCN weist die Quappe ein sehr großes Verbreitungsgebiet auf, dazu zählen unter anderem Österreich, Aserbaidschan, Belorussland, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Bulgarien, China, Kroatien, Tschechische Republik, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Iran, Islamische Republik, Italien, Kasachstan, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Republik Moldau, Mongolei, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Polen, Rumänien, Russische Föderation, Serbien, Slowakei, Slowenien, Schweden, Schweiz und Ukraine. Laut der Roten Liste der IUCN kommt die Quappe in folgenden Habitaten vor: Feuchtgebiete (Inland) wie Flüsse, Bäche, schmale Buchten mit Wasserfällen sowie Süßwasser-Seen über 8 Hektar.

Ernährung

Die Larven ernähren sich von wirbellosen Tieren wie zum Beispiel Insektenlarven oder von tierischem Plankton. Die Jugendlichen und Erwachsenen verspeisen große wirbellose Tiere wie zum Beispiel Krebstiere, Weichtiere, kleine Fische sowie von anderen wirbellosen Tieren.

Fortpflanzung

Eier der Quappe
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Eier der Quappe

Laut der Roten Liste der IUCN reproduzieren die Männchen zum ersten Mal nach zwei Jahren und die Weibchen in Mitteleuropa etwa mit drei Jahren. Die Laichzeit findet in den Monaten von November bis März statt bei Temperaturen unter 4 Grad Celsius. Während der Laichzeit kommt es zu kleinen Migrationen. Die Quappe laicht in der Nacht. In Gruppen von bis zu 20 Individuen, die ein ineinanderverschachteltes Knäuel etwa 60 Zentimeter im Durchmesser bilden. Dieses Knäuel bewegt sich ständig rollend auf dem Boden, dabei werden Eier und Spermien freigesetzt. Die semipelagischen Eier sind leicht klebrig und weisen einen Durchmesser von 1,2 bis 1,8 Millimeter auf. Ein Weibchen kann etwa 100.000 bis 128.000 Eier ablaichen. Die Larven schlüpfen nach etwa 40 bis 70 Tagen und sind positiv phototaktisch. Von März bis April schwimmen die Larven unter der Wasseroberfläche. Nach etwa zwei Monaten sind die Jugendlich benthisch und wachsen ziemlich schnell herand. Sie erreichen innerhalb der ersten Jahren eine Körperlänge von über 80 Millimeter. Die Larven ernähren sich von wirbellosen Tieren oder tierischem Plankton. Die Jugendlichen und Erwachsenen verspeisen große wirbellose Tiere und kleine Fische.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Die Quappe ist eine weit verbreitete Art, jedoch ist sie lokal durch Fluss-Regulierungen bedroht. Als Speisefisch ist die Quappe beliebt, da das weiße Fleisch der Quappe grätenlos, sehr zart und angenehm schmeckt, jedoch ein wenig zu trocken. Vor allem die Leber gilt als besonderer Leckerbissen. Aus der Leber gewinnt man unter auch den Lebertran. Verkauft wird die Quappe hauptsächlich gesalzen. Des Weiteren wird die Quappe auch zu Fischmehl verarbeitet. Wegen seiner nächtlichen Gewohnheiten und seiner langsamen Bewegungen wird die Art nicht sehr von den Sportfischern geschätzt.

Anhang

Literatur und Quellen

  • [1] Naturgeschichte der für die Heilkunde wichtigen Thiere: mit besonderer Rücksicht auf Pharmacologie, Pathologie und Toxicologie. Entworfen von Dr. med. Eduard Friedrich Gotthelf Martiny. Zweite wohlfeile Ausgabe mit 222 Abbildungen. Gießen. Ferbersch'e Universitätsbuchhandlung. Emil Roth. 1854.
  • [2] Lota lota (Linnaeus, 1758)
  • Bent J. Muus: Süßwasserfische Europas. BLV Verlagsgesellschaft mbH. München Wien Zürich, 1990 ISBN 3-405-11867-0
  • Fritz Terofal: Süßwasserfische in europäischen Gewässern. Mosaik Verlag GmbH München, 1984 ISBN 01274-0
  • Alwyne Wheeler: Süßwasserfische. Delphin Verlag GmbH, München und Zürich, 1983 ISBN 3-7735-2418-8
  • Harald Gebhardt, Andreas Ness: Fische. Die heimischen Süßwasserfische sowie Arten der Nord- und Ostsee. BLV Verlagsgesellschaft mbH., München, Wien, Zürich, 1990 ISBN 3-405-13816-7
  • Peter S. Maitland, Keith Linsell: Süßwasserfische. Alle Arten Europas gezeichnet. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. Kg, Stuttgart, 2007 ISBN 978-3-440-10962-5
  • John R. Paxton, William N. Eschmeyer & David Kirshner: Enzyklopädie der Tierwelt: Fische. Bassermann, Auflage 1, 2003, ISBN 3572013771

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