Rattus lutreolus

aus Tierdoku, der freien Wissensdatenbank

Rattus lutreolus

Systematik
Ordnung: Nagetiere (Rodentia)
Unterordnung: Mäuseverwandte (Myomorpha)
Teilordnung: Myodonta
Überfamilie: Hamster- und Mäuseartige (Muroidea)
Familie: Langschwanzmäuse (Muridae)
Unterfamilie: Echte Mäuse (Murinae)
Gattung: Eigentliche Ratten (Rattus)
Art: Rattus lutreolus
Wissenschaftlicher Name
Rattus lutreolus
Gray, 1841

IUCN-Status
Least Concern (LC) - IUCN

Rattus lutreolus zählt innerhalb der Familie der Langschwanzmäuse (Muridae) zur Gattung der Eigentlichen Ratten (Rattus). Im Englischen wird die Art Australian Swamp Rat genannt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Aussehen und Maße

Rattus lutreolus erreicht eine Körperlänge von 122 bis 197 Millimeter, eine Schwanzlänge von 82 bis 147 Millimeter, eine Hinterfußlänge von 26 bis 37 Millimeter, eine Ohrlänge von 12 bis 25 Millimeter sowie ein Gewicht von 56 bis 167 Gramm. Charakteristische Merkmale von Rattus lutreolus sind der kurze, dunkelbraun bis schwarzbraun gefärbte Schwanz und die dunkel gefärbten Hinterbeine. Rattus lutreolus ist kräftig und stämmig gebaut. Das weiche Fell ist variabel gefärbt und weist dorsal eine dunkelgraue bis rötlichbraune oder schwarzbraune Färbung auf. Ventral ist das Fell deutlich heller gefärbt. Die Füße enden in jeweils 4 Zehen und die Fußsohlen sind unbehaart. Die Hinterbeine sind relativ kurz und erreichen etwa 20 Prozent der Körperlänge. Der Schwanz erreicht in etwa 75 Prozent der Körperlänge. Der Schädel ist robust und leicht convex gebaut. Das Gebiss besteht aus 16 Zähnen, die zahnmedizinische Formel lautet i1/1, c0/0, p0/0, m3/3.

Lebensweise

Anders als andere Eigentliche Ratten (Rattus) in Australen ist Rattus lutreolus sowohl am Tage als auch in der Nacht aktiv. Während ihrer Ruhephasen halten sich die Tiere in tiefen Erdbauten auf. Die Ein- und Ausgänge liegen meist sehr versteckt in dichter Vegetation. Das Nestinnere wird mit trockener Vegetation ausgepolstert. Da die Tiere in Feuchtgebieten leben, kommt es während der Regenzeit durchaus häufig zu Überschwemmungen der Erdbauten. In diesen Fällen ziehen sich die Tiere in höhere Lagen zurück. Im natürlichen Lebensraum nutzt Rattus lutreolus feste Wege, die mit Trampelpfaden vergleichbar sind.

Unterarten

  • Rattus lutreolus lutreolus - Gray, 1841, südöstliches Queensland, Küstenregion von New South Wales und Voctoria, südöstliches South Australia
  • Rattus lutreolus velutinus - Thomas, 1882 - Tasmanien
  • Rattus lutreolus lacus - Tate, 1951 - nordöstliches Queensland

Verbreitung

Rattus lutreolus ist im südöstlichen Teil von Australien, auf Tasmanien, sowie auf einigen, der Küste vorgelagerten, Inseln verbreitet. Auf dem Festland kommt die Art ausschließlich entlang der Küste und in küstennahen Regionen vor. Der am weitesten von der Küste entfernte Fundort liegt 200 Kilometer landeinwärts. Fossile Funde, die aus dem Holozän stammen und ein Alter von etwa 4.000 Jahren aufweisen, stammen aus dem Murray-Darling Becken. Diese Region liegt 400 Kilometer von der Küste entfernt und weist auf die ursprüngliche Verbreitung hin.

Der natürliche Lebensraum erstreckt sich im Wesentlichen über die Küstenregionen bis in mittlere Höhenlagen. Besiedelt werden meist Feuchtgebiete oder die Tiere sind entlang von Gewässern anzutreffen. Auf Tasmanien werden auch Regenwälder besiedelt. In subalpinen Regionen tritt Rattus lutreolus nicht auf. Der Lebensraum der Tiere zeichnet sich üblicherweise durch zahlreiche Süßgräser (Poaceae) wie Imperata cylindrica aus.

Prädatoren und Parasiten

Zu den natürlichen Feinden zählen vor allem Eulen (Strigiformes) wie die Neuhollandeule (Tyto novaehollandiae) und andere räuberisch lebende Vögel (Aves). Unter den Säugetieren stellen der Tüpfelbeutelmarder (Dasyurus viverrinus), der Rotfuchs (Vulpes vulpes), der Dingo (Canis lupus dingo), Breitfuß-Beutelmäuse (Antechinus) wie Antechinus swainsonii sowie verwilderte Hauskatzen (Felis catus) eine große Gefahr für Rattus lutreolus dar. Rattus lutreolus wird von zahlreichen Ekto- und Endoparasiten heimgesucht. Dazu gehören verschiedene Bandwürmer (Cestoda), Fadenwürmer (Nematoda), Milben (Acari), Tierläuse (Phthiraptera), Zecken (Ixodida) und Flöhe (Siphonaptera).

Ernährung

Rattus lutreolus ernährt sich hauptsächlich von grünen Pflanzenteilen und Sämereien der Sauergrasgewächse (Cyperaceae). Im Sommer ergänzen auch Insekten (Insecta), Insektenlarven und Pilze (Fungi) den Speiseplan. Insekten und Pilze stellen einen Anteil von rund 25 Prozent an der Gesamtnahrung. Die Nahrungssuche und -aufnahme erfolgen zu jeder Tageszeit, auch in der Nacht.

Fortpflanzung

Die Geschlechtsreife erreicht Rattus lutreolus im Alter von 9 bis 10 Wochen. Rattus lutreolus pflanzt sich saisonal fort. Die Paarungszeit erstreckt sich meist von September bis in den März hinein. In den subtropischen Regionen des südöstlichen Queensland konnte auch zwischen Mai und Juli eine Fortpflanzung nachgewiesen werden. Die Hoden der Männchen weisen während der Fortpflanzungsperiode eine Länge von 17 bis 25 Millimeter und eine Breite von 10 bis 15 Millimeter auf. Außerhalb der Fortpflanzungsperiode ergeben sich Maße von 6 bis 15 bzw. 4 bis 9 Millimeter.

Nach einer Tragezeit von 23 bis 25 Tage bringt ein Weibchen 1 bis 11 Jungtiere zur Welt. In Abhängigkeit von den klimatischen und physiologischen Bedingungen kann sich die Tragezeit auch auf 28 bis 33 Tage erstrecken. Je nach Vorkommen bringt ein Weibchen durchschnittlich 1,5 bis 3,7 Würfe zur Welt. Die jährliche Fortpflanzungsperiode erstreckt sich je nach Habitat und Verbreitungsgebiet über 4 bis 8 Monate. Die Jungtiere weisen ein Geburtsgewicht (in Klammern die Werte für Weibchen) von 5,2 (5,0) Gramm, eine Körperlänge von 45,6 (43,8) Millimeter sowie eine Hinterfußlänge von 8,5 (8,3) Millimeter auf.

Die Jungtiere sind bei der Geburt nackt, die Vibrissen, also Schnurrhaare, sind jedoch schon vorhanden. Auch die Augen und die Ohren sind zunächst noch geschlossen. Ab dem 2. Lebenstag stellt sich die erste Pigmentierung der Haut ein. Im Alter von 13 Tagen ist das Fell vollständig vorhanden. Ab dem 14. Lebenstag brechen die ersten Zähne durch. Die Augen öffnen sich am 17. Lebenstag und ab dem dem 19. Lebenstag nehmen die Jungtiere die erste Nahrung zu sich. Die Unabhängigkeit wird zwischen dem 22. Und 25 Lebenstag erreicht. Zu diesem Zeit weisen die juvenilen Tiere ein Gewicht von 25 Gramm, eine Körperlänge von 92 Millimeter sowie eine Hinterfußlänge von 22 Millimeter auf. Die Lebenserwartung liegt bei 1 bis 1,5 Jahren, im Labor konnte eine Lebenserwartung in Gefangenschaft von 3 Jahren nachgewiesen werden.

Ökologie, Gefährdung und Schutz

Rattus lutreolus gehört heute noch nicht zu den bedrohten Arten. Die Art wird daher in der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (LC, Least Concern) geführt. Zu den größten Bedrohungen gehören heute eingeschleppte Raubtiere wie Füchse und Hauskatzen, ansatzweise auch Haushunde. Darüber hinaus stellt die Vernichtung der natürlichen Lebensräume, insbesondere durch Trockenlegung von Feuchtgebieten, eine große Gefahr für Rattus lutreolus dar.

Anhang

Literatur und Quellen

Qualifizierte Weblinks

'Persönliche Werkzeuge