Quastenflosser

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Quastenflosser
Quastenflosser (Coelacanthiformes)

Systematik
Domäne: Eukaryoten (Eucaryota)
Reich: Tiere (Animalia)
Stamm: Chordatiere (Chordata)
Unterstamm: Wirbeltiere (Vertebrata)
Überklasse: Knochenfische (Osteichthyes)
Klasse: Fleischflosser (Sarcopterygii)
Unterklasse: Quastenflosser (Coelacanthimorpha)
Ordnung: Quastenflosser
Wissenschaftlicher Name
Coelacanthiformes
Berg, 1937

Die Ordnung der Quastenflosser (Coelacanthiformes) gehört innerhalb der Klasse der Fleischflosser (Sarcopterygii) zur Unterklasse der Quastenflosser (Coelacanthimorpha). Im Englischen werden die Quastenflosser Coelacanths genannt.

Es gibt heute nur noch zwei rezente Arten aus der Gattung Latimeria innerhalb der Familie Latimeriidae: Der Komoren-Quastenflosser (Latimeria chalumnae) und der Manado-Quastenflosser (Latimeria menadoensis). Obwohl die Morphologie sehr ähnlich ist, so sind sie - basierend auf DNA-Tests - doch zwei eigene Arten. Ferner weisen sie eine unterschiedliche Färbung auf. Der Komoren-Quastenflosser (Latimeria chalumnae) ist dunkelblau und mit rosaweißen Flecken bedeckt, während der Manado-Quastenflosser (Latimeria menadoensis) braun gefärbt und mit weißen sowie goldenen Flecken versehen ist. Diese Musterungen sind einzigartig für jedes Individuum und machen es möglich, dass die Wissenschaftler anhand dieser Musterungen die Quastenflosser unterscheiden können.

Inhaltsverzeichnis

Evolution

Der Beginn

Am Anfang der Fischevolution waren die Quastenflosser Süßwasserbewohner und im weiteren Verlauf entwickelten sich die Quastenflosser dann zu Salzwasserbewohnern. Die Quastenflosser gehören zu der ältesten Abstammungslinie der Fische, die derzeit der Wissenschaft bekannt ist. Die ältesten Fossilfunde der Quastenflosser entwickelten sich vor rund 416 Millionen Jahren während des Devons. Am Ende der Kreidezeit, vor 65 Millionen Jahren, verschwanden die Quastenflosser vollständig von der Bildfläche. Das Verschwinden der Quastenflosser erfolgte gleichzeitig mit dem Aussterben der Dinosaurier. Die Quastenflosser galten dann lange Zeit bis zum Ende der Kreidezeit als ausgestorben. Aber heute weiß man, dass etwa zwei Quastenflosser-Arten bis in unsere heutige Zeit überlebt haben. Da die Quastenflosser tief im Ozean leben, ist es äußerst schwierig, das Verhalten der Quastenflosser zu beobachten und zu erforschen.

Evolution - Quastenflosser
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Evolution - Quastenflosser

Vor dem Ende der Kreidezeit gab es in den Ozeanen eine Vielzahl von Quastenflosser-Arten. Heute leben nur noch zwei Arten aus der Gattung Latimeria. Interessanterweise wurden bis heute keine versteinerten Exemplare aus dieser Gattung gefunden. Alle beschriebenen Fossilien gehören zu anderen Gattungen, insbesondere zur Gattung Macropoma und zur Gattung Coelacanthus, letztgenannte findet man als Fossil häufig in den Ablagerungen des Perms (Kupferschiefer). Die meisten Fossilien ähneln stark den beiden rezenten Arten Komoren-Quastenflosser (Latimeria chalumnae) und Manado-Quastenflosser. In den meisten fossilen Quastenflosser fanden sich verknöcherte Schwimmblasen, was bedeutet, dass sich diese Fische überwiegend in flacheren Gewässern aufhielten. Die heute lebenden Quastenflosser halten sich in großen Tiefen bis zu 700 Metern auf. Der Quastenflosser ist das einzige lebende Beispiel für die fossilen Quastenflosser und gehört allerdings zu einer stammesgeschichtlichen Seitenlinie zur Unterordnung der Hohlstachler (Coelacanthini). Die eigentliche Wurzelgruppe der Vierfüßer bildet die Unterordnung Rhipidistia, die zu den Verwandten der Quastenflosser gehören. Die Quastenflosser sind auch das engste Bindeglied zwischen Fischen und Amphibien und allen anderen Wirbeltieren, die den Übergang vom Meer zum Land in der Devon-Zeit (vor 416 Millionen bis 359 Millionen Jahren) vollzogen. Dabei bezieht sich diese Darstellung jedoch nicht auf die heute lebenden Quastenflosser der Gattung Latimeria, sondern auf die letzten gemeinsamen Vorfahren der heutigen Quastenflosser und der anderen aus diesen hervorgegangenen Wirbeltieren. Dass eine solche Art so lange überleben konnte, grenzt an ein Wunder. Aber man vermutet, dass die kalten Tiefen des westlichen Indischen Ozeans, in dem die Quastenflosser leben und die geringe Zahl der Prädatoren dazu beitrugen, die Äonen (Erdzeitalter) des Wandels zu überleben.

Auch für die Quastenflosser sind einzelne stammesgeschichtliche Grundrichtungen (Trends) kennzeichnend. Die Schuppen werden dünner, die Schwanzflosse wird symmetrisch, und die knöcherne Achse der Quastenflosser verkürzt sich meist etwas. Allerdings verkörperten bereits im ausgehenden Erdaltertum die fossilen Quastenflosser der Gattung Coelacanthus die heute überlebenden Quastenflosser der Gattung Latimeria, die seitherigen Veränderungen sind nur geringfügig. So bietet der Komoren-Quastenflosser ein Beispiel für eine zum Stocken gekommene Evolution, die beim Quastenflosser durch den Lebensraum - Tiefwasserbereich mit gleichförmigen Lebensbedingungen - verständlich erscheint. Dies letztere erklärt auch das Fehlen von fossilen Quastenflossern seit der Kreidezeit. Noch im Erdmittelalter waren die Hohlstachler Flachmeerbewohner, seither sind sie in den Tiefwasserbereich abgewandert, dem die Voraussetzungen zur Versteinerung, die in der Flachsee gegeben sind, fehlen.

Übergangsform

Wie bereits erwähnt, ist der Quastenflosser eine Übergangsform zwischen Fischen und allen anderen Wirbeltieren. Da er die Merkmale von Fischen und Wirbeltieren besitzt, kann man davon ausgehen, daß der Quastenflosser ein Zeitzeuge der geschichtlichen Evolution ist.

Tabellarische Übersicht der Übergangsform auf die letzten gemeinsamen Vorfahren der heutigen Quastenflosser:


Fische Übergangsform zum Landwirbeltier
Leben im Wasser Bewegung der Flossen wie bei Vierfüßern
Schuppen -
Flossen Knöcherndes Armskelett in den Flossen
stromlinienförmiger Körper -
schwimmen Konnten kurze Strecken über Land laufen
Restkiemen zur Atmung Schwimmblase als umfunktionierte Lunge

Ferner hat man festgestellt, dass das im Blut von Quastenflossern enthaltene Hämoglobin in seinem molekularen Aufbau dem von Froschlarven sehr ähnlich ist. Auch in der Schädelstruktur und im Hörorgan finden sich Ähnlichkeiten mit den frühesten devonischen Landwirbeltieren wie Ichthyostega und Acanthostega.

Beschreibung

Allgemeines

Die erste Beschreibung eines fossilen Quastenflossers findet sich in dem Buch Poissons Fossiles, das im Jahre 1836 von Louis Agassiz veröffentlicht wurde. Aufgrund der Hohlstacheln und der vertebralen und der kaudalen Flossenstacheln nannte er den Fisch Coelacanthus. Der Begriff Coelacanthus ist eine Kombination aus zwei griechischen Wörtern, frei übersetzt bedeutet dies "Hohler Dorn". Wie bereits erwähnt, galten die Quastenflosser lange Zeit als ausgestorben, da man nur Fossilien fand. Im Jahre 1938 wurde jedoch in der Nähe von Süd-Afrika die vermeintlich ausgestorbene Art das erste Mal wieder entdeckt. Nach dieser ersten Entdeckung wurden auch in anderen Ländern einschließlich der Komoren, Kenia, Mozambique, Tansania, Madagaskar und Indonesien weitere Quastenflosser gesichtet. Die ersten lebenden Quastenflosser wurden von der Kuratorin Marjorie Eileen Doris Courtenay-Latimer entdeckt und nach ihr benannt.

Quastenflosser
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Quastenflosser

Aussehen und Anatomie

Ein voll ausgewachsener Quastenflosser erreicht eine Körperlänge von etwa 180 Zentimetern oder länger und das Gewicht beträgt etwa 98 Kilogramm. Die meisten ausgestorbenen Arten waren allerdings viel kleiner. Die größte bekannte Art Megalocoelacanthus dobiei, die vor rund 75 Millionen Jahren im Osten der USA lebte, erreichte eine Körperlänge von etwa 3,5 Metern. Die beiden lebenden Arten sind dunkelblau metallisch bis bräunlich gefärbt und jeder Fisch verfügt am Kopf und am Körper über ein ausgeprägtes Muster von rosa weißen und von weißen sowie goldenen Flecken. Nach dem Tod verblasst die bläuliche Farbe und wird dunkel bräunlichschwarz.

Es gibt keinen offensichtlichen externen Unterschied zwischen den männlichen und weiblichen Quastenflossern. Die Weibchen sind etwas robuster und größer als die Männchen. Im Durchschnitt erreichen die Weibchen eine Körperlänge von etwa 170 Zentimetern und die Männchen eine Körperlänge von etwa 135 Zentimetern. Große riffbewohnende Fische wie zum Beispiel die Schnapper (Lutjanidae) und die Zackenbarsche (Epinephelinae) können ein Alter von etwa dreißig Jahren erreichen. Davon ausgehend schätzte man die Lebenserwartung der Quastenflosser auf etwa 40 Jahre. Dies war jedoch eine völlig falsche Schätzung. Auch wenn bis heute das genaue Alter immer noch nicht bekannt ist, so maß man bereits 106 Jahre bei einem nicht ausgewachsenen Exemplar. Das lässt viel Raum nach oben.

Chorda dorsalis (Rückensaite)

Die Quastenflosser besitzen einige interessante anatomische Merkmale. Sie weisen eine sogenannte Chorda dorsalis (Rückensaite), auch Notochord genannt, auf. Die meisten Arten haben als Erwachsene eine knöcherne Wirbelsäule. Aber die Quastenflosser sind stattdessen mit einer großen breiten Knorpelröhre, genannt Chorda dorsalis, versehen. Normalerweise wird bei den Säugetieren wie auch bei den meisten anderen Wirbeltieren (Vertebrata) die Chorda dorsalis nur embryonal angelegt. Bei den Wirbeltieren (Vertebrata) bildet sich die Chorda dorsalis zumeist vollständig zurück. Neben ihr entstehen zunächst die Urwirbel, später die definitiven Wirbel. Mit der Entstehung der Wirbelsäule setzt die Rückbildung ein. Bei den Quastenflossern bleibt die Notochorda das ganze Leben lang erhalten. Sie teilen diese besondere Eigenschaft mit zwei anderen sehr alten Fischgruppen, und zwar mit den Lungenfischen (Dipnoi) und mit den Primitiven Haien (Euselachii). Bei den Quastenflossern ist die hohle Dorsalis mit einer öligen Flüssigkeit gefüllt. Auch wenn es sich nicht um eine knöcherne, verkalkte Struktur handelt, so ist sie doch sehr stabil und trägt zur Unterstützung und zum Schutz der Wirbelsäule bei.

Kopf

Der Schädel besteht aus zwei Teilen mit einem gemeinsamen intrakraniellen Gelenk, das die Bewegungen nach oben und nach unten zwischen ihnen ermöglicht. Ein starkes Paar Muskeln unter der Schädel-Basis senkt die vordere Hälfte des Schädels, die dem Quastenflosser ein leistungsfähiges Beissen garantiert. Der Quastenflosser ist das einzige Lebewesen mit dieser Struktur. Die Augen und die olfaktorischen Organe befinden sich in dem vorderen Teil des Schädels und sind auf Dämmerungssehen angepaßt. Das winzige Gehirn sowie das Innenohr befinden sich an der Rückwand. Eine gelatinegefüllte Höhlung am Vorderende des Kopfes, das sogenannte Rostralorgan, liegt eingebettet in Knorpelstrukturen des vorderen Hirnschädels und meldet dem Quastenflosser feinste Schwankungen des sie umgebenden elektrischen Feldes. Damit können selbst im Substrat verborgene Beutetiere geortet werden.

Quastenflosser
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Quastenflosser

Ferner besitzen die Quastenflosser vier Kiemen. Die Kiemenreusen sind durch dornige Zahnplatten ersetzt und der Opercularknochen (Kiemendeckel) ist exponiert. Des Weiteren ist der Kiemendeckel nach hinten erweitert und erscheint ventral als eine dicke Hautklappe. Der Unterkiefer ist mit zwei großen, sich überschneidenen Gularplatten versehen. Ferner zeigen sich konische Zähne auf den knöchernen Platten am Gaumenbein (Palatinum), die Knochen Ectopterygoids und Pterygoids sind vorhanden; sie sind am Aufbau des Gaumens beteiligt. Es gibt keinen wirklichen Oberkiefer, es zeigt sich nur ein winziger medianer Rostropremaxilla-Knochen. Die Struktur auf der Seite des Oberkiefers, das offenbar ein Kinnbackenknochen ist, weist eine dicke Hautfalte auf, die den Oberkiefer und die Rückseite des Unterkiefers verbindet. Die zurückgebildeten inneren Nasenlöcher der Quastenflosser sind nur einfache olfaktorische Organe, jedoch stehen die Nasenlöcher im Zusammenhang mit der Mundhöhle und können durch diese atmen.

Flossen

Die Quastenflosser gehören zur Überklasse der Knochenfische (Osteichthyes) und weisen 8 Flossen (2 Rückenflossen, 2 Brustflossen, 2 Bauchflossen, 1 Afterflosse und 1 Schwanzflosse) auf.

Flossenformel der Quastenflosser:

  • Rückenflosse (total): 8 - 8 mit dorsalen Weichstrahlen (total): 30 - 31; Brustflossen mit 29 - 32 Weichstrahlen; Bauchflossen mit 29 - 33 Weichstrahlen; Schwanzflosse dreiteilig mit 20 - 25 Weichstrahlen / 35 - 38 Weichstralen / 21 - 22 Weichstrahlen; Afterflosse mit 27 – 31 Weichstrahlen.
  • D VIII+30-31; P 29-32; V 29-33; C 20-25/35-38/21-22; LL 94-104; A 27-31
Die Strahlenflosser (Actinopterygii) wie zum Beispiel die Flussbarsche (Perca fluviatilis) haben normalerweise nur eine Rückenflosse. Bei den Strahlenflossern haben die Flossen eine grundlegende knöcherne flexible Struktur, die mit einer netzartigen Haut überzogen ist. Die Flossenstrahlen sind so ähnlich biegsam wie bei dem Mondfisch (Mola mola). Die erste Rückenflosse der Quastenflosser weist dieselbe Funktionsweise wie bei den anderen Fischen auf; sie kann nach unten zusammengeklappt oder nach oben aufgerichtet werden. Die anderen Flossen sind ähnlich wie Gliedmaßen gut entwickelt und muskulös geformt. Diese Flossen bewegen sich beim Schwimmen alterniered synchron nach dem üblichen Muster wie bei den vierfüßigen Landwirbeltieren. Die fleischigen gestielten Flossen projizieren sich wie ein Ventilator an der unteren Körperseite.
Komoren-Quastenflosser (Latimeria chalumnae)
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Komoren-Quastenflosser (Latimeria chalumnae)
Diese Flossen können gekrümmt oder um 100 Grad gedreht werden und jede Flosse arbeitet unabhängig voneinander wie ein Paddel oder wie ein Ruder. Die Schwanzflosse ist dreigeteilt, wobei der charakteristische mittlere Teil zwischen dem längeren oberen Teil und dem unteren Teil der Schwanzflosse wie ein Pinsel oder wie eine Quaste herausragt. Diese Besonderheit war für die Fischgruppe namensgebend. Die winzige zusätzliche Schwanzflosse kann unabhängig von der großen Schwanzflosse bewegt werden. Ferner kann der Quastenflosser Strömungsrichtung und Strömungsstärke mit der winzigen Schwanzflosse wahrnehmen.

Skelett

Das Skelett besteht überwiegend aus Knorpel. Statt der vertebralen Spalte findet sich eine verlängerte große Notochord vom Schädel bis zur Spitze der Schwanzflosse. Die Notochord ist eine dickwandige knorpelige Röhre, die mit einer öligen Flüssigkeit (etwa 500 Milliliter bei einem 1,30 Meter langen Quastenflosser) gefüllt ist und unter geringfügigem Druck steht. Diese stabile Knorpelröhre ist dehnbar wie ein Gummiband. Da keine kompletten Wirbel um das Rückgrat (Spina dorsalis) gebildet werden, erledigt die Notochord die Arbeiten eines Rückgrats (Spina dorsalis). Bei den meisten anderen Wirbeltieren wird die Notochord durch Wirbel im embryonalen Stadium der Entwicklung ersetzt.

Schuppen

Der Körper ist mit großen harten Schuppen versehen, die kleine zahnartige Aufwüchse aufweisen, sogenannte Placoidschuppen. Die Placoidschuppen stellen für die Quastenflosser einen gewissen Schutz vor scharfen Felskanten und vor Prädatoren dar.

Schwimmblase

Anders als die meisten Fische, die eine mit Luft gefüllte Schwimmblase haben, weisen die Quastenflosser ein großes längliches mit Fett gefülltes blasenartiges Organ am Darm auf. Dieses blasenartige Organ ist homolog zur Schwimmblase und wird als Rudiment einer als Lunge genutzte luftgefüllte Schwimmblase gedeutet. Dies gilt als Indiz für die Fähigkeit der Ur-Quastenflosser, Luft atmen zu können.

Holophagus penicillatus aus dem Solnhofener Plattenkalk, Oberer Jura
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Holophagus penicillatus aus dem Solnhofener Plattenkalk, Oberer Jura

Gehirn

Bei den adulten Quastenflossern ist das Gehirn unglaublich klein und weist nicht viele Windungen auf. Dagegen füllt das Gehirn bei den juvenilen Quastenflossern die gesamte Schädelhöhle aus. Das Gehirn wächst also nicht mit, wenn die jungen Quastenflosser das erwachsenen Alter erreicht haben. Dies bedeutet, dass die Größe des Gehirns gleich bleibt, auch wenn der Kopf und der Körper deutlich größer werden.

Das Gehirn der ausgewachsenen Quastenflosser belegt nur etwa ein Prozent der Schädelhöhle und befindet sich so weit wie möglich im hinteren Teil der Schädelhöhle, so dass die Sinneszellen des Rostralorgans weniger den störenden elektrischen Einflüssen (elektrische Interferenzen) der Umgebung ausgesetzt sind. Die Quastenflosser besitzen mit ihren Sinneszellen des Rostralorgans wie die Haie mit ihren Lorenzinischen Ampullen ebenfalls die Fähigkeit mittels spezieller Sinnesorgane in der Maulregion elektrische Felder wahrzunehmen. Ähnliche Konfigurationen kann man auch bei anderen Fischen finden wie zum Beispiel bei den Sechskiemen-Stachelrochen (Hexatrygon).

Weitere innere Organe

Der Darm ist spiralförmig angeordnet. Die Osmoregulation beinhaltet die Retention von Harnstoff und Trimethylaminoxid (TMAO) im Blut. Je tiefer die Quastenflosser leben, umso höher wird ihre intrazelluläre TMAO-Konzentration. Der Harnstoff wird nicht resorbiert und über die Nieren werden überschüssige Salze durch die Rektaldrüse ausgeschieden.

Der Vorhof, die Herzkammer und der kegelförmige Übergang der rechten Herzkammer (Conus arteriosus) befinden sich in einer geraden Linie im Herzen der Quastenflosser. Diese Anordnung im Herzen stellt bei den Quastenflossern eine primitive Herz-Konstruktion dar.

Lebensweise

Die Quastenflosser halten sich heute in einer Meerestiefe von etwa 250 bis 700 Metern auf. Bevorzugte Habitate sind steile felsige Hänge, in denen sie am Tage in Höhlen Zuflucht finden können. In solchen Höhlen können sich manchmal 13 bis 14 oder mehr Individuen friedlich nebeneinander aufhalten.
Macropoma aus der Oberkreide Europas
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Macropoma aus der Oberkreide Europas
Es wurde nie ein aggressives Verhalten festgestellt. Die Forscher gehen davon aus, dass sich die Tiere untereinander kennen. Entgegen der früheren Meinungen scheuen die Quastenflosser jeden Kontakt mit dem Substrat und benutzen in keinem Fall die paarigen Flossen zur Fortbewegung auf dem Meeresboden. Auch in Ruhephasen schweben sie etwa 15 bis 20 Zentimeter über dem Meeresboden. Manchmal verharren die Quastenflosser minutenlang in einer Kopf-über-Position und dient möglicherweise der Wahrnehmung schwach elektrischer Felder und damit der Beutelokalisation. Die Quastenflosser treiben mit der Schnauzenspitze dicht über dem Grund mit der Strömung und drehen sich dabei langsam um die eigene Längsachse. In der Nacht legen die Quastenflosser etwa acht Kilometer zurück und suchen noch während der Dunkelheit die Höhlen auf, wobei sie anscheinend die Höhlen bevorzugen, die am nächsten liegen. Dies setzt eine exakte topographische Orientierungsfähigkeit voraus, was bisher noch völlig unerforscht ist. Optische Orientierungshilfen scheiden jedoch aus. Bisher konnte kein Beuteverhalten beobachtet werden, aber man vermutet, dass die gewaltige Schwanzflosse für enormen Vorschub sorgen kann. Letztendlich kann man davon ausgehen, dass die Quastenflosser keine bodengebundenen Lauerjäger sind, die blitzschnell zuschlagen können. Ansonsten ist der Stoffwechsel der Quastenflosser auf Energiesparen ausgerichtet. Zu ihren natürlichen Feinden gehören große Tiefsee-Haie.

Verbreitung

Der Lebensraum der Quastenflosser sind - wie bereits erwähnt - schroffe unterseeische Hänge der Westküste von Grand Comore und Anjouan. In diesen Hängen befinden sich meistens Felsspalten und Höhlen. Mit steigender Tiefe nehmen die potentiellen Beutetiere für die Quastenflosser zu. Die Wassertemperaturen liegen etwa zwischen 15 Grad Celsius und über 20 Grad Celsius. Der Übergang von Wasserschichten unterschiedlicher Temperaturen unterliegt den jahreszeitlichen Schwankungen und befinden sich meistens in über 150 Meter Tiefe. Da die maximale Sauerstoffsättigung des Blutes der Quastenflosser bei etwa 15 Grad Celsius liegt und die Temperaturen, das Nahrungsvorkommen und die geologische Beschaffenheit des Lebensraumes eine wesentliche Rolle spielen, ist die Verbreitung der Quastenflosser ziemlich begrenzt. Vorwiegend sind die Quastenflosser an der Westküste der Inseln zu finden. Dies hängt mit der Beschaffenheit des Lebensraumes und dem Vorkommen potentieller Beute zusammen. Während an der Ostseite von Grand Comore und Anjouan die Hänge weniger steil sind. Höhlen und Felsspalten kommen selten vor und der Meeresboden ist überwiegend von weichem Sand bedeckt. Ferner ist die Fischdichte an der Ostküste wesentlich geringer. Weitere Individuen wurden in der Nähe von Kenia, Mozambique, Tansania, der Westküste von Madagaskar und in der Nähe von Indonesien, genauer bei Manado Tua, einer kleinen Insel nördlich von Sulawesi gesichtet.

Ernährung

Die Quastenflosser sind nachtaktive Driftjäger. Nach Sonnenuntergang verlassen die Quastenflosser ihre Höhlen und driften langsam über das offene Substrat nach Beutetieren Ausschau haltend. Zu den bevorzugten Beutetieren der Quastenflosser gehören unter anderem Tintenfische (Coleoidea), Schnapper (Lutjanidae), Laternenfische (Myctophidae), Bartfische (Polymixiidae), Zehnfinger-Schleimkopf (Beryx decadactylus), Hangfische (Symphysanodontidae), Kardinalbarsche (Apogonidae), Rochen (Batoidea), Meeraale (Congridae) und Grundhaie (Carcharhiniformes).

Fortpflanzung

Die Quastenflosser sind sogenannte ovovivipare Fische, das heißt bei der Ovoviviparie, auch aplazentale Viviparie genannt, werden die dotterreichen Nähreier im Mutterleib ausgebrütet und die Embryonen werden lediglich durch die im Dottersack des Eies gespeicherten Nährstoffe genährt. Dagegen werden bei der Viviparie die Embryonen plazental viviparer Tiere über den Kreislauf des Muttertieres versorgt, meist mit Hilfe einer Plazenta. Die Übergänge sind jedoch fließend.

Das Deutsche Forschungstauchboot Jago
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Das Deutsche Forschungstauchboot Jago

Die Eier der weiblichen Quastenflosser sind rund und etwa tennisballgroß. Sie sind größer als die Eier von anderen Fischarten. Die Eier weisen einen Durchmesser von etwa neun Zentimetern auf und das Gewicht der Eier beträgt etwa 325 Gramm. Die Jungen reifen mit großem Dottervorrat im Uterus. Ein Stoffaustausch zwischen dem Weibchen und den Embryonen über placentaähnliche Strukturen wurde bisher nicht nachgewiesen. Früher glaubten die Forscher, dass die Embryonen Kannibalismus praktizieren, aber dies ist nicht der Fall. Die Jungen bleiben bis zu ihrer Geburt ganz auf die riesigen Dottervorräte angewiesen, mit denen die Eier ausgestattet sind. Nach einer etwa 12- bis 13-monatigen Tragzeit schlüpfen die voll entwickelten Jungfische und weisen eine Körperlänge von etwa 35 Zentimetern auf. Da noch sehr wenig über die Fortpflanzung der Quastenflosser bekannt ist, sind weitere Forschungen notwendig.

Gefährdung und Schutz

Das Fleisch der Quastenflosser ist im allgemeinen ungenießbar und ist sehr ölhaltig. Die einheimischen Fischer fangen die Quastenflosser traditionell mit Langleinen. Ansonsten haben die Quastenflosser keine wirtschaftliche Bedeutung. Seit 1989 sind die Quastenflosser international geschützt. Gelegentlich tauchen sie als Beifang des Ölfischs (Ruvettus pretiosus) auf. Die Populationsgröße um die Komoren wird auf etwa 200 Individuen geschätzt. Seit Anfang der neunziger Jahren ist die Anzahl der Quastenflosser abnehmend. Insbesondere sind die Quastenflosser durch die einheimische Fischerei und durch asiatische Schwarzmärkte bedroht. Seit 1989 steht der Komoren-Quastenflosser (Latimeria chalumnae) in Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) - Konvention der am stärksten vom Aussterben bedrohten Tierarten - unter besonderem Schutz. In der Roten Liste der IUCN wird die Art als critically endangered (kritisch gefährdet) geführt. In Indonesien ist die Populationsgröße unbekannt. Im Allgemeinen sieht die Prognose für die Quastenflosser düster aus. Es gibt genug Gründe dafür. Zum einen ist eine lange Tragzeit von bis zu 12 Monaten und auch eine geringe Fortpflanzungsrate damit verbunden und zum anderen ist der Vorrat an potentiellen Beutefischen begrenzt. Des Weiteren werden die Quastenflosser zunehmend Opfer des traditionellen Fischereihandwerkes. Der Fang von Quastenflossern ist seit der Unterzeichnung des Abkommens durch die Republik der Komoren Anfang der neunziger Jahre zwar offiziell verboten, doch verschwinden Quastenflosser in dunklen Schwarzmarktkanälen oder werden draußen auf See entsorgt. Ferner zahlen Japaner auf der Suche nach einem ewige Jugend spendenden Lebenselixier horrende Summen für jeden toten Quastenflosser. Führende Forscher fordern die Errichtung einer generellen Schutzzone an der Westküste von Grand Comore und nicht nur dort, sondern auch für einige andere Meeresareale. Denn die Population um die Komoren ist nicht mehr die einzig existierende Population auf der Welt.

Systematik der Ordnung Quastenflosser

Ordnung: Quastenflosser (Coelacanthiformes)

Unterordnung: Hohlstachler (Coelacanthini)
Familie: Coelacanthidae
Gattung: Axelia
Gattung: Coelacanthus
Gattung: Ticinepomis
Gattung: Wimania
Familie: Diplocercidae
Gattung: Diplocercides
Familie: Hadronectoridae
Gattung: Allenypterus
Gattung: Hadronector
Gattung: Polyosteorhynchus
Familie: Mawsoniidae
Gattung: Alcoveria
Gattung: Axelrodichthys
Gattung: Chinlea
Gattung: Diplurus
Gattung: Mawsonia
Familie: Miguashaiidae
Gattung: Miguashaia
Familie: Latimeriidae
Gattung: Holophagus
Gattung: Libys
Gattung: Macropoma
Gattung: Macropomoides
Gattung: Megacoelacanthus
Gattung: Latimeria
Art: Komoren-Quastenflosser (Latimeria chalumnae)
Art: Manado-Quastenflosser (Latimeria menadoensis)
Familie: Laugiidae
Gattung: Coccoderma
Gattung: Laugia
Familie: Rhabdodermatidae
Gattung: Caridosuctor
Gattung: Rhabdoderma
Familie: Whiteiidae
Gattung: Whiteia

Anhang

Literatur und Quellen

  • Samantha Weinberg: Der Quastenflosser. Die abenteuerliche Geschichte der Entdeckung eines seit siebzig Millionen Jahren vermeintlich ausgestorbenen Tieres. Argon Verlag GmbH, Berlin 1999. ISBN 3-87024-517-4
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 1. Vierter Band. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Bernhard Grzimek: Grzimeks Tierleben. Fische 2, Lurche. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München Oktober 1993. ISBN 3-423-05970-2
  • Kurt Deckert: Urania-Tierreich - Fische, Lurche, Kriechtiere. Urania-Verlag Leipzig - Jena - Berlin 1991. ISBN 3-332-00376-3
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