Rückenstreifen-Kapuziner

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Rückenstreifen-Kapuziner

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse: Lebendgebärende Säugetiere (Theria)
Teilklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Ordnung: Primaten (Primates)
Familie: Kapuzinerartige (Cebidae)
Unterfamilie: Kapuzineraffen (Cebinae)
Gattung: Kapuzineraffen (Cebus)
Art: Rückenstreifen-Kapuziner
Wissenschaftlicher Name
Cebus libidinosus
Spix, 1823

IUCN-Status
Least Concern (LC)

Der Rückenstreifen-Kapuziner (Cebus libidinosus) zählt innerhalb der Familie der Kapuzinerartigen (Cebidae) zur Gattung der Kapuzineraffen (Cebus). Im Englischen wird der Rückenstreifen-Kapuziner Bearded Capuchin genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Der mittelgroße und robust gebaute Rückenstreifen-Kapuziner erreicht eine Körperlänge von 71,5 bis 80,5 (76) Zentimeter, eine Schwanzlänge von 40,9 bis 44,5 (42,7) Zentimeter, eine Hinterfußlänge von 11,4 bis 12,6 (12,0) Zentimeter sowie eine Ohrlänge von 2,0 bis 2,8 (2,4) Zentimeter (Pontes et al., 2006). <3> Das Fell weist regional eine variable Färbung auf. Die Farbvariationen reichen von hellbraun bis leicht gelblich. Der Oberkopf, das Gesicht, die schlanken Extremitäten und die Schwanzspitze sind dunkelbraun gefärbt. Dorsal zeigen sich die markanten dunklen Streifen, die für die Art namensgebend waren. Der mittellange Schwanz ist nur wenig zum Greifen geeignet.

Lebensweise

Rückenstreifen-Kapuziner leben in geselligen Gruppen, die aus mehreren Männchen und Weibchen sowie deren Nachwuchs bestehen, wobei Weibchen in den Gruppen überwiegen. Eine Gruppe besteht üblicherweise aus 6 bis 20 Individuen (Fragaszy, et al. 2004). Die Gruppen weisen einen starken Zusammenhalt auf und gehen allen Aktivitäten gemeinschaftlich nach. Bei den Populationen der Wälder an der atlantischen Küste konnte jedoch nachgewiesen werden, dass sich große Gruppen während der Nahrungssuche temporär in kleinere Gruppe aufspalten (Izar et al., 2004). <4> Sowohl Männchen als auch Weibchen sind philopatrisch. Beide Geschlechter verlassen demnach mit Erreichen der Geschlechtsreife die Geburtsgruppe. In der Regel erfolgt der Abgang jedoch duch Aufspaltung einer zu groß gewordenen Gruppe in mehrere kleine Einheiten. Innerhalb einer Gruppe sind die Dominanzbeziehungen in eine lineare Hierarchie eingebettet. In der Regel steht ein ausgewachsenes Männchen einer Gruppe vor. Die Dominanzstrukturen sind besonders auffällig bei der Nahrungssuche oder der Verteidigung des Reviers. Dominanzbeziehungen spielen auch beim Fortpflanzungsverhalten eine Rolle. Meist pflanzt sich nur das dominante Männchen einer Gruppe fort. Nur in größeren Gruppen kann es auch vorkommen, dass sich rangniedrigere Männchen fortpflanzen.

Rückenstreifen-Kapuziner gehören zu den wenigen Tierarten, bei denen ein Werkzeuggebrauch nachgewiesen ist. Die Tiere nutzen Steine wie Hammer und Amboss, um Nüsse oder andere hartschalige Früchte zu knacken. Große flache Steine mit flachen Mulden dienen als Amboss. In die flachen Mulden legen Rückenstreifen-Kapuziner beispielsweise eine Nuss und schlagen dann mit einem kleineren zweiten Stein solange auf die Nuss ein, bis diese aufbricht. Die Steine, mit denen auf die Früchte eingeschlagen wird, weisen ein Gewicht von 700 bis 1.375 Gramm auf. Jungtiere erlernen die Techniken durch Zuschauen und Nachahmen. (Izar et al., 2004). <5>

Unterarten

Nachstehend die Unterarten nach Wilson und Reeder, 2003: <1>

Verbreitung

Rückenstreifen-Kapuziner sind in Brasilien endemisch. Hier sind die Primaten in den Bundesstaaten Alagoas, Bahia, Ceará, Goiás, Maranhão, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul, Minas Gerais, Paraíba, Pará, Pernambuco, Piauí, Rio Grande do Norte und Tocantins nachgewiesen. Die Tiere besiedeln meist trockene Laubwälder, Galeriewälder und lokal auch Buschsavannen (Fragaszy et al., 2004, Rylands et al., 2005).

Ernährung

Als Allesfresser ernähren sich Rückenstreifen-Kapuziner sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Kost. Weit oben auf der Speisekarte stehen Beeren und Früchte. Darüber hinaus werden auch grüne Pflanzenteile, Sämereien und Blüten gefressen. Tierische Nahrung stellt nur einen kleinen Teil am Nahrungsaufkommen dar. Beliebt sind Gliederfüßer (Arthropoda), kleine Wirbeltiere (Vertebrata), wie Vögel (Aves), Froschlurche (Anura), Nagetiere (Rodentia) oder auch kleine Primaten (Primates) (Fernandes, 1991).

Fortpflanzung

Rückenstreifen-Kapuziner erreichen die Geschlechtsreife mit rund 4 bis 6 Jahren. Männchen benötigen bis zu 6 Jahren zum Erreichen der Geschlechtsreife. Rückenstreifen-Kapuziner leben polygam, das heißt, ein Männchen paart sich in der Regel mit mehreren oder allen geschlechtsreifen Weibchen seiner Gruppe. Die Paarungszeit ist an keine bestimmte Jahreszeit gebunden, jedoch fallen die meisten Geburten in die Regenzeit. Zu dieser Zeit ist Nahrung reichlich vorhanden. Nach einer Tragezeit von 155 bis 160 Tagen bringt das Weibchen 1 bis 2 Jungtiere zur Welt. Zwillingsgeburten sind jedoch eher selten. Das Geburtsgewicht liegt bei durchschnittlich 400 Gramm. Das Jungtier klammert sich instinktiv am Bauch der Mutter im Fell fest und wird von ihr die erste Zeit herumgetragen. Die Entwöhnung von der Muttermilch erfolgt im Alter von 10 bis 12 Monaten. Mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen subadulte Männchen die Gruppe, während Weibchen in ihrer Geburtsgruppe verbleiben. Die Pflege des Nachwuchses obliegt in der ersten Zeit rein der Mutter. Später helfen auch andere Weibchen und gelegentlich auch Männchen innerhalb der Gruppe bei der Aufzucht und Pflege des Nachwuchses. Die Lebenserwartung ist nicht bekannt.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Rückenstreifen-Kapuziner gehören heute noch nicht zu den bedrohten Primaten. In der Roten Liste der IUCN wird die Art daher als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Lokal haben die Tiere jedoch mit der Vernichtung der natürlichen Lebensräume zu kämpfen. Es werden vor allem Galeriewälder zugunsten von landwirtschaftlichen Flächen und Plantagen gerodet. Ein weiteres Problem stellt die Bejagung durch die indigene Bevölkerung dar. Die Tiere werden wegen des Fleisches gejagt oder für den illegalen Tierhandel gefangen.

Synonyme

Der Rückenstreifen-Kapuziner ist nach Wilson und Reeder unter zahlreichen Synonymen bekannt. Dies sind: azarae (Rengger, 1830), chacoensis (Pusch, 1941), morrulus (Pusch, 1941), versuta (Elliot, 1910), sagitta (Pusch, 1941) und elegans (I. Geoffroy, 1850). Die genannten Synonyme sind alle ungültig. <2>

Anhang

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

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